hallo ihr lieben…
ich bin mutter eines 15 jährigen jungen.
erziehe ihn alleine. eigentlich sind wir ein ganz gutes team. vor einem halben jahr hat er mir dann gestanden mal ne tüte geraucht zu haben. ich hab ihn gleich zum doc geschleppt. er hat --laut festgestellter dosis–nur probiert.
war dann nach mehrmaligen befunden auch wieder ganz clean.
heute nachmittag lag er mit 2 kumpels völlig apathisch im dunkeln in seinem zimmer. große pupillen usw.
er streitet alles ab. ich hätte kein vertrauen…laber laber
wie verhält man sich nu??? wieder zum doc zerren?
ich hab einfach nur schiß, das er mir entgleitet. wie soll ich mich verhalten?
hat jemand n tip?
ich bewerte das wirklich nicht über mal n joint zu rauchen aber es sieht aus wie ein hilferuf.
danke für nachrichten von euch.
anteff
hi anteff
ich weiss ja nicht, ob zum doc schleppen hier die richtige Lösung wäre. Ich glaube, jeder hat in seiner Jugend Mist gebaut… (Grinsel, also ich möcht nicht nochmal in dem Alter sein
)))
Das Problem liegt darin, dass Du deinem Sohn offenbar nicht mehr vertraust. Versuche ihm das klar zu machen, und zwar sachlich.
So nach dem Motto,
„ich komm heim und Du liegst total aphatisch mit zwei deiner sauberen Kumpel im Eck und wirkst völlig stoned.
Was glaubst Du, wie das auf mich wirkt?“
…
(Motto: halte deine Mutter nicht für dümmer, als Du selber bist)
Entweder er rückt mit einer entsprechenden sinnvollen erklärung raus, oder eben nicht…
Was positiv ist, dass er dir erstmal Gesagt hat, er hätte es probiert (vor längerer Zeit) Aber Du hast ihm möglicherweise bereits damals nicht vertraut, jedefalls deutet die ärztliche Nachuntersuchungen (!!!) darauf hin (warum eigentlich?)
Eventuell will er sich das ganze Theather ersparen, darum sagt er nix mehr…
Oder Er sagt sich, „Sie glaubt mirs ja doch nicht…“
ich bewerte das wirklich nicht über mal n joint zu rauchen
Wirklich? Wenn mich meine Eltern wegen eines ZUGEGEBENEN einzigen Joints einem Aderlass unterzogen hätten, wäre ich ziemlich sauer und angepisst gewesen.
By the way, was sinnen die anderen Schandtaten?
Gruß
Mike
Hallo anteff,
an Deiner Stelle hätte ich wahrscheinlich auch so reagiert. Keine Ahnung, ob das richtig oder falsch ist.
In einer Fernsehsendung habe ich einmal gesehen, dass die Abhängigkeit von Drogen nicht unterschätzt werden darf, denn der Körper scheint sehr schnell davon abhängig zu werden. Durch die Kombination von persönlichen Gegebenheiten (niedrige Frusttoleranz, Langeweile oder Gruppenzwang), Verfügbarkeit der Drogen und nicht zuletzt dass das Zeug schon mal ausprobiert wurde, sind der Abhängigkeit Tür und Tore geöffnet.
Ein Arzt kann nur den Körper vom Jungen untersuchen. In einer Sucht-Beratungsstelle stellen erfahrene Fachleute noch weitere Fragen, um herauszufinden, warum jemand Rauschmittel nimmt.
Hier habe ich einen Link gefunden, der Dich vielleicht interessiert:
http://www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/dhs-plz6.html
Unsere Schulleitung gibt unverhohlen zu, dass in der Schule Drogenmißbrauch (sogar Handel mit Drogen) zu verzeichnen war. Meine Älteste ist erst 10, und fast noch ein kleines Mädchen, jenseits von Gut und Böse, vorallem fern ab so ein Zeugs auszuprobieren. So habe ich mir anfangs eher unlustig einen Vortrag von dem Drogenbeauftragten unserer Stadt angehört, den unser Rektor einlud, und mit wachsendem Staunen zugehört. Das Problem dürfen wir „Alten“ nicht unterschätzen.
Ich denke, dass man bei diesem Thema als Elternteil das richtige Mittelmaß finden sollte zwischen Gelassenheit und Wachsamkeit. Einen 15jährigen bändigt man nicht mehr mit Sprüchen und Ratschlägen. Aber ich würde ihn statt zum Doc eben das nächste Mal zu so einer Beratungsstelle mitnehmen. Vielleicht läßt er sich von den Leuten so sehr beeindrucken, dass er künftig keine Lust mehr auf Tüten u.ä. hat.
viele Grüße
Claudia
schandtaten?
Hi antreff
ich bewerte das wirklich nicht über mal n joint zu rauchen
Wirklich nicht? Und dann schleppst du ihn gleich zum Doc? Gleich mit mehrfachem Befundsuchen? Warum? Was wolltest du damit bewirken?
Es ist kaum eine bessere Methode denkbar, wie du die bisherige offene Kommunikation mit deinem Sohn zerstören kannst.
Hast du ihn gefragt, wie es war?
Was er erlebt hat im „Dampf“?
Was ihm daran gefällt?
Es empfiehlt sich immer, der Angst vor undurchschaubaren Motiven eines anderen ein wirklich echtes interessiertes Fragen vorausgehen zu lassen. DAS erhält die Kommunikation und das Vertrauen und die Offenheit und die Mitteilungsbereitschaft.
Könnte doch auch vielleicht dabei herauskommen, daß es ein „Ich hab auch schon mal“-Ehrgeiz ist - das häufigste Motiv für Einsteiger in der Pubertät.
Ich halte systematischen(!) Shit-Konsum auch für gefährlich für einen 15-jährigen. Die Gefahr der Verwirrung des Realitätssinnes ist enorm groß. Andererseits: Würdest du dir bei der viel gefährlicheren Droge Alkohol auch solche Sorgen machen und ihn zum Doc schleppen?
aber es sieht aus wie ein hilferuf.
WAS sieht aus wie ein Hilferuf? Daß er sich mal nen Joint reinzieht?
*skeptisch*
Metapher
Hallo,
zunächst einmal möchte ich dich etwas beruhigen und mich Metapher anschließen). Von seiner Gefährlichkeit her ist Haschisch her eher harmloser als Alkohol zu bewerten.
- Es gibt keine Überdosis (im Gegensatz zu Alkohol)
- Körperlichen Schäden stellen erst nach langen Jahren ein (Lungenkrebs versus Leberzirrose).
- Es gibt keine körperliche Abhängigkeit (im Gegensatz zum Alkohol). Die schlimmste Abhängigkeit gibt es sowieso beim Rauchen.
- Es macht letargisch, nicht aggressiv (im Gegensatz
- Es kann sich allenfalls ein psychiche Abhängigkeit bilden (vergleiche Spielsucht, Fernsehsucht u.ä.)
Die Gefahr bei Jugendlichen im Zusammenhang mit Haschisch besteht hauptsächlich in seinen psychischen Wirkungen. Haschisch macht letargisch. Bei einem pubertierenden Jugendlichen, der sowieso unter einem Motivationsmangel leidet, kann dies zu Problemen bei Schule und Ausbildung führen.
Das Haschisch in unserem Kulturkreis verboten ist hat nichts mit einer reelen Gefährlichkeit zu tun, sondern hat historisch-politische Gründen. Ein Verbot von Tabak (würde ich begrüßen
) oder Alkohol wären genauso legitim.
Betrachte nun deine Reaktion. Sie war dem Ereignis nicht angemessen. Du hast damit einiges Porzelan zerschlagen.
Würdest du zu einem Arzt gehen, wenn dein Sohn Tabak rauchen würde oder Bier trinken würde?
Es hat auch nichts mit einem Hilferuf tun. Es handelt sich um das normale Verhalten eines männlichen Jugentlichen. Geh davon aus, das er sich auch ein paar mal hemmungslos betrinken wird.
Mein Empfehlung an dich. Nimm es gelassen. Nimm es einfach hin.
Informiere dich erst einmal über Haschisch. Versuche die Vertrauensbasis wieder aufzubauen.
Das wichtigste ist nun, das dein Sohn seine Ausbildung weiter durchzieht und nicht nur mit seinen Freunden abhängt.
Geh zunächst einmal davon aus, das sich das mit dem Haschisch von irgendwann von selber gibt.
Gruß
Carlos
P.S. dies schreibt ein Spießer, der keine illegalen Drogen zu sich nimmt, nicht raucht und Alkohol nur in Maßen geniest. Aber in seiner Jugend hat er mehr als einen Joint geraucht (ist verjährt).
Von seiner Gefährlichkeit her ist
Haschisch her eher harmloser als Alkohol zu bewerten.
So harmlos ist Hasch aber auch nicht. Viele psychisch Kranke haben vorher Hasch konsumiert. Ich glaube nicht, dass dies ein Zufall ist.
Gruß
Nelly
Kausale Zusammenhänge…
Hi Nelly
ich glaube auch nicht, dass das Zufall ist, aber
was war zuerst da: die Henne oder das Ei?
Sprich: ist der griff zur Droge eine folge einer beginnenden Psychischen Erkrankung oder führt die Droge zu einer dauerhaften psychischen Schaden.
(Wahrscheinlich gibt es beides, aber das muß für jeden einzelfall untersucht werden)
Korrelation muß nicht unbedingt gleich ein kausaler Zusammenhang sein, und auch die Kausalitätskette kann umgekehrt sein.
Gruß
Mike
So habe ich das noch nie gesehen…
…aber das ist natürlich auch denkbar.
Ich halte es aber für wahrscheinlicher, dass die psychische Erkrankung eine Folge des Drogenkonsums ist. Ist nur meine ganz persönliche subjektive Meinung.
Gruß
Nelly
Hallo Nelly
So harmlos ist Hasch aber auch nicht. Viele psychisch Kranke
haben vorher Hasch konsumiert. Ich glaube nicht, dass dies ein
Zufall ist.
Haschisch ist nicht harmlos. Nach heutigen medizinischen Erkenntnissen gibt es durchaus schädliche Wirkungen. (Leider sind die Erkenntnisse vergleichweise gering, weil hier eine vernünftige Forschung jahrzehntelang verhindert wurde.) Insbesondere besteht der Verdacht, dass bei entsprechender Veranlagung der Ausbruch von psychischen Krankheiten begünstigt wird.
Anderseits hat Michael es treffend beschrieben, dass kausale Zusammenhänge nicht einfach zu erkennen sind.
Ich habe als Jugendlicher einige abschreckend durchgeknallte Typen kennengelernt. Und die neigten dazu sich alles reinzuschieben, was high macht, inklusive Haschisch.
Mir ging es darum die extreme Reaktion von anteff zu zeigen. Hätte sie genauso reagiert, weil ihr Sohn zugegen hat zwei Flaschen Bier getrunken zu haben, wären bei jedem Leser sofort deutliche Zweifel an ihrer geistigen Verfassung gekommen.
Ihre Reaktion ist nur insofern verständlich, als das Haschisch jahrzehntelang als gefährliche Droge im Trio mit Heroin und Kokain beschrieben wurde.
Natürlich kann da ein uninformierte Mutter hysterisch werden, wenn sie das Bild eines verelenden Heroinjunkies vor Augen hat.
Dagegen kann man nur versuchen reele Informationen zu setzen.
Gruß
Carlos