Hallo!
Ich möchte gern wissen, welche psychischen Probleme bzw. Erkrankungen mit einem EEG zu diagnostizieren sind, bzw. was ein Experte in der Beziehung aus einem EEG entnehmen kann.
Oder andersherum gefragt: Sind die Gedanken heutzutage wirklich noch frei, oder können sie mittels EEG erraten werden?
Hinterlassen z.B. Angsterkrankungen oder Depressionen eindeutige Muster?
Vielen Dank für Eure Hilfe!
Gruß
Anne
Hallo Anne,
Ich möchte gern wissen, welche psychischen Probleme bzw.
Erkrankungen mit einem EEG zu diagnostizieren sind, bzw. was
ein Experte in der Beziehung aus einem EEG entnehmen kann.
Epilepsie kann man mittels EEG diagnostizieren.
Oder andersherum gefragt: Sind die Gedanken heutzutage
wirklich noch frei, oder können sie mittels EEG erraten
werden?
Ein EEG ist zu solchem Behuf zu grob.
Ob es mittlerweile differenziertere Methoden gibt, kann ich aber nicht sagen.
Gandalf
Hallo Gandalf,
Ein EEG ist zu solchem Behuf zu grob.
Ob es mittlerweile differenziertere Methoden gibt, kann ich
aber nicht sagen.
Ich schätze, das ist es nicht.
Emotionale Aktivität kann im Individuum mittels EEG sichtbar gemacht werden, am Besten in Bezug auf Reaktionen auf spezielle Reize. Da die Depression eine gefühlsmäßige Störung ist, sind hier Unterschiede festzustellen.
Diagnostisch kein Ding, will nur niemand haben.
Auch Dinge wie Pädophelie könnten im EEG untersucht und diagnostiziert werden.
Will aber auch niemand, darum lassen wer’s.
Die Ärzte können dergleichen eher nicht, aber die Leute rennen halt lieber zum Arzt, so hat doch jeder was er will.
Lieben Gruß
Patrick
Hallo Anne,
Hinweise auf psychische Störungen lassen sich aus vielen psychophysiologischen Komponenten entnehmen, nicht nur dem EEG. Es ginge auch viel einfacher, z.B. über eine Modulation des Schreckreflexes durch emotionale Hinweisreize.
Wenn ich Dich erschrecke, nachdem ich Dir einmal freundliche Menschen und einmal böse Menschen gezeigt habe, dann solltest Du Dich bei den bösen mehr und bei den netten weniger (bei dem gleichen Schreckreiz) erschrecken. Das ganze würde über 3 Elektroden gemessen.
Ähnliche Verfahren wären auch über EEG denkbar - sogenannte Ereigniskorrelierte Potentiale zu unterschiedlichen Modalitäten.
Was das „Erraten“ bzw. die „Freiheit“ der Gedanken anbelangt - das kann das EEG nun aber nicht angreifen. Es wird ja nur gezeigt, in welchem Bereichen des Gehirns sich gerade viel tut, aber nicht was.
Lieben Gruß
Patrick
Hallo Anne,
Im EEG würde man vor allem Anzeichen organischer Hirnerkrankungen sehen: z. B. Epilepsie, Tumore, Schlaganfälle. Man hat auch untersucht, ob psychische Veränderungen im EEG zu sehen wären. Bei schizophrenen Patienten wurden EEG-Veränderungen festgestellt, und zu früheren Untersuchungen über Auswirkungen von Angst und anderen psychischen Prozessen im EEG findest Du hier einiges:
http://www.bkjpp.de/index.php5?x=/for201_eeg-psyche…&
Mit dem EEG kannst Du allerdings nur die oberflächliche Hirnaktivität erfassen, also die der Hirnrinde. Bei psychischen Störungen sind jedoch auch darunterliegende Strukturen betroffen, wie z. B. die Amygdalae und der Hippocampus. Dazu gibt es Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) und die Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Damit gewinnt man Schnittbilder des Gehirns und kann indirekt die Aktivität einzelner Hirnbereiche feststellen, indem man Informationen über die Durchblutung dieser Regionen auswertet (zumindest bei der PET).
„Gedankenlesen“ - man kann anscheinend ungefähre Rückschlüsse ziehen, wenn man den Kontext der Untersuchung einbezieht. Du mußt aber nicht fürchten, daß man Dich mit irgendeinem Verfahren so untersuchen könnte, daß auf einem Bildschirm dann im Klartext das erscheinen würde, was Du gerade denkst. Sondern, wenn jemand gut in der Mimik eines anderen Menschen lesen kann, kann er mit einiger Erfahrung auch manche zutreffenden Schlüsse über Motive und Hintergedanken ziehen - unter Einbeziehung des Kontextes. Und mit der fMRT z. B. kann man das auch, vielleicht ein bißchen ausführlicher.
Im Übrigen ist die räumliche Auflösung des EEG wohl auch viel zu gering, um besonders aussagekräftig sein zu können. Das EEG ist technisch vergleichsweise einfach und billig, die anderen Verfahren sind sehr aufwendig und teuer und werden deshalb wohl nicht für Routine-Untersuchungen verwendet.
Aber such mal mit dem Stichwort „Neuromarketing“.
Grüße,
I.
Hallo!
Ich möchte Euch allen für Eure Erklärungen danken. Anscheinend ist ein EEG in diesem Bereich nicht besonders aussagekräftig.
Mich wundert es allerdings, warum es überhaupt in Auftrag gegeben wird. Es soll nämlich ein Gutachten für einen Versicherungsträger angefertigt werden. Wenn ein EEG also kaum Rückschlüsse zulässt, warum wird es überhaupt erst angefertigt?
Will man damit nur den Kandidaten beunruhigen? Oder möchte der untersuchende Arzt einfach nur ein wenig mehr verdienen?
Viele Grüße
Anne