Hallo!
Mir als Feind jeglicher Anglizismen fällt in letzter Zeit immer häufiger auf, dass Leute, wenn sie was erzählen, das Wort „man“ durch „du“ ersetzen. Also aus „Man gibt in solchen Situationen alles, bis man merkt, man schafft es doch nicht“ wird „Du gibst in solchen Situationen alles, bis du merkst, du schaffst es doch nicht“. „Man“ hört man immer seltener.
Jetzt frag ich mich, ob das auch eine Folge der Eindeutschung des Englischen ist (weil ja „man“ im Englischen mit „you“ übersetzt wird), oder ich mir das alles nur einbilde und das sehr wohl schon früher so verwendet wurde (und ich mich immer umsonst aufrege).
Gruß
Mio
Also aus „Man gibt in solchen
Situationen alles, bis man merkt, man schafft es doch nicht“
wird „Du gibst in solchen Situationen alles, bis du merkst, du
schaffst es doch nicht“. „Man“ hört man immer seltener.
in mundart würde ich das auch so sagen: wenn da sowas passiert, dann tuast ois wosd kannst, bisd merkst, daßd as do net schaffst."
nur schreiben würde ich es nicht.
datafox
Stilfrage
Hallo, Mio,
beides geht und beides ist m.E. gutes Deutsch.
Mit „man“ erhält die Erzählung größere Distanz, mehr Allgemeingültigkeit.
Mit „du“ wird der Bezug enger, der Sprecher und der Zuhörer wird näher mit dem Erzählten in Bezug gebracht.
Sogar gemischte Formen sind möglich.
„Ständig hat man Ärger mit Linux. Aber kaum machst du alles richtig, funktionierts.“
Grüße
Eckard.
Jetzt frag ich mich, ob das auch eine Folge der Eindeutschung
des Englischen ist (weil ja „man“ im Englischen mit „you“
übersetzt wird), oder ich mir das alles nur einbilde und das
sehr wohl schon früher so verwendet wurde (und ich mich immer
umsonst aufrege).
Hallo Mio
Du kannst Dich wieder abregen. Mir ist das als ziemlich alte Formulierung bekannt. Besonders in Selbstgesprächen beliebt, mit Sicherheit im rheinischen Sprachgebrauch. Ein Enttäuschter sagt z.B. so vor sich hin: „Da reißt du dir ein Bein aus, und wer dankt es dir“?
Ich empfinde es sogar als gutes Deutsch.
Dagegen wirkt die unpersönliche Entsprechung meiner Meinung nach gestelzt: „Da reißt man sich ein Bein aus, und wer dankt es einem“?
Das wäre u.U. ein Thema für einen philosophischen Exkurs, denn man könnte durchaus der Meinung sein, daß in der Du-Form zwei verschiedene Ebenen in unserem Bewußtsein miteinander reden.
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim