Du sollst nicht luegen

heisst es im 8. Gebot. Dies gilt doch ausnahmslos fuer Alle, also auch fuer einen Pastor, oder? Was macht man aber, wenn man auf einen solchen Gottesmann in hoher Funktion der Diakonie trifft, der bei einem Geschaeftsvorgang leider doch gelogen hat und bei dem ich deswegen einen Nachteil von einer sehr, sehr wesentlichen Summe Geld erleide. Mich plagt aber ganz besonders die ethische Frage, dass ein solcher Gottesmann (in meinen Augen ist er dies nicht, denn wer luegt, kann es nicht sein) in seinem Amt weiterregiert als Luegner, wenn ich mich nicht dagegen zur Wehr setze ? Mich interessiert Eure Meinung und Euer Rat, insbesondere auch, was Jesus Christus zur Luege gesagt hat.

Hallo Norbert,

ich bin kein Christ und kann dir diesbezüglich nicht weiterhelfen, aber in der Bibel finden sich noch zwei weitere Gebote:

* Du sollst jeden gerecht beurteilen.
* Du sollst niemanden beschämen.

(Ich weiss, die gehören nicht zu den zehn Geboten).

Was ich damit aber auch sagen will, dass wir manchmal den Eindruck haben jemand hat gelogen, einfach weil wir nur einen Teil der Geschichte kennen. Hat der Betreffende aus seiner Sicht wirklich gelogen oder kennen wir nur ein paar Fakten nicht?

In diesem Sinne würde ich mir erst einmal überlegen, ob es nicht auch eine andere Geschichte geben kann, in welcher der Betreffende nicht gelogen hat. Findest Du für ihn eine Ausrede? Mit diesen Überlegungen würde ich dem Betreffenden dann meine Geschichte erzählen (ohne Unterstellungen) und ihm dann die Möglichkeit geben, diese zu ergänzen.

Sollte er wirklich gelogen haben, kann ich dir allerdings nicht weiterhelfen.

Schalom,
Eli

PS. Ausserdem ist das Gebote das Neunte im Zehnwort.

Hallo Norbert,

also wenn ich das so höre, scheint unumstösslich zu sein, das er gelogen hat, oder? Ich bin zwar auch kein Christ (nicht mehr), aber wenn ich einen Prister kennen würde der lügt, dann würde ich genau so mit ihm umspringen, wie mit jedem anderen Lügner auch. Denn nicht nur vor Gott sind angeblich alle Menschen gleich, sondern vor mir auch. Bei einem Priester ist es eigentlich noch schlimmer, denn er ist eine Person der Öffentlichkeit. Wenn es mutwillig war, so etwas wie Betrug --> Anzeige. Ausserdem ist dies wieder mal ein Beweis dafür, das die Kirche, ob jetzt in Ihrer Gesamtheit oder als Person sich nicht an die eigenen Gesetze hält, sie aber anderen Leuten aufzwängen will.

Dennis

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Mich interessiert Eure

Meinung und Euer Rat, insbesondere auch, was Jesus Christus
zur Luege gesagt hat.

er sagte: gehe hin und sündige fortan nicht mehr (zur ehebrecherin, weiß die stelle nicht genau)
ich persönlich würde ihn zur rede stellen unter vier augen und dann entscheiden, wie ich weiter vorgehen würde. vielleicht klärt sich im gespräch ja einiges. wenn nicht, musst du für dich selbst entscheiden, was für dich stimmt: anzeigen oder vergessen und vergeben oder was ganz anderes? was richtig oder falsch ist, hängt ja immer auch von den umständen, personen und zusammenhängen ab.

viele grüße
cordula

Johannes 8:1-11
Hallo Cordula,

er sagte: gehe hin und sündige fortan nicht mehr (zur
ehebrecherin, weiß die stelle nicht genau)

Johannes 8:1-11
8 Jesus aber ging an den Ölberg. 2 Bei Tagesanbruch jedoch fand er sich wieder im Tempel ein, und das ganze Volk begann zu ihm zu kommen, und er setzte sich nieder und begann sie zu lehren. 3 Nun brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau herbei, die beim Ehebruch ertappt worden war, und sie stellten sie in ihre Mitte, und 4 sie sagten zu ihm: „Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt worden. 5 Im GESETZ schrieb uns Moses vor, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du nun dazu?“ 6 Natürlich sagten sie das, um ihn auf die Probe zu stellen, damit sie einen Grund zur Anklage gegen ihn hätten. Jesus aber beugte sich nieder und begann mit seinem Finger auf die Erde zu schreiben. 7 Als sie aber dabei beharrten, ihn zu befragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.“ 8 Und sich wieder vornüberbeugend, schrieb er weiter auf die Erde. 9 Diejenigen aber, die das hörten, begannen hinauszugehen, einer nach dem anderen, angefangen bei den älteren Männern, und er wurde allein zurückgelassen mit der Frau, die in ihrer Mitte war. 10 Sich aufrichtend, sagte Jesus zu ihr: „Frau, wo sind sie? Hat dich keiner verurteilt?“ 11 Sie sagte: „Keiner, Herr.“ Jesus sprach: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin; treibe von nun an nicht mehr Sünde.“

Anmerkung von mir. Das oben genannte Gesetz schrieb vor BEIDE, den Ehebrecher und die Ehebrecherin zu steinigen. Wo war der Mann?

ich persönlich würde ihn zur rede stellen unter vier augen und
dann entscheiden, wie ich weiter vorgehen würde.

Sehe ich genau so.

Gruß
Carlos

Hallo Norbert,

hast Du ernsthaft nach Deinem Motiv gefragt? Warum regt Dich das auf?
Jedes Kind weiß, daß die Kirche lügt bis sich die Balken biegen!
Ich hatte als Kind ein ähnliches Erlebnis in der Bibelstunde…es ging um die GOLDENE STRAßE, auf der angeblich der alte VATER GOTT in seinem SESSEL saß!
Nun ja, ich sah leidenschaftlich gern die Enterprice…und die hat nur die Milchstraße entdeckt!
Ich sprach die Bibeltante an…Konsequenz- ich flog aus die Bibelstunde!
Aber…ich zahle heute noch meine monatliche Spende an die Kirche, obwohl ich alles andere als ein Christ bin…und ich lebe mit dieser Lüge!
Also, frage Dich nach Deiner Wahrheit! Und dann…entscheide…
das kann Dir keiner abnehmen, da Du die Konsequenz trägst!

einen lieben Weihnachtsgruß,
fionny

Hallo, Norbert! Ich wünsche Dir, trotz der üblen Erfahrung ein frohes Weihnachtsfest gehabt zu haben …
Was nun den Pfarrer anbelangt: Er ist ein Mensch, wie jeder andere. Und schon Apostel Paulus schrieb: „… wir sind allzumal Sünder, und uns mangelt des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten. …“ Natürlich erwarten wir von Menschen in bestimmten Berufsgruppen mehr Ehrlichkeit als von anderen. Aber ist das gerecht? Und noch etwas: Hat jener Pfarrer wirklich bewusst gelogen? - Könnte es nicht sein, daß er von der Richtigkeit seiner Aussage überzeugt war, er also subjektiv die Wahrheit gesagt hat?
Rein sachlich solltest Du versuchen, mit dem Priester zu reden und den Sachverhalt zu klären. Ggf. mußt Du den finanziellen Schaden mit den Möglichkeiten des BGB und der ZPO wieder gutzumachen versuchen. Zwischenmenschlich gilt aber: „… Du sollst Deinem Bruder sieben mal siebzig mal verzeihen…“. Der entsprechende Dialog zwischen Jesus und Petrus ist Dir sicher geläufig.
Ich wünsche Dir, daß Du die menschliche Enttäuschung überwinden kannst. Und: Ein frohes Neues Jahr!!
Franz-Christian

Lautet das Gebot nicht:

„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider Deinem Nächsten ?“

Meines Erachtens besagt dies etwas anderes als: „Du sollst nicht lügen.“ „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider Deinem Nächsten“ besagt quantitativ weniger, aber qualitativ mehr.

In der Lebenswirklichkeit ist es bei vielen Sachverhalten gar nicht möglich, sie so in Sprache zu fassen, dass das Gesagte „wirklich wahr“ ist. Viel wichtiger sind doch guter Wille und Empathie füreinander. Wer nur darauf schielt, ob ja immer die Wahrheit gesagt wird, bewegt sich schon auf einem Abweg, einem Weg ohne Liebe und mit Mißtrauen. Ist diese Richtung einmal eingeschlagen, kommt zwangsläufig der Punkt, wo die Beteiligten voneinander meinen, sich nur zu belügen - und zwar unabhängig davon, ob die Wahrheit gesagt wird.

Der Geist der Wahrheit muß im Raume stehen, und man kann ihn schwerlich an den Haaren herbeiziehen.

Die Forderung, nicht zu lügen, kann auch leicht für den Betrieb von kleinen oder grösseren Beherrschungssystemen mißbraucht werden, indem sich entsprechend „begabte“ Leute mit einer solchen Rhetorik ausstatten, die die Wirklichkeit gerade so einengt, dass die „Wahrheit“ immer auf ihrer Seite ist, und die anderen „lügen“.

„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider Deinem Nächsten“ ist eine klare und erfüllbare Forderung. „Du sollst nicht lügen“ ist keine klare und keine erfüllbare und eine leicht mißbrauchbare Forderung.

Desinformation ist ein übliches Vorgehen bei jeglicher Kriegführung. Da (leider) häufig z. B. schon der Arbeitsplatz bzw. der Erhalt oder die Erlangung desselben ein Kriegsschauplatz ist und z. B. sogenannte Führungskräfte eine Ausbildung in Vertreibungsmethoden erhalten, ist nicht einzusehen, dass der in einer solchen Situation Schwächere nicht Paroli bieten soll.

Rechtlich ist es beispielsweise zulässig, unzulässige Fragen falsch zu beantworten. Dies ist m. E. kein Gutheißen von „Lüge“ sondern das Gewähren eines Verteidigungsmittels.

Echte , verwerfliche Lügen gibt es sicherlich auch, aber nur in solchen Situationen, wo es um bewußtes Erschleichen von Vorteilen, Benachteiligen von anderen geht usw. Ansonsten meine ich, gibt es keinerlei Verpflichtung, anderen alles auf die Nase zu binden.

C.I.A. Christus Ist Auferstanden

Torsten

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„Gut gebrüllt, Löwe!“ möchte ich fast sagen, lieber Torsten.

Du hast lediglich einen Punkt unerwähnt gelassen:
Das „Du sollst“ der Luther-Übersetzung trifft den Urtext nicht 100%ig …
Besser wäre da das englische „You should …“ - und dann bekommen die 10 Gebote eine noch ganz andere Aussage.

Und warum nicht zum Neuen Jahr mit dem orthodoxen Ostergruss antworten:

„Ja, er ist wahrhaftig auferstanden!“

Franz-Christian