Hallo.
Das Problem liegt darin, daß Du vorausssetzt, dieser Satz
‚Auge um Auge‘ wäre keine Aufforderung zur Gewalt, während ich
diesen Satz auf diese Art verstehe.
Der Satz leitet sich mit Schmot (Exodus) 21:22 ein und hier geht es um einen Unfall und Schadensersatz. Wie dieses als Aufforderung für Gewalt zu verstehen sein kann erschließt sich mir halt überhaupt nicht.
Nehmen wir also einmal eine christliche Übersetzung:
„22 Wenn Männer miteinander streiten und stoßen dabei eine schwangere Frau, so daß ihr die Frucht abgeht, ihr aber sonst kein Schaden widerfährt, so soll man ihn um Geld strafen, wieviel ihr Ehemann ihm auferlegt, und er soll’s geben durch die Hand der Richter.
23 Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, 24 Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß,
25 Brandmal um Brandmal, Beule um Beule, Wunde um Wunde.
26 Wenn jemand seinen Sklaven oder seine Sklavin ins Auge schlägt und zerstört es, der soll sie freilassen um des Auges willen.
27 Desgleichen, wenn er seinem Sklaven oder seiner Sklavin einen Zahn ausschlägt, soll er sie freilassen um des Zahnes willen.“
Hier sollte eigentlich deutlich werden, dass 24 nur noch eine Aufzählung von Strafmassen bezogen auf 22 ist. Nimmt man noch den Orginaltext so wird hier das Wort תחת verwendet, welches auch ‚unter‘ heißt, wodurch sich auch die Übersetzung „Auge unter einem Auge“ ergäbe. Auch hier würde deutlich, dass es um den Wert geht.
…und darin eine Interpretation dieses Satzes zur
Gewaltlosigkeit zu sehen, wie Du es tust, kann ich beim besten
Willen nicht nachvollziehen.
Es wurde hier doch schon aufgezeigt, dass Jesus sich hier auf das Hörensagen bezieht und diesen Irrtum korrigiert und eben aufzeigt, dass nicht Gewalt anzuwenden ist, sondern Versöhung im Sinne von obiger Stelle aus der Torah. Damit gibt er dieses Zitat eben genauso wieder wie es jüdischerseits seit jeher verstanden wurde.
Scholem,
Eli