Durch Bildung bessere Menschen

Guten Tag

Welchen Wert wird in unserer westlichen Kultur der Bildung gegeben?
Wie sind diese Werte entstanden? War da ein Hr. Humbold oder ein Hr. Pestalozzi massgebend?

Für Hinweise auf Bücher oder andere Quellen danke ich im Voraus.
Falls es nicht das richtige Forum sein sollte, bedanke ich mich für einen entsprechenden Hinweis!

Grüsse Peter

Bildung

Guten Tag

Welchen Wert wird in unserer westlichen Kultur der Bildung
gegeben?
Wie sind diese Werte entstanden? War da ein Hr. Humbold oder
ein Hr. Pestalozzi massgebend?

Die Frage weist in verschiedene Richtungen - einmal das Wort Bildung und dann die Frage der westlichen Kultur…

Im deutschen Sprachraum prägte Goethes Roman „Wilhelm Meister“ die Vorstellung von einer geistigen Selbsterziehung und auch von Vorbildern und Lehrern mit beeinflussten Entwicklung, die den Menschen zu einer reflektierten, ethisch, intellektuell und künstlerisch kompetenten, ganzheitlichen und aufgrund dessen geachteten Persönlichkeit formen könne. Hier findet man auch erstmals und fortan gültig den Ausdruck Bildung" auf diesen Vorgang angewandt.

Man muss sich klarmachen, dass dieses Konzept damals vor allem im Gegensatz stand zur feudalen Vorstellung vom „Geburtsadel“, also der uralten Tradition, das Blut, das Herkommen bestimme Charakter und Wert eines Menschen. Die „Klassik“ ist nichts anderes als die literarische Umsetzung des neuen Konzeptes.
Besonders bei Goethe, aber auch bei Schiller, Kant, Kleist, Hölderlin findet man diesen Gedanken ausgeprägt, eigentlich bei allen Aufklärern. Das Konzept ordnet sich ein in die Entwicklung des bürgerlichen Selbstbewusstseins, einen jahrhundertelang dauernden Prozess, der in der vor-vorletzten Jahrhundertwende nur seinen Höhepunkt gefunden hatte.

Humboldt beschäftigte sich eher mit den institutionellen Voraussetzungen dieses Konzeptes im universitären Bereich. Pestalozzi formulierte seine Ideen auf diesem Grundkonzept basierend für die Schule.

Die „westliche Kultur“ ist natürlich viel älter. Meist wird das Griechentum als ihr Ursprung genannt, und in der TAt finden sich alle wichtigen Bestandteile des oben genannten Persönlichkeits- oder auch Menschlichkeitskonzepts zumindest als Fragen in der griechischen Kultur.

Was zu lesen soll man dir nun raten? Ich finde immer die Artikel in Kindlers Literatur Lexikon vergnüglich und aufschlussreich, so kannst du einen Überblick bekommen. Und die klassischen Schullektüren, den Werther und Kabale und Liebe, Nathan der Weise
„Was ist Aufklärung“ von Kant. Kleist, Das Erdbeben von Chili, kurz, grossartig und unvergesslich. Fernando Savater:Tu, was du willst. Hier erfährst du das Wichtigste über die „westliche“ Vorstellung von Individualität und Ethik und bekommst die besten Lesetipps.

Viele Grüße
Juliane

vielen Dank!
Hi Juliane

Besten Dank für die Literaturvorschläge…

Grüsse Peter

Hallo,
der hohe Stellenwert der Bildung findet sich schon bei den Griechen zur Zeit Platons und Isokrates’, die man - etwas oberflächlich - als Vertreter eine eher philosophischen oder eher rhetorischen Bildung verstehen kann. Rhetorische Bildung ist allerdings bei den Griechen mehr als das, was wir heute darunter verstehen. Isokrates sagte, nicht die Abstammung mache zum Griechen, sondern die Bildung, das „richtige“ (= gebildete) Griechisch-Sprachen, eine Haltung, die sich bis in die Spätantike durchgehalten hat. Das Wortfeld im Griechischen rund um Bildung (paideia) bzw. den sieben KÜnsten ( enkuklios paideia - den späteren freien Künsten an der ma Universität) ist bestimmt von Begriffen wie „formen“, „künstlerisch bilden“ und Worten aus dem Begriffsfeld des Skulpturenmachers. Werner Jaeger hat so auch seinem Werk „Paideia“ den Untertitel „Die Formung des griechischen Menschen“ gegeben.
Falls Du Dich also für die Ursprünge interessierst, woher die hohe Wertschätzung der Bildung kommt, empfehle ich Dir als Lektüre Henri-Irenée Marrou, Die Geschichte der Erziehung. Gibt es wahrscheinlich nur in der UB und ist etwas langatmig geschrieben, aber immer noch das umfassendste Werk.

Grüße,
Taju

Perikles
Hi Taju

Wenn wir von griechischer Kultur reden, so meinst Du doch Athener Kultur zur Zeit des Perikles?

Zweitens wenn ich Deine Ausführungen richtig verstanden habe, so verehrten die Griechen (analog den konfuzianischen Chinesen) die Literatur, bzw. literarische Kenntnisse. Da dieses Wissen Selbstzweck war, führt es wohl nicht in die vergleichbare Richtung von den Aufklärern.

Drittens bin ich ein Kind meiner Zeit und bevorzuge Taschenbücher gegenüber langatmigen UB (Universitäts Bibliothek?) Schinken… :wink:

Vielen Dank auch für Deine Ausführungen
Peter

Hallo,

Wenn wir von griechischer Kultur reden, so meinst Du doch
Athener Kultur zur Zeit des Perikles?

Meine Ausdrucksweise war tatsächlich undifferenziert. Ich meinte in meiner Antwort die griechische Kultur selbst und ihre Wirkungsgeschichte, als die hellenistische und die hellenistisch-römische…

Zweitens wenn ich Deine Ausführungen richtig verstanden habe,
so verehrten die Griechen (analog den konfuzianischen
Chinesen) die Literatur, bzw. literarische Kenntnisse. Da
dieses Wissen Selbstzweck war, führt es wohl nicht in die
vergleichbare Richtung von den Aufklärern.

Dieses Wissen war niemals Selbstzweck. Es war nicht nur notwendig, um als vollständiger Mensch zu gelten, sondern auch, um in der Welt zurecht zu kommen. Zudem gab es einen Sprachcode der Gebildeten, ohne dessen Beherrschung man nicht in eines der höheren liturgischen Ämter aufstieg, oder, besonders in der Spätantike, man sich politisch Gehör verschaffen konnte…

Drittens bin ich ein Kind meiner Zeit und bevorzuge
Taschenbücher gegenüber langatmigen UB (Universitäts
Bibliothek?) Schinken… :wink:

Der „Schinken“ ist tatsächlich langatmig, leider kann ich kein Taschenbuch nennen, einfach, weil ich keines kenne…

Grüße,
Taju

Danke für die Ergänzung
Hallo

Danke für die Präzisierungen. Ich schliesse das Thema in diesem Thread ab und gehe lesen.

Mir bleibt das Gefühl, dass das die hellenistische Bildungsverständnis dem der klassischen (konfuzianischen) chinesischen Kultur entspricht. Nach meinem derzeitigen Verständnis ist nicht tragend releveant für die Thematik Bildung und Individualität. Goethes Wilhelm sowie die Aufklärer geht es um etwas anderes, als sein Wert als Gesellschaftsmitglied durch literische „Kraftakte“ heruauszufinden. Es geht um die Sache selbst, also nach innen. Auf der Suche nach etwas, was einzigartig ist. Und nicht nach aussen in eine gesellschaftliche Skalierung basierend auf intellektuelem (bzw. literarischen) Leistungsvermögen. Wie gesagt, es ist ein vorläufiges Fazit…

mit bestem Dank für den Aufwand

Grüsse Peter