Hallo datafox,
sorry, daß ich erst so spät antworte
Dazu grundsätzlich: Ich denke schon, daß Jesus von Nazareth
als historische Figur und Jude für die Erforschung des
Judentums interessant sein kann.
das kommt drauf an was du unter judentum verstehst. ich würde
das bestreiten.
Zur Geschichte des Judentums gehört die Abspaltung der christlichen Sekte.
Interessanter scheint mir hier nicht die Frasge zu sein, wie man das Judetznum versteht, sondern wohl eher die Frage, wie man historische Forschung betreibt.
„Auge um Auge“ ist jedoch eine durchaus beliebte
Rechtfertigung für Handlungen, die ein Außenstehender nur als
sinnlose Rache ansehen kann.
was hat das mit dem judentum zu tun, außer das hier ein
jüdisches zitat erst usurpiert, dann als etwas böses
umgedeutet und in letzter instanz durch das gute („die andere
backe“) ersetzt wurde?
Da ja hier die letzte Instant Jesus ist, verstehe ich nicht, wieso Du von Usurpation redest. warum durfte er als Jude nicht diesen Satz benutzen? Zudem war der Zweck meiner Antwort die „Aufklärung“: Jesus deutet das gar nicht „Böse“, er behauptet mit keiner Silbe, daß es um Rache oder Unrecht geht, sondern er fordert den Verzicht auf Rechtsmittel. Der „Usurpator“ Jesus ist also genausowenig wie Matthäus dafür verantwortlich zu machen, wenn es nachfolgend Mißverständnisse gab. es ist hermeneutisch unredlich, für den Ursprungstext zu fordern, philologisch und historisch nach der ursprünglichen Bedeutung zu fragen, aber dies für einen anderen Text nicht anzuerkennen.
mehr als dieses aufzuklären bleibt da
ohnhin nicht übrig. (daß das eine sisyphusarbeit ist, sieht
man an diesem forum.)
es bleibt die frage, warum Du in Deinem berechtigten Anliegen dasselbe, was Du für die eine Quelle einforderst, für die andere nicht gelten läßt.
Zudem: Ein Hinweis darauf, daß also selbst innerhalb des Judentums um das Jahr 30 christlicher Zeitrechnung der Satz als ein „juristischer“ verstanden wurde und nicht als Legitimation für Selbstjustiz, gibt doch einen sehr guten Hinweis darauf, wie eben das Judentum selbst diesen Satz verstanden hat.
daß man es den USA und nordirland hört, wundert nicht, denn
dieses gleichnis ist teil des christlichen alltäglichen
sprichwortgebrauchs. (ähnlich wie „judas der verräter“,
„alttestamentarische rache“ usw.)
Laß Dir bitte Deine Worte noch einmal durch den Kopf gehen.
wenn du es in israel von
juden gehört hast, dann ist das mehr als traurig. aber es ist
nunmal so, daß christliche kultur und damit auch die sprache
und ihre sprichwörter durch das fernsehen in israel
allgegenwärtig sind. manche menschen sagen sogar „jesus!“
(englisch ausgesprochen) als ausruf - einfach weil man es
täglich so hört.
das zitat wird (fast immer) von nichtjuden mißbraucht. das
einzige problem das juden damit haben, ist die implizit und
meistens unbewußt mitgelieferte diskreditierung der jüdischen
tradition.
Nein, da machst Du es Dir zu einfach und so kommen wir auch nciht weiter: Wenn also ein Jude Selbstjustiz mit BIbelzitaten legitimiert, dann ist er 1. kein Jude und 2. sind daran die Christen schuld???
Wenn Christen dies aber tun, dann sind sie halt Christen?
ERntweder argumentieren wir für unsere jeweiligen und teils gemeinsamen heiligen Schriften, halten Widersprüche aus und versuchen, eine verantwortliches Leben zu führen, oder aber wir fordern zwar von anderen Differenzeierung, in unseren eigenen Gruppen lassen wir aber simpelstes und gefährlichstes schwarz-weiß-Denken zu.
Ich kann wirklich nicht glauben, daß das Deine Position ist.
grüße,
taju