Eigenen Kino-Film produzieren?

Hallo Allerseits,

wer weiss mehr; ich/wir würden gerne einen eigenen Film produzieren. Ein gutes Drehbuch haben wir (kein 08/15 Ein-Monats-Werk).

Aber wie geht es weiter? Kann man das technisch alleine realisieren (special-effects wären nicht nötig)?

Und angenommen wir hätten den Film mit einer guten Kamera (Sony HDR FX1) fertig produziert - wie kommt er dann ins Kino/Verleih?

Bin gespannt, wer uns ein paar Tipps geben kann (ihr kommt dann auch in den Credits vor :wink:

Liebe Grüße an alle, tschüss, Josef.

Hallo Josef,
na, da hast du dir ja ein Projekt in Monsterschuhgröße in den Kopf
gesetzt - aber die Menschen mit Mut und Visionen haben es ja immer zu
etwas gebracht. Nur solltest du die Mühlen der Filmwirtschaft nicht
unterschätzen. Das Drehbuch hast du also schon, Regie machst du
wahrscheinlich selbst und Filmproduzent bist du auch. Nun brauchst du
die technische Ausstattung (Kamera, Belichtung, Schnitt). Dann kommt
noch viele andere künstlerische Drumherums wie Schauspieler, Musik,
Sprachaufnahmen, Geräusche). Finden Aussendrehs statt muss eventuell
etwas gesperrt werden, bzw. Gebehmigungen für den Dreh eingeholt
werden. Wenn alles im Kasten ist, geschnitten und synchronisiert ist,
mit Credits versehen worden, muss der Film auf Kopien ausgespielt
werden.
Soviel zum „künstlerisch / praktischen“ - kaum ein Produzent lässt
sein Film aus eigener Tasche finanzieren und kaum ein Produzent wird
anfangen bis über das Drehbuch hinaus an einen Film zu arbeiten, wo
die Finanzierung nicht im Vorfeld schon steht.
Die übliche Vorhgehensweise (insbesondere für Produzenten, die noch
keinen „Namen“ haben) ist es einen Verleih oder Koproduzenten zu
suchen. Dann wird das Projekt mit Drehbuch und allen bereits
vorhenden Daten (auch Namen von Schauspielern und Fotos) bei
Filmförderer eingereicht. Die Gelder müssen dann auch in dieser
Region ausgegeben werden.
Ein bereits fertiger Film ohne bekannte Namen und ohne Filmverleih
wird den Weg nicht in die Kinos finden.
Es gibt allerdings dann noch den Weg über Festivals (die zum größten
Teil nur solche Filme annehmen die eben NICHT bereits in Kinos
gelaufen sind. Da gibt es tatsächlich sehr gute Filme, die es dann
nach einer Festivalauszeichnung in die Programmkinos geschafft haben.
Viel Glück!

Hallo,

hmmm, gibt es da nicht entsprechende Literatur zu? Oder bei den ueblichen Fernsehsendern fragen ob sie mit einsteigen? Oder wie waere es bei so Institutionen wie Filmhochschulen mal um Rat zu fragen…?! Da findest Du die Informationen und die relevanten Leute. Ausstattung alleine reicht nicht, es braucht einen guten und sicheren Business-plan und jemand, der das dann richtig gut ueberblickt und verwaltet, sonst wird das Budget schnell unnoetig eng.
Tille71

Hallo Josef

Ich kann Chilis Aussage nur bestätigen. Noch was aus dem eigenen Erfahrungsschatz…

Habe soeben selbst einen Film mitrealisiert. Ein Low-Budget-Projekt. Das ausgesprochen geniale Original-Drehbuch hätte ein Budget von 2 Millionen Euro vorausgesetzt, obwohl wir ebenfalls ohne Special Effects auskamen. Die Tatsache, dass der Drehbuchautor auch gleich Regisseur und Produzent gewesen wäre, machte es beinahe unmöglich, diese Mittel aufzutreiben, da es nicht sonderlich professionell wirkt, wenn einer vorgibt, alles selbst tun zu können.

Die Filmförderung sieht es gerne, wenn der Drehbuchautor eine unabhängige Produktionsfirma findet, welche die Qualität des Drehbuchs objektiv beurteilt und für gut empfindet. Gut heisst hier nicht bloss, dass die Geschichte interessant ist, sondern dass sie auch dramaturgisch/vom Aufbau her überzeugt (sind die Figuren gut ausgearbeitet, werden sie korrekt eingeführt etc.).

Wir entschieden uns daher, unser Projekt dennoch selbst zu realisieren, indem wir zunächst ein eigenes Produktionsbüro gründeten (dem nicht der Drehbuchautor vorsteht). So bekamen wir schliesslich und endlich 200’000 Euro zusammen (staatliche/städtische Unterstützung/Filmförderung, Kirche - da die Handlung einen sozialen Hintergrund hatte -, ein privater Fernsehsender, sowie Geld aus der eigenen Tasche). Aufgrund der geringeren Mittel mussten wir das Drehbuch ziemlich gekürzt und billig verfilmen, was man nun dem Film auch anmerkt. Beispiel: Bei einer Verfolgungsjagd konnte man die Strassen nicht extra sperren und war daher mit den Kameraeinstellungen/Wiederholungen ziemlich eingeschränkt.

Falls Du glaubst, 200’000 Euro seien doch viel, dann nur mal kurz eine kleine Aufstellung…

  • Zeitaufwand:
    6 Wochen Hauptdreh (+ 1 Woche Zusatzdreh in Italien)
    9 Wochen Schnitt
    2 Wochen Komponieren der Filmmusik
    1 Woche Feinvertonung im Tonstudio
    etc.

  • Personalaufwand:
    Regisseur und Regieassistent
    Produzent und Produktionsassistent
    Script
    Continuity und 2. Regieassistent
    Ton und Tonassistent
    Beleuchter und B’assistent
    Grip und Fahrer
    Maskenbildnerin und Assistentin

  1. Cutter, 2. Cutter
    Komponist (für die Filmmusik*)
    ECHTE Schauspieler (**)
    Statisten
    etc.

* die Filmmusik solltest Du übrigens nicht unterschätzen, die kann ganz schön teuer werden. Wenn Du sie nicht extra komponieren lässt, zahlst Du der GEMA (www.gema.de) ein Vermögen für jedes minütchen Musik, dass Du verwendest.

** mein Tipp: suche Profis (ev. frisch ab Schauspielschule). Egal wie gut Dein Drehbuch ist, wenn Du mit überagierenden Laien arbeitest, kann Dir das den ganzen Film versauen. Viele Leute glauben, sie hätten Talent und es sei nur ungerechtes Schicksal, dass sie nicht entdeckt worden wären. In 99 % aller Fälle liegen die guten Leute falsch! Ein wirklich guter Schauspieler kann nicht bloss Texte auswendig lernen und gut aussehen. Wie wichtig das ist, merkst Du spätestens beim Schnitt, wenn Du 2 verschiedene Einstellungen derselben Szene zusammenschneiden willst, aber der „Schauspieler“ in einem Take die Tür mit der linken Hand öffnet und in der nächsten mit der rechten, oder er sich beim einen Take beim Dialog hinsetzt und beim nächsten sich schon hingesetzt hat, bevor er zu sprechen beginnt. Ein echter Profi agiert selbst in der 20sten Wiederholung derselben Szene genau gleich und hat auch seine Mimik voll im Griff!! Diese Profis sind jedoch nicht ganz billig, sind ihr Geld aber meistens wert!

Wenn Du einen komerziell halbwegs erträglichen Film produzieren willst, solltest Du also bereits im Vorfeld jemanden finden, der den Film auch zeigt. Den Weg ins Kino schaffst Du, wie Chilli beschrieb, wohl höchstens über die Filmfestivals, falls Du da tatsächlich Erfolg haben solltest. Ansonsten könntest Du schauen, ob eventuell ein Fernsehsender an der Geschichte interessiert ist, und Euch ev. finanziell unterstützt (wie das bei uns der Fall war, der Sender zeigt unseren Film im kommenden Sommer).

Wenns Dir aber in erster Linie darum geht Erfahrungen zu sammeln und Spass zu haben, dann kannst Du einfach auf „gut Glück“ filmen und Dich mit der Festival-Aufführung zufrieden zu geben.

Wünsche Dir jedenfalls viel Glück!

Sylvie

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Hi,

hmmm, gibt es da nicht entsprechende Literatur zu?

doch gibt es. Das ultimative Werk zum Thema (leider auf Englisch) ist das hier:

ISBN: 082647988X Buch anschauen

Kann ich wärmstens empfehlen!

lemmy

Vielen Dank schon mal
hallo an alle,

vielen dank schon mal für euere hilfe. ist wirklich ganz interessant. darfst du den titel deines filmes und den sender nennen, der ihn ausstrahlt silvia? würde mich interessieren, wie er so ist.

ich interessiere mich vor allem deswegen so für eine eigene filmproduktion, da ich selbst bei einem dreh eines tv-filmes vor ettlicher zeit mitgewirkt habe (nur statist), aber während der drehzeit den enormen aufwand miterlebt habe, der dort getrieben wird.

und ganz ehrlich, als der film im fernsehen kam waren ich und auch meine freunde maßlos entäuscht, sah schon verdammt billig aus. zwar waren die schauspieler bekannte deutsche darsteller, die effects, ton, bild super. aber das drehbuch dünn wie ne rasierklinge. die charaktere lächerlich und die handlung zum „aufs-hirn-klatschen“. war nicht nur meine meinung. aber gut über geschmack lässt sich ja nicht streiten.

dachte mir daher, wenn man ein gutes drehbuch mit glaubwürdigen charakteren hat und dies dafür nicht mit einem megaaufwand produziert, ist man doch besser drann als mit perfekter technik aber einem … drehbuch.

dieser film wurde übrigens ausgiebig mit filmförder-gelder gesponsort (6-stellige summe) was mir schon ein rätsel war.

vielen dank für den buchtip!

viele grüsse an euch alle, tschüss, josef

Weitere Tipps zur konkreten Umsetzung und vielleicht auch andere Filmbegeisterte, die bei Deinem Projekt dabei sein möchten, findest Du in den einschlägigen Foren wie z.B.

www.regie.de
www.filmerforum.de

Ein kleiner Tipp noch am Rande: Wenn Du noch nie Regie geführt hast, ist ein 90min zu Anfang vielleicht etwas zu viel. Du solltest entweder ein paar Jahre lang (kein Witz!) Kurzfilme drehen oder Du suchst Dir jemand mit etwas mehr Erfahrung, der die Regie übernehmen will. Und trotzdem, die Erfolgschancen, den Film überhaupt in die Kinos zu bringen, liegen vielleicht bei 1%. Dass dabei sogar noch Geld verdient wird, weit darunter!