Drogen induzierte depressionen

hallo,

meine frage bezieht sich etwas auf vorhergehenden tread.
ich 24 jahre alt kiffe auch mal ab und einen joint, habe dabei auch nette chillige und entspannte phasen mache es aber wohl eher um mich vor stressphasen und nähe zu anderen abzukapseln. zumindest war das früher besonders oft der fall (spätadoleszenz) war dann auch 3 jahre lang ca. einmal im monat bei einem psychologischen berater.

heute ist das nicht mehr so oft der fall, es kommt auch eher dazu wenn anderen kiffen - dann kann ich schwer nein sagen.

wenn es nunmal passiert erlebe ich die tage nach dem kiffen recht niedergeschlagen und tatenlos also dezent depressiv. selbstzweifel und zurückgezogenheit sind weitere nachwirkungen die auch manchmal den nächsten joint provozieren.

bin auch durch eine manisch depressive mutter (alkohol)
vorbelastet.

meine frage ist nun ob hier von einem leidensdruck zu sprechen ist, irgendwie habe ich schon grosses interesse an einer analyse und bin auch sehr offen dem gegenüber, ich schwanke halt und denke in oben beschriebenen phasen oft an therapie komme dann aber ohne kiffen recht gut mit mir und meiner umwelt klar.

kann man hier also von depressionen sprechen und das kiffen fördert nur zutage was ohnehin unter der oberfläche steckt (ich fand die beratungen früher sehr gut)
oder
lautet die lösung einfach no drugs und weiterhin an ängsten und schwächen arbeiten und nicht verzweifeln…

danke für eure hilfe
daniel

Hallo Daniel,

ohne jetzt da speziefisch psychologisch oder analytisch drauf einzugehen, fand ich deinen Schlusssatz

einfach no drugs und weiterhin an ängsten
und schwächen arbeiten …

am Entwicklungsfördernsten.

Grüße Andreas

mache es aber wohl
eher um mich vor stressphasen und nähe zu anderen abzukapseln.

tja, das alte Prinzip, drogen als fluchtweg

bin auch durch eine manisch depressive mutter (alkohol)
vorbelastet.

tja, so wurde dir das auch vorgemacht

denke in oben beschriebenen phasen oft an therapie

lass die wenigen Plätze in Deutschland lieber für Leute, die es nötiger haben

kann man hier also von depressionen sprechen und das kiffen
fördert nur zutage was ohnehin unter der oberfläche steckt

klar, das Kiffen verstärkt emotionen und eindrücke,
gibt ja auch Horror-Trips, aber die probleme hast du ja auch ohne drogen, komm lieber im REAL-LIFE damit klar

und an schwächen arbeiten und nicht verzweifeln…

der fehler liegt ja eigentlich bei dir, das ist dir ja relativ klar,
nur musst du da auch mal alleine durch, also das machen, wozu dich keiner zwingen kann

ohne Therapeuten-halt mit Arzt, der kann dir was geben falls was ist
und Freunden, ich denke dir fehlt auf jeden Fall der Zuspruch, ohne den die meissten hier, wahrscheinlich eine ähnliche Flucht wie du begangen hätten, such dir dinge, wo du in einer Gruppe (von Nicht-Kiffern) Spass haben kannst, fange an mit Sport(Standard-Rat)

das schwierigste ist nicht mit dem kiffen aufzuhören, sondern sich dafür zu entscheiden

Hallo Daniel,

Andreas Prescher hat sicherlich darin Recht, dass es unmöglich ist, Dir im w-w-w-Forum eine analytische Hilfestellung zu geben, er hat aber meines Erachtens überhaupt nicht Recht, mit seinem „einfach no drugs“. So „einfach“ wird dies nicht sein. Und ich glaube, angesichts der Tatsache, dass so unglaublich viel mehr Menschen an Depression leiden als am Drogenkonsum, dass die Zahl der Suizidtoten mehr als fünf mal so hoch ist wie die der Drogentoten, kann ein „einfach no drugs“ bestenfalls moralisch, kaum aber medizinisch überzeugen, und beinhaltet zudem ein gehöriges Maß an Zynismus (Ich plädiere hier nicht für Drogenkonsum!). Genauso solltest Du auch nicht unbedingt auf Mathias Kölbls Rat hören, die Therapieplätze denen zu überlassen, „die es nötiger haben“, nur Du selbst kannst wissen, wie nötig eine Therapie ist.
Wenn Du die Frage stellst, ob bei Deinem Fall von einem „Leidensdruck“ zu sprechen ist, dann würde ich diese auf jeden Fall bejahen, ersichtlich allein schon an der Tatsache, wie Du Dir die Ausdrucksweise und Diagnostik der Psychologie angeeignet, die Urteile des erwähnten psychologischen Beraters (die ich nicht unbedingt für hilfreich halte!) Dir zu eigen gemacht hast. Dies lässt doch auf ein gehöriges Maß an Verbessungs-Interesse, also Leidensdruck, schließen.
Es ist nun wirklich schwer Dir hier einen Rat zu geben, aber:

  • kann es nicht sein, dass Deine Niedergeschlagenheit nach dem Drogenkonsum gar nicht so sehr die Folge der Droge ist (Niedergeschlagenheit ist keine bekannte Nebenwirkung des Marihuana!), sondern eher die Folge der Vorwürfe die Du Dir selbst wegen des Drogenkonsums machst, damit Dir das Selbstbild des Versagers, des Realitätsflüchters, des Sohns einer Alkoholikerin, etc. gibst? Also darunter würde ich ganz sicher massiv leiden.

  • kann nicht die Depression weniger Folge deiner Konstitution sein, als vielmehr Folge des ständigen Scheiterns im Kampf um die Verbesserung deiner „Ängste und Schwächen“? Ein Kampf, der vielleicht Dein großer Lebensinhalt geworden ist, den Du führen musst , weil es Dein psychologischer Berater, Dein Umfeld, auch die simple Haltung des „einfach no drugs“ verlangt? Vielleicht könntest Du versuchen, diesen Kampf mit etwas weniger Druck anzugehen, womöglich ist er selbst die Instanz unter der Du leidest.

  • solltest Du, wie ich den Eindruck habe, tatsächlich daran interessiert sein per Selbst-Analyse weiter zu kommen, dann empfehle ich Dir spontan das Buch Thomä/Kächele, Lehrbuch der psychoanalytischen Therapie, Bd. 2, in dem in sehr vielen Fallbeispielen die Grundzüge der psychoanalytischen Therapie aufgezeigt sind. Du wirst darin sicher nicht jeden Terminus verstehen, wirst aber sehen, wie eine psychoanalytische Therapie (nicht nur das, was ein psychologischer Berater macht) funktioniert, und Du wirst Dich in einigen Fallbeispielen wiedererkennen.

  • solltest Du Dich für eine Therapie entscheiden, würde ich Dir unbedingt eine „analytische Psychotherapie“ empfehlen, die auf Dich als ganze Person eingeht, nicht nur eine psychoanalytische Fokaltherapie, die Dein Drogenproblem zu sehr in den Mittelpunkt stellen würde, und ganz sicher nicht eine normale Verhaltenstherapie, die nur auf Dein Drogenproblem zusprechen würde.
    Ich hoffe, ich konnte Dir damit etwas weiterhelfen.

Viele Grüße
franz

danke euch für die hilfe, besonders den letzten rat fand ich gut…