Hallo Josef
Ich kann Chilis Aussage nur bestätigen. Noch was aus dem eigenen Erfahrungsschatz…
Habe soeben selbst einen Film mitrealisiert. Ein Low-Budget-Projekt. Das ausgesprochen geniale Original-Drehbuch hätte ein Budget von 2 Millionen Euro vorausgesetzt, obwohl wir ebenfalls ohne Special Effects auskamen. Die Tatsache, dass der Drehbuchautor auch gleich Regisseur und Produzent gewesen wäre, machte es beinahe unmöglich, diese Mittel aufzutreiben, da es nicht sonderlich professionell wirkt, wenn einer vorgibt, alles selbst tun zu können.
Die Filmförderung sieht es gerne, wenn der Drehbuchautor eine unabhängige Produktionsfirma findet, welche die Qualität des Drehbuchs objektiv beurteilt und für gut empfindet. Gut heisst hier nicht bloss, dass die Geschichte interessant ist, sondern dass sie auch dramaturgisch/vom Aufbau her überzeugt (sind die Figuren gut ausgearbeitet, werden sie korrekt eingeführt etc.).
Wir entschieden uns daher, unser Projekt dennoch selbst zu realisieren, indem wir zunächst ein eigenes Produktionsbüro gründeten (dem nicht der Drehbuchautor vorsteht). So bekamen wir schliesslich und endlich 200’000 Euro zusammen (staatliche/städtische Unterstützung/Filmförderung, Kirche - da die Handlung einen sozialen Hintergrund hatte -, ein privater Fernsehsender, sowie Geld aus der eigenen Tasche). Aufgrund der geringeren Mittel mussten wir das Drehbuch ziemlich gekürzt und billig verfilmen, was man nun dem Film auch anmerkt. Beispiel: Bei einer Verfolgungsjagd konnte man die Strassen nicht extra sperren und war daher mit den Kameraeinstellungen/Wiederholungen ziemlich eingeschränkt.
Falls Du glaubst, 200’000 Euro seien doch viel, dann nur mal kurz eine kleine Aufstellung…
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Zeitaufwand:
6 Wochen Hauptdreh (+ 1 Woche Zusatzdreh in Italien)
9 Wochen Schnitt
2 Wochen Komponieren der Filmmusik
1 Woche Feinvertonung im Tonstudio
etc.
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Personalaufwand:
Regisseur und Regieassistent
Produzent und Produktionsassistent
Script
Continuity und 2. Regieassistent
Ton und Tonassistent
Beleuchter und B’assistent
Grip und Fahrer
Maskenbildnerin und Assistentin
- Cutter, 2. Cutter
Komponist (für die Filmmusik*)
ECHTE Schauspieler (**)
Statisten
etc.
* die Filmmusik solltest Du übrigens nicht unterschätzen, die kann ganz schön teuer werden. Wenn Du sie nicht extra komponieren lässt, zahlst Du der GEMA (www.gema.de) ein Vermögen für jedes minütchen Musik, dass Du verwendest.
** mein Tipp: suche Profis (ev. frisch ab Schauspielschule). Egal wie gut Dein Drehbuch ist, wenn Du mit überagierenden Laien arbeitest, kann Dir das den ganzen Film versauen. Viele Leute glauben, sie hätten Talent und es sei nur ungerechtes Schicksal, dass sie nicht entdeckt worden wären. In 99 % aller Fälle liegen die guten Leute falsch! Ein wirklich guter Schauspieler kann nicht bloss Texte auswendig lernen und gut aussehen. Wie wichtig das ist, merkst Du spätestens beim Schnitt, wenn Du 2 verschiedene Einstellungen derselben Szene zusammenschneiden willst, aber der „Schauspieler“ in einem Take die Tür mit der linken Hand öffnet und in der nächsten mit der rechten, oder er sich beim einen Take beim Dialog hinsetzt und beim nächsten sich schon hingesetzt hat, bevor er zu sprechen beginnt. Ein echter Profi agiert selbst in der 20sten Wiederholung derselben Szene genau gleich und hat auch seine Mimik voll im Griff!! Diese Profis sind jedoch nicht ganz billig, sind ihr Geld aber meistens wert!
Wenn Du einen komerziell halbwegs erträglichen Film produzieren willst, solltest Du also bereits im Vorfeld jemanden finden, der den Film auch zeigt. Den Weg ins Kino schaffst Du, wie Chilli beschrieb, wohl höchstens über die Filmfestivals, falls Du da tatsächlich Erfolg haben solltest. Ansonsten könntest Du schauen, ob eventuell ein Fernsehsender an der Geschichte interessiert ist, und Euch ev. finanziell unterstützt (wie das bei uns der Fall war, der Sender zeigt unseren Film im kommenden Sommer).
Wenns Dir aber in erster Linie darum geht Erfahrungen zu sammeln und Spass zu haben, dann kannst Du einfach auf „gut Glück“ filmen und Dich mit der Festival-Aufführung zufrieden zu geben.
Wünsche Dir jedenfalls viel Glück!
Sylvie
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