Eigeninitiative - lang, leider

Hallo liebe www’ler,

ich habe hier schon oft gelesen, dass ihr gute Antworten auf „Mini-Lebenskrisen-Postings“ gegeben habt; deshalb versuche ich es jetzt auch mal.

Gerade habe ich mir (sollte man vielleicht nicht tun), Gedanken über mein Leben gemacht und nun mache ich mir wirklich Sorgen um meine Zukunft…
Mir ist aufgefallen, dass ich zwar soweit ein ganz angenehmes Leben führe und einige Dinge tue, die mir wirklich Spaß machen - aber bei genauerer Betrachtung ging nichts davon von mir selbst aus; ich bin überall einfach so „reingerutscht“, per Zufall oder durch andere Leute, aber nicht durch meine eigenen Ideen.

Bloß mal ein Beispiel: Als Kind hat meine Freundin mich gefragt, ob ich mit ihr ins Ferienlager fahre, ich hab einfach mal ja gesagt, dann hat man mich gefragt, ob ich nicht in den Verein eintreten will, der das organisiert hat (ich hab ja gesagt), dann war ich älter und man hat mich gefragt, ob ich Gruppenstunden organisieren will (hab ich einfach mal ja gesagt, obwohl ich von selber nie auf die Idee gekommen wäre), dann hat man mich gefragt, ob ich nicht auch Ferienlager organisieren will (dito) und dann hat man mich in die Leitung der Region gewählt, ohne, dass ich von selbst kandidiert hätte - nun habe ich da eine Menge Aufgaben und Verantwortung; ich mache das gut und es macht mir Spaß, aber nichts davon hätte ich von selber gemacht.

Auf die gleiche Weise bin ich mit meinen Exfreunden zusammengekommen, in Sportvereine „hineingeraten“ etc.

Nun studiere ich die Fächer, in denen ich am Wahrscheinlichsten einen guten Abschluss mache (Weg des geringsten Widerstandes nennt man das wohl), es fällt mir leicht und macht mir Spaß, aber wenn irgendetwas anderes naheliegender gewesen wäre, hätte ich wohl das gemacht.
Ich gehe davon aus, dass ich mit einem Germanistik-Abschluss wohl nicht einfach so von selbst ein einen schönen Job reinrutschen werde, obwohl ich bisher in alles einfach reingerutscht bin.
Ich bin aber nicht in der Lage, auch nur das kleinste bißchen Eigeninitiative zu entwickeln. Ich wollte eigentlich ein Praktikum machen, habe mich aber nicht getraut, mich bei den wirklich interessanten Sachen zu bewerben, wo schon auf der Internetseite steht „Bei uns übernehmen Sie von Anfang an Verantwortung“. Stattdessen habe ich bei so Kleinunternehmen angefragt, von denen ich eigentlich schon vorher wusste, dass sie keine Praktikanten nehmen.

Ich habe einfach Angst davor, meine eigenen Fähigkeiten zu überschätzen, deshalb mache ich nur Dinge, die andere Leute mir auch zutrauen. Dann aber übernehme ich auch Aufgaben, die andere sich vielleicht nicht zutrauen würden und kriege die normalerweise auch ganz gut hin.

Kurz gesagt, ich habe keine Ahnung, was ich kann und was ich nicht kann…ich habe noch nie in irgendetwas völlig versagt, so dass ich das Gefühl habe, eigentlich alles irgendwie hinzukriegen, aber gleichzeitig davon ausgehe, dass das wohl doch nicht so sein kann und mich deshalb nicht traue, irgendetwas von mir aus zu tun, weil es ja doch zum ersten Mal völlig in die Hose gehen könnte.

Ich möchte einfach mal etwas tun, was von Anfang an meine eigene Idee war, aber wie gesagt, ich trau mich nicht und weiß eigentlich auch nicht, was. Das, was ich tue, macht mir wirklich Spaß, nur es wäre halt noch schöner, wenn es von mir ausgegangen wäre.
Ich will nicht mein ganzes Leben umkrempeln, aber würde gerne wissen, was ich eigentlich kann und was nicht (aber ich will auch nicht alles ausprobieren), bloß sicher sein, was ich mir zutrauen kann und wovon ich doch besser die Finger lassen sollte.

Das muss man doch herausfinden können, ohne dass man zunächst hunderttausend Sachen falsch macht; nur kann ich mich überhaupt nicht aufraffen, irgendetwas von selbst zu tun.
Was kann ich denn dafür /dagegen machen?

Naja, danke fürs Lesen, ich als Leser dieses Postings würde wohl kopfschütteld weiterklicken, aber trotzdem freue ich mich pber ein paar Anregungen…falls einer bis hierhin mitgekommen ist :wink:

Viele Grüße
Sonja

Hallo Sonja,

also erst mal, ich finde es gar nicht schlimm, dass du in so viele Sachen „so reinrutschst“, ich glaube, das geht ganz vielen Leuten ganz oft so - ist ein Zeichen dafür, dass wir interagieren; und wenn dir die Sachen Spaß machen, ist es doch toll!

Aber wenn du zur Selbstbestätigung oder -erkundung was wirklich eigenes machen willst, dich aber nicht recht traust - fang doch erst mal mit was kleinem an (nein nein, keine KIND!).
Mach eine Reise (oder ein langes Wochenende) an einen Ort, der NUR DICH interessiert, melde dich zu einem Kursus (oder kauf dir ein Buch) zu einem Thema, das vielleicht ein bisschen abgefahren ist, dich aber schon immer fasziniert hat … irgend sowas, eine verrückte Kleinigkeit, die ganz und gar auf deinem Mist gewachsen ist. Dann wächst vielleicht auch das Zutrauen in größere Dinge. Und wer weiss, vielleicht kannst du ja mit der Zeit eine Freundin überzeugen, mitzumachen - damit die auch mal „in was reinrutscht“!

Liebe Grüße und viel Glück,
Martina

Hallo, liebe Sonja,

es ist nicht schlimm, dass du in viele Situationen „hineingerutscht“ bist. Es zeigt im Gegenteil, dass du gut bist und andere dich für gewisse Dinge geeignet halten. Viele Menschen haben diese Möglichkeiten genutzt und sind damit glücklich. So ist das Leben! Es gibt natürlich auch Einzelkämpfer und nicht jedem ist Vitamin B vergönnt, aber du gehörst eben in gewissen Stadien deines Lebens nicht dazu. Ist doch toll! Hab keine Schuldgefühle, sondern sei stolz auf das, was du bisher erreicht hast, DENN: Du musstest dich doch trotzdem immer beweisen.

Ich würde dir ein Praktikum vorschlagen in dem Bereich, der dich interessiert. Beiss einmal in den sauren Apfel und frag da nach, wo es dich auch wirklich interessiert. Absagen bekommt jeder einmal und wenn du eine Stelle hast, dann schau, was du kannst und was nicht. Deswegen bist du doch kein Versager. Jeder Mensch hat Grenzen.

Alles Gute*Diana

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Sonja
In viele Dinge rutscht man rein, in Einiges wird man hineingeholt, wer kennt das nicht.
Ich habe irgendwann -spät, etwa um die 40- gelernt, Prioritäten zu setzen. Das ist nach wiue vor eines meiner wichtigsten Dinge, die ich gelernt habe.
Ich frage mich ab und an: Was willst du wirklich? Woran liegt dir? Und dann kommt das große Ausmisten. All die kleinen Kriegsschauplätze, auf denen man sich so „gern“ verzettelt, werden ad acta gelegt und es wird sich auf die wenigen Dinge konzentriert, dich mich wirklich interessieren.
Gruß,
Branden

Hallo Idhre

Du hast Angst davor, zu scheitern.
Du willst etwas wagen.

Diese Spannung fuehlst du jetzt staerker als in der Vergangenheit und
du wirst deine Angst ueberwinden. Vielleicht noch nicht heute und
vielleicht noch nicht in diesem Jahr. Aber eines Tages bist du reif.

Wenn du mit deinem eigenen Projekt erfolgreich bist, dann wirst
du dich toll fuehlen.

Wenn du nicht erfolgreich bist, dann wird dir der Gedanke kommen
„Haette ich das bloss nicht angefangen, ich wusste es.“ Dieser
Gedanke ist falsch.
Betrachte alles als wertvolle Erfahrung und mache
dir klar, dass Scheitern nur aus einer bestimmten Perspektive ein
solches ist. Aus einer anderen, die du einnehmen solltest, ist ein
ein Misserfolg hinsichtlich des Projekts ein Erfolg fuer dich: Du
kennst dich danach besser und weisst besser, was dich gluecklich
macht.

Solange du dich nicht in eine exzistenziell bedrohliche Lage
hineinmanoevrierst, kann dir nichts wirklich Schlimmes geschehen.

Gruss, Tychi

hallo idhre,

sei doch froh über dein naturell! willst du lieber ein zauderer und angsthase sein?

außerdem spielen sich eine menge von entscheidungen unterbewußt ab, ohne erst als großartige ja-oder-nein-frage aufzutauchen. ich meine damit, daß du viele der sachen, die du jetzt vermeintlich „fremdbestimmt“ tust, selbst entschieden hast - aber eben mit einer solchen sicherheit und selbstverständlichkeit, daß du es gar nicht erst als entscheidung wahrgenommen hast. und wahrscheinlich ist das gut so (ich hätte mich viele sachen, die ich im leben getan habe, wahrscheinlich gar nicht getraut, wenn ich mir vorher alle einzelheiten vor augen geführt hätte!)

ne, bleib besser so und vertraue in der hinsicht auf dein glück. und denk mal dran, wie es einem seiltänzer ergehen würde, wenn er sich mitten auf dem seil die frage stellen würde, ob er denn auch die richtige entscheidung getroffen hat :wink:

schöne grüße
ann

Hi Sonja,

wenn Du so ahnungslos und unfähig wärst, wie Du glaubst, dann hätten all die Leute um Dich herum sDir icher nicht permanent alle möglichen interessanten Tätigkeiten nahegelegt. (Ferienlager -> MAn ist gerne mit Dir zusammen. Verein -> Man schätzt Deine Meinung. Gruppenstunden -> Man glaubt an Dein Organisationstalent. Leiterin -> Du hast bewiesen, dass Du was drauf hast. Etc.)

Fang einfach mal an, an Deine Fähigkeiten zu glauben und Dich nicht permanent zu unterschätzten. Dann wage enifach mal einen Sprung ins Leben - aus eigener Initiative. Du wirst schnell merken, wie erfolgreich Du damit sein kannst.

Ciao,
Andreas

hi sonja,

vielleicht siehst du das etwas streng, zumindest irgendwie - schwer zu erklären. aber das rad wirste nimmer neu erfinden, das steht mal fest.

ich gehe mal nicht davon aus, dass du den schweren weg suchst sondern eben den mut den eigenen zu finden - wenn dir dann der glück zu hilfe käme - würde es sich evtl anders anfühlen als es das jetzt wohl „tut“.

ich pers. glaube übrigens nicht, dass du es so leicht hast - es scheint nur so. denn wenn du z.b im laufe der studienzeit nie relevante praktiken machst, bist du anderen gegenüber im nachteil und ich kenne so einige, die nach dem germanistikstudium ziemlich blöde dagestanden sind.
aber das nur am rande, weil ichs nat. bei dir nicht einschätzen kann.

mir fällt zur abhilfe auch nur ein, such dir kleine dinge an denen du üben kannst, wo es noch nicht um so viel geht und dich ein evtl. „scheitern“ (wobei scheitern wichtig ist, man lernt dabei viel)
noch nicht viel kostet und du nicht aus den latschen kippst, weil ja ungewohnt und neu.
was das nun alles sein kann, eines nach dem anderen - musst du selbst herausfinden. es kann eine stundensache sein, oder eine tagesgeschichte oder eben länger - vorzugsweise würde ich es aufbauen langsam.
damit bekommst du dann einen vergleich und kannst selbst entscheiden ob der unterschied letztlich wirklich so gross ist oder eben dinge lernen falls mal was nicht so gut klappt (inklusive der auseinandersetzung warum es nicht so geklappt hat und was das gute an dem ereignis war)
auf diese weise übt man und kann sich langsam steigern - langsam schritt für schritt. vor allem kannst du dann vergleichen und erst dann feststellen ob deine vorstellungen mit der realität übereinstimmen oder eben doch das eine oder andere gar nicht so ist/war wie du es selbst bewertest hast bis dahin… das betrifft sowohl das was du selbst beschrieben hast als auch die neuen anderen erfahrungen in sachen - ganz allein aus eigener kraft und nat. aus eigenem wunsch.

konkretes kann man schwerlich dazu sagen - ausserdem würde dir das ja wieder die eigeninitiative nehmen:wink:

LG
nina