Duie Moral der Kirche?

Hallo zusammen,

auch wenn es in der Brettbeschreibung heißt, verbale
Kreuzzüge gegen die Religionen seien unerwünscht, so
hoffe ich trotzdem eine kontroverse Meinung zur
Diskussion stellen zu dürfen :smile:

Was mich angesichts des Weltjugendtages nachdenklich
gemacht hat, ist die Frage, wieso absolute
Selbstverständlichkeiten als riesen Schritte bejubelt
werden. Ein Besuch des Papstes in einer Synagoge etwa,
oder ein Händeschütteln mit Vertetern der evangelischen
Kirche, die offiziell vom Vatikan nicht mal als Kirche
anerkannt wird. Da bleibt mir die Spucke weg. Das ist
doch nichts als lächerlich. Der oberste Vertreter einer
Organisation die angeblich alles Handeln vor dem
Hintergrund der Nächstenliebe durchführt, verbietet
Protestanten das gemeinsame Abendmal und predigt auf
der anderen Seite Völkerverständigung. Und das ist nur
ein Beispiel.
Dieses ganze Gerede von Ratzinger im
Abschlußgottesdienst zeigt nur wie panisch die
katholische Kirche auf die Massenaustritte in einem
Land wie Deutschland reagiert. Das ist ein rein
machtpolitischer Ansatz und sonst gar nichts.
Würde Christus, selbst der von der katholischen Kirche
propagierte Christus, heute kommen, hätte er in ganz
schön viele Hintern zu treten.
Also welches Recht hat die katholische Kirche sich mit
bigotten Werten als moralische Instanz zu präsentieren?

Gruß
Tom

Auch hallo.

Was mich angesichts des Weltjugendtages nachdenklich
gemacht hat, ist die Frage, wieso absolute
Selbstverständlichkeiten als riesen Schritte bejubelt
werden.

Man beachte mal das Publikum vor welchem diese Aktionen durchgeführt werden. Analog erinnere ich mal an Stoiber und seine letzten Reden.
Und umgekehrt gesehen wäre der Beifall wohl kaum so gross gewesen, wenn die Menge an Menschen anders denken würde.

Der oberste Vertreter einer
Organisation die angeblich alles Handeln vor dem
Hintergrund der Nächstenliebe durchführt, verbietet
Protestanten das gemeinsame Abendmal und predigt auf
der anderen Seite Völkerverständigung. Und das ist nur
ein Beispiel.

Seit wann sind Glaubsgemeinschaften und Völker deckungsgleich ?

Dieses ganze Gerede von Ratzinger im
Abschlußgottesdienst zeigt nur wie panisch die
katholische Kirche auf die Massenaustritte in einem
Land wie Deutschland reagiert. Das ist ein rein
machtpolitischer Ansatz und sonst gar nichts.

So kann man es interpretieren. Das heisst nicht, dass diese Ansicht schon deswegen korrekt wäre…

Würde Christus, selbst der von der katholischen Kirche
propagierte Christus, heute kommen, hätte er in ganz
schön viele Hintern zu treten.

Tja ja…

Also welches Recht hat die katholische Kirche sich mit
bigotten Werten als moralische Instanz zu präsentieren?

Eine Kirche, die ihre Werte nach dem aktuellen Denken des von ihr belehrten Volks richtet, wird wohl kaum besonders ernst genommen. Oder ? So gesehen ist der ‚Fels in der Brandung‘ schon notwendig.
Vor ein paar Tagen hatte ich einen Bericht gelesen wonach Religionen, die ihren Mitgliedern mehr abverlangen würden als andere auch erfolgreicher als die Konkurrenz wären (wo nur. Wissenschaft-aktuell.de ?) Noch ein Bericht: http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=149520

HTH
mfg M.L.

***(offtopic) diese links parke ich hier mal :wink: ***
http://62.27.84.81/cgi-bin/onchange/anzeige.pl?kennu…
http://www.vdi-nachrichten.com/vdi_nachrichten/aktue…

Hallo,

auch wenn es in der Brettbeschreibung heißt, verbale
Kreuzzüge gegen die Religionen seien unerwünscht, so
hoffe ich trotzdem eine kontroverse Meinung zur
Diskussion stellen zu dürfen :smile:

Eine Meinung zu haben ist ja noch lange kein Kreuzzug:=

Was mich angesichts des Weltjugendtages nachdenklich
gemacht hat, ist die Frage, wieso absolute
Selbstverständlichkeiten als riesen Schritte bejubelt
werden.

Zumindest bei den von Dir angeführten Beispielen muß ich widersprechen:

Ein Besuch des Papstes in einer Synagoge etwa,

Wenn man sieht, daß Benedikt erst der zweite Papst ist, der überhaupt eine Synagoge betritt (naja - nach der Lehre der rk Kirche der dritte, Petrus war sicherlich auch mal in einer Synagoge, aber das btw), dann ist es schon ein wichtiges Ereignis. Nicht nur, daß der Papst dies tut, sondern was ich viel wichtiger finde, ist, daß eine deutsche, jüdische Gemeinde ihn empfangen hat. Daß er wiederum als Papst aller Katholiken dieses Zeichen setzen wollte, nämlich die Balehnung jeglichen Antijudaismus, ist angesichts durchaus immer wieder autretender Probleme wichtig.

oder ein Händeschütteln mit Vertetern der evangelischen
Kirche, die offiziell vom Vatikan nicht mal als Kirche
anerkannt wird. Da bleibt mir die Spucke weg. Das ist
doch nichts als lächerlich. Der oberste Vertreter einer
Organisation die angeblich alles Handeln vor dem
Hintergrund der Nächstenliebe durchführt, verbietet
Protestanten das gemeinsame Abendmal und predigt auf
der anderen Seite Völkerverständigung. Und das ist nur
ein Beispiel.

Wer die Geschichte der Reformation kennt, wird das „Händeschütteln“ doch eher für ein wichtiges Ereignis halten. Auch dies von beiden Seiten (auch wenn die Protestanten in Deutschland wohl derzeit sich lieber in der Sonne Benedikts sonnen, als ihr eigenes Profil zu bedenken).
Natürlich erkennt die rk Kirche die protestantischen Kirchen nicht als Kirchen im theologischen Verständnis an - aber bitte: Das tun die Protestanten eigentlich auch nicht: Sie teilen nicht das Amtsverständnis der rk Kirche, nicht das Sakramentsverständnis etc. D.h. jeder versteht die Dinge grundlegend anders, die für den jeweils anderen elementar sind.
Es ist wichtig, daß man gerade darin als Kirche Vorbild gibt: Man ist grundsätzlich anderer Meinung, aber man kann sich trotzdem verstehen und respektieren.
Zum Abendmahl: Als Protestantin würde ich nie auf die Idee kommen, eine Kommunion zu besuchen - ich glaube nämlich nicht, daß die Hostie das ist, was sie nach rk Lehre in diesem Moment sein soll - ich hätte also das Gefühl, ein Sakrileg zu begehen und einen in diesem Fall anderen Glauben verächtlich zu behandeln.
Es ist das gute Recht der rk Kirche, nicht jedem die Kommunion zu spenden.

Dieses ganze Gerede von Ratzinger im
Abschlußgottesdienst zeigt nur wie panisch die
katholische Kirche auf die Massenaustritte in einem
Land wie Deutschland reagiert. Das ist ein rein
machtpolitischer Ansatz und sonst gar nichts.

Den kann ich nicht erkennen (vielleicht erläuterst Du das?). Ich war eher erstaunt, wie klar Benedikt den Jugendlichen einen recht spirituellen entwurf eines rk Lebens vorgelegt hat - letztlich aht er ihnen gesagt: „Schön und gut, wir hatten alle unseren Spaß, aber ob ihr rk seit oder nicht, daß zeigt erst der Alltag…“ er hat ziemlich viel gefordert und nichts versprochen.

Würde Christus, selbst der von der katholischen Kirche
propagierte Christus, heute kommen, hätte er in ganz
schön viele Hintern zu treten.

Wie wahr:wink:

Also welches Recht hat die katholische Kirche sich mit
bigotten Werten als moralische Instanz zu präsentieren?

Ich kann „bigotte“ Werte nicht erkennen - höchstens, daß nach Werten nicht gehandelt wird.
Als Institution hat die rk Kirche wohl dieses recht, weil sie nun mal „Mitglieder“ hat, die genau das von ihr erwarten. Zeigt sie dabei, daß sie aus der Geschichte und den aktuellen Problemen bereit ist zu lernen (was nun nicht heißt, daß ihre Ergebnisse dabei die meinigen sein müssen), sehe ich darin auch grundsätzlich kein Problem.

Grüße,
Taju

Also welches Recht hat die katholische Kirche sich mit
bigotten Werten als moralische Instanz zu präsentieren?

Natürlich nimmt sie sich das Recht dazu, da sie sich im Recht fühlt :wink:

Ich sag dir ehrlich man kann gut Christ sein, ohne diesen ganzen pompösen Firlefanz.

gruß
rolf

Hallo,

also auf jeden Fall wäre Jesus heute nicht in der römish/katholischen Kirche. Denn er hat ja trotz Drängen seiner Jünger ausdrücklich KEINEN Nachfolgereingesetzt oder berufen. Insofern könnte er auch die Autorität des Papstes nicht anerkennen und würde dort hochkantig rausfliegen - zumal ja Jesus bekanntlich aus seiner meinung auch nie ein Geheimnis gemacht hat. Der würde sich also genau so wieder das maul verbrennen und sich unbeliebt machen wie damals…

Zum anderen begreife ich als Lutheraner den ganzen Rummel nicht, der um Benedikt gemacht wird. Gut, er ist Bischof von Rom und als solcher meinetwegen auch der oberste aller katholichen geistlichkeit. wenn die unbedingt nen Leithammel brauchen, dann von mir aus. Chef macht sich schließlich immer gut - da kann man sich selber immer so schön vor der Verantwortung drücken.
Nur - weshalb der ganze Rummel um ihn? Weshalb spielen alle verrückt und drehen durch, nur weil der Papst kommt? Wieso himmeln die den förmlich an? Er ist doch letztlich auch nur ein sterblicher Mensch wie wir alle. Und sprach nicht Jesus eigentlich auch davon, daß alle menschen gleich seien vor Gott? Ist der etwa gleicher als die anderen? Ist das nicht eigentlich sogar Gotteslästerung (Du sollst keine anderen Götter haben neben mir), wenn der olle herr so angehimmelt wird?
Keine Ahnung… aber ich bin ja zum Glück auch nicht katholisch.

Gernot Geyer

Extra ecclesiam nulla salus…
LG Alex:smile:

Servus,

(*argh*, ich war gerade mit der Antwort fertig und habe dann das Fenster zugeklickt - also zum Zweiten. Wenn meine Gedankengänge nicht stringent sind dann, weil ich das alles zum zweiten Mal schreibe und vielleicht gedanklich noch in der ersten VErsion bin)

auch wenn es in der Brettbeschreibung heißt, verbale
Kreuzzüge gegen die Religionen seien unerwünscht, so
hoffe ich trotzdem eine kontroverse Meinung zur
Diskussion stellen zu dürfen :smile:

Och, keine Sorge… Da haben wir hier aber schon ganz andere Sachen zu lesen bekommen…

Was mich angesichts des Weltjugendtages nachdenklich
gemacht hat, ist die Frage, wieso absolute
Selbstverständlichkeiten als riesen Schritte bejubelt
werden. Ein Besuch des Papstes in einer Synagoge etwa,

Das Problem ist, dass es eben noch keine Selbstverständlichkeiten sind, leider. Wenn man sich mal die Geschichte der letzten Jahrhunderte anguckt, hat auch und gerade die kath. Kirche einige sehr schwere Fehler gemacht. Das hat sie inzwischen - in kleinen Schritten zwar, aber immerhin - zugegeben. Diese Fehler können nicht ungeschehen gemacht werden, und ihre Heilung erfordert große Vorsicht, um nichts zu „verschlimmbessern“ durch voreilige Aktionen. Also gibt es immer mal wieder kleine Schritte und ab und zu auch sehr große Schritte. Der Weg zur Versöhnung ist vielleicht mühsam und lang, aber wenigstens gibt es keinen Stillstand derzeit. Insofern sind sie vielleicht ja auch ein Weg zur Selbstverständlichkeit. Aber ein bisschen Aufmunterung und Zuspruch für diese Schritte würde sicherlich nicht schaden.

doch nichts als lächerlich. Der oberste Vertreter einer
Organisation die angeblich alles Handeln vor dem
Hintergrund der Nächstenliebe durchführt, verbietet
Protestanten das gemeinsame Abendmal und predigt auf

Ich glaube nicht wirklich, dass sich Protestanten vom Papst etwas verbieten lassen, insofern kann er den Protestanten das gemeinsame Abendmahl kaum verbieten. Sorry wegen Haarspalterei :smile:
In der Tat sehe ich das gemeinsame Abendmahl als eines der wichtigsten Ziele in einer näheren Zeitspanne an. Auch hier gilt das, was schon oben steht: Kleine Schritte sind gemacht worden, vielleicht auch riesengroße, wie etwas die Austeilung der Kommunion durch Kardinal Ratzinger an den wunderbaren Frere Roger. Dafür gab es auch schwere Rückschläge wie das Verbot des Abendmahls in Berlin. Hier sind auch wieder beide Konfessionen gefragt, in diesem Fall sind es die Katholiken, die die „ursprüngliche“ Form beibehalten haben und entsprechend große Schwierigkeiten haben, bei diesem ganz zentralem Glaubensereignis von ihrer langen, langen Tradition abzuweichen. Wenngleich ich denke, dass ein sehr, sehr großer Prozentsatz unter den Katholiken bei der entscheidenden Frage der tatsächlichen Wandlung bei genauerem Hinsehen recht protestantisch denken…

Dieses ganze Gerede von Ratzinger im
Abschlußgottesdienst zeigt nur wie panisch die
katholische Kirche auf die Massenaustritte in einem
Land wie Deutschland reagiert. Das ist ein rein

Da muss ich Dir widersprechen. Der Aufruf zum sonntöglichen Gottesdienst war ja nur ein Thema, das aber in einem ganzen Kontext gesehen werden muss. Denn verbunden damit ist auch die Einbindung in ein Familien- und Gemeindeleben, ist es doch oft so, dass diese eine Stunde (und ein wenig Zeit zuvor und danach) am Sonntag tatsächlich für einige Familien die einzige Möglichkeit der Gemeinsamkeit ist. Aber in der Predigt war auch der Aufruf an die Jugend, nicht die alten Menschen zu vergessen. kann man doch garnicht laut genug zu aufrufen!

Würde Christus, selbst der von der katholischen Kirche
propagierte Christus, heute kommen, hätte er in ganz
schön viele Hintern zu treten.

Das denke ich auch, wir sind alle Menschen… Und können nur gemeinsam versuchen, diese Probleme zu erkenne, anzugehen und zu lösen. Mahner von außerhalb, die darauf aufmerksam machen sind dabei hilfreich, nicht aber Zyniker, die sich über die Anstrengungen lustig machen und von vornherein als zum Scheitern verurteilt verdammen (damit meine ich nicht Dich)!

Also welches Recht hat die katholische Kirche sich mit
bigotten Werten als moralische Instanz zu präsentieren?

Die Kirche, das sind 1 Milliarde Menschen, die zumindest versuchen, ein „gutes“ Leben zu führen, auch wenn das beileibe nicht immer gelingt. Aber 1 Milliarde Menschen die es versuchen und denen es immer mal wieder gelingt sind ein guter Anfang, finde ich.

Christian

Hallo,

Nur - weshalb der ganze Rummel um ihn? Weshalb spielen alle
verrückt und drehen durch, nur weil der Papst kommt? Wieso
himmeln die den förmlich an?

Ich glaube, dass es momentan so eine Sache des Zeitgeistes ist, dass alte Werte, zu denen der Papst ja zweifelsohne zählt, wieder hervorgejubelt werden, weil die Gegenwart gerade jungen Menschen derzeit nicht mehr als Instabilität in fast allen Lebenslagen zu bieten hat. Und da tritt dann dieser ältere Herr auf und bietet etwas an, was seit über 2.000 Jahren besteht und in das er keinen Täuscher, von denen es ja in Politik und Wirtschaft an jeder Ecke unzählige gibt, hineinreden lässt. Instabilität ist die Stunde der Zeichen und Persönlichkeiten. Wenn ich (als Lutheraner) auch das Amt des Papstes als spirituell unbedeutend betrachte, wundert’s mich wenigstens aus gesellschaftspolitischen Gründen nicht, wenn der Papst bejubelt wird.

Gruss
tigger

Hallo,

(auch wenn die Protestanten in
Deutschland wohl derzeit sich lieber in der Sonne Benedikts
sonnen, als ihr eigenes Profil zu bedenken).

Wie kommst Du denn auf sowas? Wenn ich Dich richtig verstehe, muss ich Dir zustimmen. Bin mir aber nicht sicher, ob ich Dich richtig verstehe. Könntes Du bitte erklären, was Du meinst?

Man ist grundsätzlich anderer Meinung, aber man kann sich
trotzdem verstehen und respektieren.

Dass gerade die RKK andere Kirchen respektiert, sehe ich wenigstens in der römisch-katholischen Kirchenführung nicht. Glücklicherweise sieht es die Basis aber vielfach so, wie Du es beschreibst.

Es ist das gute Recht der rk Kirche, nicht jedem die Kommunion
zu spenden.

  1. Hat sie m. E. keineswegs das Recht, jemandem die Teilnahme am Abendmahl zu verweigern, weil es ihr ja nicht gehört. Der Leib und das Blut Christi sind ja nicht das Eigentum der RKK, sondern das Eigentum Christi. Logischerweise kann man ja daher auch nichts spenden, was einem nicht gehört. :wink: Man kann die Spende eines anderen aber verwalten. Das aber setzt eine Beauftragung des Spenders voraus, der damit ja ein Interesse verbindet. Und das Interesse Christi war eben, sein Leib und Blut für alle Menschen zu geben. Deshalb hat kein Mensch das Recht, einem anderen Menschen die Teilhabe am Leib und Blut Christi zu verweigern, denn das wäre vermutlich wirklich ein Sakrileg.

  2. Die tatsächlichen Gründe liegen m. E. nicht im Verständnis dieses Sakramentes, sondern sind vielmehr kirchenpolitischer Natur. Die RKK hätte sehr wohl gern das Abendmahl mit den Protestanten, sie hätte es aber auch gern mit den Orthodoxen. Gezwungenermaßen ist die RKK aber gegenüber den Protestanten zurückhaltend, weil eben die Orthodoxen der RKK sagen: Wenn ihr mit den Protestanten Abendmahl feiert, sind wir für immer geschiedene Leute.

Gruss
tigger

Ich weiß nicht recht,
aber ist es nicht etwas blauäugig, an ein Zusammenwachsen der Kirchen zu glauben?
Sicher sind gemeinsame Gottesdienste vorstellbar und ein gemeinsames Abendmahl (wobei aber Protestanten und Katholiken schon wieder was anderes darunter verstehen). Aber von den Kirchenoberen mehr als ein wenig gegenseitige Achtung und guten Willen zu erwarten - das wäre nun doch utopisch.
Der Papst mit seiner römisch/kathoilöischen kirche hat nun einmal bestimmte Auffassungen, die ich als Lutheraner nicht teilen kann und will. Schließlich hat der olle Martin nicht seine Thesen an die Kirchentüre genagelt, damit wir das nun heute alles wieder aufgeben für ein Verständnis vom Christentum, daß uns als Protestanten antiquiert und verschoben vorkommt. Ich sage es mal ganz deutlich - ich will und ich werde nie den Papst alsd Oberhaupt anerkennen und ich werde mich nie zu den r/k Beicht- und Ablaßspielchen herablassen.
Andererseits ist aber auch kaum zu erwarten, daß er helige Vater seine Tiara absetzt und verkündet, doch nicht mehr der unfehlbare Stellvertreter Gottes auf Erden zu sein. (Wäre auch irgendwie schade, das mittelalterliche Zeremoniell mit schweizer Garde und so hat schließlich einen hohen Unterhaltungswert und was sammle ich, wenn es keine Briefmarken vom vatikan mehr gibt?)
Tja… und wenn keiner von beiden so richtig nachgeben will, dann wird es schwierig. Ich habe da auch ein gewisses verständnis für beide Seiten. Glauben ist schließlich eine Frage des gefühles und Empfindens und nicht der Logiuk - und in mir z.B. sträubt sich alles bei dem Gedanken, da den katholischen Kram übernehmen zu müssen.

Wird also nix mit der Einheit der Christenheit fürchte ich - es sein denn der Papst verkündet als letzte Amtshandlung, sich geirt zu haben und tritt ab. Aber da ist es wohl wahrscheinlicher, daß Gottvater selber runterkommt und uns allen ein paar hinter die Ohren gibt wegen der ewigen Uneinigkeit…

Gernot Geyer

Hallo,

Was mich angesichts des Weltjugendtages nachdenklich
gemacht hat, ist die Frage, wieso absolute
Selbstverständlichkeiten als riesen Schritte bejubelt
werden.

Auch ich habe besonders für Jugendliche wichtige Themen vermisst wie zum Beispiel das Zölibat,Frauen als Priester ,Verhütung,Sexualität…

Gruß
Markus

Hallo,

(*argh*, ich war gerade mit der Antwort fertig und habe dann
das Fenster zugeklickt

Das kenne ich aus leidvoller Erfahrung, dagegen hilft nur: Längere Passagen zuerst ins Textprogrammm!

Das Problem ist, dass es eben noch keine
Selbstverständlichkeiten sind, leider. Wenn man sich mal die
Geschichte der letzten Jahrhunderte anguckt, hat auch und
gerade die kath. Kirche einige sehr schwere Fehler gemacht.
Das hat sie inzwischen - in kleinen Schritten zwar, aber
immerhin - zugegeben.

Hier irrst du, glaube ich. Die Kirche als Institution hat eben, soweit ich sehe, für das letzte Jhd. keine Fehler zugegeben, sondern sich für Fehler und Sünden entschuldigt, die Vertreter der Kirche in ihrem Namen begangen haben. Das ist gerade für das Selbstverständnis der katholischen Kirche ein feiner, aber wichtiger Unterschied.
Sie könnte mit einem Federstrich dem Annsinnen von jüdischer Seite nachkommen, die Archive zu öffnen, um eindeutig z.B. die Frage zu klären, ob und ggf. inweiweit der Vatikan in die Verbrechen der Nazis verstrickt war, sie geduldet hat usw.

Diese Fehler können nicht ungeschehen
gemacht werden, und ihre Heilung erfordert große Vorsicht, um
nichts zu „verschlimmbessern“ durch voreilige Aktionen.

Was soll denn das heißen?
Wo die „Fehler“ Opfer hinterlassen haben, ist es angezeigt, diese um Verzeihung zu bitten, und diese können dann ggf. Verzeihung gewähren. Das ist doch die Grundvoraussetzung für einen Neuanfang. „Große Vorsicht“ und Furcht vor „Verschlimmbesserung“ sind nur erforderlich, wenn man halbherzige „Annäherung“ versucht, ohne zu jenem elementaren Schritt wirklich bereit zu sein.

Grüße
Oranier

Hallo tigger,

(auch wenn die Protestanten in
Deutschland wohl derzeit sich lieber in der Sonne Benedikts
sonnen, als ihr eigenes Profil zu bedenken).

Wie kommst Du denn auf sowas? Wenn ich Dich richtig verstehe,
muss ich Dir zustimmen. Bin mir aber nicht sicher, ob ich Dich
richtig verstehe. Könntes Du bitte erklären, was Du meinst?

Oh je, das würde lange dauern:wink:
Letztlich empfinde ich die „Kirchenpolitik“ der EKD und auch der (meisten) Landeskirchen als zu profillos - am meisten unseren guten Ratsvorsitzenden, der in seinen hübsch designten Bischofsklüften durch die Talkshows geistert, um sich einerseits in die rk Inszenierung einzuordnen (bis dahin, zu äußern, er habe den verstorbenen Papst „zutiefst verehrt“, ein lutherischer Theologe sollte mit diesen Worten vorsichtiger umgehen, auch wenn die deutsche Medienlandschaft in ihrer Unkenntnis christlicher Geschichte und Kultur derartige Begriffe inflationär gebraucht), andererseits lutherisches Profil populistisch an den Mann zu bringen. So sonnt sich die ev. Kirche in dem Glanz, die ihm durch eine „Audienz“ bei Benedikt zuteil wird, gleichzeitig versucht sie ihr Profil unter ständigem Hinweis auf Frauenordination und Sexualmoral populistisch zu verkaufen.
Das ist für mich kein Profil, sondern Anbiederung. Es sollte um das gehen, was dahintersteht: Ein anderes Verständnis nicht nur von Kirche, sondern vor allem vom Menschen und seinem Weg zu Gott.

Man ist grundsätzlich anderer Meinung, aber man kann sich
trotzdem verstehen und respektieren.

Dass gerade die RKK andere Kirchen respektiert, sehe ich
wenigstens in der römisch-katholischen Kirchenführung nicht.
Glücklicherweise sieht es die Basis aber vielfach so, wie Du
es beschreibst.

Mh, es kommt darauf an, auf was es einem ankommt. Wenn wir die berühmte erklärung Dominus Jesus nehmen, ich kann mich als Lutheranerin nicht darüber aufregen, daß die rk Kirche meine Kirche nicht als „Kirche im vollen Sinne“ ansieht. ehrlich gesagt sehe ich gerade darin den Respekt: Man nimmt das andere Verständnis (der Protestanten) wahr, anstatt zu vereinnahmen. Und manchmal fürchte ich wirklich, das Benedikt mehr über lutherisches Profil weiß als unsere eigenen Kirchenoberen. Andererseits: Allein, weil ich als Protestanten das Sukzessionsverständnis der rk Kirche auch historisch nicht teilen kann, sage ich letztendlich auch: Eurer Kirchenverständnis ist fehlerhaft.
Es kommt aber für den Dialog darauf an, daß man sich nicht gegenseitig verdammt - und da sind wir seit der gemeinsamen Erklärung zur rechtfertigungslehre einen entschiedenen Schritt weiter gekommen (auch wenn ich mit der auch nicht glücklich bin).

Es ist das gute Recht der rk Kirche, nicht jedem die Kommunion
zu spenden.

  1. Hat sie m. E. keineswegs das Recht, jemandem die Teilnahme
    am Abendmahl zu verweigern, weil es ihr ja nicht gehört. Der
    Leib und das Blut Christi sind ja nicht das Eigentum der RKK,
    sondern das Eigentum Christi. Logischerweise kann man ja daher
    auch nichts spenden, was einem nicht gehört. :wink: Man kann die
    Spende eines anderen aber verwalten. Das aber setzt eine
    Beauftragung des Spenders voraus, der damit ja ein Interesse
    verbindet. Und das Interesse Christi war eben, sein Leib und
    Blut für alle Menschen zu geben. Deshalb hat kein Mensch das
    Recht, einem anderen Menschen die Teilhabe am Leib und Blut
    Christi zu verweigern, denn das wäre vermutlich wirklich ein
    Sakrileg.

Innerhalb der Logik rk Theologie ist es durchaus gerechtfertigt - und die Mitglieder der rk Kirche dürfen auch eine sachgemäße „Verwaltung“ der Sakramente erwarten. Das ist in den evangelischen Kirchen nicht anders und auch dort steht die Lehre vor dem Sakrament (man vgl. den Taufbefehl).

  1. Die tatsächlichen Gründe liegen m. E. nicht im Verständnis
    dieses Sakramentes, sondern sind vielmehr kirchenpolitischer
    Natur. Die RKK hätte sehr wohl gern das Abendmahl mit den
    Protestanten, sie hätte es aber auch gern mit den Orthodoxen.
    Gezwungenermaßen ist die RKK aber gegenüber den Protestanten
    zurückhaltend, weil eben die Orthodoxen der RKK sagen: Wenn
    ihr mit den Protestanten Abendmahl feiert, sind wir für immer
    geschiedene Leute.

Was uns trennt, ev und rk, das ist das Amtsverständnis (so schon Luther). Daran hängt letztlich alles (in der Ökumene-Frage) und deswegen wird es m.E. auch in absehbarer Zeit keine „eine“ Kirche auf dieser Welt geben. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht.

Sorry für die Länge,
Grüße,
taju

Auch hallo,

(*argh*, ich war gerade mit der Antwort fertig und habe dann
das Fenster zugeklickt

Das kenne ich aus leidvoller Erfahrung, dagegen hilft nur:
Längere Passagen zuerst ins Textprogrammm!

Ja, wenn ich vorher nur immer wüsste, dass meine Antworten länger werden. Ergibt
sich aber leider meistens erst beim Schreiben… :smile:

Hier irrst du, glaube ich. Die Kirche als Institution hat
eben, soweit ich sehe, für das letzte Jhd. keine Fehler
zugegeben, sondern sich für Fehler und Sünden entschuldigt,
die Vertreter der Kirche in ihrem Namen begangen haben. Das

Nun, die Vertreter der Kirche sind die Kirche. Eine Institution kann sich nicht
per se entschuldigen, sondern nur für das, was ihre Mitglieder machen. So kann
man sich ja auch nicht für Deutschland entschuldigen, sondern nur für die Taten
die von Deutschen oder im Namen der Deutschen begangen worden sind.
Bemerkenswert dazu die Predigt von Benedikt während der Vigil, insbesondere deren
vorletzter Absatz, nachzulesen u.a. hier:
http://www.wjt2005.de/index.php?id=1891&backPID=1364…

ist gerade für das Selbstverständnis der katholischen Kirche
ein feiner, aber wichtiger Unterschied.

s.o., die Kirche versteht sich als Institution, gebildet aus einer Vielzahl von
Menschen und Meinungen - von denen auch Irrwege ausgehen können.

Sie könnte mit einem Federstrich dem Annsinnen von jüdischer
Seite nachkommen, die Archive zu öffnen, um eindeutig z.B. die
Frage zu klären, ob und ggf. inweiweit der Vatikan in die
Verbrechen der Nazis verstrickt war, sie geduldet hat usw.

Die Öffnunf der Archive folgt im Allgemeinen einem festen Zyklus, die Öffnung der
Archive während der Nazizeit wurde bereits begonnen. Dazu:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,367761,00.html

gemacht werden, und ihre Heilung erfordert große Vorsicht, um
nichts zu „verschlimmbessern“ durch voreilige Aktionen.

Was soll denn das heißen?
Wo die „Fehler“ Opfer hinterlassen haben, ist es angezeigt,
diese um Verzeihung zu bitten, und diese können dann ggf.
Verzeihung gewähren. Das ist doch die Grundvoraussetzung für

Die Opfer vieler Fehler wurden bereits - mehrfach - um Verzeihung gebeten. Ich
meinte hier „Fehler“ wie etwa die Kirchenspaltung und den Umgang mit
Protestanten, wo es also um Glaubenslehre geht und nicht tatsächlich
körperliche/materielle Schädigungen

einen Neuanfang. „Große Vorsicht“ und Furcht vor
„Verschlimmbesserung“ sind nur erforderlich, wenn man
halbherzige „Annäherung“ versucht, ohne zu jenem elementaren
Schritt wirklich bereit zu sein.

Ein großer Schritt kann auch in einem ganz bösen Abgrund enden. Eine Institution
wie die Kirche kann m.e. nicht voranpreschen. Das ist wie mit einem
Pferdegespann. Wenn der Leithengst durchgeht kann er die Kurve vielleicht
kriegen, aber die Kutsche gerät heillos ins Schleudern und kippt im Zweifelsfall
sogar um. Hat keiner was von…

Gruß
Christian

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Auch hallo,

(*argh*, ich war gerade mit der Antwort fertig und habe dann
das Fenster zugeklickt

Das kenne ich aus leidvoller Erfahrung, dagegen hilft nur:
Längere Passagen zuerst ins Textprogrammm!

Ja, wenn ich vorher nur immer wüsste, dass meine Antworten
länger werden. Ergibt
sich aber leider meistens erst beim Schreiben… :smile:

Hier irrst du, glaube ich. Die Kirche als Institution hat
eben, soweit ich sehe, für das letzte Jhd. keine Fehler
zugegeben, sondern sich für Fehler und Sünden entschuldigt,
die Vertreter der Kirche in ihrem Namen begangen haben. Das

Nun, die Vertreter der Kirche sind die Kirche. Eine
Institution kann sich nicht
per se entschuldigen, sondern nur für das, was ihre Mitglieder
machen. So kann
man sich ja auch nicht für Deutschland entschuldigen, sondern
nur für die Taten
die von Deutschen oder im Namen der Deutschen begangen worden
sind.

Du hast ein zu personalistisches Verständnis von Institutionen. „Man“ kann sich überhaupt nicht sinnvoll für „Deutschland“ entschuldigen, aber wenn der Bundeskanzler dies im Rahmen eines offiziellen Staatsbesuches in Polen tut, tut er es als Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland gegenüber der Republik Polen. Dass die Ausführung immer durch Personen geschieht, ist ja klar, aber sie sprechen sozusagen nicht als Herr Brandt oder Herr Schröder, sondern als Repräsentant (also Stellvertreter) des Staates, der nach dem Völkerrecht das eigentliche Subjekt ist.
Entsprechend ist das kirchenrechtliche Verständnis der Kirche, die sich mitnichten als bloß summarische Vereinigung der Mitglieder versteht, und der Papst wählt seine Worte genau, wenn er nicht sagt: „Der Hl. Stuhl hat den Naziverbrechen Vorschub geleistet“ (wenn es denn so sein sollte), sondern: „Einzelne Vertreter der Kirche…“

Sie könnte mit einem Federstrich dem Annsinnen von jüdischer
Seite nachkommen, die Archive zu öffnen, um eindeutig z.B. die
Frage zu klären, ob und ggf. inweiweit der Vatikan in die
Verbrechen der Nazis verstrickt war, sie geduldet hat usw.

Die Öffnunf der Archive folgt im Allgemeinen einem festen
Zyklus, die Öffnung der
Archive während der Nazizeit wurde bereits begonnen. Dazu:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,367761,00.html

Das ist mir natürlich alles nicht unbekannt, aber der Zyklus ist nicht heilig und könnte nach dem entsprechenden jüdischen Ansinnen durchbrochen werden. Aber vielleicht haben die jüdischen Vertreter zu wenig Respekt vor durchgehenden Hengsten.

gemacht werden, und ihre Heilung erfordert große Vorsicht, um
nichts zu „verschlimmbessern“ durch voreilige Aktionen.

Was soll denn das heißen?
Wo die „Fehler“ Opfer hinterlassen haben, ist es angezeigt,
diese um Verzeihung zu bitten, und diese können dann ggf.
Verzeihung gewähren. Das ist doch die Grundvoraussetzung für

Die Opfer vieler Fehler wurden bereits - mehrfach - um
Verzeihung gebeten. Ich
meinte hier „Fehler“ wie etwa die Kirchenspaltung

Ich spreche, um es zu verdeutlichen, von Pius XII. und dem Dritten Reich, nicht von 1054.

Ein großer Schritt kann auch in einem ganz bösen Abgrund
enden. Eine Institution
wie die Kirche kann m.e. nicht voranpreschen. Das ist wie mit
einem
Pferdegespann. Wenn der Leithengst durchgeht kann er die Kurve
vielleicht
kriegen, aber die Kutsche gerät heillos ins Schleudern und
kippt im Zweifelsfall
sogar um. Hat keiner was von…

Du bist ein getreuer Anhänger der Kirche und sprichst in Gleichnissen. Ich habe etwas ganz Reales im Sinn: Die Bitte um Verzeihung, je früher, je besser, hat noch nie Unheil angerichtet, außer vielleicht in Canossa, aber das ist eine andere, erzwungene Geschichte.

Grüße
Oranier

Hallo,

Die Öffnunf der Archive folgt im Allgemeinen einem festen
Zyklus, die Öffnung der
Archive während der Nazizeit wurde bereits begonnen. Dazu:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,367761,00.html

Das ist mir natürlich alles nicht unbekannt, aber der Zyklus
ist nicht heilig und könnte nach dem entsprechenden jüdischen

Daher wird es doch, wenn ich den letzten Absatz des Artikels richtig in
Erinnerung habe, schon im kommenden Jahre eine weitere Öffnung der Archive geben.

gemacht werden, und ihre Heilung erfordert große Vorsicht, um
nichts zu „verschlimmbessern“ durch voreilige Aktionen.

Was soll denn das heißen?
Wo die „Fehler“ Opfer hinterlassen haben, ist es angezeigt,
diese um Verzeihung zu bitten, und diese können dann ggf.
Verzeihung gewähren. Das ist doch die Grundvoraussetzung für

Die Opfer vieler Fehler wurden bereits - mehrfach - um
Verzeihung gebeten. Ich
meinte hier „Fehler“ wie etwa die Kirchenspaltung

Ich spreche, um es zu verdeutlichen, von Pius XII. und dem
Dritten Reich, nicht von 1054.

Wir sprachen defintiv über unterschiedliche Sachen, dann. Dem im Spiegel
zitierten Hummel-Interview entnehme ich u.a. folgende Kernpunkte:

  • eine weltweit abgestimmte Aktion des Vatikan Ende 1938 gegen das Nazi-Regime
    wurde auf Bitten deutscher Bischöfe abgesagt, die das Risiko unkalkulierbare
    Vergeltungsmaßnahmen an den deutschen Katholiken fürchteten
  • Pius XI. hat den Antisemitismus mehrfach verurteilt, unter Pius XII. gab es in
    diesem Punkt keinerlei Veränderung
  • der Abbruch der Juden-Razzia in Rom 1943 ging wesentlich auf das Eingreifen
    Pius’ XII. zurück
  • „Wer annimmt, der Papst hätte durch spektakuläre Auftritte den Holocaust
    verhindern können, muss erklären, welche Machtmittel ihm dafür zur Verfügung
    gestanden hätten und warum Hitler&Co ausgerechnet in dieser Frage auf den Papst
    hören sollten“

Du bist ein getreuer Anhänger der Kirche und sprichst in
Gleichnissen. Ich habe etwas ganz Reales im Sinn: Die Bitte um

Ich benutze Metaphern nicht nur, wenn es um kirchliche Fragen geht. Aber in einer
schriftlichen Diskussion helfen Bilder, die rhetorischen Mittel wie Gestik und
Mimik teilweise zu ersetzen und in ihrer Einfachheit werden durch sie manche
Missverständisse vermieden.

Verzeihung, je früher, je besser, hat noch nie Unheil
angerichtet, außer vielleicht in Canossa, aber das ist eine
andere, erzwungene Geschichte.

Wie gesagt, es ging bei mir nicht um die Bitte nach Verzeihung für mögliche
Fehler, sondern um den interkonfessionellen und interreligiösen Konflikt und den
Versuch, diese Konflikte zu verringern, wenn nicht irgendwan zu beseitigen.

Gruß
Christian

Kirche und Nazis
Hallo

Ich spreche, um es zu verdeutlichen, von Pius XII. und dem
Dritten Reich, nicht von 1054.

Wir sprachen defintiv über unterschiedliche Sachen, dann. Dem
im Spiegel
zitierten Hummel-Interview entnehme ich u.a. folgende
Kernpunkte:

  • eine weltweit abgestimmte Aktion des Vatikan Ende 1938 gegen
    das Nazi-Regime
    wurde auf Bitten deutscher Bischöfe abgesagt, die das Risiko
    unkalkulierbare
    Vergeltungsmaßnahmen an den deutschen Katholiken fürchteten

Das ist ein schöner Euphemismus: Die deutschen Bischöfe wurden von strammen Nazis dominiert, zumal dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, dem Breslauer Erzbischof Kardinal Bertram, den du in Filmarchiven mit fanatisch zum Hitlergruß erhobenem Arm bewundern kannst.

  • "Wer annimmt, der Papst hätte durch spektakuläre Auftritte
    den Holocaust
    verhindern können, muss erklären, welche Machtmittel ihm dafür
    zur Verfügung
    gestanden hätten

Erstens kann man doch hier nicht sinnvoll so in die Totale gehen, den Papst als Verursacher oder Verhinderer des Holocaust zu stilisieren.

Zweitens bedarf es zu einem spektakulären Papst-Auftritt, wie man am Wochenende erleben konnte, keiner Machtmittel.

Drittens hatte der Vatikan extensive Möglichkeiten, auch durch Geheimdiplomatie mit den Alliierten oder meinetwegen auch mit der Reichsregierung zu wirken, da würde der Zweck die Mittel heiligen.
Ob diese Möglichkeiten genutzt wurden, behaupte ich weder noch bestreite ich es. Das kann wirklich nur durch Offnung der Archive ermittelt werden.

und warum Hitler&Co

Das war leider kein Gemischtwarenladen.

ausgerechnet in dieser
Frage auf den Papst
hören sollten"

Sicher ist nur eins: Durch einen schweigenden Papst fühlten sie sich zumindest nicht gebremst.

Im übrigen haben sich die Nazis durchaus von den Predigten des jetzt zur Seligsprechung anstehenden Kardinals von Gahlen beeindrucken lassen und das „Euthanasieprogramm“ zwar nicht eingestellt, aber deutlich defensiver und eingeschränkter durchgeführt.

Und es ist überhaupt nicht einzusehen, weshalb die Gestapo, die sich wegen des Massenzulaufs zu seinen Predigten (seitens der neben ihm selber wirklich mutigen Katholiken) nicht an ihn herantraute, weniger Vorsicht hätte walten lassen, wenn er in der ihm eigenen biblischen Sprache auch die Judenverfolgung gegeißelt hätte, die er aber leider, soviel ich weiß, nicht mit einem Satz erwähnt hat.

Es ist doch eine bigotte Haltung, hier ständig die Bereitschaft der Kirche zu betonen, Fehler einzugestehen, und andererseits diese Fehler kleinzureden.

Grüße
Oranier

Servus,

Bischofskonferenz, dem Breslauer Erzbischof Kardinal Bertram,
den du in Filmarchiven mit fanatisch zum Hitlergruß erhobenem
Arm bewundern kannst.

Ich bewundere keine Leute, die den Hitlergruß zeigen. Und selbst wenn es so wäre, dass die deutsche Bischofskonferenz von „strammen Nazis“ dominiert worden wäre: trotzdem hätten die ganz einfachen Menschen die Konsequenzen zu spüren bekommen.

Erstens kann man doch hier nicht sinnvoll so in die Totale
gehen, den Papst als Verursacher oder Verhinderer des
Holocaust zu stilisieren.

Was aber oft genug versucht wird.

Zweitens bedarf es zu einem spektakulären Papst-Auftritt, wie
man am Wochenende erleben konnte, keiner Machtmittel.

Nun, Du kannst aber kaum einen Weltjugendtag 60 Jahre nach dem Krieg vergleichen mit der Situation, die damals geherrscht hat. Zumal „spektakuläre“ Auftritte dieser Art kaum Wirkung gezeigt hätten.
Davon ab stimme ich Dir zu, es hätte sicherlich die Möglichkeit zu spektakulären Auftritten anderer Art gegeben - und offensichtlich wurden diese ja auch vorbereitet.

und warum Hitler&Co

Das war leider kein Gemischtwarenladen.

Wie Du sicherlich gesehen hast handelte es sich hier um ein Zitat und nicht um meine Worte. Ich hätte sie so auch nicht gewählt, zitiere aber korrekt.

ausgerechnet in dieser
Frage auf den Papst
hören sollten"

Sicher ist nur eins: Durch einen schweigenden Papst fühlten
sie sich zumindest nicht gebremst.

Wie gesagt: offensichtlich hat er nicht immer geschwiegen, ein Beispiel habe ich ja bereits aufgezeigt. Und vielleicht hat er durch die Zurückhaltung in flammenden offenen Reden auch sehr viele Menschenleben gerettet. Ich glaube, da zu beurteilen ist für uns beide allerdings aussichtslos.

Im übrigen haben sich die Nazis durchaus von den Predigten des
jetzt zur Seligsprechung anstehenden Kardinals von Gahlen
beeindrucken lassen und das „Euthanasieprogramm“ zwar nicht
eingestellt, aber deutlich defensiver und eingeschränkter
durchgeführt.

In kleinem Rahmen haben sie sich sicherlich beeindrucken lassen. Ich bin mir aber sicher, dass es Hitler in dieser Frage völlig egal war, was ein Bischof sagte und was nicht.

Es ist doch eine bigotte Haltung, hier ständig die
Bereitschaft der Kirche zu betonen, Fehler einzugestehen, und
andererseits diese Fehler kleinzureden.

Es gibt Fehler, die kann man nicht kleinreden, weil es keine kleinen Fehler sind, so sie begangen wurden. Sollte sich an Hand der Archive herausstellen, dass der Papst/die Kirche gefahrlos hätte mehr machen können und es nicht getan hat, dann ist es ein Fehler, und zwar ein dramatischer. Aber sollte sich herausstellen, dass der Papst durchaus Aktionen gestartet hat und damit auch Erfolg hatte - dann sollte man aufhören, ihm Fehler ankreiden zu wollen. Ich denke, wir treten hier so lange auf der Stelle, bis neue Quellen vorliegen.

Gruß
Christian

Hallo Taju,

Oh je, das würde lange dauern:wink:

Ich kann ja in Abschnitten lesen. Heute 'n bisschen, morgen 'n bisschen :wink:

Letztlich empfinde ich die „Kirchenpolitik“ der EKD und auch
der (meisten) Landeskirchen als zu profillos

Das stimme ich Dir zu. Bin selbst Lutheraner.

  • am meisten
    unseren guten Ratsvorsitzenden, der in seinen hübsch designten
    Bischofsklüften durch die Talkshows geistert, um sich
    einerseits in die rk Inszenierung einzuordnen (bis dahin, zu
    äußern, er habe den verstorbenen Papst „zutiefst verehrt“,

Naja, er hat ihn vermutlich nicht wegen seines Felsenamtes verehrt :wink: und man wirft ja einem Toten auch keine Steine nach. Aber wie auch immer, auch hier hätte mehr Profil gut getan. Obwohl man aber auch auf ekd.de einige recht deutliche Worte von Bischof Huber lesen kann. Also, da kann ich nicht sagen, er wollte sich da irgendwie sonnen. Er ist eigentlich der Einzige, der an diesem WJT-Superevent, über den Kritik zu äußern ja schon fast an Majestätsbeleidigung grenzt, auch einiges Fehlerzählen getan hat. Ungewöhnlich, aber gut…er hat’s getan. Er hat aufgezeigt, dass eben nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Dieser Schärfe sollte sich auch im offenen Glaubensdialog finden.

Das ist für mich kein Profil, sondern Anbiederung. Es sollte
um das gehen, was dahintersteht: Ein anderes Verständnis nicht
nur von Kirche, sondern vor allem vom Menschen und seinem Weg
zu Gott.

So sieht es aus.

Mh, es kommt darauf an, auf was es einem ankommt. Wenn wir die
berühmte erklärung Dominus Jesus nehmen, ich kann mich als
Lutheranerin nicht darüber aufregen, daß die rk Kirche meine
Kirche nicht als „Kirche im vollen Sinne“ ansieht. ehrlich
gesagt sehe ich gerade darin den Respekt: Man nimmt das andere
Verständnis (der Protestanten) wahr, anstatt zu vereinnahmen.

Das sehe ich anders. Wenn Ratzinger, in einer Zeit, in der er noch nicht Papst war, im Zusammenhang mit den protestantischen Kirchen von „defizitär“ spricht, dann hat das nichts mehr mit Respekt zutun, sondern da sagt mir dann einer, ich wäre nicht mal in einer Kirche, sondern in einer Art Glaubensclub, in dem ich bestimmte Dinge nicht erhalten kann, weil es sie nur bei ihm gibt. Um es einmal auf den Punkt zu bringen: Wenn andere Gemeinschaften oder Kirchen sowas äußern, wären sie damit ganz schnell unter „religiöse Sondergemeinschaft mit exklusivem Heilsanspruch“. Aber, nur weil’s von Ratzinger kam, wird’s dadurch nicht besser. Es wird nur diplomatischer gehandelt.

Und manchmal fürchte ich wirklich, das Benedikt mehr über
lutherisches Profil weiß als unsere eigenen Kirchenoberen.

Nach Jahren in der Inquisition ist das doch auch kein Wunder: „Wer seinen Feind kennt, braucht den Ausgang von 1.000 Schlachten nicht zu fürchten.“ (Sun-Tsu).

Andererseits: Allein, weil ich als Protestanten das
Sukzessionsverständnis der rk Kirche auch historisch nicht
teilen kann, sage ich letztendlich auch: Eurer
Kirchenverständnis ist fehlerhaft.

Gut. Du sagst aber nicht, dass dem römischen Glauben was fehlt. Ich meine, es gibt einen Unterschied zwischen dem, der auf dem Wochenmarkt in Kiel mit US-Dollar bezahlen will und dem, der gar kein Geld dabei hat. Der Eine hat nur das falsche Geld und kann wechseln gehen, um danach seine Äpfel zu kaufen. Er hat einen Fehler gemacht. Der andere aber kann gar nichts machen.

Es kommt aber für den Dialog darauf an, daß man sich nicht
gegenseitig verdammt - und da sind wir seit der gemeinsamen
Erklärung zur rechtfertigungslehre einen entschiedenen Schritt
weiter gekommen (auch wenn ich mit der auch nicht glücklich
bin).

Glücklich bin ich damit auch nicht, wenn auch glücklicher als mit einem gegenseitigen Verdammen. Aber ich sehe momentan das Problem, das lutherischerseits einfach zu oft auf schönes Wetter gemacht wird. Sag’ doch mal, wie Du Dir mehr Profil vorstellst.

Innerhalb der Logik rk Theologie ist es durchaus
gerechtfertigt

Ja. Innerhalb derer Logik schon…

Was uns trennt, ev und rk, das ist das Amtsverständnis (so
schon Luther).

Das ist der Grund allen Übels. So wie wir uns auf unsere lutherische Tradition berufen, so tun’s die „Römer“ im Falle der apostolischen Tradition, deren Gegner Luther ja nie gewesen ist. Die Unterschiede zwischen RKK und Lutherischer Kirche sind eher nur theoretisch von Bedeutung. Theologisch stünde dem gemeinsamen Abendmahl von Lutheranern und Katholiken eigentlich nichts entgegen. Es ist die Orthodoxen-Sache. Hatte ich kürzlich gelesen. Bei Bedarf, stelle ich Dir hier 'nen Link rein.

Daran hängt letztlich alles (in der
Ökumene-Frage) und deswegen wird es m.E. auch in absehbarer
Zeit keine „eine“ Kirche auf dieser Welt geben.

Sehe ich auch so.

Die Frage ist nur, wie man damit umgeht.

In Zeiten Benedikt XVI…hm.

Gruss
tigger

Hallo tigger,

Naja, er hat ihn vermutlich nicht wegen seines Felsenamtes
verehrt :wink: und man wirft ja einem Toten auch keine Steine
nach.

Mich hat da eher die unbedachte Art geärgert, mit Sprache umzugehen. Jedenfalls erwarte ich von einem Bischof und Dogmatik-Professor mehr Sensibilität… aber ich gebe zu, diesbezüglich kleinlich zu sein:wink:

Obwohl man aber auch auf ekd.de einige recht deutliche
Worte von Bischof Huber lesen kann.

Ja, die habe ich auch positiv überrascht gelesen.

Das sehe ich anders. Wenn Ratzinger, in einer Zeit, in der er
noch nicht Papst war, im Zusammenhang mit den protestantischen
Kirchen von „defizitär“ spricht, dann hat das nichts mehr mit
Respekt zutun, sondern da sagt mir dann einer, ich wäre nicht
mal in einer Kirche, sondern in einer Art Glaubensclub, in dem
ich bestimmte Dinge nicht erhalten kann, weil es sie nur bei
ihm gibt. Um es einmal auf den Punkt zu bringen: Wenn andere
Gemeinschaften oder Kirchen sowas äußern, wären sie damit ganz
schnell unter „religiöse Sondergemeinschaft mit exklusivem
Heilsanspruch“. Aber, nur weil’s von Ratzinger kam, wird’s
dadurch nicht besser. Es wird nur diplomatischer gehandelt.

Erst einmal allgemein: Warum wird ratzinger immer vorgeworfven, daß er seine Arbeit gemacht hat? Als Glaubenspräfekt war seine Aufgabe die unserer Verfassungsrichter: Nämlich die Auslegung bestehender „Gesetze“. Damit will ich gar nicht die durchaus differenzorientierte Theologie Ratzingers verteidigen, auch nicht behaupten, er habe wider besseres Wissen gehandelt: Aber die offensive und auch vernichtende Art des Umgangs mit der Befreiungstheologie ging von Johannes Paul aus (und da habe ich doch den Verdacht, daß das mancher heute nicht mehr sagt, weil man ihn schon verklärt). Ich selbst kann übrigens die theologische Argumentation Ratzingers mittragen (wenn wir es auf die einfache Frage reduzieren, ob Theologie Gewalt rechtfertigen darf) - die praktischen Konsequenzen nicht.

Zu Dominus Jesus:
Der Ziel dieses Dokuments (das ja nun mal keinen Unfehlbarkeitsanspruch in sich trägt) ist ersteinmal die innerkatholische Diskussion: Was ist Kirche.
In den von Dir angesprochenen Kapiteln geht es um die frage, ob Kirche als einzelne (Orts)Kirchen verstanden werden kann, oder aber es eine übergeordnete „Wahrheit“ gibt, wo Kirche im Vollsinn ist.
Dominus Jesus 17: „Die kirchlichen Gemeinschaften hingegen, die den gültigen Episkopat und die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, sind nicht Kirchen im eigentlichen Sinn; die in diesen Gemeinschaften Getauften sind aber durch die Taufe Christus eingegliedert und stehen deshalb in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit der Kirche.“
Das ist nicht auf Ratzingers Mist gewachen, sondern ist eine Erklärung aus dem Ökumenedekret Unitatis redintegratio, vor allem 22:
„Obgleich bei den von uns getrennten Kirchlichen Gemeinschaften die aus der Taufe hervorgehende volle Einheit mit uns fehlt und obgleich sie nach unserem Glauben vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit (substantia) des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, bekennen sie doch bei der Gedächtnisfeier des Todes und der Auferstehung des Herrn im Heiligen Abendmahl, daß hier die lebendige Gemeinschaft mit Christus bezeichnet werde, und sie erwarten seine glorreiche Wiederkunft. Deshalb sind die Lehre vom Abendmahl des Herrn, von den übrigen Sakramenten, von der Liturgie und von den Dienstämtern der Kirche notwendig Gegenstand des Dialogs.“
Und dazu noch Absatz 3 desselben Dokuments:
„Denn nur durch die katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist, kann man Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben.“
D.h., jeder auf Seiten der Protestanten, der von den Aussagen in Dominus Jesus geschockt war, hat offensichtlich das Vaticanum II nicht zur Kenntnis genommen.

Nach Jahren in der Inquisition ist das doch auch kein Wunder:
„Wer seinen Feind kennt, braucht den Ausgang von 1.000
Schlachten nicht zu fürchten.“ (Sun-Tsu).

Ich habe nicht den Eindruck, daß es um Feindschaften geht. Aus Ratzingers theologischen Schriften geht vielmehre hervor, daß er sich herausfordern läßt. Aber auch unter den (evangelischen)Theologen stehe ich durchaus alleine mit meiner Sicht und es wird mir vorgeworfen, „naiv“ zu sein - nun, das wird uns erst die Zeit zeigen.

Gut. Du sagst aber nicht, dass dem römischen Glauben was
fehlt. Ich meine, es gibt einen Unterschied zwischen dem, der
auf dem Wochenmarkt in Kiel mit US-Dollar bezahlen will und
dem, der gar kein Geld dabei hat. Der Eine hat nur das falsche
Geld und kann wechseln gehen, um danach seine Äpfel zu kaufen.
Er hat einen Fehler gemacht. Der andere aber kann gar nichts
machen.

Naja, zumindest die Stellungnahmer der Kammer für Theologie der EKD hat in dem Dokument „Kirchengemeinschaft“ geschrieben, man müsse evangelischerseits der rk Vorstellung von Kirche widersprechen. Wenn man bedenkt, daß das Kirchenverständnis eng mit dem Amtsverständnis (Ordination als Sakrament) zusammenhängt, ist das durchaus ein harter Angriff.
Auch greift die rk Kirche siet Vaticanum II auch nicht mehr die Heilsbedeutung des Glaubens in reformatorischer Konfession an. So zitiert Dominus Jesus Unitatis redintegratio 3:
„Deswegen »sind diese getrennten Kirchen und Gemeinschaften trotz der Mängel, die ihnen nach unserem Glauben anhaften, nicht ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heiles. Denn der Geist Christi hat sich gewürdigt, sie als Mittel des Heiles zu gebrauchen, deren Wirksamkeit sich von der der katholischen Kirche anvertrauten Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet«.“
Um in Deinem Bild zu bleiben: Nach den offziliellen Aussagen der rk Kirche seit Vaticanum II haben wir Lutheraner Dollars dabei, aber immerhin, die haben wir:wink:
Wir sind uns sicherlich einig, daß wir dennoch die rk Definitionen teilen können. Wenn man aber eben unser Amts- und Sakramentsverständnis nimmt, dann ist es eben nicht nur so, daß sie rk Kirche sagt, daß uns was fehlt, sondern wir sagen eigentlich: Ihr habt zuviel, und dieses Zuviel widerspricht dem elementaren Glaubenssatz, daß wir allein aus Gnade gerettet sind.

Glücklich bin ich damit auch nicht, wenn auch glücklicher als
mit einem gegenseitigen Verdammen. Aber ich sehe momentan das
Problem, das lutherischerseits einfach zu oft auf schönes
Wetter gemacht wird. Sag’ doch mal, wie Du Dir mehr Profil
vorstellst.

Völlig ungeordnet:

  • als Kirche innerhalb einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft ist es notwendig, sein Profil auch „unpopulär“ zu vertreten, d.h. auch auf die Gefahr hin, als „gestrig“ zu gelten, sollte man seine Positionen beziehen
  • mehr theologische Reflexion bei Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Themen; es darf nicht darum gehen, eben modern zu gelten, sondern darum, als Kirche verantwortlich zu handeln. Auch auf die Gefahr hin, manch (gesellschaftlich notwendiges) Projekt eben einer anderen Organisation zu überlassen
  • Wiederaufleben der Bildungstradition des Luthertums, lutherischer Christ sein heißt letztlich, die Freiheit eines Christenmenschen zu leben, und das fordert Auseinandersetzung mit den Grundlagen unseres Glaubens
  • eine stärkere Orientierung an den Bekenntnissen (was wiederum Auseinandersetzung bedeutet) - unglaublich aber wahr: meine Nichte wird übermorgen getauft, aber es ist mir nicht möglich, auf der ausführlichen Homepage der Gemeinde herauszufinden, welchen Katechismus diese Gemeinde hat
  • damit bin ich ganz einsam bei meinen KOllegen: Abschaffung der Kirchensteuer in der heutigen Form.

Das nur ein paar Gedanken…

Die Unterschiede zwischen RKK und Lutherischer
Kirche sind eher nur theoretisch von Bedeutung. Theologisch
stünde dem gemeinsamen Abendmahl von Lutheranern und
Katholiken eigentlich nichts entgegen. Es ist die
Orthodoxen-Sache. Hatte ich kürzlich gelesen. Bei Bedarf,
stelle ich Dir hier 'nen Link rein.

Beides würde mich interessieren, wieso Fu die Unterschiede nur für theoretisch bedeutsam hältst und der genannte link.

Grüße,
Taju