Hallo,
ich habe folgendes Problem:
„Quem quidem eo lapides ad Thebarum muros constuendos movisse: plures scribunt poete.“
Hier soll es sich laut Anmerkung um einen „offenbaren Schreib- oder Druckfehler“ handeln. Kann mir jemand sagen, warum?
Herzliche Grüße
und schon mal danke.
Thomas Miller
Hallo, Thomas,
ich habe zwei Stellen im Verdacht:
„Quem quidem eo lapides ad Thebarum muros constuendos1 movisse:
plures scribunt poete2.“
1 const r uendos und 2 poet a e (im Mittellatein wäre das akzeptabel)
Gruß Fritz
Hallo Fritz,
„Quem quidem eo lapides ad Thebarum muros
constuendos1 movisse:
plures scribunt poete2.“
1 const r uendos und 2 poet a e (im Mittellatein
wäre das akzeptabel)
schönen Dank erstmal, aber leider sind kommen beide Stellen nicht in Betracht: Das fehlende „r“ ist ein Tippfehler von mir, sorry, tut mir wirklich leid. Und bezüglich des „poete“ muss man sagen: es handelt sich wirklich um Mittellatein, ca. 1470-80.
Ich schreibe nochmal (hoffentlich ohne Fehler) mit Kontext:
„(Zeile 1) Amphion itidem: ipsius lyrae cantu floruisse legitur. Quem quidem
(Zeile 2) eo lapides ad Thebarum muros construendos movisse: plures scribunt
(Zeile 3) poete. Horatius in Odis.
(Zeile 4, abgesetzt) Movit Amphion lapides canendo.“
Und nun steht in der Anmerkung:
„Oggenbare Schreib- und Druckfehler wurden nicht angemerkt. p. 44 Z. 2 (das ist die Stelle oben) entspricht der Vorlage.“
Was soll ich davon halten? Ich stehe vor einem Rätsel. Es handelt sich um eine „kritische Edition“.
Wer weiß sonst noch Rat?
Herzliche Grüße
Thomas Miller
Hi, Fritz und Thomas,
Wenn ich Euch auch in der Sache nicht viel weiterhelfen kann, möchte ich doch der geneigten Leserschaft den Zusammenhang vermitteln, in dem diese Textstelle steht.
Es handelt sich um die Entstehung der Mauern Thebens (griechische Mythologie)
Bei Gustav Schwab lesen wir:
„Nun zogen Amphion und Zethos mit ihrer wiedergefundenen Mutter nach Theben, wo sie den schwachen Lykos vertrieben und selbst sich der Herrschaft bemächtigten. Da aber die Stadt, die unterhalb der alten von Kadmos erbauten Burg lag, noch keine Mauern hatte, so beschlossen die Brüder, sie mit einer solchen zu umgeben. Zethos brach gewaltige Felsblöcke aus den Bergen und schleppte sie zum Bau herbei; Amphion aber ließ sein Saitenspiel ertönen; siehe, da bewegten sich doppelt so große Blöcke ganz von selbst, folgten dem Klange der Musik und fügten sich selbst zusammen. So entstanden die berühmten Mauern von Theben; und weil Amphion die siebensaitige Leier erfunden hatte, bekam die Stadt ihm zu Ehren sieben Tore.“
@Thomas: vielleicht bezieht sich der Hinweis auf Druckfehler auf die Leerstelle in der vierten Zeile des Textes?
Grüße Euch beiden
Eckard.
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Danke, Eckard,
dass du uns vom Elefantenturm runtergeholt hast.
Fritz
Textstelle
Hallo Eckhard,
schönen Dank für den Schwab-Nachweis. Mein Text ist in einem anderen Zusammenhang geschrieben, erbefindet sich in:
Karl Weinmann, Johannes Tinctoris (1445-1511) und sein unbekannter Traktat „De inventione et usu musicae“. Historisch-kritische Untersuchung (Erstdruck 1917), Tutzing 1961.
Laut Titelblatt handelt es sich um eine „berichtigte und mit einem Vorwort versehene Neu-Ausgabe“. Die genannte Fußnote (eigentlich Endnote, auf S. 47, also drei Seiten nach der fraglichen Zeile) muss schon in der Ausgabe von 1917 zu finden sein, weil sie sich auf den zugrunde gelegten Wiegendruck bezieht.
@Thomas: vielleicht bezieht sich der Hinweis auf Druckfehler
auf die Leerstelle in der vierten Zeile des Textes?
Leider nein, denn in den Zeilen 6, 7, 9, 10 usw. befinden sich weitere Zitateinrückungen.
Schönen Dank und viele Grüße
Thomas Miller