Du?

Hallo,
ich mache seit ein paar Monaten eine Gesprächstherapie. Die Therapeutin ist sehr nett und vielleicht 5 Jahre älter als ich.
Irgendwie fände ich es einfacher, wenn wir uns dutzen würden. Kann ich ihr das vorschlagen, oder ist das eher unüblich? Seinen Arzt dutzt man ja auch nicht…??
Was meint Ihr??

(P.S. ich will die Therapeutin nicht anbaggern, falls sich das so anhört!!!)

hallo,
nur kurz aus meiner erfahrung: stand auch mal vor dem gleichen prob und hab mir gedanken darüber gemacht.
ich hab das dann nicht gemacht (du anbieten), weil ich eine gewisse distanz zur therapeutin brauchte (die sich ja auch in der anrede ausdrückt), sie war schliesslich keine freundin sondern ne art ärztin. zu grosse nähe wäre für mich jedenfalls dem therapieerfolg nicht unbedingt dienlich gewesen.
wie ‚man‘ das so üblicherweise hält weiss ich nicht, war nur meine eigene erfahrung.
viele grüsse, claudia

Hi,

in gewisser Hinsicht teile ich durchaus Claudias Meinung, was die Distanz angeht.

Auf der anderen Seite kann ich mir durchaus vorstellen, daß es Dir wesentlich leichter fällt, über Deine Probleme mit - sagen wir mal - „Anna“ als mit „Frau Müller“ zu sprechen.

Kann ich ihr das vorschlagen, oder ist das eher unüblich?

Ich würde es der Therapeutin auf keinen Fall direkt vorschlagen, sondern das Anliegen in aller Ruhe schildern und ihr die Hintergründe erläutern (der Punkt „es würde mir leichter fallen, wenn …“ ist übrigens gar nicht so ungewöhnlich). Ob sich Deine Therapeutin darauf einläßt, ist natürlich eine andere Sache. Aber dafür ist eine Gesprächstherapie schließlich da, oder?

Seinen Arzt dutzt man ja auch nicht…??

Ich schon, da ist aber die Ausgangssituation anders (mein Hausarzt ist der Schwager einer Ex-Kollegin und mit vielen anderen Ärzten habe ich in der Klinik Dienst geschoben).

Also: nur Mut!

Ciao

Tessa

Hallo,

soweit ich weiß ist es absolut unüblich Therapeuten zu duzen. Da ein Therapeut einen gewissen Abstand zu seinem Klienten braucht (genauso wie der Klient zum Therapeuten) riskierst Du da höchstens eine recht derbe Abfuhr.

Gernot Geyer

Hallo

Ich habe auch schon von beiden Varianten gehört: In der Gruppentherapie wird oft geduzt, in der Einzeltherapie eher gesiezt. Aber ich würde das vielleicht doch einmal ansprechen. Kann ja nicht viel Schlimmes passieren. Vielleicht „deutet“ Ihr dann ja Deinen Wunsch, und dann hast Du ja in jedem Fall auch etwas davon!

Schöne Grüße
Anne

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Hallo Beck (?),

nach meiner Erfahrung kann man in der Gespraechstherapie ueber alles reden, warum also nicht ueber Deinen Wunsch, die Therapeutin zu dutzen? Ich mal mir zwar schon aus, wie das ablaufen wird (sie wird das Dutzen wahrscheinlich aus Gruenden der notwendigen Distanz ablehnen), aber allein das Darueber-Reden kann doch schon wertvoll sein.

Jan

…wenn deine therapeutin clever ist, werdet ihr eine interessante stunde haben…:wink:

…im unglücklichsten falle riskierst du die therapie oder anders, man könnte bei deinem bedürfnis evtl. auch den verdacht haben, du hast noch gar nicht gemerkt, daß du in der therapie bist ??? die frage ist, wie solch ein bedürfnis in dieser situation überhaupt entstehen kann - eine durchaus nicht unbrisante frage…

subjektive distanz ist ein wesentlicher therapiebestandteil, deshalb kann man z.b. auch nicht im eigenen verwandten- und freundeskreis herumtherapieren

…ich denke, du solltest wirklich herausbekommen, was dich zu diesem bedürfnis bringt - im zweifelsfalle mit hilfe deiner therapeutin…:smile:

gruß, monika

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Super - noch eine Fachfrau!!!
Hi Monika,

welche von unseren bisherigen Fach- und Laien-Vorschlägen hältst Du für gut/sinnvoll/realistisch durchsetzbar?

So long

Tessa
*die noch nie eine Therapie brauchte*

Hallo Tessa, im grunde könnt ihr alles probieren, versuchen, die therapie ist ja stätte, unklarheiten zu klären…

…der therapeut wird (wenn er professionell handelt) nie auf diese frage direkt antworten - die frage läuft auf der beziehungsebene, von seiten des pat., ist aber ein wesentlicher sachverhalt in der therapie des pat., also wird er erst einmal als sachverhalt besprochen werden müssen - wieso hat er dieses bedürfnis nach nähe…? was verspricht er sich davon ?
entweder es ist ein problem, was der pat. hat (mangelndes gespür für nähe und distanzen oder anderes - generell z.b.) oder es ist ein problem der tragfähigkeit therapie; warum ? wer hat womit ein problem ? was braucht er wofür ? hunderttausend fragen, die entweder etwas mit dem pat, dem therapeuten oder dem charakter der therapie zu tun haben können - läßt sich alles nur konkret klären

tatsache ist eines : kumpelhaftigkeit oder „nette nähe“ machen therapie unmöglich; der therapeut ist nicht mehr klar in seinen entscheidungen, kann nicht mehr ausreichend kritisch sein, nähe verlangt schon ein gewisses maß an „nettigkeiten“, rücksichtnahmen - da ist es schwer kritisch zu sein, schon gar kritisch lernbereit, weil hier aufgrund der nähe die verletzbarkeit viel größer ist --> abwehr = lernstop

…emotionales lernen tut durchaus weh, man muß lernen von liebgewordenen „irrtürmern“ abschied zu nehmen, das schafft man nur, wenn man lernt „draufzugucken“, aus einer nicht verletzenden sachlichen distanz, nicht aus einem diffusen emotionalen knäuelgemisch -> therapeut und pat… was nicht bedeutet, daß beide nicht durchaus ein warmes verstehendes verhältnis zueinander haben, das schafft man locker auch mit „Sie“ - wenn nicht, ja da stellt sich die frage wieder nach dem warum…

…übriges Tessa, hilfe zu brauchen, kann schnell gehen, einfach, wenn einem das leben so in die quere kommt, daß es einem die beine weghaut… besser ist natürlich, nicht…:smile:

freundliche grüße ! Monika

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Hallo,
in den meisten Therapien wird es so sein,daß bei einem solchen Wunsch selbiger erst einmal auseinandergenommen wird,und es könnte ja auch der Wunsch bei Dir vorhanden sein,eine Grenze zu ignorieren oder aufzulösen.
Dennoch möchte ich hier einmal als Gegengewicht von einigen davon zu sehr überzeugten Postings in den Raum stellen,daß es so wenige Therapeuten gar nicht sind,bei denen das Du üblich ist und in keiner Weise der Therapie schadet.Gerade im Bereich der Körpertherapien ist das eher das normale.
Es kommt wie überall wohl eher auf die Umstände und die individuelle Situation an ob das OK ist oder nicht.Und damit wärst Du dann wieder af Dich allein gestellt,das herauszufinden.
Auf Deine Wahrheit kommt es an,und die ist in jedem Falle in Ordnung,Deine Therapeutin kann dem ihre Wahrheit gegenüberstellen,und Ihr werdet einen Weg finden.
Alles Gute,Mina