Hallo tigger,
Naja, er hat ihn vermutlich nicht wegen seines Felsenamtes
verehrt
und man wirft ja einem Toten auch keine Steine
nach.
Mich hat da eher die unbedachte Art geärgert, mit Sprache umzugehen. Jedenfalls erwarte ich von einem Bischof und Dogmatik-Professor mehr Sensibilität… aber ich gebe zu, diesbezüglich kleinlich zu sein:wink:
Obwohl man aber auch auf ekd.de einige recht deutliche
Worte von Bischof Huber lesen kann.
Ja, die habe ich auch positiv überrascht gelesen.
Das sehe ich anders. Wenn Ratzinger, in einer Zeit, in der er
noch nicht Papst war, im Zusammenhang mit den protestantischen
Kirchen von „defizitär“ spricht, dann hat das nichts mehr mit
Respekt zutun, sondern da sagt mir dann einer, ich wäre nicht
mal in einer Kirche, sondern in einer Art Glaubensclub, in dem
ich bestimmte Dinge nicht erhalten kann, weil es sie nur bei
ihm gibt. Um es einmal auf den Punkt zu bringen: Wenn andere
Gemeinschaften oder Kirchen sowas äußern, wären sie damit ganz
schnell unter „religiöse Sondergemeinschaft mit exklusivem
Heilsanspruch“. Aber, nur weil’s von Ratzinger kam, wird’s
dadurch nicht besser. Es wird nur diplomatischer gehandelt.
Erst einmal allgemein: Warum wird ratzinger immer vorgeworfven, daß er seine Arbeit gemacht hat? Als Glaubenspräfekt war seine Aufgabe die unserer Verfassungsrichter: Nämlich die Auslegung bestehender „Gesetze“. Damit will ich gar nicht die durchaus differenzorientierte Theologie Ratzingers verteidigen, auch nicht behaupten, er habe wider besseres Wissen gehandelt: Aber die offensive und auch vernichtende Art des Umgangs mit der Befreiungstheologie ging von Johannes Paul aus (und da habe ich doch den Verdacht, daß das mancher heute nicht mehr sagt, weil man ihn schon verklärt). Ich selbst kann übrigens die theologische Argumentation Ratzingers mittragen (wenn wir es auf die einfache Frage reduzieren, ob Theologie Gewalt rechtfertigen darf) - die praktischen Konsequenzen nicht.
Zu Dominus Jesus:
Der Ziel dieses Dokuments (das ja nun mal keinen Unfehlbarkeitsanspruch in sich trägt) ist ersteinmal die innerkatholische Diskussion: Was ist Kirche.
In den von Dir angesprochenen Kapiteln geht es um die frage, ob Kirche als einzelne (Orts)Kirchen verstanden werden kann, oder aber es eine übergeordnete „Wahrheit“ gibt, wo Kirche im Vollsinn ist.
Dominus Jesus 17: „Die kirchlichen Gemeinschaften hingegen, die den gültigen Episkopat und die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, sind nicht Kirchen im eigentlichen Sinn; die in diesen Gemeinschaften Getauften sind aber durch die Taufe Christus eingegliedert und stehen deshalb in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit der Kirche.“
Das ist nicht auf Ratzingers Mist gewachen, sondern ist eine Erklärung aus dem Ökumenedekret Unitatis redintegratio, vor allem 22:
„Obgleich bei den von uns getrennten Kirchlichen Gemeinschaften die aus der Taufe hervorgehende volle Einheit mit uns fehlt und obgleich sie nach unserem Glauben vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit (substantia) des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, bekennen sie doch bei der Gedächtnisfeier des Todes und der Auferstehung des Herrn im Heiligen Abendmahl, daß hier die lebendige Gemeinschaft mit Christus bezeichnet werde, und sie erwarten seine glorreiche Wiederkunft. Deshalb sind die Lehre vom Abendmahl des Herrn, von den übrigen Sakramenten, von der Liturgie und von den Dienstämtern der Kirche notwendig Gegenstand des Dialogs.“
Und dazu noch Absatz 3 desselben Dokuments:
„Denn nur durch die katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist, kann man Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben.“
D.h., jeder auf Seiten der Protestanten, der von den Aussagen in Dominus Jesus geschockt war, hat offensichtlich das Vaticanum II nicht zur Kenntnis genommen.
Nach Jahren in der Inquisition ist das doch auch kein Wunder:
„Wer seinen Feind kennt, braucht den Ausgang von 1.000
Schlachten nicht zu fürchten.“ (Sun-Tsu).
Ich habe nicht den Eindruck, daß es um Feindschaften geht. Aus Ratzingers theologischen Schriften geht vielmehre hervor, daß er sich herausfordern läßt. Aber auch unter den (evangelischen)Theologen stehe ich durchaus alleine mit meiner Sicht und es wird mir vorgeworfen, „naiv“ zu sein - nun, das wird uns erst die Zeit zeigen.
Gut. Du sagst aber nicht, dass dem römischen Glauben was
fehlt. Ich meine, es gibt einen Unterschied zwischen dem, der
auf dem Wochenmarkt in Kiel mit US-Dollar bezahlen will und
dem, der gar kein Geld dabei hat. Der Eine hat nur das falsche
Geld und kann wechseln gehen, um danach seine Äpfel zu kaufen.
Er hat einen Fehler gemacht. Der andere aber kann gar nichts
machen.
Naja, zumindest die Stellungnahmer der Kammer für Theologie der EKD hat in dem Dokument „Kirchengemeinschaft“ geschrieben, man müsse evangelischerseits der rk Vorstellung von Kirche widersprechen. Wenn man bedenkt, daß das Kirchenverständnis eng mit dem Amtsverständnis (Ordination als Sakrament) zusammenhängt, ist das durchaus ein harter Angriff.
Auch greift die rk Kirche siet Vaticanum II auch nicht mehr die Heilsbedeutung des Glaubens in reformatorischer Konfession an. So zitiert Dominus Jesus Unitatis redintegratio 3:
„Deswegen »sind diese getrennten Kirchen und Gemeinschaften trotz der Mängel, die ihnen nach unserem Glauben anhaften, nicht ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heiles. Denn der Geist Christi hat sich gewürdigt, sie als Mittel des Heiles zu gebrauchen, deren Wirksamkeit sich von der der katholischen Kirche anvertrauten Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet«.“
Um in Deinem Bild zu bleiben: Nach den offziliellen Aussagen der rk Kirche seit Vaticanum II haben wir Lutheraner Dollars dabei, aber immerhin, die haben wir:wink:
Wir sind uns sicherlich einig, daß wir dennoch die rk Definitionen teilen können. Wenn man aber eben unser Amts- und Sakramentsverständnis nimmt, dann ist es eben nicht nur so, daß sie rk Kirche sagt, daß uns was fehlt, sondern wir sagen eigentlich: Ihr habt zuviel, und dieses Zuviel widerspricht dem elementaren Glaubenssatz, daß wir allein aus Gnade gerettet sind.
Glücklich bin ich damit auch nicht, wenn auch glücklicher als
mit einem gegenseitigen Verdammen. Aber ich sehe momentan das
Problem, das lutherischerseits einfach zu oft auf schönes
Wetter gemacht wird. Sag’ doch mal, wie Du Dir mehr Profil
vorstellst.
Völlig ungeordnet:
- als Kirche innerhalb einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft ist es notwendig, sein Profil auch „unpopulär“ zu vertreten, d.h. auch auf die Gefahr hin, als „gestrig“ zu gelten, sollte man seine Positionen beziehen
- mehr theologische Reflexion bei Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Themen; es darf nicht darum gehen, eben modern zu gelten, sondern darum, als Kirche verantwortlich zu handeln. Auch auf die Gefahr hin, manch (gesellschaftlich notwendiges) Projekt eben einer anderen Organisation zu überlassen
- Wiederaufleben der Bildungstradition des Luthertums, lutherischer Christ sein heißt letztlich, die Freiheit eines Christenmenschen zu leben, und das fordert Auseinandersetzung mit den Grundlagen unseres Glaubens
- eine stärkere Orientierung an den Bekenntnissen (was wiederum Auseinandersetzung bedeutet) - unglaublich aber wahr: meine Nichte wird übermorgen getauft, aber es ist mir nicht möglich, auf der ausführlichen Homepage der Gemeinde herauszufinden, welchen Katechismus diese Gemeinde hat
- damit bin ich ganz einsam bei meinen KOllegen: Abschaffung der Kirchensteuer in der heutigen Form.
Das nur ein paar Gedanken…
Die Unterschiede zwischen RKK und Lutherischer
Kirche sind eher nur theoretisch von Bedeutung. Theologisch
stünde dem gemeinsamen Abendmahl von Lutheranern und
Katholiken eigentlich nichts entgegen. Es ist die
Orthodoxen-Sache. Hatte ich kürzlich gelesen. Bei Bedarf,
stelle ich Dir hier 'nen Link rein.
Beides würde mich interessieren, wieso Fu die Unterschiede nur für theoretisch bedeutsam hältst und der genannte link.
Grüße,
Taju