Ehemalige Wohnsitzangabe

Hallo,
meine Frage bezieht sich auf die Zeit zwischen 1800 - 1850, im Rahmen meiner Familienforschung.
In einigen Urkunden aus dieser Zeit sind Adressen erwähnt, wie Nr. 50 zu Isselhorst (Dorf) oder Nr. 79 zu Blankenhagen (Dorf) oder geboren in Westhofen oder Westhoven.
Mich würde mal interessieren, ab wann (wohl durch die Franzosen) eigentlich die Einwohnermeldepflicht eingeführt wurde. ? Ab wann war es eigentlich Sitte auch Straßennamen zu nennen. ? Und was bedeutet die Wohnsitzangabe, wie ich sie nannte … Nr. 50 zu… , gab es da vielleicht noch keine Straßen in den Orten. ?

Noch ein Zusatz: Wie kann man eigentlich herausbekommen, wenn jemand z. B. Spinnerin oder Magd von Beruf war, wo diese Leute in genannter Zeit gearbeitet haben. ?

Vielen lieben Dank
Moni

MOD: Artikel nach Verschiebung verändert

Hallo Monika,

meine Frage bezieht sich zwar nicht auf das Mittelalter, aber
auf die Zeit zwischen 1800 - 1850, im Rahmen meiner
Familienforschung.
In einigen Urkunden aus dieser Zeit sind Adressen erwähnt, wie
Nr. 50 zu Isselhorst (Dorf) oder Nr. 79 zu Blankenhagen (Dorf)
oder geboren in Westhofen oder Westhoven.
Mich würde mal interessieren, ab wann (wohl durch die
Franzosen) eigentlich die Einwohnermeldepflicht eingeführt
wurde. ? Ab wann war es eigentlich Sitte auch Straßennamen zu
nennen. ? Und was bedeutet die Wohnsitzangabe, wie ich sie
nannte … Nr. 50 zu… , gab es da vielleicht noch keine
Straßen in den Orten. ?

Noch ein Zusatz: Wie kann man eigentlich herausbekommen, wenn
jemand z. B. Spinnerin oder Magd von Beruf war, wo diese Leute
in genannter Zeit gearbeitet haben. ?

zunächst: Straßen, Wege, gab es überall. Nur war es bis in das 20. Jahrhundert hinein vor allem auf dem Land durchweg Sitte, einfach die Häuser im Dorf durchzuzählen. Somit hatte der älteste Hof die Nr.1 und das neueste Gebäude - eventuell direkt neben Nr. 1, weil die „Jungen“ neben die Eltern bauten - konnte durchaus die Nr. 324 haben.

Ein sehr bekanntes Beispiel dieser Praxis ist die berühmte 4711 in der Glockengasse in Köln. Das war nämlich die Nummer, die ein Soldat Napoleons nach der Besetzung der Stadt an die Hauswand des Herrn Farina malte. Natürlich gab es in dieser Gasse nicht 4711 Häuser - dafür waren es für ganz Köln sicher noch etliche mehr.

Du kannst also aus der Hausnummer erst einmal nicht auf moderne Straßennummern schließen. Helfen kann aber bei dieser Frage das Kathaster-Amt.

Wann die allgemeine Einwohnermeldepflicht eingef´ührt wurde, kann man Dir sicher auf dem Einwohnermeldeamt Deiner Stadt sagen.

Und das letzte Problem nach den Arbeitgebern: Spinnen war bis zur Industrialisierung eine Tätigkeit, die praktisch jede Bauersfrau zu Hause ausübte. Daneben gab es natürlich Spinnhäuser. Sollte es etwas dieser Art gewesen sein, müsstest Du im Kirchenbuch der entsprechenden Gemeinden nachlesen, um herauszufinden, ob es so etwas die den Spinnhaus-Besitzer gab.
Und zur Magd: absolut jeder Bauer hatte Personal. Wer sich keine Dienstboten leisten konnte, wurde in Kirchenbücher nicht als solcher geführt. Dennoch hast Du natürlich im Zielort Deiner Suche die Auswahl unter allen dort in der Zeit lebenden Eignern von Höfen. Manchmal, mit Glück, war eine Person Zeugin für eine Urkunde und wird dann in dieser mit noch mehr Glück als Magd X des Y erwähnt. Das kenne ich aber eher aus weit früherer Zeit.

Urkunden dieser Art findet man in aller Regel im Archiv einer Stadt/Gemeinde, eines Landkreises oder sogar (Bundes)landes. Da steht Dir also noch eine wahrscheinlich lange, aber vielleicht sogar vergnügliche Recherche bevor.

Viel Spaß wünscht
Geli

Hallo Moni,

bis vor gar nicht langer Zeit war es in vieln Dörfern Sitte, daß die Häuser Namen hatten. Die, die dort wohnten kriegten diesen Namen auch.
Die Familie meiner Mutter zogen nach dem Krieg in ein kleines Dorf im fränkischen und mußten sich erst mal daran gewöhnen, daß sie von den Dörflern mit dem Hausnamen angeredet wurden, der angestammte Familienname zählte nur auf dem Amt.

Gandalf

Hallo,

also Meldeämter im eigentlichen Sinne gab es wohl erst im Deutschen reich ab 1871 flächendeckend.
Für die Zeit davor gab es in machen Städten Adressbücher - aber auch nicht immer. Ausschlagebend waren und sind da mehr die Einträge in die Kirchenbücher. Da wurden ja Geburten, Hochzeiten, Todesfälle der Kirchgemeinde dokumenmtiert und in der Kirche war ja praktisch jeder. In der Regel wurden da auch Berufsangaben gemacht, aber nur bei Männern, Frauen hatten ja keinen Beruf. Da stand dann zum Beispiel, daß am soundsovielten ein Karl als Sohn des Landwirts Hugo Napf und seiner Ehefrau Isolde geboren wurde oder so.
Straßennamen gobt es z.B. in unserer Gemeinde erst seit etwa 1970. Vorher war das Dorf einfach durchnummeriert, wir hatten Nr. 54 (und aus unerfindlichen Gründen hatte damals unsere Scheune auch ne Hausnummer, die war Nr.56, obwohl da außer ein paar Mäusen nie jemand drin wohnte).

Gernot Geyer

Servus!

(und aus unerfindlichen Gründen hatte damals unsere
Scheune auch ne Hausnummer, die war Nr.56, obwohl da außer ein
paar Mäusen nie jemand drin wohnte).

Wurde die Scheune vielleicht mal dazugekauft? Oder war sie der Rest eines anderen Hofes, der zerschlagen wurde und bei dem die übrigen Gebäude halt einfach abgerissen wurden?

VG
Christian

Hallo,

nein - aber sie steht etwas getrennt vom übrigen Grundstück und hat auch ne eigene Grundstücksnummer.
Allerdings - nach der neuen Nummerierung seit Einführung der Straßennamen hat sie nun auch keine Hausnummer mehr.

Gernot Geyer

Zumindest in Bayern konnte man bis sogar sehr lange, wahrscheinlich 1871, den Namen des Hofes auch offiziell annehmen, da bei der Erfassung einfach auf die Angabe des Namens von dessen Besitzer vertraut wurde.
Oft gab es auch die Mischbezeichnung in offziellen Dokumenten , wie etwa: Johannes Eiblseder, Rumkugelbauer zu Mattstetten.

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