Eigenartige Flecken in den Äpfeln

Mein Spalier der Sorte Boskop trägt reichlich schöne, grosse Früchte. Leider ist das Innere der Äpfel mit „glasig“ wirkenden ca. 1 cm grossen Flecken durchsetzt. Meine Fragen: Was ist wohl die Ursache dieser Flecken und ist deshalb die Lagerfähigkeit eingeschränkt?
Für eine Antwort dankt
Flipper

Servus Ruedi,

heuer sind viele Äpfel stippig, das hat scheints mit dem etwas ungewöhnlichen Verlauf von Niederschlägen und Temperaturen zu tun.

Für Stippe anfällig sind u.a. Cox, Gloster, Boskoop, Goldparmäne, Gravensteiner, Jonagold.

Grundsätzlich ist Stippe aber ein Anzeichen für (hauptsächlich) Kalziummangel. Ein wenig überraschend bei Deiner Lage, aber das gibts alles.

Also gleich jetzt im Herbst oder im März/April vorsichtig aufkalken (Überkalken behindert die Aufnahme anderer Nährstoffe). Der billigste Kalk aus der Zementindustrie oder Trinkwasseraufbereitung ist grad recht, es braucht keinen Dolomit- oder Algenkalk und was da sonst noch im Feld ist. Es hat sich wohl auch gezeigt, daß man durch Sommerschnitt mit entsprechender Reduzierung des Laubs und junger Triebe der Stippe entgegenwirken kann.

Die Lagerfähigkeit wird durch Stippe und Glasigkeit beeinträchtigt, aber nicht extrem.

Schöne Grüße

MM

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Die Lagerfähigkeit wird durch Stippe und Glasigkeit
beeinträchtigt, aber nicht extrem.

Schöne Grüße

MM

Grüss dich ,Martin,

Deine Antwort an Ruedi ist sehr interessant und gut.

Habe auch eine Boskoop - Frage:

Was bedeuten braune Flecken, die viel im Boskoop vorkommen? Ist das auch eine Mangelerscheinung?
Der Apfel ist essbar, doch es schaut aus, wie wenn er Spitze - Blattern hätte!

Danke, Inge

Salü Inge,

das ist ohne Bild schwer zu sagen. Ich tippe auf Schorf.

Ein leichter Schorfbefall ist nicht tragisch. Wenns viel wird, täte ich Schorf - obwohl mir im Liebhabergartenbau ein altmodischer und eher zurückhaltender Pflanzenschutz besser schmeckt - nur eingeschränkt mit den althergebrachten Kupfer- und Schwefelpräparaten angehen: Einige Äpfel wie Berlepsch, Cox, Braeburn, Golden Delicious sind schwefelempfindlich (vom Boskoop weiß ichs nicht), und Kupferpräparate schaden dem Regenwurmbestand, so daß bei ihrer Anwendung das gefallene Laub nicht gut in den Boden eingearbeitet wird und Infektionsquelle für das kommende Jahr ist.

Ein „subtileres“ Schwefelpräparat ist Delan (Wirkstoff: Dithianon); sonst kann man Schorf auch mit Malvin und Merpan (Wirkstoff: Captan) angehen. Die genannten Mittel wirken nicht systemisch, sie bleiben an der Oberfläche und sind entsprechend ganz unbedenklich.

Wenn sonst ausreichend organisches Material da ist, sollte das Laub aus der unmittelbaren Umgebung des Apfelbaumes entfernt werden: Im gefallenen Laub überwintern die Sporen vom Schorf.

Begleitend ist wichtig, daß die Krone locker aufgebaut ist - schnelles Abtrocknen nach Niederschlägen oder Nebel mag Schorf genauso wenig wie andere Pilze.

Schöne Grüße

MM

ist -

schnelles Abtrocknen nach Niederschlägen oder Nebel mag Schorf
genauso wenig wie andere Pilze.

Schöne Grüße

MM

Martin, muss mich entschuldigen!

Meine Beschreibung betrifft das Fruchtfleisch des
Boskoops und tritt gegen Ende der Lagerzeit auf, haben die Grösse eines farbigen Stecknadelkopfes und dunkelbraun.Habe schon einige davon ausgestochen und
gegessen, schmeckt eher ganz leicht bitter,im ganzen Fruchtfleisch nicht bemerkbar.
Habe dich da auf eine falsch geführt!

Gruss
Inge

Servus,

die feste, etwas holzige Konsistenz und der bittere Geschmack ist typisch für Stippe. Die verhärteten Gewebeteile nehmen nach innen hin, zum Kernhaus ab.

Nachtrag hierzu noch: Stippe wird auch durch zu hohe Kaliumdüngung und zu hohe Düngung mit leicht verfügbarem (Ammonium-)stickstoff gefördert, tritt außerdem auf nach starkem Winterschnitt z.B. bei Verjüngungschnitt, wenn viele jungen Triebe und Blattmasse da sind.

Schöne Grüße

MM

Hallo Martin

Das ist einfach fantastisch. Kaum ist die Frage gestellt, schon ist die Antwort da. Ich hatte ja keine Ahnung was das sein könnte. Und das Wort „Stippe“ habe ich noch nie gehört.

Nun habe ich noch eine Frage. Fritz Schmid, der leider vor einem Jahr verstorbene „Professor“ in Sachen Obstbäume hat mir im Winter 06/07 zwei Schösslinge auf meinen Spalier der Sorte „Flurina“ gepfropft.
Leider ohne Angabe der Sorte. Dieses Jahr trugen sie 6 Äpfel. Auf Grund einer Ausserordentlichkeit kann ein Kenner wie du die Sorte sicher eruieren. Das Fruchtfleisch ist so rot wie das einer Erdbeere. Er ist leicht säuerlich und sehr schmackhaft – ähnelt dem Elstar.

Ich freue mich auf deine Antwort.

Herzliche Grüsse
Ruedi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Servus,

– auch das zum Guten, es ist schad um den Fritz, aber ich glaube, er hat jedenfalls nicht umsonst gelebt –

zu dem beschriebenen Apfel fällt mir eigentlich bloß der Rote Herbstkalvill (unter vielen Namen bekannt, unter anderem auch „Erdbeerapfel“, „Rosenapfel“) ein. Außer der Färbung des Fruchtfleisches ist die kantige äußere Form markant. Ziemlich vital und gut in Wachstum und Ertrag, ich habe ihn allerdings bloß noch als Mostapfel persönlich kennen gelernt. Aber immerhin auf einem fünfzigjährigen Baum, der zusammen mit einem benachbarten Bohnapfel, einem Brettacher und einer Gewürzluike gleichen Alters mit großen Erträgen dafür sorgte, daß die Baumwiese nicht ausgehauen wurde.

Ein Bildchen vom Roten Herbstkalvill hier:

http://www.deutschlands-obstsorten.de/do/html/74.html

Schöne Grüße

MM