Dämonologisches
… damit hier endlich mal die Antwort kommt 
Hi Peter
Darf man hier erst arrogant sein, wenn man laenger in diesem Forum ist? 
Nein *lach* darf man von Anfang an… aber forget it…
Es ist richtig, dass das Sonnenjahr 12 Mondcyclen hat. Der
letzte Mondcyclus ist am 354. Tag abgeschlossen und geht dann
ins neue Jahr ueber. Nur warum man sich dabei eine
Rachegoettin einhandelt, ist mir nicht klar???
Das ist, wie ich schon sagte, keine historische Bemerkung, sondern eine Zusammenfassung eines Gedankens, der aus Studien vieler Dämonologien erhellt - ein „religionspsychologisches“ statement sozusagen (aber diesen Begriff schätze ich nicht sehr, weil er irreführend ist). Dämonologisch und ritualtheoretisch (ferner Osten bis incl. Japan, Himalaya, Afrika, vorderer Orient…) findet sich die Identität (bzw. Assoziationsbrücke) „Seklusion“ - „Exklusion“ - „Tod (symbolisch)“ - „das Unheimliche“ - „das Bedrohliche“.
Belege für den Gebrauch der 13 scheint es nicht zu geben… außer bei Dornröschen… somit war es nur als interpretatorischer Gebrauch eines allgemeineren mythologischen Topos zu verstehen…
Die Sumerer hatten 1 Jahr von 360 Tagen, beruhend auf ihrer
Grundzahl 60. Alle 6 Jahre wurde ein Monat eingefuegt. Somit
hatten sie alle 6 Jahre dreizehn Monate. Das Jahr begann
uebrigens im Monat Nisan, also am 21. Maerz.
so ist es… allerdings ist „nisan“ ganz sicher nicht der sumerische Name, nicht wahr? weiß ihn aber auch nicht im Augenblick…
Die Sumerer kannten keine Daemonen in dem Sinne. Fuer sie
waren ihre Goetter entweder gut oder boese, je nach Laune,
also sehr menschlich.
Naja - so mag es sein, aber alles diesbezügliche kennen wir aus akkadischen Dokumenten, so daß selbst die Namen oft nur rekonstruiert werden können aus frühsemitischen Formen. Und die semitischen Akkader und Babylonier hatten bereits Dämonen (wenn auch dieser Sammelbegriff irreführend ist)
Die Daemonologie wurde erst spaeter von den Hebraeern eingefuehrt, beginnend mit Lilith.
Nun ausgerechnet die hebräische (also spätsemitische) Lilith (die volksetymologisch, aber falsch, von laj’lah oder lajil Nacht abgeleitet wird) führt direkt in die sehr gestaltenreiche Dämonologie Babylons und Akkads. Liliths Vorgänger sind die babyl. Dreiergruppe Lilu (männl.), Lilitu (weibl.) und Ardat Lili (unverheiratete Frau). Über die hab ich schon mal was geschrieben hier, finde es aber auf die Schnelle nicht mehr. Die Ardat Lili ist vorzugsweise für Krankheiten (von Männern) veranwortlich gewesen… alle drei wiederum haben einen akkadischen Vorgänger Lilu und der wiederum einen sumerischen Vorgänger Lil.
Diese Vermutung ist durchaus richtig und es gibt erstaunliche
Uebereinstimmungen zwischen Kelten und Sumerern.
Ja - auch mit den Azteken und Mayas… aber erstaunliche Übereinstimmungen, ohne daß man einen Ideentransport nachzeichnen könnte, findet man in ganz vielen ritualischen und mythischen Details weltweit… das macht die Religionshistorie so spannend. Insbesondere ist der Zusammenhang zwischen mythischen Kosmogonien und je aktuellen Ritualen von großer Bedeutung… (hab da mal speziell drüber gearbeitet)
…liegt in dem
intrinsichen Umschlag von Tod (des alten Jahres) in
Auferstehung (des neuen Jahres).
Richtig! Genau diese Begriffe hat die Kirche mit Weihnachten
und Ostern uebernommen.
Ja - mythologisch haben die christlichen Kirchen kaum irgendetwas neues. Auch das „Verspeisen“ eines Gottes und Tod und Auferstehung von Göttern ist mythologisch sehr alt.
Mondgöttinnen sind immer Göttinnen der „Weisheit“.
Dies ist eine starke Behauptung! Mondgoettinen sind immer
Goettinen der Liebe und Fortpflanzung
Wüßte nicht, wo! Du meinst vielleicht Fruchtbarkeit? Aber die bezieht sich mondkultmäßig auf die der Natur. Aber als Schicksalsweberinnen (Spinnen im Netz oder mit Spindel - daher auch Dornröschen) wurden sie gesehen…
und damit natuerlich auch der Weisheit.
das „und damit“ verstehe ich zwar nicht (Fortpflanzung > Weisheit???), aber das Letztere sagte ich doch - was ist daran also „stark“?
Eine Uebernahme aus der Zeit des Matriachats.
(Bemerkung: Lilith wurde erst zur Daemonin, nachdem die Maenner das Sagen hatten.)
Siehe oben. Das ist 1. falsch und 2. würde ich das meinerseits als „esoterisch“ bezeichnen. Das ist ein moderner Mythos (incl. der früher Matriarchate) - von Ranke-Graves und besonders Göttner-Abendroth initiiert… bloß, daß es sich nicht belegen läßt… da werden dann einfach Göttinnen + Priesterinnenkulte + weltliche Herrscherinnen identifiziert und schwupps hat man ein Präzedenzmythem für heutige Probleme im „Geschlechterkampf“…
Zu Matriarchat siehe
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Esoterik, wie sie heute verstanden und praktiziert wird, ist
nun mal dumm, da sie die Menschen vom Denken abhaelt. Da bin
ich gerne arrogant!
Ok - einverstanden 
Weiblicher Proband ist gut! Diese Mythen entstammen ebenfalls
dem Christentum, das natuerliche Vorgaenge wie Menses und
Defloration mystifiert hat.
Das ist Geschichtsklitterung - die Grundstruktur (also nicht die komplette Austextung) der sog. Verwandlungsmärchen, die die Grimms gesammelt haben, hat nichts mit Christentum zu tun… es sind weitgehend die obenerwähnten internationalen mythischen Standarts - eben „mythes de passage“…
Bei den Sumerern war das Eintreten
der 1. Mensis und die darauffolgende Defloration der
natuerliche Uebergang vom Maedchen zur Frau.
Oups - wo in aller Welt ist das nicht der „natürliche Übergang“??? *lach*
Die Mystik kam erst viel spaeter, als die Frauen den Maennern unheimlich wurden (smile)
na gut, das „smile“ nehme ich mal ernst… denn das ist eben, was ich als „Esoterik“ bezeichne. Die mythische Repräsentation des Geschlechterunterschiedes ist ein wenig komplexer, als es Schulweisheit sich erträumt.
Im übrigen ein merkwürdig deformierter Begriff von „Mystik“. Was hat das ganze Thema hier mit Mystik zu tun? Mit jener kontra-klerikalen revolutionären Bewegung der Spätscholastik in Deutschland und Spanien…??? Oder mit späteren Variationen davon??
Die Begriffe Versteinerung… usw. sind eher Begriffe aus der
Alchimie.
Das spielt in der Alchimie eine Rolle, aber eine ganz andere als die hier diskutierte. Versteinerung = Erstarrung ist ein Topos, der zur Seklusionsphase in Initiationsriten gehört.
Ebenso ist das Mythem des Schlafes eher ein Begriff fuer die materia prima oder den Urzustand.
Naja - hier mit dem Ausdruck „materia prima“ die ganze überaus komplexe Begriffsentwicklung der materia confusa, discors concordia und discordia concors zwischen Zeno, Chrysipp bis Ovid, Manilus und Laktanz anzureißen, halte ich für leicht off topic - und es bringt für das Mythem des Schlafes nun wirklich überhaupt gar nix…
Grüße
Metapher