Dreiklassiges Schulsystem

Hallo,

alle Siegerländer der Pisa-Studie haben ein Gesamtschulsystem. Bei uns gilt das als sozialistisch und wird deshalb insbesondere von CDU und FDP massiv bekämpft. Aber auch die SPD hat sich in den Bundesländern, in denen sie regiert(e), und das waren in der Vergangenheit ja nicht wenige, nicht getraut, Gesamtschulen flächendeckend und verbindlich einzuführen.

Der Vorwurf des Sozialismus ist grotesk. Zwar hatten alle sozialistischen Staaten ein solches System - aber viele andere haben es auch, sogar die USA. Und die will doch wohl niemand als latent sozialistisch hinstellen? :smile: Nur nennt man es dort nicht „Gesamtschule“, weil es selbstverständlich ist, und weil es immer so war.

Als ich vor Jahren amerikanischen Freunden, völlig unpolitische Typen, unser Schulsystem erklärte, antworteten sie: „what a class system“. Mir ist da zum ersten Mal deutlich geworden, dass unser System ein Spigelbild unserer kaiserzeitlichen Dreiklassen-Gesellschaft ist.

Was ich aber, nach langer Einleitung eigentlich fragen möchte: In welchem Land, in welchen Ländern, gibt es eigentlich ein Deutschland vergleichbares Schulsystem? Um richtig verstanden zu werden, definiere ich das so:

In welchem Land gibt es auch ein Schulsystem,

in dem die Kinder in jungen Jahren (bei uns mit 10 nach nur 4 gemeinsamen Schuljahren) nach ihrer vermuteten Leistungsfähigkeit getrennt und ab dann in separaten Schulsystemen unterrichtet werden?

Wo zwischen diesen Schulzweigen so wenig Kooperation herrscht, dass jemand, der sich qualifizierter als erwartet zeigt, oder „Spätententwickler“ ist, kaum Aufstiegschancen hat? Während man schnell nach unten abgeschoben werden kann, wenn man die Erwartungen nicht erfüllt? (Was ist eigentlich „spät“, wenn eine Entscheidung im Alter von 10 Jahren fällt?)

Gruß
Peter

Hallo auch,

alle Siegerländer der Pisa-Studie haben ein Gesamtschulsystem.
Bei uns gilt das als sozialistisch und wird deshalb
insbesondere von CDU und FDP massiv bekämpft. Aber auch die
SPD hat sich in den Bundesländern, in denen sie regiert(e),
und das waren in der Vergangenheit ja nicht wenige, nicht
getraut, Gesamtschulen flächendeckend und verbindlich
einzuführen.

Hm? Ich war auf ner Gesamtschule. Ich war allerdings auch auf ner Schule mit getrennten Klassen für Real- und Hauptschule und einem Gymnasium. Eigentlich verstehe ich diese ganze Diskussion nicht wirklich. Warum muss man denn immer alle gleich behandeln wollen? Ist ja furchtbar. Einheitsbildung passt nunmal nicht für jeden. Kinder sind unterschiedlich und haben oft auch was die Schule angeht unterschiedliche Bedürfnisse.

Der Vorwurf des Sozialismus ist grotesk. Zwar hatten alle
sozialistischen Staaten ein solches System - aber viele andere
haben es auch, sogar die USA. Und die will doch wohl niemand
als latent sozialistisch hinstellen? :smile: Nur nennt man es dort
nicht „Gesamtschule“, weil es selbstverständlich ist, und weil
es immer so war.

Und? In den USA gehen auch massenweise Kids auf Privatschulen, weil ihre Eltern sie nicht auf die örtliche High School schicken wollen. Hier in England ziehen Eltern extra um, um ihre Schätzchen in die richtige Schule zu bekommen.

Was ich aber, nach langer Einleitung eigentlich fragen möchte:
In welchem Land, in welchen Ländern, gibt es eigentlich ein
Deutschland vergleichbares Schulsystem? Um richtig verstanden
zu werden, definiere ich das so:

In welchem Land gibt es auch ein Schulsystem,

in dem die Kinder in jungen Jahren (bei uns mit 10 nach nur 4
gemeinsamen Schuljahren) nach ihrer vermuteten
Leistungsfähigkeit getrennt und ab dann in separaten
Schulsystemen unterrichtet werden?

Das kann ich dir leider nicht beantworten.
Hier kommen Kinder nach 6 Jahren Grundschule, also wenn sie 11-12 Jahre alt sind, auf die Secondary School. Dort wird dann oft in bestimmten Fächern nach Leistungsgruppen unterschieden. Soweit habe ich auch kein Problem damit.
Was mich hier stört ist, dass man das Gefühl hat, alles würde einfach in die normale Secondary School abgeschoben um Geld zu sparen. Schulen für Kinder mit Behinderungen werden abgeschafft, weil sie zu teuer sind. Ich hab ja nix gegen integrative Erziehung, aber dann müssen auch die Mittel bereitgestellt werden. Man kann doch Kinder mit Austismus nicht einfach in ne Klasse mit 30+ Schülern setzen und von dem einen Lehrer, der davon gar keine Ahnung hat, effektiven und passend differenzierten Unterricht erwarten. *Kopf schüttel*

Wo zwischen diesen Schulzweigen so wenig Kooperation herrscht,
dass jemand, der sich qualifizierter als erwartet zeigt, oder
„Spätententwickler“ ist, kaum Aufstiegschancen hat? Während
man schnell nach unten abgeschoben werden kann, wenn man die
Erwartungen nicht erfüllt? (Was ist eigentlich „spät“, wenn
eine Entscheidung im Alter von 10 Jahren fällt?)

Bei uns herrschte normalerweise ein sehr reger Austausch von Schülern in den verschiedenen Haupt- und Realschulklassen. Das war eigentlich kein Problem. Ich kam auch problemlos aufs Gymnasium und an die Uni. Ich war auch ein „Spätentwickler“ und hab vor allem in der Grundschule sehr häufig die Schulen gewechselt. Wie kommst du denn darauf, dass man dann keine Aufstiegschancen hat?
Auch so kenne ich noch genug andere Studenten, die den gleichen Weg gegangen sind oder Bekannte, die erst später ihr Abi nachgemacht haben.

Ich denke einfach, dass es gar nicht so wichtig ist, ob man nun ein Gesamtschulsystem hat oder getrennte Schulformen. Wichtig sind kleine Klassen und gut ausgebildete Lehrer. Bei über 30 Schülern pro Klasse, wie kann man denn da individuelle und gezielte Förderung der einzelnen Schüler erwarten? Ein vollgestopfter Lehrplan bietet oft auch nicht die Zeit sich mit individuellen Problemen zu beschäftigen. Immer mehr muss in immer weniger Zeit gelernt und gelehrt werden.
Eltern sind ebenfalls ein wichtiger Faktor. Oft fehlt die Unterstützung im Elternhaus um Kinder so zu motivieren, dass sie in der Schule auch was leisten wollen. Wenn die Schule eh nur von allen als Überbrückungszeit zum Arbeitsleben gesehen wird, wieso soll man sich dann dort das ganze Gefasel anhören?
Ich hab genug Schüler kennengelernt, die mir erzählt haben, sie würden sich nicht an der Uni bewerben, weil es in ihrer Familie nicht üblich wäre oder die Eltern es nicht wollten.

Gegen Gesamtschulen hab ich nix, wenn sie denn richtig aufgebaut sind. Wie gesagt, ne Einheitsbildung passt nicht für jeden. Man kann aber auch nicht einfach Kinder mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen in eine Schule stecken und dann ein Wunder erwarten. Gute Ergebnisse können erzielt werden, wenn alle mitziehen. Das bedeutet, dass man die Verantwortung nicht einfach auf Politiker, Lehrer oder Eltern abschiebt, sondern dass alle etwas dafür tun müssen ohne sich immer gleich gegenseitig zu beschuldigen und sich nie an die eigene Nase zu fassen.

Hallo Peter!
Vorab: ich denke, Dein Hinweis auf diesen Frage, war im Brett „Fremdsprachen“ sehr gut.

Ansonsten weiß ich nicht pob meine Antwort so ist, wie Du es dir wünscht, aber ich versuche es.

Und ich weiß, daß seitdem ich nciht mehr in den spanische Schulsystem bin, sich vieles geändert hat, deshalb werde ich mich mit der beschreibung nur auf dem beschränken, von dem ich weiß, daß es so ist wie ich es schildere.

Also bei uns gibt es nicht halbtags- oder gar Samstagsschule. Die Schulen fangen um 9:00 an und gehen bis 13:30 Uhr weiter. Und dann geht es ab 15:00 uhr bis 18:00 Uhr . Und das vom Kindergarten bis zur Abi, ohne Ausnahmen. (Manche Schulen schieben die Anfangszeiten um halbestd. hin aber entsprechend auch die Schlußzeiten) Und das von Montag bis Freitag. Ausserdem, ab der ca 4. Klasse haben Kinder Schulaufgaben, die u.U. 2 Std in Anspruch nehmen. Diese werden NICHT während der Schulzeiten erledigt, sondern eben wenn man daheim ist.

Wir haben entschieden weniger Ferien wie hierzulande. Es gibt weder Herbst-, noch Winter-, noch Ski-, noch Fasching-, noch Pfingstferien.
(sehr wohl aber Sommer- Weihnachts- und Osterferien) Allerdings das ganze Land hat zeitgleich Somemrferien: diese fangen ende Juni an (je nachdem wann Prüfungen angesetzt werden) und enden Mitte September. Während diese zeitraum Schüler die den Lernstoff nicht ganz mitbekommen haben, dürfen Untericht nachholen, aber max. 4 Std/Tag.

Damals, als ich noch in der Schule war, mußten wir uns erst entscheiden,was wir machen wollten, mit ca 14 Jahre (8. Klasse). dann ging es entweder zur Gymnasium oder eben zu Berufsschulen. Und dann, im Gymnasium, mit ca 16 Jahren mußte man sich entscheiden, ob man eher literatur-Fächern wählte (zB Latein, katalanische und spanische Literatur, kat. und spa. Sprache,…) oder mehr wissenschaftliche Fächern (zB. Physik; Biologie; Chemie;…). Im Gedanke mehr das was man studieren wollte.

Mir ist nicht bekannt, daß Förderschulen gäben. Für (geistig) behinderte Kindern gibt es aber schon.

Ich hoffe ich habe Dir ein bißchen damit weiter geholfen!
Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Hallo Peter!

alle Siegerländer der :stuck_out_tongue:isa-Studie haben ein :Gesamtschulsystem.

Ich melde erhebliche Zweifel an, daß die Seligkeit allein in der Gesamtschule zu sehen ist. Einerseits erfolgt im 3-gliedrigen System schon früh eine Weichenstellung, andererseits geben im Gesamtschulsystem die Leistungsschwachen das Niveau vor - für alle Schüler. Was ich meine, merkst Du spätestens, wenn Du das Niveau von Hauptschülern und Gymnasiasten am Ende der 10. Klasse vergleichst. Dazwischen liegen Welten!

Ist die Gesamtschule in den Pisa-„Siegerländern“ wirklich der wesentliche Unterschied zu den Verhältnissen in D? Gibt es vielleicht noch andere Unterschiede? Etwa im Bildungsbewußtsein breiter Bevölkerungsschichten? Oder handelt es sich anderweitig um Ganztagsschulen? Oder gibt es eine bessere Vorschulförderung in Form bezahlbarer Vorschulen und Kindergärten für alle Kinder, die herkunftsbedingte Unterschiede zu mildern vermögen? Sind die Lehrkräfte anderweitig auch lebenslang versorgte Staatsbedienstete ohne die Pflicht zu Leistung und Fortbildung?

Das sind allesamt keine rhetorischen Fragen. Ich kenne die Unterschiede in den Schulsystemen der Länder tatsächlich nicht. Ich hinterfrage, weil ich ein fatales Ergebnis befürchte, wenn ein begabtes Kind aus einer bildungsnahen Familie für ein ganzes Jahrzehnt zu Hauptschulniveau verurteilt wird. Ich sehe bei Gesamtschulen Ideologen am Werk, die, ohne es zu wollen, ein 1A-Förderprogramm für Privat- und Eliteschulen lostreten.

Gruß
Wolfgang

Hei Wolfgang

Ist die Gesamtschule in den Pisa-„Siegerländern“ wirklich der
wesentliche Unterschied zu den Verhältnissen in D? Gibt es
vielleicht noch andere Unterschiede?

Ich kann ja mal ein bisschen vom der Schule in Finnland berichten, ich denke, dass man die Schulsysteme Deutschland und z.B. Finnland nicht miteinander vergleichen kann.

Mit 7 ist Einschulung, nach neun Jahren kann man für drei weitere Jahre eine weiterführende Schule gehen oder sich ins Berufsleben stürzen.
Der Hauptmerk in der Schule wird auf das Lesen gerichtet. Finnische Schüler lesen sehr, sehr, sehr viel. In den größeren Schulen gibt es Bibliotheken, zu den kleineren Schulen kommt ein oder zweimal die Woche eine ‚Fahrende’ Bibliothek.
Der Unterricht findet in Kursen statt, die man sich selbst zusammenstellen kann. Sechs Wochen wird gelernt, in der siebenten schreibt man Klausuren. (Als Eltern weiß man so auch jeweils nach sieben Wochen ganz genau wie das Kind in der Schule steht). Die Kursen laufen nicht streng nach Klassenstufe. Ist mir ein Kurs zu leicht, kann man auch einen von einer höheren Klassenstufe nehmen. Alles Problemlos.
Ebenso gibt es Kurse, wo man Teams aus verschiedenen Altersstufen bildet und selbstständig an fächerübergreifenden Themen arbeitet, damit man den Zusammenhang zwischen den einzelnen Fächern besser verstehen kann.
Die Finnischen Schulen sind alle mit Computern, Sprachlaboren und allen möglichen Unterrichtsmaterialien ausgestatten, die man auch jederzeit nach dem Unterricht benutzen kann. Unterrichtet werden logischerweise die gleichen Fächer wie in Deutschland, nur dass Finnen vier Fremdsprachen lernen. Englisch und Schwedisch ist Pflicht, die anderen beiden Sprachen kann man freiwillig auswählen.
Im Unterricht geht es locker zu, ich habe noch nie einen Lehrer gesehen, der die Ruhe verloren hat, es wird in den Schulen und Klassenräumen nicht rumgeschrieen und jeder geht ganz zivilisiert miteinander um.
Die Schüler nennen den Lehrer beim Vornamen oder rufen ‚hei Ope’ (Hallo Lehrer) oder schnippsen mal mit dem Finger und schon kommt dieser angerauscht, lächelnd und er fühlt sich auch nicht in seinem Unterricht gestört.
In Finnland haben die Schüler Spaß am unterricht und sie lernen gerne, die Lehrer haben Spaß an ihrem Job und machen ihn gerne.

Oder gibt es eine
bessere Vorschulförderung in Form bezahlbarer Vorschulen und
Kindergärten für alle Kinder, die herkunftsbedingte
Unterschiede zu mildern vermögen?

Kinderplätze stehen für alle Kinder zur Verfügung.
Mit 6 Jahren kann man von eine Vorschule besuchen, dort lernen die Kinder das gesellschaftliche Beisammensein, rücksichtsvoll miteinander umzugehen , friedlich Zusammenzuarbeiten …
Schulbildung ist in Finnland kostenlos.
Kommen ausländische Kinder in Kindergärten oder in die Schule werden Lehrer eingestellt, die die jeweilige Fremdsprache sprechen und die Kinder bekommen Unterrichtsstunden in Finnisch.

Sind die Lehrkräfte
anderweitig auch lebenslang versorgte Staatsbedienstete ohne
die Pflicht zu Leistung und Fortbildung?
Etwa im Bildungsbewußtsein breiter Bevölkerungsschichten?

Hat ein Kind den Unterrichtsstoff nicht verstanden, sieht ein finnischer Lehrer das als persönliches Versagen an. Na gut, dass ist jetzt vielleicht ein bisschen krass ausgedrückt, aber wenn ein Lehrer mitbekommt, dass jemand den Unterrichtsstoff nicht verstanden hat, wird er sich intensiv um das Kind kümmern, entweder im Unterricht und wenn das nicht ausreichen sollte mit Nachhilfestunden nach dem Unterricht. Natürlich kann man auch als Schüler den Lehrer bitten ihm Nachhilfe zu geben, niemand würde das verweigern. Die Lehrer stehen im engen Kontakt zu den Eltern, Probleme werden gemeinsam besprochen und geklärt. Bei schwerwiegenden Problemen wird ein Psychologe in die Gespräche einbezogen. An jeder Schule gibt es mindestes einen Psychologen, der sich um die kleinen und großen Probleme der Kinder kümmert. Man versucht gezielt die Neugier und Wissbegier der Schüler zu wecken, anzuregen –wie auch immer-, bemerkt ein Lehrer ein besonderes Talent eines Schülers, wird er alles daran setzen, dieses Talent zu fördern, oder fördern zu lassen.

Oder handelt
es sich anderweitig um Ganztagsschulen?

Gibt es in Finnland kaum.

Das sind allesamt keine rhetorischen Fragen. Ich kenne die
Unterschiede in den Schulsystemen der Länder tatsächlich
nicht.

Ich weiss nicht, ob ich deine Fragen richtig Verstanden habe, aber ich hoffe, dass ich dir einen kleinen Einblick in das finnische Schulsystem geben konnte.

Bye Nauraa

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Hallo, Nauraa,
das ist ein sehr anschaulicher Bericht, danke dafür.

Eine Information hätte ich aber noch gern: wie ist das Zahlenverhältnis Lehrer/Schüler, d.h. wieviele Schüler haben je einen Lehrer?

Hier in Deutschland sind Klassenstärken von ca 25 bis über 30 Schülern die Regel, d.h. knapp 30 Kinder pro Lehrer.

Gruß
Eckard

Wie beim Kommunismus…
… die Idee ist gut… nur leider
funktioniert sie nicht.

So ists auch beim dreigliedrigen Schulsystem.
Es ist natürlich sowohl für Schüler als auch
für Lehrer einfacher, wenn leistungsfähigere
Schüler konzentriert gefördert, und schwächere
Schüler ebenfalls konzentriert und homogener
unterrichtet werden können. Soviel zur guten Idee.

Das Problem bei dieser Idee sieht man, wenn
man in die Klassenzimmer schaut, oder der
Pisa-Studie glaubt: Die Leistungsfähigkeit
von Schülern in Gymnasium und Realschule
unterscheidet sich im Verhältnis zur Breite
der Verteilung nur wenig, die Besten der Hauptschule
liegen immer noch über dem Durchschnitt sogar
des Gymnasiums.

Da aber jedes Elter gesetzlich dazu ermächtigt
ist, seinen „mehr handwerklich begabten“ (ich
*liebe* diese Umschreibung :-/ ) Schüler
durchs Gymnasium zu prügeln und zu drücken,
ist es nichts mit der gezielten Förderung von
homogenen Gruppen. Faktisch *haben* wir schon
Gesamtschulen, nur werden eben an manchen nur
neun Jahre, an anderen dreizehn Jahre unterrichtet.

Gruss, Marco

hallo naura,

klasse beitrag, danke!

Schulen und Klassenräumen nicht rumgeschrieen und jeder geht
ganz zivilisiert miteinander um.

Mit 6 Jahren kann man von eine Vorschule besuchen, dort lernen
die Kinder das gesellschaftliche Beisammensein, rücksichtsvoll
miteinander umzugehen , friedlich Zusammenzuarbeiten …

das sind genau die punkte, warum es m.m.
in deutschland schief läuft.

hier werden durch die eltern individuen heran-
gezüchtet, die nichts von rücksichtnahme oder
respekt gegenüber anderen, besonders ältern
gelernt haben.

in sozialistischen länder mussten sich lehrer
nicht mit der erziehung beschäftigen.

ich habe leute in der bundeswehr gesehen, die
mit 20 jahren nicht in der lage waren mit
weiteren 5 kameraden in einem zimmer zu leben.

ist doch nicht normal, oder?

cu
alex

Zum deutschen Schulsystem,

es gibt ein paar wenige richtig gute (öffentliche) Schulen die ganz wunderbare Konzepte umgesetzt haben (Jenaplan), der deutsche Pädagoge Peter Petersen hat die Universitätsschule (also eine Test-Schule an der Uni) in Jena geleitet und ein, nicht nur theoretisch sondern auch praktisch orientierte Schulpädagogik entwickelt.

Leider haben die Niederländer das Konzept mehr übernommen als wir Deutschen. www.Jenaplan.nl

Aber es gibt diese Schulen hier in Deutschland:

www.jenaplanschule-nuernberg.de
www.jenaplan.de
www.jenaplan.org
www.jps.j.th.schule.de

Grundprinzipien des Jena-Plans für die heutige Zeit” von Kees Vreugdenhil und Kees Both. Diese 20 Grundprinzipien sind mit Erläuterungen und Kommentar kostenlos beim Spectra Verlag in Dorsten erhältlich.

Hauptsächlich Grundschulen aber auch einige Gesamtschulen haben einiges übernommen. Im Deutschen Schulgesetz (mehr noch im Niederländischen) sind einige Ideen dieses Konzeptes schon seit Jahren verankert (nur nicht umbedingt in diesem Sinne umgesetzt). Gymnasien interessieren sich leider kaum für weiterentwickelte Pädagogik.

Die aktuelle Zusammenlegung der 1.+ 2. sowie 3.+.4.Klasse in den Grundschulen ist auch Jenaplan - Peter Petersen.
Keiner bleibt sitzen, die Älteren lernen zu helfen, die Jüngeren Hilfe anzunehmen und vorallem ist man nicht „immer der Beste“ oder „immer der Schlechteste“ der Gruppe, denn mal gehört man zu den Erfahrenen und mal ist man Anfänger.

Warum die Politik nichts ändert?
Weil sie keine Ahnung haben, das Volk keine Ahnung hat und somit auch Angst vor dem Ungewissen, und weder Lehrer, Schulleitung noch Eltern sich darum kümmern, jede Schule hat die Freiheit. Aber das wäre Arbeit und Überstunden, Verantwortung übernehmen, den gewohnten Schulalltag umkrempeln, alte Gewohnheiten durch alte schon lange vorhandene Pädagogische Ansätze austauschen.
Naja…

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es studieren kaum Arbeiterkinder - also blöd bleibt blöd.

Und die Arbeiterkinder, die sich vielleicht über Haupt- oder Realschule auf’s Gymnasium und dann durchs Abi zur Uni quälen, sind ziemlich übel dran - da gibt es nämlich niemanden in Familie oder Bekanntenkreis der helfen kann, denn niemand war bisher diesen Weg gegangen und für proffesionelle Nachhilfe ist selten Geld da. Von 1ern kann man da nur träumen, dabei sollten alle 1er und 2er haben ;o)

Dank der tollen neuen Idee mit Stundiengebühren wird das aber bald ja ganz aufhören mit den studierenden Arbeiterkinder.

Die Chancengleichheit wird durch Selektion und Studiengebühren ausgerottet - die, die weder Geld noch Abi haben, sollen auch in den folgenden Generationen schön weiter an Fließbändern und niederen sozialen Berufen versklavt oder in der Arbeitslosigkeit bleiben, damit die priveligierte Oberschicht weiter Haus, Auto, Segeljacht, Urlaub und natürlich das Studium der Kinder locker finanzieren kann.

Traurig traurig traurig… und vorallem „Pech gehabt“ -aber uns gehts ja allen so gut in Deutschland…

Hallo Mary,

zum Jenaplan kann ich leider nichts sagen, da ich zu diesem Thema kaum informiert bin.

Aber dein PS kann ich nicht so ohne Weiteres stehen lassen.

Und die Arbeiterkinder, die sich vielleicht über Haupt- oder
Realschule auf’s Gymnasium und dann durchs Abi zur Uni quälen,
sind ziemlich übel dran - da gibt es nämlich niemanden in
Familie oder Bekanntenkreis der helfen kann, denn niemand war
bisher diesen Weg gegangen und für proffesionelle Nachhilfe
ist selten Geld da.

Hier stimme ich dir zu. Was hier in Deutschland massiv fehlt und was hingegen in skandinavischen Ländern super ausgebaut ist, ist individuelle Betreuung, also quasi qualifizierte Nachhilfe, die vom Staat finanziert wird. Darin sehe ich auch ein Riesenproblem, denn die Schüler werden mit ihren Schwierigkeiten allein gelassen und den Eltern - besonders denen, die selbst ein niedriges Bildungsniveau sowie wenig Geld haben - bleibt es überlassen, die Notwendigkeit einer zusätzlichen Betreuung zu erkennen, qualifizierte von unqualifizierten Angeboten zu unterscheiden sowie dann auch noch alles zu bezahlen. Hinzu kommt, dass dabei immer so ein unangenehmer Beigeschmack bleibt: Ist mein Kind etwa dümmer als die anderen, weil es zusätzliche Nachhilfe braucht? Und die Kinder selbst schämen sich auch dafür. Ich habe mal in einem Nachhilfeinstitut gejobbt und da gab es die kuriosesten Sachen. Ein Vater, der die schöne Glasvitrine eines der Unterrichtsräume gesehen hat, meinte erschrocken: Da kann ja jeder sehen, dass mein Kind hier Nachhilfeunterricht nimmt.

Dank der tollen neuen Idee mit Stundiengebühren wird das aber
bald ja ganz aufhören mit den studierenden Arbeiterkinder.

Dem kann ich hingegen nicht zustimmen. Wenn ich mir meine Uni, die noch zu den besten bundesweit zählt, anschaue und sehe, was hier alles an Betreuung, Ausstattung u.ä. fehlt, dann kann ich nur sagen: Führt Studiengebühren ein, solange sie tatsächlich dazu dienen, die Qualität der universitären Ausbildung zu verbessern. Und das, obwohl ich selbst komplett aufs Bafög angewiesen bin und ohne kaum studieren könnte. Denn die Pläne zu Studiengebühren sind gerade so ausgelegt, dass man die Gebühren später begleichen kann, wenn man fest im Arbeitsleben steht und so viel verdient, dass man sich diese Auszahlung leisten kann. Das finde ich insoweit auch fair, denn wenn ich dank meiner universitären Ausbildung später gut verdiene, kann ich auch etwas in die Ausbildung der neuen Studenten investieren. Ich habe doch davon profitiert, dass jemand mein Studium finanziert hat. Warum sollte ich dies nicht wenigstens zum Teil zurückzahlen, wenn ich es mir leisten kann?

Die Chancengleichheit wird durch Selektion und Studiengebühren
ausgerottet - die, die weder Geld noch Abi haben, sollen auch
in den folgenden Generationen schön weiter an Fließbändern und
niederen sozialen Berufen versklavt oder in der
Arbeitslosigkeit bleiben, damit die priveligierte Oberschicht
weiter Haus, Auto, Segeljacht, Urlaub und natürlich das
Studium der Kinder locker finanzieren kann.

Das ist krasse Übertreibung, was du da von dir gibst. Wer wirklich motiviert ist zu studieren, der wird sich auch von Studiengebühren (die ja erst im Berufsleben ab einem bestimmten Einkommen in Raten ausgezahlt werden sollen) nicht abschrecken lassen. Viel, viel wichtiger für die Chancengleichheit finde ich qualifizierte Frühförderung schon im (möglichst kostenlosen) Kindergarten mit universitär oder fachhochschulisch ausgebildeten Erziehern sowie eine um einiges verbesserte Betreuung während der Schulzeit sowie eine größere Durchlässigkeit der weiterführenden Schulen in beide Richtungen einschließlich ausgedehnter Hilfsangebote. Denn der Grundstein für eine spätere akademische Laufbahn wird bereits sehr früh gelegt, nicht erst nach dem Abitur bei Überlegungen zu Studiengebühren.

Traurig traurig traurig… und vorallem „Pech gehabt“ -aber
uns gehts ja allen so gut in Deutschland…

Jedenfalls viel besser als in vielen anderen Ländern dieser Welt. Aber dieser Pessimismus, der ständig von allen Seiten erklingt, wird Deutschland noch irgendwann ruinieren. Und dann wird es tatsächlich Grund fürs Jammern geben.

Gruß,
Anja