Moin,
die Jahreszahl 1985 spricht, meine ich, für sich.
Ganz recht, es bedeutet, dass es seit über 20 Jahren möglich ist, sich mitten in Papenburg sehr umfassend über die Emslandlager zu informieren. Und die Errichtung des DIZ ist ja nicht der Anfang der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gewesen, sondern bereits ein Zwischenergebnis.
Und auch die
Mühe, die es das Aktionskomitee gekostet hat, das DIZ
überhaupt einzurichten,
Ja, so funktioniert Aufarbeitung der eigenen Geschichte nunmal. Wo man mal eben Ruckzuck ohne große Diskussion irgendwelche Mahnmahle ins Gelände stellt, gibt es auch nichts aufzuarbeiten.
und der zuletzt gescheiterte Kampf,
dieses am Ort eines der Lager zu tun - das wäre dann wohl doch
zu „wirklich“ gewesen:
Da muss ich dich enttäuschen. „Wirklich“ war auf dem Gelände das Lagers Esterwegens schon seit den 50er Jahren nichts mehr. Alles längst abgerissen. Die einzige „Wirklichkeit“, die sich dort noch hätte einfangen lassen, ist die Atmosphäre des Moors, aber das geht auch an vielen anderen Stellen in der Gegend. Es gibt mittlerweile eine Gedänkstätte am ehemaligen Standort des Lagers Esterwegen, aber der Ort ist nunmal ziemlich abgelegen, „zufällig“ kommt dort niemand vorbei. Das DIZ hingegen liegt seit über 20 Jahren mitten in Papenburg, kaum einer, der dort lebt und nicht unzählige Male dort vorbeigekommen ist. Dort liegt es meiner Meinung nach auch richtig, denn dort findet und fand die Diskussion statt, mitten im Ort, wo die Menschen leben, nicht irgendwo mitten im Moor. Das mag zwar für den KZ-Touristen wenig spektakulär sein, aber hier ging es nunmal nicht um das Errichten touristischer Attraktionen, sondern um Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit.
http://www.gedenkstaette-esterwegen.de/index.php?con…
So dramatisch geheim ist das
militärische Sperrgebiet in Esterwegen nicht, dass es da gar
keine Lösung gegeben hätte.
Meinst du so eine Lösung, wie diese?
http://www.gedenkstaette-esterwegen.de
Das Beispiel soll nicht alle Papenburger in Bausch und
Bogen diskreditieren - allerdings ist es schon auf eine wie
mir scheint besondere lokale Ausprägung von Erinnerungs- und
Verschweigenstechniken gemünzt.
Du nennst also eine seit über 25 Jahre andauernde, sehr intensive Form der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit „Verschweigenstechnik“? Was stellst du dir eigentlich vor? Die ältere Generation hat die Lager noch selbst miterlebt, die mittlere Generation hat die Diskussion um die Lager und die Auseinandersetzung um Art, Ort etc. des Erinnerns und Mahnens geführt und miterlebt und die jüngere Generation wird meistens über die Schule und das DIZ in die Geschichte eingebunden. Papenburg ist ein Kaff und keine Großstadt. Wenn hier öffentlich über bestimmte Ereignisse hitzig diskutiert wird (wie die Errichtung des DIZ), dann hören alle mit. Kein Papenburger dürfte über die Existenz dieser Lager nie etwas gehört haben, es sei denn, er hätte die letzten 60 Jahre mit dem Kopf im Moor gesteckt.
betrifft, habe ich auch in dieser ganz anderen Gegend von D
solche Mauern des Schweigens viele Jahre erleben dürfen.
Ich hab keine Ahnung, welche „Mauern des Schweigens“ du erlebt hast. Aber vielleicht solltest du dich erstmal erkundigen, wie es in anderen Gegenden gelaufen ist, bevor du Vergleiche ziehen willst.
Die Emslandlager…
Falls du mal ein ernsthaftes Interesse an der Auseinandersetzung der Papenburger mit ihrer Geschichte hast, dann schreib mir eine Mail.
Als Antwort auf die Fragestellung der Ausgangsposterin über Orte der Ermordung von Juden fand ich deinen Hinweis auf die Emslandlager zunüchst verfehlt, aber inzwischen bin ich froh darüber. Ich habe ein bisschen den Verdacht, das heutzutage zwar in den Schulen sehr viel über die Judenverfolgung geredet wird, aber die anderen Opfer des Nationalsozialismus dabei zunehmend in Vergessenheit geraten. Somit danke für deinen Hinweis. Der oben verlinkte Text über die KZ-Touristen trifft es meiner Meinung nach auf den Punkt.
Gruß
Marion