Hallo Oliber,
Ich sehe es genauso wie Du, Thomas, und hätte mir eine
Situation gewünscht, in der ich anders hätte entscheiden
können. Aber die Entscheidung ist knapp gegen eine Einstellung
gefallen. Ein Grund ist der: Weil die meisten Diplomarbeiten
vor sich hinstauben, braucht meine Diplomarbeit nicht
ebenfalls dieses Schicksal zu erleiden. Dafür hat sich mich zu
viel Arbeit, Zeit und Geld gekostet. Den Sinn über die
Prüfungsleistung hinaus hatte sie - aber wen interessiert das
eigentlich wirklich?
wenn du gestattest, möchte ich noch einen Einwand bringen:
Sollte die Situation sich nur darin beschränken, dass die Arbeit verstaubt, könnte ich dich vielleicht beruhigen. Die Lektüre von - bekanntermaßen nicht veröffentlichungspflichtigen - Diplom- bzw. Magisterarbeiten hat mir in der Zeit meines Studiums sehr geholfen. Einerseits dadurch, dass ich sehen konnte, wie „man es macht“, andererseits durch die Themenvielfalt, die ich durch die Aufstellung der (nichtveröffentlichten) Arbeiten im Seminar erschließen konnte.
Der erste Satz, den du schreibst, erweckt in mir den Eindruck, dass du nicht anders entscheiden konntest (das haben die anderen von mir Befragten auch geantwortet), aber das halte ich nicht für zwingend. Denn es ist doch eigentlich gleichgültig, wo die Arbeit verstaubt, in der Bibliothek oder bei dir zu Hause. Für die Lagerung in der Bibliothek spricht aber, dass dort wenigstens die Möglichkeit besteht, sie einzusehen bzw. überhaupt aufzufinden (ganz abgesehen davon, dass deine Leistung damit öffentlich dokumentiert ist).
Weiterhin meine ich, dass die Tatsache, dass die Arbeit ihren Sinn über die Prüfungsleistung hinaus bereits gehabt hat, auch nicht zwingend dazu führen muss, sie nicht im Seminar bereitzustellen. Denn damit ist ja noch lange nicht gesagt, dass sie nicht noch mehr nutzen könnte - auf welche Weise auch immer.
Zur Erläuterung: Ich insistiere deshalb darauf, dass auch solche nicht veröffentlichungspflichtigen Arbeiten bereitgestellt werden (vor allem), damit man sich erstens über die Qualität und zweitens über Breite der Thematiken informieren kann, wie sie 1. aktuell und 1. historisch am jeweiligen Fachbereich verlangt werden oder wurden. Als Student habe ich mich nach meiner Erinnerung ziemlich geärgert, wenn es hieß, die Arbeit sei nicht verfügbar. Und auch, dass du damit zumindest deine Leistung als Dipl.-Psych. dokumentierst, fände ich hinreichend Grund genug - falls das jemand wirklich prüfen wollen sollte.
Mit der (wie gesagt, nicht nur) von dir gegebenen Begründung sagst du also nur, warum du nicht möchtest, dass sie „dort“ steht, aber nicht, warum du nicht möchtest, dass sie überhaupt irgendwo steht.
Naja, ich hoffe, ich habe mich verständlich machen können, ohne dir zu nahe zu treten. Ich bin wirklich daran interessiert, möglichst viele Arbeiten öffentlich zu machen, auch wenn es „nur“ Prüfungsleistungen sind.
Herzliche Grüße
Thomas Miller