Guten Abend!
Snowden kommt ja vielleich nach Deutschland:
1.)Dürften amerikanische Beamte Snowden in Deutschland
festnehmen?
Nein.
Wenn ja kommt es doch zum Konflikt mit der deutschen Polizei,
die ihn beschützen?
Würden Amerikaner (oder Leute beliebiger anderer fremder Nationalität) in Deutschland versuchen, wen auch immer festzunehmen, müßten sie von hiesiger Polizei an ihrem kriminellen Tun gehindert werden.
2.)Warum dürfte „Deutschland“ Snowden ausliefern?
Nicht nur dürfte. Er müßte ausgeliefert werden. M. W. liegt ein entsprechendes Gesuch bereits vor. Es sei denn, Herrn Snowden würde hier Asyl gewährt. Auch das ließe sich begründen, um ihn eben nicht ausliefern zu müssen.
Würde Herr Snowden Asyl gewährt, er also nicht an die USA ausgeliefert, befürchten hiesige Politiker das Zerdeppern diplomatischen Geschirrs, ohne allerdings zu sagen, was denn daran so schlimm wäre. Sowas beruhigt sich auch wieder und es wäre nach meinem Dafürhalten ein gesundes, klärendes Donnerwetter.
Man darf aber nicht verkennen: Ungeachtet der Tatsache, daß sich amerikanische Dienste in Deutschland in nicht hinnehmbarer Weise daneben benahmen, beging Herr Snowden nach amerikanischem Recht Straftaten. Er ist vor ein amerikanisches Gericht zu stellen und zu bestrafen. Umgekehrt wäre es nicht anders. Würde ein Deutscher einer fremden Macht irgendwelche Verschlußsachen zukommen lassen, würde man ihn in D greifen oder im Fall des Aufenthalts in anderen Ländern die Auslieferung betreiben, um den Täter hier vor Gericht zu stellen. Unser StGB ist diesbezüglich spaßfrei.
Die Juristerei ist in solchen Fällen nur gefragt, um legale Mittel zu finden, jemanden trotz bestehender Auslieferungsvereinbarungen nicht auszuliefern. Würden die USA Herrn Snowden mit der Todesstrafe bedrohen, dürfte D den Mann gar nicht ausliefern. Man will ihn aber nicht umbringen, jedenfalls offiziell nicht auf eine in den USA als legal geltende Weise, sondern ihn „nur“ für den Rest seiner Tage in einer Zelle wissen.
Unter dem Strich ist das Ganze kein juristisches, sondern ein politisches Problem. Dienste der USA agieren in Europa offensichtlich noch so, als seien sie Besatzungsmacht. Umgekehrt gehört es seit Bestehen der Bundesrepublik zur Staatsräson, amerikanischen Wünschen nachzukommen. Wer mal anderer Meinung ist, muß sich auch im Inland Vorwürfe von Antiamerikanismus anhören. Egal wie sachlich daneben sowas ist, kommen die Vorwürfe mit Gewißheit. Im Bewußtsein weiter Kreise ist eben von vornherein alles richtig, was amerikanische Politik veranstaltet. Selbst im Fall offenkundiger Verbrechen werden Rechtfertigungen gesucht - Teil und Folge unserer Geschichte. Die Rosinenbomber, obwohl letztlich Teil des Kalten Krieges und im amerikanischen Machtinteresse liegend, wirken bis heute.
Um zum Thema dieses Brettes zurück zu kommen, nämlich der rechtliche Aspekt: Ich befürworte, Herrn Snowden politisches Asyl zu gewähren, ganz unabhängig davon, ob er noch irgendwelche Informationen liefern kann oder nicht. Die Asylgewährung würde ich mit politischen Stimmen in den USA begründen, die es zweifelhaft erscheinen lassen, daß ihm in den USA ein faires Verfahren zuteil wird und man davon ausgehen muß, daß er politisch verfolgt wird. Unmittelbare Folge solchen Tuns wäre eine diplomatische Abkühlung und Reduzierung aufs Geschäftsmäßige. Ich hielte soetwas für wünschenswert. Staaten sind völkerrechtliche Konstrukte. Das Gerede von Freundschaft zwischen Staaten (was hat man sich darunter vorzustellen?) ist ebenso abwegiges Gesülze wie das von Feindschaft zwischen Staaten und dient regelmäßig dazu, irrational Idiotisches zu begründen, sei es Krieg oder das Einräumen unangemessener Rechte.
3,) Warum wird er nicht einfach besucht?
Wenn die Russen damit einverstanden sind und Herrn Snowden dadurch keine Nachteile in Russland entstehen, spricht an sich nichts dagegen. Das geschieht bislang nicht, weil befürchtet wird, die amerikanischen Freunde (da ist es wieder) könnten sich auf den Schlips getreten fühlen und meinen, D würde sich Rußland annähern. Das ist KIndergarten von Leuten, die allesamt keinen A*sch in der Hose haben, die sich winden, wo man besser den Rücken gerade machen müßte. Es ist eben schwer, einmal nicht alten Denkkategorien zu folgen.
Wenn verhindert werden soll, daß nach amerikanischen Recht legale Schnüffelei in D fortgeführt wird, ist das mit Ergebenheitsadressen nicht zu haben. Das eine oder andere diplomatische Tellerchen muß dran glauben.
Gruß
Wolfgang