Hallo!
Kann mir jemand die Frage beantworten, ob man bei einem Schriftsteller zu Beginn des 20. Jhd. davon ausgehen kann, dass ihm die Kräfte bekannt waren von Heilsteinen, wie wir sie heute kennen.
Konkreter: Thomas Manns „Tristan“ - Herr Detlev SPINELL (das ist ein Edelstein). Gab es damals auch schon Bücher über die Wirkung von Heilsteinen etc. oder kann man davon ausgehen, dass er SPINELL nur wegen dem Namen gewählt hat und nicht wegen der (evtl. bekannten) Heilwirkung.
Weiß das jemand? Bei Adalbert Stifter kommen ja auch reichlich Steine vor - weiß aber leider auch nicht, ob man da schon von Heilsteinen sprach. Kann das also auch daraus nicht herleiten.
Vielleicht weiß das hier ja jemand?
Danke im Voraus - Frage habe ich als dringend beschrieben, weil ich morgen meine Prüfung habe und das evtl. gerne verwenden würde.
Danke!
Grüße, Bethje
Schnelle Antwort
Hallo Bethje,
soweit ich mich entsinne kommen Heilkräfte der Steine schon in mittelalterlicher Literatur vor: Ich habe aber in den zahlreichen alten Heilmittelbüchern noch nicht nachgeschaut. Google doch mal nach Hildegard von Bingen und Steine.
Das medizinische Wissen des Mittelalters geht auf die Antike zurück (Hildegard wohl eher nicht), also müßtest du unter Plinius und Dioskurides noch einiges finden.
Und: Die antike Literatur sowie mittelalterliche Handschriften wurden vor allem im 19. Jahrhundert erschlossen, in textkritischen Ausgaben zugänglich gemacht oder waren zumindest verfügbar. Also auch für deine Kandidaten.
Bernhard
Googelst du ‚lithotherapie‘ owT
B
Heilsteine
Hallo Bethje,
Kann mir jemand die Frage beantworten, ob man bei einem
Schriftsteller zu Beginn des 20. Jhd. davon ausgehen kann,
dass ihm die Kräfte bekannt waren von Heilsteinen, wie wir sie
heute kennen.
also abgesehen davon, dass es sich beim Glauben an Heilsteine wohl eher um einen Aberglauben als um eine Tatsache handelt (weshalb du in einer wissenschaftlichen Prüfung deren Kräfte besser nicht als „bestehend“ oder „bekannt“ bezeichnen solltest), kann man bei Thomas Mann in solchen Fällen grundsätzlich davon ausgehen, dass er genau wusste, was er schreibt. Gerade die Namensgebung ist bei ihm fast immer bedeutungsbehaftet.
Es gab schon im 16. Jahrhundert Bücher über Edelsteine als medizinische Heilsubstanzen, die aber Thomas Mann vermutlich nicht kannte. Sehr gut möglich aber ist, dass er das folgende Werk kannte:
E.W. Clarence: Sympathie, Mumia, Amulette, okkulte Kräfte der
Edelsteine und Metalle; Berlin 1927
denn er interessierte sich ja bekanntlich sehr für Esoterik und hat z. B. auch an mehreren Sceancen teilgenommen. Nun ist dieses Buch aber nach dem Erscheinen des „Tristan“ veröffentlicht worden, sodass ein direkter Einfluss unmöglich ist. Das bedeutet aber ja nicht, dass man es nicht hypothetisch (!) erwähnen könnte. Jedenfalls zeigt dieses Buch (und andere), dass es die Vorstellung von der Heilkraft von Steinen schon in dieser Zeit gegeben haben muss.
Ob nun dem Spinell schon damals besondere Kräfte zugeschrieben wurden, weiß ich leider auch nicht, aber es wird in der Sekundärliteratur recht häufig darauf verwiesen, dass der Mann und der Stein denselben Namen tragen. Man kann also davon ausgehen, dass der Bezug bekannt war.
Herzliche Grüße
Thomas Miller
Guten morgen, Thomas und Bethje:smile:
Gerade die Namensgebung ist bei ihm fast immer
bedeutungsbehaftet.
dazu erinnere ich mich, gelesen zu haben, dass Th.Mann mit dem Detlev Spinell wohl die literaten Arthus Holitscher und/oder Peter Altenberg gemeint, bzw. karikiert hat. Und da ich jetzt bei der suche nach *spinell (dem stein) auf die deutsche bedeutung *spitze* (von lat. spina) gekommen bin, erschliessen sich mir auch noch andere bedeutungen als die *heilkräfte* des steins…*lächel*
lieben gruss aus wien,
jenny
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Hallo Bernhard!
Danke für die Tipps - dann werde ich mal googln :o)
Grüße,
Bethje
Danke auch euch beiden!
Hallo
@Thomas: danke für alle Hinweise - wie immer sehr lehrreich dein Posting!
@Jenny: das mit der Spitze hat was - ist mir allerdings ein wenig zu riskant für eine Prüfung… außer, der Professor lässt nicht locker… ;o)
Danke nochmal!
Bethje
ot
außer, der Professor
lässt nicht locker… ;o)
dann zeig es ihm !!!
ich drücke dir die daumen!
jenny