Eine Frage der deutschen Sprache wie auch der Netikette:
Ich beobachte, dass einige PosterInnen es nicht mögen oder sich nicht trauen, in ihren Postings das w-w-w-übliche Du zu verwenden. Erlaubt mir bitte, als einer der Älteren dazu meine Meinung zu äußern:
Ich bin beim Umgang mit Fremden in nichtvirtueller Umgebung - zumal mit Älteren oder mit Frauen - keineswegs dafür, dass man nach kurzer Zeit schon zum Du übergeht. Unsere deutsche Sprache bietet nun einmal die Möglichkeit einer Differenzierung in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Andererseits beneide ich den anglophonen Teil der Menschheit, auch die Isländer oder die Skandinavier, um die Unkompliziertheit, mit der sie einander anreden.
Ich bin allerdings der Auffassung, dass man sich hier im w-w-w auf einer etwas anderen Ebene bewegt. Die schriftlichen „Gespräche“ sowohl in den themenorientierten Brettern als auch im Plauderbrett ließen bei mir von Anfang an ein Zusammengehörigkeitsgefühl aufkommen, das sich bei mehreren persönlichen Begegnungen (u.a. das w-w-w-Treffen in Stromberg) nahtlos fortsetzte.
Auch im Brett 50+ duzt man sich meines Wissens ausnahmslos.
Theo
Bin gespannt auf eure Meinungen!
Hallo Theo
das Problem hatte ich anfangs auch, zumal die Macher von www auf dem Duzen bestanden.
Bei Geschäftspost ist man das ja nicht gewöhnt, aber hier passt es doch sehr gut, ist ja sehr informell und auch ein bißchen familiär.
Wenn man sich dann bei Treffen noch kennenlernt, passt es richtig
Hat Dir der Weihnachtsmann gefallen?
Gruß
Rainer
Bei uns in der Stadt ist es üblich, fremde Personen bzw. solche, die man nicht näher kennt, mit dem förmlichen „Sie“ anzureden. Ebenso verhält es sich bei Geschäftsbriefen.
Bei meinen Reisen durch die „Provinz“ kommt es aber immer wieder vor, dass die dort lebenden Menschen (und da sind viele alte darunter), mich ganz natürlich mit „Du“ anreden. Ich habe da mal nachgefragt und als Antwort bekommen: „Bei uns am Land is des eben so.“
Genauso ist es auch unter Studenten oder Mitgliedern von Vereinen. Das „Du“ erzeugt ein Zusammengehörigkeitsgefühl.
Wahrscheinlich wird dadurch auch das lockere Gesprächsklima hier im Forum erzeugt.
Am Land sagt man auch „Du“ zum Lehrer.
Und als der kleine Maxi in die Stadt ins Gymnasium gekommen ist, mußte er strafweise 50 mal „Ich soll zum Professor Sie sagen.“ schreiben. Am nächsten Tag hatte er das aber 70 mal geschrieben.
„Warum 70 mal?“ fragte der Professor.
„Weils das du bist, Herr Professor.“
auch ich habe mir diese Frage oft gestellt, weil ich normalweise nicht so locker bin, gleich zum Du überzugegen. Der Verweis auf unsere angelsächsischen Cousins tröstet mich nicht, denn die Siezen sich ja. Außer dem alten Schüttelspeer und dem Vaterunser auf Englisch, kenne ich kein Schriftgut, in dem „Thou“, Du, verwendet würde. (Anders die Skandinavier und wir, die wir zunehmende das „Du“ verwenden)
Andererseits, wir sind uns schon früher freundschaftlich diskutierend begegnet, und irgendwie fühlte ich mich mit Deinem Du wohl aufgehoben. Soweit das Du freundschaftlich und nicht abwertend verwendet wird, vermittelt es mir eine gewisse Wärme und Nähe.
Nie würde ich auf den Gedanken kommen, jemanden zu duzen, von dem ich ein Du nicht akzeptieren würde.
Insofern stellt das Sie schon eine Distanz dar, die nicht unbedingt mit Anerkennung zu tun hat.
Ich denke, jedes Medium hat seine Gesetze. Nein, Korrektur, nicht Gesetze, Sitten. Im Internet ist es mir abseits geschäftlicher Mails fast widernatürlich, SIE zu schreiben. Und man darf so herrlich frei in die Tasten hauen, so ganz ohne Rücksicht auf die Rechtschreibung. Auch wenn ich mich sogar dabei einer gewissen Disziplin befleißige … Immerhin könnte jemand ernstnehmen, was ich schreibe …
Vor diesem Hintergrund grüße ich DICH ))
und wünsche DIR einen schönen Tag. Alles Liebe und Gute.
IHRzen
Hallo Otto, Dank für deine Gedanken zum Thema!
Was die Angelsachsen in der Anrede verwenden, ist immerhin die zweite Person Plural, also eine direkte Anrede. Unser „SIE“ ist ja eigentlich die dritte Person, gewissermaßen ein Sprechen mit abgewandtem Gesicht, wenn man es überspitzt betrachtet. Das „YOU“ entspricht eher dem respektvollen „IHR“, das ja früher auch in unserem Kulturkreis üblich war und sich bis heute in manchen deutschen Sprachlandschaften erhalten hat - etwa im „Bärndütsche“ in der Schweiz. Das „THOU“ der englischen Liturgiesprache ist wie auch das zugehörige Possesivpronomen „THY“ und die starke Verbendung auf -st (thou givest) nach meinen Beobachtungen auf dem Rückzug.
Ich bin beim Umgang mit Fremden in nichtvirtueller Umgebung -
zumal mit Älteren oder mit Frauen - keineswegs dafür, dass man
nach kurzer Zeit schon zum Du übergeht.
Ich sehe das genauso.
Andererseits beneide ich den anglophonen Teil der Menschheit,
auch die Isländer oder die Skandinavier, um die
Unkompliziertheit, mit der sie einander anreden.
Ich auch
Ich bin allerdings der Auffassung, dass man sich hier im w-w-w
auf einer etwas anderen Ebene bewegt. Die schriftlichen
„Gespräche“ sowohl in den themenorientierten Brettern als auch
im Plauderbrett ließen bei mir von Anfang an ein
Zusammengehörigkeitsgefühl aufkommen, das sich bei mehreren
persönlichen Begegnungen (u.a. das w-w-w-Treffen in Stromberg)
nahtlos fortsetzte.
Wir haben von Anfang an der Einfachheit halber diese Anrede gewählt. Es gab diesbezüglich auch schon ein paar uns berichtete Probleme, aber unserer Erfahrung nach kommt der größte Teil unseres Benutzerkreises gut damit zurecht, immerhin machen wir ja von Anfang an klar, dass hier nicht „gesiezt“ wird. Man sollte aber nicht denken, dass ein „Du“ gleich Freundschaft bedeutet, ebenfalls nicht, dass trotz der formlosen Anrede keine ernsthafte Kommunikation möglich wäre.
Weiterhin würde ich es nicht grundsätzlich anraten, bei einem persönlichen Treffen mit anderen Benutzern diese gleich formlos anzureden (natürlich sind Treffen wie in Stromberg da etwas Anderes). Schriftlich duze ich da leichter
Das „YOU“ entspricht eher dem respektvollen „IHR“,
das ja früher auch in unserem Kulturkreis üblich war und sich
bis heute in manchen deutschen Sprachlandschaften erhalten hat
etwa im „Bärndütsche“ in der Schweiz.
Auch im Rheinischen, speziell im Aachener/Kölner Raum gibt es das Ihrzen als eine Zwischenform des Duzen/Siezen, z.B. wenn man eine Person zu gut kennt um sie ernsthaft siezen zu wollen, aber nicht gut genug um sie zu duzen, oder ein Heranwachsneder Ihrzt manchmal einen älteren, den er früher gesiezt hat. Es ist manchmal auch eine Aufforderung/Bitte an den Geihrzten, klarzustellen, ob in Zukunft geduzt oder gesiezt werden soll.
bin ganz Deiner Meinung. DU in w-w-w fällt mir leicht und damit habe ich auch keine Probleme. Schwierig wird’s wenn ich Expertenanfragen bekomme und die Hilfesuchenden mich plötzlich SIE-zen, was fast bei allen Anfragen der Fall ist… Wie antworte ich da? Genau, ich SIE-ze zurück, bzw. biete bei längerer Mail-„Beratung“ dann das DU an (als ältere Frau darf ich das ja ).
Generelle Erfahrung im virtuellen Raum:
Bei allen Online-Trainings, die ich durchführe, ist dieses Thema am ersten Abend auf der Tagesordnung und wir legen gemeinsam fest, welche Anredeform wir wählen wollen. Bisherige Erfahrung: 100% stimmen für das DU.
Bei Präsenztrainings halte ich das inzwischen genauso - stelle die Frage allerdings frühestens nach der Vorstellungsrunde und der ersten Kaffeepause, spätestens beim „social event“ am ersten Abend.
Also ich halte das duzen eigentlich auch hier für unpassend, und fände es angenehmer zu siezen, da es aber eben hier gewünscht wird halte ich mich meistens daran.
Ich denke aber, das viele unangebrachte und unsinnige Artikel und Antworten, gar nicht geschrieben würden wenn gesiezt würde.
Siezen heist ja nicht das man mit dem anderen nix zu tun haben will oder man eine grosse Distanz wünscht.
Duzen hingegen ist eigentlich dann ein Genuss wenn es Freunde sind, oder um noch bessere Beziehungen es sich handelt. zb. bei " ich liebe Dich", hier wird eben damit die nötige Wärme und Nähe mit ausgedrückt, die auch noch zusätzlich, zum nicht abgedroschenen Du viel stärker wirkt, weil dann alleine das Du schon sehr persönlich ist.
Vielmehr als wenn es unzählige mal bei "irgendwelchen " nicht näher Bekannten Personen angewandt wird.
Ebenso scheint es, natürlich prakischer zu sein es bei Personenkreisen zu verwenden, die das nicht verstanden haben, um nicht darüber dikutieren zu müssen bzw. auf Unverständniss zu stoßen. Noch dazu glauben die dann meist das man aus irgendwelchen Gründen sich entweder für was besseres hält, bzw. mit ihnen nichts zu tun haben will.
Aber eigentlich sollte man doch nach eigenem Denken darüber entscheiden, und deshalb finde ich die Empfehlung hier zu duzen, bevormundend und falsch, und es sollte jeder so halten wie er es für richtig hält, unabhängig davon wie in andere ansprechen.
Ebenso sollte keiner dazu gedrängt werden seine Anrede an den Anderen, dessen Wünschen nach Du abzuändern.
Also ich werde nie darauf drängen das mich wer mit Du anspricht, ebenso werd ich auch nicht darauf bestehen das mich wer mit Sie anspricht.
Ich finde, es sollte jeder selbst Wissen.
in diesem Sinne
Duzen hingegen ist eben dann angebracht, wenn man mit jemanden zu tun hat der de
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Ich denke aber, das viele unangebrachte und unsinnige Artikel
und Antworten, gar nicht geschrieben würden wenn gesiezt
würde.
Das denke ich auch. Man sagt halt schneller mal „Du Depp“ als „Sie Depp“…
Und ich muss sagen, ich habe schon suuuper Kollegen gehabt mit denen ich mich zwar gesiezt habe, aber das Verhältnis war persönlicher als mit Duz-Kollegen.
ein lob der netikette
((auch als älterer habe ich eigentlich keine probleme damit, zu duzen oder geduzt zu werden. ich möchte auf einen anderen punkt hinaus:smile:)
natürlich verringert das „du“ den abstand zwischen zwei kommunizierenden, sei es schriftlich, sei es mündlich. im internet, in chats und message boards kommt noch die anonymität dazu, selbst wenn man keinen nickname benutzt, sondern seinen eigenen namen. und genau da kommt die netikette ins spiel. mE ist sie nämlich die unmittelbare reaktion auf diese verringerte distanz, ein regelwerk, das eine neue art von distanz produziert, die nicht mehr auf dem formalen „Sie“ beruht, sondern auf inhalten wie höflichkeit, freundlichkeit und rücksicht.
ich poste und chatte schon ein paar jahre und bin immer wieder verblüfft, wie sehr sich viele an diese netikette halten und sogar weiter entwickeln. ich gehe noch einen schritt weiter: fülle einen saal mit hundert durchschnittlichen chattern/chatterinnen, (die sich duzen, ohne sich vorher gekannt zu haben), und mit hundert nichtchattern (die sich siezen), und lasse den saal über eine streitfrage diskutieren: vermutlich verläuft die diskussion unter den chattern in ruhigeren bahnen als unter den nichtchattern. Unser „Sie“ ist nämlich, denke ich, so verbraucht, dass es kaum noch als „rhetorische bremse“ taugt.
also kurze these: du + netikette ergibt eine angenehmere kommunikation als Sie ohne netikette.
IHRzen. So kenne ich es auch aus dem Saarland
Hallo, natürlich hat Theo Recht mit dem amerikanischen IHRzen. Wer Karl May gelesen hat, dem ist es auch geläufig.
Die Sitte des respektvollen Ihr zwischen Du und Sie habe ich übrigens vor Jahren auch im Saarland kennengelernt.
Ich fand es sehr sympathisch, weil regelmäßig in dieser Ansprache sowohl Respekt als auch Zuneigung durchschimmerten.
Beste Grüße
Otto
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paßt vielleicht nicht ganz zum Thema…
…aber trotzdem erzähl ich’s jetzt einfach.
In einem meiner ersten Ferienjobs (ich war 16) und meine Kollegin hatte Kinder in meinem Alter. Und sie hatte nun ein Problem: Duzen wollte sie mich nicht so einfach, aber zum Siezen war ich auch offensichtlich noch zu jung. Also wich sie auf die dritte Person Singular aus: „Na, das wird und das Fräulein Pohl doch gewiß gleich erledigen? Es hat das schonmal gemacht“ *schüttel* Seitdem hat mich niemand mehr als Fräulein bezeichnet *ggg*. Ich fand in dieser „Übergangszeit“ die Lösung mit Vorname und Sie sehr gut.
Hier im Forum finde ich das Duzen sehr gut (auch wenn ich hier zugegebenermaßen Leute duze, die ich im „täglichen Leben“ sicher siezen würde…)
Liebe Grüße an EUCH alle
Petzi
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Und insbesondere dann, wenn sie einerseits wissen, dass sie in höherer Funktion tätig sind, aber andererseits auch, dass der jüngere besser ist und sie etwas von ihm in diesem Gebiet wissen wollen…
Sie und Vorname…
…nennt man meines Wissens das „Hamburger Sie“ - warum weiß ich nicht. Ich benutze es gelegentlich bei jungen Leuten, die ich als Kinder schon kannte und bei denen das frühere „Du“ nicht mehr angebracht wäre.
Mit ‚Er‘…
…geruhte Friedrich der Große - der Alte Fritz - seine Untertanen anzureden. Das klingt für unsere Ohren auch eher herablassend. Mit seinesgleichen parlierte er wohl meist französisch…
Marco, ich wünsch dir schöne „Faire rien“ - klingt auch französisch, isch’s aber net )