Eccardus IV. von St. Gallen - Übersetzung?

Hallo liebe Mittelalterfreunde!

Ich stöbere gerade nach dem „Liber benedictionum“ von Eccardus IV. von St. Gallen. Ein Abschnitt darin sind die „benedicitones ad mensas“, und genau hiervon suche ich, falls es die gibt, eine Übersetzung aus dem Lateinischen. Sollte zufällig jemand mal über eine solche gestolpert sein, wäre ich euch für eure Hilfe sehr dankbar!

Liebe Grüße,

Lilia

Hallo Lilia,

soweit ich weiß gibt es von Ekkehard IV. (wird allgemein so geschrieben, nicht Eccardus) von St.Gallen nur: „Johannes Egli (Hrsg.), Ekkehard IV. von St. Gallen; Benedictiones ad mensas, ungefähr um 1000; gereimte Übersicht über fast alle damals auf die Tafel kommenden Speisen, St. Gallen 1909.“

Im allgemeinen übersetzt man so etwas nicht, da man wegen des Zeitgeschmacks sonst alle zehn Jahre neue Übersetzungen fertigen müßte (bei Rechtstexten ist es ähnlich).
Villeicht konnte ich Dir helfen.

Heinrich

Nur Edition…
Hallo ihr beiden,

soweit ich weiß gibt es von Ekkehard IV. (wird allgemein so
geschrieben, nicht Eccardus) von St.Gallen nur: „Johannes Egli
(Hrsg.), Ekkehard IV. von St. Gallen; Benedictiones ad mensas,
ungefähr um 1000; gereimte Übersicht über fast alle damals auf
die Tafel kommenden Speisen, St. Gallen 1909.“

Die vollständige Literaturangabe lautet: Eccardus Sangallensis, „Der liber benedictionum Ekkeharts IV : nebst den kleinern Dichtungen aus dem Codex Sangallensis 393, Zum ersten Mal vollständig herausg. und erläutert von Johannes Egli“, in Mittheilungen zur vaterländischen Geschichte St. Gallen, (31), St. Gallen, 1909.

Falls jemand interessiert ist an der Edition, wir haben die Zeitschrift in Basel und ich kann das digitalisieren, sollte Interesse und Bedarf bestehen.

Anscheinend wurde das Liber benedictionum wirklich nie übersetzt, aber was nicht ist, kann ja vielleicht noch werden…

Gruss
Y.-

3 „Gefällt mir“

Es besteht eigentlich kein wirklicher Bedarf, das zu übersetzen. Wer sich mit Mittelalter beschäftigt, muß Latein können (und bei jedem Schriftsteller oder Uk-Schreiber anders anwenden), die Übersetzung und Interpretation kommt dann vor allem auch aus der Erfahrung des Bearbeiters.
Literaturangaben würde ich grundsätzlich nach dem Schema, Autor, Herausgeber, Zeitschrift, Reihe, Band, Jahr, Seiten machen. Vor hundet Jahren noch gebräuchliche schwülstige Beschreibungen wie „Zum ersten Mal vollständig herausg. und erläutert von“ verbrauchen nur Platz und helfen im Falle einer Fernleihbestellungen des Bibliothekaren auch nicht weiter, im Gegenteil.

Heinrich

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Besserwissereien… (off topic)
Hallo Heinrich, Benedictiones keine erheblichen Schreiber Abweichungen vom Mittellateinischen ‚Ideal‘.

Literaturangaben würde ich grundsätzlich nach dem Schema,
Autor, Herausgeber, Zeitschrift, Reihe, Band, Jahr, Seiten
machen.

Was Du würdest und nicht, ist unerheblich. Massgebend ist der Titel in der Zeitschrift, so wie er erschienen ist, und nicht so, wie Du in gerne hättest. Ausserdem hat jede Disziplin ihre eigene Nomenklatur bei der es sich um Varianten ein und derselben Sache handelt.

…[helfen] im Falle einer
Fernleihbestellungen des Bibliothekaren auch nicht weiter, im
Gegenteil.

Wozu die Massregelung ? Ich habe ja sogar noch den persönlichen pdf-Mail-Versand angeboten… ts…

Einen schönen Einstieg bieten Sie hier, Herr Professor.

Gruss
Y.-

6 „Gefällt mir“

Hallo Heinrich,

Es besteht eigentlich kein wirklicher Bedarf, das zu
übersetzen. Wer sich mit Mittelalter beschäftigt, muß Latein
können

Dem möchte ich widersprechen. Wer sich beruflich, vielleicht im Studium, mit Themen des Mittelalters beschäftigt, wird wohl um gewisse Lateinkenntisse nicht herumkommen. Wäre zumindest schlimm, wenn.
Nun gibt es aber eine ganze Reihe Hobbyhistoriker, denen es im Laufe ihres Lebens durch bestimmte Umstände wohl niemals möglich war, Latein zu erlernen (mein Vater, ein Nachkriegskind, dessen finanzielles Budget nie eine weiterführende Schule erlaubt hat, ist sicher kein Einzelfall - heute ist er Rentner und betreibt ambitioniert Ahnenforschung). Will man solchen Leuten den Zugang zum Mittelalter (oder auch zur Antike…) verwehren, indem man sich dem Thema „Übersetzungen“ gegenüber verschließt?
Ich glaube kaum, daß es Sinn und Zweck der Wissenschaft und Forschung ist, in solcher Form Eliten zu kultivieren. Wenn die Forschung es versäumt, ihr Wissen der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen, hat sie meiner Ansicht nach ihre Aufgabe verfehlt.

Ich für meinen Teil studiere Klassische Philologie und traue mir durchaus zu, den Ekkehart zu übersetzen (das es nur eine Schreibweise gäbe, ist mir übrigens neu - man betrachte sich die Konsequenz mittelalterlicher Namensgebung im Allgemeinen). Wer sich meinen mit lateinischen Texten überhäuften Schreibtisch betrachtet, hat aber vielleicht Verständnis dafür, daß ich, um zu erfahren, ob man im Kloster St. Gallen nun Hirse- oder Haferbrei gegessen hat, gerne schnell mal die Übersetzung überfliege… :wink:

Viele Grüße

Lilia

4 „Gefällt mir“

danke dir aber trotzdem für die Information!
Man soll ja nicht nur Kritik verteilen! :stuck_out_tongue_winking_eye:

Man soll ja nicht nur Kritik verteilen! :stuck_out_tongue_winking_eye:

Es geht nicht darum, bestimmten Bevölkerungskreisen, den Zugang zum Mittelalter zu verwehren, ganz im Gegenteil! Bedenke nur, wieviele Leute im Mittelalter Latein konnten (wobei es „das“ Mittelalter ja gar nicht gibt, im 6.Jhd. waren die Verhältnisse sicher anders als im 15. Jhd, da liegen locker 900 Jahre dazwischen!). Insofern verstehen heute sicher mehr Menschen lateinische Sentenzen als im 6.Jhd.

Für einen Verlag rentiert es sich aber offensichtlich nicht, Ekkehards Ergüsse in einer Übersetzung anzubieten (die dann auch noch in zwanzig Jahren wieder überholt wäre). Bedenke den finanziellen Aufwand für den Übersetzer, den Lektor, das Papier, die Bindung, die Bevorratung und die Werbung. Und dann kaufen ungefähr 200 Leute so ein Buch… das ist einfach nicht lohnenend, da sieht ein Verlag eben keinen Bedarf.

Abgesehen davon muß man erst einmal einen Übersetzer finden, der den guten Mann adäqaut ins Deutsche bringt. Sieh Dir das unbeholfene Latein eines Patrick in Irland an, Widukind von Corvey schreibt ein anders Latein als Burchard von Ursberg (bei Burchard sollte der Übersetzer unbedingt des Schwäbischen Dialekts mächtig sein, sonst tut er sich noch schwerer).

Und dann muß man das ganze ja nicht nur irgendwie übersetzen, sondern auch verstehen im Zusammenhang. Da durfte ich z.B. im Jahre 1992 einen Aufsatz genießen, in dem die Verfasserin den Bierbrauvorgang im Kloster St.Gallen zu rekonstruieren versucht. Sie nimmt dazu Ekkehards casus sanct galli und seine benedictiones und sucht die Entsprechungen im sog. Klosterplan von St.Gallen.

Fazit: alles ganz manierlich übersetzt und nett gemacht, aber die Verfasserin hat überhaupt nicht das Grundlegende bemerkt: Daß nämlich der Plan zwar „St.Galler“ Klosterplan heißt, aber nur, weil er dort aufbewahrt wird, nicht, weil er den Zustand in St.Gallen im 9.Jhd. zeigte. Entstanden ist er nämlich auf der Reichenau, und was in St.Gallen aufbewahrt wird, ist eben nur die Kopie dieses Plans… und damit bricht das ganze schöne Gedankengebäude wie ein Kartenhaus zusammen (ich weiß, in den Schulbüchern wird auch immer behauptet, der Plan zeige den Zustand des Klosters St.Gallen…).

Viele Menschen springen gerne aus der heutigen Zeit ins Mittelalter, es war wohl noch nie in der Geschichte so viel Interesse an dieser Zeit wie jetzt, aber es reicht halt einfach nicht, mit unseren heutigen Vorstellungen da heran zu gehen… und dazu gehört auch, daß man sich durch das Latein durchbeißt (ich selber habe im Colloquium einen ehemaligen Lateinlehrer erlebt, wie er sich an den Urkundentexten von Papstbullen versucht hat… irgendwann hat er seine Dissertationsversuche aufgegeben).

Die wesentlichen Dinge sind ja in Übersetzungen grefbar. Die Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisaugabe hat ja so ziemlich alles, was grundlegend ist. Aber alles kann man eben nicht übersetzen. Ein Ungeübter merkt z.B. gar nicht, wenn ein Autor bestimmte Topoi verwendet und nimmt alles für bare Münze.
Das Mittelalter ist doch ziemlich weit weg von uns, und das macht die gänzlich andere Sprache ja auch deutlich sichtbar. Aber: Latein ist schön!

Heinrich