Bekanntlich gibt es ja im gebräuchlichen Englisch ja nur das allgemeine „you“ als Anrede. Soweit so gut. Wenn man sich nun aber Filme ansieht, die ins Deutsche synchronisiert wurden, stellt man fest, daß
a) sich die Personen beim Vornamen nemmen und DUZEN
b) sich die Personen beim Vornamen nennen, aber SIEZEN
c) sich die Personen beim Nachnamen nennen und SIEZEN
Meine Frage also : Ist das einfach nur eine Laune der Übersetzter, oder kann man diese Formulierungen doch an gewissen Verhältnissen oder sogar Formulierungen festmachen ???
Meine Frage also : Ist das einfach nur eine Laune der
Übersetzter, oder kann man diese Formulierungen doch an
gewissen Verhältnissen oder sogar Formulierungen festmachen
???
Naja, „schlecht“ würd ich nicht unbedingt sagen, aber ich glaub auch, dass es Interpretationssache der Übersetzer ist. Je nachdem, in welchem Verhältnis die Beteiligten zueinander stehen, wird dann eben gesiezt oder geduzt oder gemischt. Is doch fein, dass wir ihm Deutschen diese tollen Unterscheidungsmöglichkeiten haben! :o)
Wie will man das auch „richtig“ uebersetzten? Es gibt eben im Englischen die Hoeflichkeitsform nicht und das muss dann je nach Kontext (und Lust und Laune des Uebersetzers) gehandhabt werden. Und das ist nicht immer einfach, das richtig zu treffen. Was in einer Szene durchaus funktioniert, ist vielleicht in der naechsten nicht mehr stimmig.
Es geht aber tiefer, als nur die sprachliche Ebene. Wenn man Englaender und Amerikaner kennenlernt (bei Englaendern gibt’s Varianten), dann ist man sofort auf Vornamen-basis. Das ist im Deutschen nur beschraenkt moeglich. Aber ich lach mich immer wieder kaputt (*g*), wenn hier (ich lebe in einer grossen Gemeinde von Auslaendern in Saudi Arabien) sich alle mit Vornamen anreden, und dann kommen zwei deutsche ‚Damen‘ (es gibt den ‚deutschen Damenkreis‘ hier) und die kennen sich seit Jahren und reden sich immer noch mit Frau Hoellenschlaeger-Breitbiesel an.
Oder so rum … Es gibt halt nur eine Form, egal ob’s der Bruder oder die Frau Generalstabsmajor ist. Und egal, woher die Form abgeleitet ist, ‘you’ ist einfach nicht so formal wie ‘Sie’, ob als ‘you, John!’ or ‘you, Mr Bridgewater’.
Elke
Einem Engländer das DU anbieten
Ein Problem ist ja auch einem Engländer das Du anzubieten. Heinrich Lübke soll ja angeblich- keine Gewähr- zur Queen gesagt haben: „You can say you to me.“
Ganz so wuerde ich das nicht sagen, wobei die Englaender sicherlich noch ein bisschen formeller sind als die Iren und Amerikaner. Ein Mr Kelly ist halt sehr formell, Simon dagegen weniger - Simon kann aber trotzdem der Vorstandsvorsitzende einer grossen Firma sein. Sollte ich das uebersetzen wuerde ich auch „Simon“ und „Sie“ waehlen…
liebe Gruesse,
Astrid
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Im Englischen gab es früher, genau wie im Deutschen, zwei Wörter für ‚du‘ und ‚Sie‘. Wer je Shakespeare auf Englisch lesen sollte, wird darüber stolpern. Das englische Wort für ‚du‘ ist thou und das für ‚Sie‘ thee. Im Laufe der Zeit hat sich dann wahrscheinlich das thou zu you abgeschliffen und das thee ist in Vergessenheit geraten.
Nina
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ok jetzt ich *fg*
ich fasse zusammen und ergänze *fg*:
die höflichkeitsform „sie“ die man heute in deutschland gegenüber fremden gebraucht war früher „you“
die vertraute form „du“ die man heute in deutschland gegenüber… ääh… vertrauten und bekannten gebraucht war füher „thou“
in der englischen bibel steht ja auch u.a. „thou shalt not kill“ also „DU sollst nicht töten“
„thou“ wir allerdings heute in england umgangssprachlich nicht mehr gebraucht.
einem das „duzen“ anzubieten hmmm… das ist schwierig. in der regel macht man das indem man dem gegenüber anbietet ihm beim vornamen zu nennen. also in etwa „you, heywood“ statt gegenüber weniger vertrauten „you, mr. yablowme“ (hat den gag einer verstanden ? *fg*)
hochadelige werden allerding immer mit ihrem vornamhen angesprochen. („fuck you, prince charles“)
ich weiß nicht wie das mit den abertausenden von „Sirs“ steht…
soll heißen: ob man nun „your last movie was crap, Sir Connery“ oder den vornamen benutzt weiß ich nicht genau. (obwohl ich selbst adelig bin *schäm*)
None of this requires any particular explanation, but one
point does: why did the non-reciprocal use of you' and thou’ in
power-based relationships disappear? Now, as Brown and Gilman argue
in their famous paper, there has been a steady trend (now mostly gone
to completion) in European languages to replace the older
non-reciprocal power-based use of T and V pronouns with a newer
reciprocal solidarity-based use. Something similar appears to have
happened much earlier in English, with the added twist that thou' was driven out of the standard language altogether. Nobody knows why, but Leith has an interesting suggestion. He proposes that 16th-century England, in comparison with most other European countries, was characterized by a fluid and prosperous middle class, in which rapid rise was possible by entrepreneurial success. England, he argues, therefore lacked the comparatively rigid social structures typical ofother countries, at least as far as the middle class was concerned. Whereas every speaker of French or Spanish knew his own station and knew that of everyone else, so that power-based non-reciprocal usage could be readily maintained, a middle-class English person was by comparison insecure: he could never quite be sure whether a stranger was an inferior, an equal, or a superior. Therefore, Leith concludes, the reciprocal use of you’ rapidly took hold among the middle class
as the safest option, as a safe way of avoiding giving offense to a
person one might need to do business with or ask favors of.
Nein, die Höflichkeitsform ‚Sie‘ war früher ‚thee‘. ‚You‘ ist
moderneres Englisch und hat sich wahrscheinlich aus dem ‚thou‘
ergeben.
was was was??
ich dachte you waere der plural von thou!
ok, ich suche einmal in der king james bibel, das einzige, was
mir im moment als referenz einfaellt:
[Ps. 82 6] I have said, Ye are gods; and all of you are
children of the most High.
„ihr seid“ - eindeutig plural.
[Gen 3 19] In the sweat of thy face shalt thou eat
bread, till thou return unto the ground; for out of it wast thou taken: for dust thou art , and unto dust shalt thou return.
„du bist“ - singular.
nicht die hoeflichkeitsform „ihr“ (vgl. „vous“ im franzoesischen)
ist ausgestorben, sondern das vertraute „du“!