Druckschmerz nach Wurzelkanalbehandlung

Hallo,
vor zwei Wochen hatte ich den ersten Teil einer Wurzelkanalbehandlung : Enfernung des toten Nerv. Die Entzündung heilte gut aus, nach einem Tag war der Zahn schmerzfrei.
Die Wurzelkanalfüllung war dann letzte Woche. Die winzige Druckempfindlichkeit, als die Kanalfüllung gesetzt wurde hielt ich gegenüber dem Zahnarzt als nicht erwähnenswert.
Nun, nach einer Woche, ist der Zahn wieder deutlich druckempflich, wenn auch erträglich.
Leider ist mein Zahnarzt momentan im Urlaub, so dass ich hier meine Fragen stelle:
1.) Soll ich erst mal noch abwarten und auf Selbstheilung setzen, nötigenfalls unter Einnahme von Ibuprofen (400mg pro Tag) ?
2.) Oder ist auf jeden Fall Gefahr im Verzuge, dass der Besuch beim zahnärztlichen Notdienst angesagt ist ?
Gruß
Karl

Servus Karl,

Wenn die Beschwerden nicht zunehmen, warte besser auf Deinen Zahnarzt. Er hat die Röntgenaufnahmen, die sonst nochmals gemacht werden müssten, er weiß, was er zur Desinfektion verwendet hatte. Wenn nach einer Wurzelfüllung Schmerzen auftreten, ist ein Infekt (noch) nicht von der Körperabwehr niedergekämpft. Die ganze Feilerei und Popelei mit den dünnen Instrummenten dient ja nur dazu, die bakterienverseuchte Wandauskleidung der Wurzelkanäle abzuschaben und so wenig Bakterien übgrigzulassen wie möglich. Die ‚Einlage‘ soll noch einmal eine Menge Bakterien umbringen. Nachdem es im biologischen Milieu so selten 100%ige Ergebnisse gibt, ist auch hier damit zu rechnen, dass Erreger übriggeblieben sind. Einige davon sind jetzt von der Wurzelfüllpaste in Richtung Wurzelende und darüber hinaus befördert worden. Jetzt ist der Körper dran. Das kann er ja, das hat er 10 Millionen Jahre lang geübt. Die Bakterien aber auch :wink:. Diese Auseinandersetzung bringt mit sich, dass die nächstliegenden Blutgefäße zum Antransport von Abwehrstoffen und -zellen benutzt werden. Diese Gefäße liegen zwischen Wurzel und Knochen. Wenn sie weiter werden, kommt Druck auf die Sensoren in der Wurzelhaut. Die Zentrale im Hirn, die die Meldungen aus dem Kampfgeschehen erhält, übersetzt es ‚Dir‘ mit ‚Schmerz‘.

Was kann man tun? Ursachenbekämpfung? Macht der Körper jetzt gerade. Ärzte können mit Antibiotika helfen. Dabei züchten sie resistente Keime. Das tut man, wenn’s sein muss.

Entzündungsbekämpfung? Ja, das wird von Schmerzmitteln wie Ibuprofen en passant betrieben. Lieber 800 mg Ibu auf einmal, als die täglich erlaubten 1200 mg auf drei Dosen verteilt. Also: den Hammer (800mg) für die Nacht, wenn es dann am Tag noch nötig sein sollte, hat man noch 400 im Rohr.

Wurzelfüllung wieder raus und noch einmal Desinfektionsmittel? Das tut man, wenn’s sein muss. Natürlich ist dafür der Geeignetste der, der dieses Kanalsystem noch im Kopf und in den Fingern hat. Fremde Nachbehandler neigen dazu, bei sich zu denken: „Wenn es beim Vorbehandler schon nicht geklappt hat, nehme ich den Zahn lieber raus. Am Ende geht es wieder los, und dann war ich der Böse.“

Hope, that helps.

Gruß

Kai Müller