Effi Briest

Hallo!

Mich würde interessieren, welche Aspekte oder Themenbereiche Euch beim Lesen von Fontanes Effi Briest am meisten beeindruckt haben oder interssieren. Was ist am denkwürdigsten? Der Ehebruch? Die Vorrausdeutungen? Die Langeweile (und in dem Zusammenhang Faßbinders Verfilmung)? Die Zeit? Der gesellschaftspolitische Hintergrund?

Ich meine, was fesselt Euch an einem Buch wie Effi Briest?
Mich z. B. hat sehr die Verfilmung beeindruckt, weil ich beim Sehen tatsächlich diese schreckliche Langweile empfunden habe, die der Regisseur vermitteln wollte und wie Effi sie wohl gefühlt hat.

Danke, Grüße Coco

Hallo Coccinella,

was mich an dieser Geschichte schaudern lies , war der Eindruck, dass zu jener Zeit für eine Frau der einzige Weg, sich aus dem
sozialem Gefängnis und gesellschaftlichem Korsett zu befreien, auf der emotionalen Ebene möglich war.

Mit der Konsequenz einer erneuten Abhängigkeit oder gesellschaftlichen Ächtung.

Wenn ich darüber nachdenke , es auf mich wirken lasse, dann
kommt mir vor, als müßte ich bei diesem GEDANKEN schon

ersticken.

Gruß und schönes Wochenende

Merkur

Hallo Merkur

was mich an dieser Geschichte schaudern lies , war der
Eindruck, dass zu jener Zeit für eine Frau der einzige Weg,
sich aus dem
sozialem Gefängnis und gesellschaftlichem Korsett zu befreien,
auf der emotionalen Ebene möglich war.

Mit der Konsequenz einer erneuten Abhängigkeit oder
gesellschaftlichen Ächtung.

Ja, das ist wahr. Emotionalität als Flucht, wobei die Emotionalität Effis bei der Hochzeit mit Instetten nicht gefragt war. Hauptsache abgesichert. Wie war das damals, wenn eine Frau studieren wollte? Wenn sie studiert hatte? Dufrte sie dann auch nur an der Seite eines Mannes glänzen?
Welche Möglichkeiten hätte Effi noch gehabt und warum war ihr Handeln so typisch für diese Zeit?

Grüße Coco

Ihr Handeln war typisch für diese Zeit , weil Frauen sich damals
darüber im Klaren waren,
dass der Versuch sich geistig zu profilieren
mit Repressalien geahndet wurde .

Eine Frau hatte bei den drei " K´s " zu bleiben und dem Mann
als " Rose am Revers " zu dienen.
Intelligenz und Ehrgeiz galten als unweiblich und waren daher als weibliche Eigenschaften für Männer äußerst abtörnend .

( Selbst heute kommt das noch in Form der
Blondinenwitze zum Vorschein - sexuell attraktiv , gepaart mit
Dummheit !!! )

Gruß

Merkur

Wie war das damals, wenn

eine Frau studieren wollte? Wenn sie studiert hatte? Dufrte
sie dann auch nur an der Seite eines Mannes glänzen?

Man braucht wirklich nicht so weit zurückdenken.

Stell Dir vor, die Frauen, die jetzt Rentnerinnen werden, mussten
von ihren Ehemännern Erlaubnis haben überhaupt berufstätig zu sein.
Ein Mann konnte den Arbeitgeber seiner Frau aufsuchen und die Stelle kündigen.

Ein bißchen an Deinem Thema vorbei - fiel mir nur gerade so ein, weil es mich
immer so erschüttert hat.

Karen

Hi Coco,

ganz einfach, damals haben Frauen noch nicht studiert. Die ersten haben es erst um die Jahrhundertwende getan und galten natürlich als Blaustrümpfe. Literatur war ebenfalls vorgeschrieben: Religiös Erbauliches und so Anspruchsvolles wie die Gartenlaube. Politisches Interesse durften die wenigsten äußern; dafür war der Mann da. Malen, Musizieren zum Hausgebrauch (um Himmels willen keine Karriere, das war unseriös).

Studieren? Himmel, noch unsere Mütter mit Geburtsjahrgang vor dem 2. Weltkrieg hatten es schwer genug damit…

Liebe Grüße,

Susanne

Hallo Coccinella,

Was ist am denkwürdigsten? Der Ehebruch? Die Vorausdeutungen? Die Langeweile (und in dem Zusammenhang Faßbinders Verfilmung)? Die Zeit? Der gesellschaftspolitische Hintergrund? …

sehr spannend ist in diesem Zusammenhang die Lektüre zweier Romane der europäischen Literatur des 19. Jh, die ein ähnliches Sujet behandeln: Flauberts „Madame Bovary“ (1856) und Tolstois „Anna Karenina“ (1875).

Viele Grüße
Diana