Hallo Wissende,
Kann jemand diesen Begriff etwas „sezieren“, d.h. welche Hirnareale ticken bei den Ehrgeizigen wohl und ist das eine Strategie für’s Wohlbefinden ?
Mit Dank und Gruss: hardy
Hallo Hardy (schöner Männer-,aber auch Frauen-Name, ich kenne eine Hardy und kannte einen Hardy, der ist leider schon verblichen),
also : Ich will ja nicht schon wieder über frühe Störungen und sich darauf aufbauende Charakterstrukturen fachsimpeln, weil ich sonst gleich wieder Schelte bekomme, aber ein übertrieben wirkender Ehrgeiz mag natürlich schon seine Wurzeln in einer narzisstisch gestörten Persönlichkeits-Entwicklung haben. Andererseits: Ist nicht fehlender Ehrgeiz ebenso zu problematisieren oder gar zu pathologisieren? Ich darf heute mal mit einer etwas volksnahen Botschaft mein posting hier beenden: Meine Oma pflegte in den 60er Jahren zu mir zu sagen „Ein bißchen Ehrgeiz muss der Mensch haben!“ - Offenbar hatte ich damals in ihren Augen ja zuwenig.
Es grüßt Dich Branden
Hallo Branden
Ich glaube, ich habe da Aufklärungsbedarf.
also : Ich will ja nicht schon wieder über frühe Störungen und
sich darauf aufbauende Charakterstrukturen fachsimpeln, weil
ich sonst gleich wieder Schelte bekomme, aber ein übertrieben
wirkender Ehrgeiz mag natürlich schon seine Wurzeln in einer
narzisstisch gestörten Persönlichkeits-Entwicklung haben.
Wenn ich z.B. den Ehrgeiz habe, ein harmonisch liebevolles Umfeld zu schaffen, mich dafür intensiv einsetzen, und so einiges dafür in Kauf nehme, dann habe ich eine narzisstisch gestörte Persönlichkeitsstruktur?
Wenn ich dann den Ehrgeiz habe, meine Potentiale zu nutzen, einiges auf mich nehme, um mich beruflich weiter zu entwickeln, entwickel ich meine Persönlichkeit dann gleichzeitig in Richtung narzisstisch gestört?
Andererseits: Ist nicht fehlender Ehrgeiz ebenso zu
problematisieren oder gar zu pathologisieren? Ich darf heute
mal mit einer etwas volksnahen Botschaft mein posting hier
beenden: Meine Oma pflegte in den 60er Jahren zu mir zu sagen
„Ein bißchen Ehrgeiz muss der Mensch haben!“ - Offenbar hatte
ich damals in ihren Augen ja zuwenig.
Sorry, ich will Dir nicht zu Nahe treten, aber zählst Du nun aus dieser Erfahrung in Deiner Vergangenheit heraus als narzisstisch gestörte Persönlichkeit, nur weil Du Dir den Rat Deines Opa’s beherzigtest, und soviel Ehrgeiz entwickeltes, daß Du beruflich etwas auf die Beine stellen konntest?
Ich denke doch, Ehrgeiz entwickelt sich aus den Interessen heraus. Wenn mich dann viele Sachen interessieren, werde ich auch auf vielen Gebieten ehrgeizig sein, interessiert mich nur wenig, werde ich auch nicht sonderlich viel Ehrgeiz aufbringen. Interessiere ich mich aber nur noch für mich selbst, bewundere nur noch meine Leistungen, mein können, dann werde ich wohl ein narzisstisches Problem haben. Nicht doch aber, weil ich für eine Sache, mit der ich mich gerade beschäftige und viel Zeit dafür investiere, meinen Freund vernachlässige.
Aber es kann ja auch sein, daß ich den Begriff ‚Narzisstisch‘ falsch verstehe.
lieb gegrüßt,
fionny
Hallo fionny,
ich glaube, es ist kein wirklicher Widerspruch zwischen Deinem und meinem Standpunkt. Ich wollte ja gerade mit meinem posting auf die Realtivität des Ehrgeizes hinweisen; und andeuten, was dabei ein „gesunder“ Mittelweg ist. Es gibt meines Erachtens eben eine Beziehung zwischen „auffälligem“ (negativ auffallendem, andere behindernden) Ehrgeiz und der bekannten Narzissmus-Problematik. Mehr wollte ich mit meinem doch recht versöhnlichen Standpunkt nicht ausdrücken.
Es grüßt Dich Branden
Hallo Branden,
Ich wollte Dich auch nicht angehen, ich sehe nur keinen Zusammenhang zwischen Narzissmus und Ehrgeiz.
Was ich unter Narzissmus vertehe, und ich meine, daß dieser Begriff auch so deffiniert ist, ist eine Wahrnehmungsstörung. Wobei sich die Wahrnehmung ausschließlich auf die eigene Person beschränkt. Eine solche Person muß aber hierfür keinen Ehrgeiz aufbringen, da sie gar nicht anders kann, als nur sich selbst wahrzunehmen. Unterstelle ich ihr hierbei Ehrgeiz, unterstelle ich ihr gleichzeitig, daß ihr Verhalten bewußt gesteuert ist. Ist dem so, kann ich davon ausgehen, daß diese Person unter ihrem fehlgesteuerten Verhalten nicht leiden muß (da bewußt und gewollt), sie kann da jederzeit heraus.
Liegt eine narzisstische Störung vor, kann die Person gar nicht anders, da sie ihr Verhalten nicht beeinflussen kann. Sie ist quasie blind für alles, was außerhalb ihres eigenen Raumes ist. Sie fühlt Leid eines anderen nicht, kann sich in Empfindungen anderer nicht hineinversetzen, da es für sie nicht vorstellbar ist, jemand anderes könnte leiden, da nur sie leidend ist. Nur sie selbst ist liebenswert, weswegen sie auch nur sich selbst lieben kann.
Da diese Störung die Person betrifft, muß sie sich auf alle Bereiche auswirken, und kann nicht auf einzelne Aspekte im Leben bezogen werden. Ich behaupte schlicht, daß jemand, der eine narzissistische Persönlichkeit hat, nicht in der Lage ist, Freundschaften aufzubauen und zu pflegen, Kinder liebevoll aufzuziehen, beruflich ein kollegiales Umfeld zu schaffen oder dergleichen.
Ehrgeiz hingegen kann sich durchaus auf einzelne Bereiche beziehen. So kann jemand beruflich sehr ehrgeizig sein, jedoch völlig demotiviert Freizeitbeschäftigungen gegenüberstehen. Doch heißt das nicht, daß er nicht einem Freund Traurigkeit/Enttäuschung nachempfinden kann, weil dieser mit seinem Freizeitangebot den Ehrgeizigen nicht vom Sofa locken kann.
In Ehrgeiz steckt Ehre und Geiz. Wann immer ich mit Ehre geize, bin ich ehrgeizig. Wenn ich also, um berufliche Ziele erreichen zu können, an der Ehre anderer oder meiner eigene knapse (z.B. unehrenhafte Mittel einsetze), bin ich ehrgeizig. Wenn ich aber auf diese Mittel verzichte, und lediglich durch eigene Leistung und Anstrengung versuche mein Ziel zu erreichen, bin ich strebsam. Dummerweise wird für das Wort Strebsam umgangssprachlich zumeist Ehrgeiz eingesetzt (fällt mir in Zwischenzeugnissen immer wieder auf).
herzlich gegrüßt,
fionny