Hier ein Lösungsansatz
Hallo Fritz,
ich freue mich umsomehr, Dir einen Hinweis geben zu können, da Du uns hier schon of mit fundiertem Wissen erfreut hast.
Zum Thema:
Es liegt in der schwierigen Sache selbst, daß es gerade bei der Übertragung von chinesischen (vor allem historischen) Texten zu kleinen aber auch großen Fehlern kommt. Dies liegt einerseits an schlichten Übersetzungsfehlern, andererseits aber auch an den verschiedensten Transkriptionssystemen. Das heute übliche und offizielle Pinyin-System, gibt es erst seit Ende der 50er Jahre. Davor wurden das Wade-Giles-System und andere verwendet.
Dein verwendetes Zitat beinhaltet Pinyin, ohne Tonhöhenbezeichnung und mit kleineren Fehlern, die eben immer wieder auch in folgende Ausgaben von Übersetzungen „mitgeschleppt“ werden. Damit will ich keinesfalls den Wert des hervorragenden klassischen Werkes schmälern.
Viele Sinologen (so auch ich) greifen in diesem Fall gern auf die Ausgabe Lo Kuan-Chung’s (Luo Guanzhong’s) „Romance of the Three Kingdoms“ zurück. Es handelt sich dabei um eine von C. H. Brewitt-Taylor übersetzte Originalausgabe. (First published in 1925 by Kelly & Walsh, Ltd., Shanghai; New York Library of Congress, Catalog Card No. 59-10407; Printed by Charles E. Tuttle Company, Tokyo, Japan.) Diese gibt es sicher nicht im Handel, dafür liegt sie in vielen Uni-Bibliotheken mit sinologischem Fachbereich.
In diesem Werk wird noch das heute veraltete, aber vor allem in den USA und England immer noch gebräuchliche Wade-Giles-System verwendet.
Dein Zitat lautet dort wie folgt:
„I am Kuan Yü,“ said he; „ I used to be known as Shou-ch’ang, but now am usually called Yün-ch’ang…“
Auch schon hier hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen: Yün-ch’ang müßte eigentlich Yün-ts’ai lauten. (Vielleicht ein Druck- oder Übersetzungsfehler? Keine Ahnung. Im chinesischen Originaltext werden jedenfalls die Zeichen für „Wolke“ (Yün-ts’ai bzw. Yuncai) verwendet.)
Übertragen in Dein Zitat lauten also die Namen in Pinyin: Guan(g) = Kuan, Yu = Yü, Changsheng (?) (richtig: Shouchang) = Shou-ch’ang und Yunchang (?) (richtig: Yuncai = Yün-ts’ai.
Übersetzung der chinesischen Namen:
Guan (Kuan) hat allein hier als Name keine besondere Bedeutung.
Guan Yu (Kuan Yü) bedeutet Mitglied oder Anhänger einer Clique (Bande, Gruppe).
Shouchang (Shou-ch’ang) bedeutet glückliches Ende, (selten auch: Ewigkeit).
Yuncai (Yün-ts’ai) bedeutet Wolke.
Alles auf Deutsch in etwa: „Mein Name ist Guan Yu“, sagte er; „ich war bekannt als Shouchang, doch heute nennt man mich Yuncai…“
Es wurde ja schon beschrieben, daß es im alten China (insbesondere zu Zeiten der Drei Reiche Shu, Wei und Wu) durchaus üblich war, mehrfach den Namen zu wechseln.
Ich hoffe, daß ich Dir damit helfen konnte. Bei Bedarf schicke ich die gerne diesen Text als PDF-Dokument per e-mail, alle chinesischen Zeichen beigefügt.
Beste Grüße, Andreas
Quellen:
Lo Kuan-Chung’s: „Romance of the Three Kingdoms“, First published in 1925 by Kelly & Walsh, Ltd., Shanghai; Library of Congress, Catalog Card No. 59-10407.
Lai Ming: „A History of Chinese Literature“, The John Day Company Inc., New York, 1964, Library of Congress, Catalog Card No. 64-20468.
Ch’en Shou-Yi: „Chinese Literature – A Historical Introduction“, The Ronald Press Company, New York, 1961, Library of Congress, Catalog Card No. 61-9426.