Hallo Dörte,
Nein, würde sie nicht.
Würde sie wohl auch nicht, wer immer nun „sie“ sein soll.
Einfach, weil sich die Kirche seit knapp zweitausend Jahren
darauf veräßt, daß alles so bleibt, wie es nach ihrem
spätantiken Weltbild zu sein hat.
Einem spätantikem Weltbild hängt „die“ Kirche nun ganz sicherlich nicht mehr an. Das NT ist übrigens nicht spätantik, sondern antik. Das spätantike Weltbild ist ein bezüglich transzendenter Fragen ein substanzontologisches. Mit dem Bekenntnis zur Menschwerdung des Sohnes Gottes hatte man innerhalb der spätantiken Gebildeten so seine Schwierigkeiten, die wohl auch so lange bestanden, bis man vom „substanzontologischem Dogma“ absah. Also, das Weltbild der Kirche „spätantik“ zu nennen, scheint mir recht falsch.
Alles andere, jede,
gedankengebäudesprengende Idee wäre von vornherein zum
Untergang verurteilt, da sie Unsicherheit verheißt und
schlichtweg eine Bedrohung für bestehende Hierarchien
darstellt.
Unsicherheit nennt der Theologe Anfechtung. „Gedankengebäudesprengende Ideen“ und Zweifel gehören schlicht und ergreifend dazu. Es mag ja sein, daß der böse Vatikan durch die Welt hetzt, und alles derartige zu unterdrücken sucht, aber bitte, der Vatikan ist nicht „die Kirche“. Ein Gedankengebäude zu haben, ist erst einmal nichts Verwerfliches und vielleicht auch manchmal berechenbarer als Leute, die vor sich hinbrabbeln und nicht wissen, was sie reden. Diejenigen, die sich darauf gläubig (!) eingelassen haben, an die einmalige geschichtliche Offenbarung Jesu Christi zu glauben (und die deswegen durchaus mitbekommen haben, daß das 2000 Jahre her ist), werden sicherlich kaum an ein heute geborenes Kind glauben. Die Kirchen (!) ist die Repräsentation dieser Menschen. Dieser Vorwurf (sie würden an ein 2001 geborenes Kind nicht glauben) gegen sie ist im übrigen genauso abstrus, wie wenn man den Juden zur Zeit Jesu vorwürfe, sie hätten an das Kind zu Bethlehem nicht geglaubt… Einige haben es, daraus sind die Kirchen entstanden. Haben wir nun ein „neues“ Kind, werden wieder einige aus guten Gründen daran glauben, andere nicht.
. Auch ich fasse meine Antwort kurz, Platz (und
Zeit) müßte eigentlich für etliche Seiten sein. Zur
Empfehlung: Lektüre über die heutigen Praktiken der
katholischen Kirche, wenn dem Vatikan „Wunder“ gemeldet
werden…
Sorry, ich war wohl was länger. Die Kirchen als verfaßte Gemeinschaften haben das gute Recht, innerhalb ihrer Verfassungen nach außen hin kontrollierbar zu tun und zu lassen, was sie möchten. Wer an ein im letzten Jahr geborenes Kind glauben möchte, kann nun nicht wirklich ausgerechnet von den Kirchen verlangen, dies als neuen Messias anzuerkennen.
Man stelle sich vor, ein altes Schriftstück würde gefunden, daß besagt, daß der dritte männliche Nachfahr von Wilhelm II. zum Kaiser der BRD gewählt werden würde und dann würde alles besser… Würden der Staat dann daran glauben, oder würde er gar dieses Papier als völlig lächerlich antun, es unterdrücken, und uns so von unserem endzeitlich-diesseitigen Glück abhalten??
Ehrlich, laßt uns über die Kirchen reden und sie kritisieren, aber doch bitte nicht so…
Grüße,
Taju
Grüße,
die über verknöcherte Pseudomystizismen müd´ gewordene Dörte