Dumme Frage

Könnte mir bitte jemand mal den Unterschied zwischen „klassisch“ und „klassizistisch“ erklären?
Danke, Heike

dumm, oder: ‚Rassisch - Rassistisch‘ o.t.W.
oder dochnoch was, Heike:
erinnerste dich an die Diskussion noilich hier über den Unterschied von „zynisch“ und dem Haiderschen „zynistisch“.
Bei diesem handelt es sich aber nur um einen stilistischen, keinen stilizistischen Unterschied.
Als unmusischem Menschen ist mit wohl „klassischer Jazz“ bekannt, aber kein „klassizistischer Jazz“, weil es soweit ich weiß im künstlerischen zeitalter der Klassik noch keinen Jazz gab.

moin, manni

Hallo, Heike,

„klassisch“

wird eine Zeit genannt, die man als den Höhepunkt einer Kultur, eines Landes, betrachtet. In Griechenland etwa die Zeit des Perikles, in Deutschland die Epoche Goethes und Schillers um 1800.

Zugleich kann auch der Stil, die Art, wie man da künstlerisch arbeitete, die Themen, die man bearbeitete, klassisch genannt werden.

„klassizistisch“

werden dann Epochen oder Kunstrichtungen genannt, die versuchen - mit mehr oder weniger Fortune - den klassischen Stil, die klassische Zeit nachzuahmen.
Wenn man also im 19. Jhdt. anfing, Banken und Bahnhöfe im Stil antiker Tempel zu errichten, so ist das eben Klassizismus.

Gruß Fritz

Danke für die Antworten. [m.w.F.]
Hallo Fritz,

vielen Dank für die Antwort.

[m.w.F.] mit weiterer Frage :wink:

„klassisch“

wird eine Zeit genannt

… In Griechenland etwa die

Zeit des Perikles,

ähm, wieso ausgerechnet diese Zeit?

Nur mal so gefragt, falls es nicht den Rahmen sprengt.

(Habe schon gegoogelt, aber nichts einleuchtendes gefunden, außer dass P. ein griechischer Staatsmann war…)

Oder meintest Du lediglich als Anhaltspkt., die „Zeit des P.“?

Wieso war diese Zeit in Griechenland die ‚klassische Zeit‘, bzw. inwiefern war es der Höhepunkt der grch. Kultur?

Vielleicht müßte ich diese Frage in ein anderes Board verlagern, falls ich jmd. verärgere, sorry.

Gruß, Heike

Hallo, Heike,

[m.w.A.] mit weiterer Antwort :wink:

ähm, wieso ausgerechnet diese Zeit?

Ich rede jetzt etwas ins Unreine, wenn du Genaueres wissen willst, musst du einiges an Büchern oder Links durcharbeiten.

Zur Zeit des Perikles (500 - 429 v. Chr.) und unter seiner politischen Leitung - wohl auch ein wenig vorher und ein wenig nachher - war Athen zur mächtigsten und reichsten und modernsten Polis (Stadtstaat) geworden.

Perikles ordnete die Verfassung neu, die als Vorform der Demokratie gelten kann.

Er ließ viele Gebäude auf der Akropolis errichten und deren Ausstattung durch die bekanntesten und größten Künstler der Zeit besorgen, Pheidias z. B. schuf die Statue der Athene. Das Parthenon wurde in der Zeit gebaut und viele andere, die immer wieder, etwa in der Renaissence, als Vorbilder galten.

In der Zeit schufen Aischylos und Sophokles die heute noch bekannten Tragödien. Aristophanes seine Komödien.

Bedeutende Philosophen wirkten in der Zeit, Heraklit und Parmenides z. B. erspare mir weitere Namen.

Grundlegende Einsichten der Wissenschaften und erste Werke entstanden gleichfalls. Mit Herodot und Thukydides etwa die Geschichtsschreibung.

Kurz - ein Großteil dessen, was dann später die abendländische Kultur ausmacht, entstand damals oder nahm seinen Anfang in der Zeit.

Es war einfach ganz ganz toll damals! Alles!:wink:

Vielleicht findest du da:
http://webmuseen.de/Seite.html?http://webmuseen.de/S…
was.

Gruß Fritz

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Dumme Nachfrage
Hallo Fritz,

was mir an der Erklärung noch nicht ganz einleuchtet ist die Tatsache, dass in Europa die gleiche Epoche, die in der Baukunst „Klassizismus“ heißt, in der Musik und Literatur als „Klassik“ bezeichnet wird. Ist die Ähnlichkeit systematisch oder doch nur Zufall?
„Klassizismus“ als Rückgriff auf die klassische Antike leuchtet mir ja ein, aber woher dann „Klassik“? Kam der Begriff vielleicht erst später auf?
Okay, ich komme damit von der rein sprachlichen zur kunsthistorischen Frage, aber vielleicht weiß es ja doch jemand noch genauer?

Grüße
Wolfgang

Hallo, Wolfgang,

weit davon entfernt, ein Fachmann für „Klassik“ und „Klassizismus“ zu sein, wage ich doch einen Versuch, den Unterschied zu erklären. Ich habe mir darüber bisweilen schon Gedanken gemacht und das ist dabei zusammen gekommen.

In verschiedenen Künsten und unterschiedlichen Ländern liegt die „klassische Epoche“ in verschiedenen Zeiten.

Die französische Klassik in der Literatur liegt etwa hundert Jahre vor der deutschen Klassik. Die klassische Zeit der englischen Musik etwa zweihundert Jahre der vor der deutschen Klassik in der Musik. Für die Tschechen und andere Slawen fand die Klassik sowohl in der Musik, als auch in der Literatur nach der deutsche Klassik statt.

Die Bezeichnung Klassik wurde erst nach dieser Zeit den jeweiligen Epochen gegeben, um auszudrücken, dass in dieser Zeit die besten, schönsten, größten Werke des Landes oder der Kulturgemeinschaft entstanden.

So ist es denkbar, dass es in einem Land mehrere klassische Epochen gezählt werden, in China etwa.

Im deutschsprachigen Raum hat man sich daran gewöhnt, die Werke Haydens, Mozarts und Beethovens als die klassischen zu betrachten, obwohl etwa ETA Hoffmann Beethoven als „Romantiker“ bezeichnet. In der Literatur betrachtet man die Werke Schillers und Goethes, die sie nach ihrer persönlichen Bekanntschaft schufen, als die klassischen. Sowohl bei den Balladen, als auch den Xenien, und ebenso bei den Dramen greifen unsere Dichterfürsten auf bekannte, traditionelle Formen zurück, schaffen aber dabei doch etwas Eigenes, Neues, Einmaliges, das dann für die nachfolgenden Generationen Vorbildcharakter bekam.

Diese Nachfolger oder Epigonen bestimmen also, was Klassik ist. Dabei können „Fehleinschätzungen“ auftreten, die dann von anderen Epigonen korrigiert werden und die einen Klassiker geraten in Vergessenheit und andere werden auf die Sockel gehoben.

Wenn nun die nachfolgenden Generationen anfangen, eine solche klassische Epoche, als handlungsweisendes Vorbild betrachtet, so ist diese epigonenhafte Epoche eine „klassizistische“.

Und wieder sind es nicht die Schaffenden dieser Epoche, die sich selbst „klassizistisch“ nennen, sondern die nachfolgenden Theoretiker, die diesen Begriff auf die Zeit anwenden.

Die Künstler der Renaissance greifen auf die antike Klassik zurück, sie differenzierten dabei wohl noch nicht zwischen der griechischen und der römischen Klassik. Sie könnten auch als Klassizisten bezeichnet werden, aber sie haben selber so viel Originales geschaffen, dass sie selber eher als Klassiker bezeichnet werden.

Ich bin mir bewusst, dass das alles sehr subjektiv gefärbt ist und betrachte diese Ausführungen nicht als „allein selig machende Wahrheit“.

Gruß Fritz