Ehemalige Kz's Neuengamme / Bergen-Belsen

hallo ihr !

da ich zur zeit für ein schulprojekt über die judenverfolgung recherchiere wollte ich eines der ehemaligen konzentrationslager besuchen. da neuengamme und bergen-bilsen ziemlich weit weg sind, wollt ich mal wissen, wo noch mehr zu sehen ist. also für mich sind besonders noch mauern und sowas wichtig, wo man halt erkennen kann, was da gelaufen ist. nur fundamente nützen mir leider nicht so viel. hat irgendwer eine ahnung, wo man noch mehr sehen kann, bzw was interessanter für mich wäre?
herzlichen dank im vorraus : )

(MOD: Tippfehler im Titel wg Archiv korrigiert — mkl —)

sorry, es heißt natürlich bergen-belsen.

weitere frage;weiß jmd ob da filmen erlaubt ist?

Hallo,

wenn Du schreibst, wo Du wohnst, können vielleicht näher gelegene KZ-Gedenkstätten empfohlen werden. Es gibt viele, im ganzen früheren Reichsgebiet und auch außerhalb. Auch wenn Du z.B. in Papenburg auch heute auf der Straße oft genug die Antwort „weiß ich nicht - nein, hier jedenfalls nicht… nein, nie gehört… ja, in Polen, da waren doch solche Lager etc.“ hörst.

Du kannst Dir zur Vorbereitung anhand der HPs der beiden Gedenkstätten ein Bild machen, ob sie für Eure Zwecke geeignet sind. Zu Bedenken ist, dass beide keine Vernichtungslager waren. Bergen-Belsen galt als „Erholungslager“, was zwar bereits ein sehr zynischer Ausdruck ist, aber immerhin bezeichnet, dass in diesem erst 1943 endgültig eingerichteten KZ (vorher StaLag für russische Kriegsgefangene) im wesentlichen Häftlinge gehalten wurden, die für Austausch in Frage kamen und auch solche, die in anderen Lagern für den Arbeitseinsatz unbrauchbar geworden waren, aber aus welchem Grund auch immer nicht unmittelbar ermordet werden sollten. In Neuengamme waren eine bedeutende Zahl politischer Häftlinge, nicht in erster Linie Juden.

Man kann beide genannten Lager nur bedingt mit den Vernichtungslagern in den Protektoraten und in Polen vergleichen.

Schöne Grüße

MM

Karte der NS-Gedenkstätten in Deutschland
Hallo,

Vielleicht hilft dir dieser Link weiter: http://www.ns-gedenkstaetten.de/portal/index.php

Ansonsten wäre meine Empfehlung: Fahr lieber nach Auschwitz. Das ist gar nicht so teuer, mit Plan & Spar von der Bahn und einem billigen Hotel. Es gibt auch Billigflüge nach Krakau, etwa eine Stunde Fahrt mit dem Bus bzw. Zug von Auschwitz entfernt. Das ist noch etwas günstiger, wenn das Geld knapp ist, meine ich.

Schöne Grüße

Petra

Moin,

Auch wenn Du
z.B. in Papenburg auch heute auf der Straße oft genug die
Antwort "weiß ich nicht - nein, hier jedenfalls nicht… nein,
nie gehört…

Nichts für ungut, aber vielleicht hättest du mal Papenburger nach den Emslandlagern fragen sollen, und nicht irgend welche Touristen, die insbesondere im Sommer Zuhauf in Papenburg auf der Straße rumlatschen. Dann hätte man dir vielleicht auch den Weg zum DIZ gezeigt:

http://www.diz-emslandlager.de

Und dann hättest du auch erfahren, dass die Emslandlager in erster Linie nicht Teil der Verfolgung und Ermordung von Juden waren. Aber schon klar, so ein bisschen Rumgehacke auf den angeblich so ignoranten Einheimischen ist doch immer wieder erhebend fürs eigene vergangenheitsbewältigende Ego im Zeitalter des KZ-Tourismus.

Gruß
Marion, verärgert

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Hallo Marion,

die Jahreszahl 1985 spricht, meine ich, für sich. Und auch die Mühe, die es das Aktionskomitee gekostet hat, das DIZ überhaupt einzurichten, und der zuletzt gescheiterte Kampf, dieses am Ort eines der Lager zu tun - das wäre dann wohl doch zu „wirklich“ gewesen: So dramatisch geheim ist das militärische Sperrgebiet in Esterwegen nicht, dass es da gar keine Lösung gegeben hätte.

Das Beispiel soll nicht alle Papenburger in Bausch und Bogen diskreditieren - allerdings ist es schon auf eine wie mir scheint besondere lokale Ausprägung von Erinnerungs- und Verschweigenstechniken gemünzt. Papenburg ist da nicht allein - in dem Wahlkreis, der traditionell mit CLP-Vechta Kopf an Kopf lag, was schwarze Wählerstimmen außerhalb Bayerns betrifft, habe ich auch in dieser ganz anderen Gegend von D solche Mauern des Schweigens viele Jahre erleben dürfen.

Die Emslandlager waren keine Vernichtungslager, und es waren dort nicht systematisch jüdische Häftlinge untergebracht, sondern im wesentlichen Strafgefange, viele Politische und Kriegsgefangene. Wegen der Größe der Lager und ihrer schon früh in den 1930er Jahren komplexen Organisation bilden sie aber eine bedeutende Etappe bei der Entwicklung, die zu den Vernichtungslagern im Osten führte. Auch die Zahl der durch Arbeit, Hunger, Misshandlungen gestorbenen Opfer ist bemerkenswert hoch.

David Rousset beschreibt, dass noch 1943 in Buchenwald die aus den Emslandlagern dort angekommenen Häftlinge wegen ihres in der Regel besonders schlechten Zustandes von den Roten in Buchenwald besonders unterstützt wurden.

Schöne Grüße

MM

Hallo !
ich wohne in der nähe von hamburg, barmstedt, wenn das hier jemanden etwas sagt :wink:
auschwiz ist leider vieeel zu weit weg, auch wenn man schon sher günstig hinkommt. aber das geld ist knapp und die zeit noch viel knapper.und da ich in der woche regelmäßig zur schule gehe, ist ein kleiner ausflug nach auschwitz leider ausgeschlossen.

dass bergen-belsen ein erholungslager war mag sein. dennoch darf man nicht ausser acht lassen, dass dort fast genauso viele menschen ermordet worden sind wie in auschwitz.

und ob in neuengamme hauptsächlich Menschen aus politischen gründen ermordet worden sind ist für mein thema relativ egal, denn ich denk mal, die abläufe in so einem kz unterscheiden sich nicht so doll, oder ?

liebe grüße

dass bergen-belsen ein erholungslager war mag sein. dennoch
darf man nicht ausser acht lassen, dass dort fast genauso
viele menschen ermordet worden sind wie in auschwitz.

Tach Levke,

auf die Schnelle habe ich zwar keine genauen Zahlen der in B-B ermordeten Menschen gefunden, aber auf den Gedektafeln ist u.a. von 30.000 Juden und 50.000 sowjetischen Kriegsgefangenen die Rede.

Dies ist mit Auschwitz nicht zu vergleichen!

Gruß - Rolf

Moin,

die Jahreszahl 1985 spricht, meine ich, für sich.

Ganz recht, es bedeutet, dass es seit über 20 Jahren möglich ist, sich mitten in Papenburg sehr umfassend über die Emslandlager zu informieren. Und die Errichtung des DIZ ist ja nicht der Anfang der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gewesen, sondern bereits ein Zwischenergebnis.

Und auch die
Mühe, die es das Aktionskomitee gekostet hat, das DIZ
überhaupt einzurichten,

Ja, so funktioniert Aufarbeitung der eigenen Geschichte nunmal. Wo man mal eben Ruckzuck ohne große Diskussion irgendwelche Mahnmahle ins Gelände stellt, gibt es auch nichts aufzuarbeiten.

und der zuletzt gescheiterte Kampf,
dieses am Ort eines der Lager zu tun - das wäre dann wohl doch
zu „wirklich“ gewesen:

Da muss ich dich enttäuschen. „Wirklich“ war auf dem Gelände das Lagers Esterwegens schon seit den 50er Jahren nichts mehr. Alles längst abgerissen. Die einzige „Wirklichkeit“, die sich dort noch hätte einfangen lassen, ist die Atmosphäre des Moors, aber das geht auch an vielen anderen Stellen in der Gegend. Es gibt mittlerweile eine Gedänkstätte am ehemaligen Standort des Lagers Esterwegen, aber der Ort ist nunmal ziemlich abgelegen, „zufällig“ kommt dort niemand vorbei. Das DIZ hingegen liegt seit über 20 Jahren mitten in Papenburg, kaum einer, der dort lebt und nicht unzählige Male dort vorbeigekommen ist. Dort liegt es meiner Meinung nach auch richtig, denn dort findet und fand die Diskussion statt, mitten im Ort, wo die Menschen leben, nicht irgendwo mitten im Moor. Das mag zwar für den KZ-Touristen wenig spektakulär sein, aber hier ging es nunmal nicht um das Errichten touristischer Attraktionen, sondern um Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit.

http://www.gedenkstaette-esterwegen.de/index.php?con…

So dramatisch geheim ist das
militärische Sperrgebiet in Esterwegen nicht, dass es da gar
keine Lösung gegeben hätte.

Meinst du so eine Lösung, wie diese?
http://www.gedenkstaette-esterwegen.de

Das Beispiel soll nicht alle Papenburger in Bausch und
Bogen diskreditieren - allerdings ist es schon auf eine wie
mir scheint besondere lokale Ausprägung von Erinnerungs- und
Verschweigenstechniken gemünzt.

Du nennst also eine seit über 25 Jahre andauernde, sehr intensive Form der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit „Verschweigenstechnik“? Was stellst du dir eigentlich vor? Die ältere Generation hat die Lager noch selbst miterlebt, die mittlere Generation hat die Diskussion um die Lager und die Auseinandersetzung um Art, Ort etc. des Erinnerns und Mahnens geführt und miterlebt und die jüngere Generation wird meistens über die Schule und das DIZ in die Geschichte eingebunden. Papenburg ist ein Kaff und keine Großstadt. Wenn hier öffentlich über bestimmte Ereignisse hitzig diskutiert wird (wie die Errichtung des DIZ), dann hören alle mit. Kein Papenburger dürfte über die Existenz dieser Lager nie etwas gehört haben, es sei denn, er hätte die letzten 60 Jahre mit dem Kopf im Moor gesteckt.

betrifft, habe ich auch in dieser ganz anderen Gegend von D
solche Mauern des Schweigens viele Jahre erleben dürfen.

Ich hab keine Ahnung, welche „Mauern des Schweigens“ du erlebt hast. Aber vielleicht solltest du dich erstmal erkundigen, wie es in anderen Gegenden gelaufen ist, bevor du Vergleiche ziehen willst.

Die Emslandlager…

Falls du mal ein ernsthaftes Interesse an der Auseinandersetzung der Papenburger mit ihrer Geschichte hast, dann schreib mir eine Mail.

Als Antwort auf die Fragestellung der Ausgangsposterin über Orte der Ermordung von Juden fand ich deinen Hinweis auf die Emslandlager zunüchst verfehlt, aber inzwischen bin ich froh darüber. Ich habe ein bisschen den Verdacht, das heutzutage zwar in den Schulen sehr viel über die Judenverfolgung geredet wird, aber die anderen Opfer des Nationalsozialismus dabei zunehmend in Vergessenheit geraten. Somit danke für deinen Hinweis. Der oben verlinkte Text über die KZ-Touristen trifft es meiner Meinung nach auf den Punkt.

Gruß
Marion

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Hallo Levke,
nach Hamburg kannst Du ja leicht reinkommen - ich empfehle Dir dort die Gedenkstätte der Schule am Bullenhuser Damm, jetzt ‚Janusz Korczak Schule‘ aufzusuchen.Eine Außenstelle des KZ Neuengamme. Informiere Dich über die Hansestadt Hamburg betreffs der Öffnungszeiten.

Hier ist ein link, unten links auf dieser Seite ein weiterer aufschlußreicher link ‚Zwanzig Kinder …‘

http://www.jenskleemann.de/wissen/bildung/wikipedia/…

Dort in diesem alten Schulgebäude kannst Du das grauenhafte Geschehen der damaligen Zeit vielleicht nachempfinden und dann entsprechend in Deiner Arbeit wiedergeben.

Karen

Hallo Levke,

da neuengamme und bergen-bilsen
ziemlich weit weg sind, wollt ich mal wissen, wo noch mehr zu
sehen ist.

Du wohnst in der Nähe von Hamburg? Da ist Bergen-Belsen doch nicht weit weg! Ein Auto (mit Fahrer) organisieren und schon steht der Halbtagesausflug …

also für mich sind besonders noch mauern und sowas
wichtig, wo man halt erkennen kann, was da gelaufen ist. nur
fundamente nützen mir leider nicht so viel. hat irgendwer eine
ahnung, wo man noch mehr sehen kann, bzw was interessanter für
mich wäre?

Nur leider sieht man in Bergen-Belsen nicht mehr sonderlich viel. Einige Fundamente sind zwar wieder ausgegraben worden, doch insgesamt erinnert das Gelände eher an eine „idyllische Parkanlage“, allein die Dimensionen machen die Größe des ehemaligen KZs nachvollziehbar.

„Am meisten“ steht tatsächlich noch in Auschwitz, dort wurden die Baracken stehen gelassen und nicht wegen Seuchengefahr abgebrannt …

Gruß sannah