Ein fundamentales Handicap für alle Probleme?

Hallo! Kann sich jemand vorstellen, daß es nur ein fundamentales Handicap gibt, das für alle
zwischenmenschlichen Probleme und Konflikte zuständig ist?

Ich habe mich intensiv damit beschäftigt, stoße aber reihenweise auf sehr viel Skepsis und
Ablehnung, weil die meisten annehmen, Ärger entsteht auf so vielfältige Weise, daß die
Ursachen dafür genauso kompliziert sein müssen.

Tatsache ist, daß alles mit dem mächtigen Werkzeug Kommunikation funktioniert, und dieses
mächtige Ding nur aus wenigen Elementen besteht. So abartig ist es also gar nicht, ein
einziges Handicap zu isolieren, das für das Versagen der Kommunikation zuständig ist.

Interessiert das, oder wird, was ich hier geschrieben habe, noch unglaublicher, wenn man sich
vorstellt, daß es relativ einfach sein könnte, gewohntes Mißverständigungsverhalten zu ändern,
wenn man nur noch auf ein Handicap bei der Kommunikation achten muß …?

Hallo auch,

da Du Dich

intensiv damit beschäftigt

hast, so hast Du Deine Hypothese sicherlich schon weiter ausgestaltet. Kannst Du daher das von Dir postulierte Fundamental-Handicap benennen oder wenigstens ein ungefähres Bild davon vor unseren Augen entstehen lassen?

Grüße,

I.

Tatsache ist, daß alles mit dem mächtigen Werkzeug
Kommunikation funktioniert,

So weit so richtig. Und hat jemand beim Kommunizieren in rigendeiner Form ein Hanicap wirkt sich das natürlich auf sehr viele Bereiche des Lebens aus.

und dieses mächtige Ding nur aus wenigen Elementen besteht.

Das müsstest Du erläutern. Ich denke erstmal, daß Kommunikation etwas sehr komplexes ist.

oder wird, was ich hier geschrieben habe, noch unglaublicher,
wenn man sich vorstellt,…

Unglaublich ist das nicht. Nur ggf. ist es nicht richtig…

Jonas

Kann ich. Deshalb habe ich ja geschrieben. Da es sich jedoch raffiniert versteckt, wie man
sich denken kann, möchte ich das Ding so behutsam darlegen, daß möglichst wenig Beseitigung
von Irrtümern notwendig wird. Die behindert nämlich bei Vielwissenden wichtige
Kognitionseffekte. Also, bitte etwas Geduld. Danke!

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Empfindest Du Kommunikation als sehr komplexe Angelegenheit, weil es viele Worte und
Möglichkeiten gibt, sie zu kombinieren? Deshalb muß die Verständigung, die man ja als Zweck
und Ziel jeglicher Kommunikation sehen muß, nicht kompliziert sein. So wie man mit einem
Hammer und einem Meißel beeindruckend viele Formen herstellen, verhunzen und zerstören kann,
genauso kann man mit dem Senden und Empfangen von Informationen auch vielfältiges anstellen.

Ganz einfach betrachtet besteht der interaktivte Austausch von Informationen ja aus dem Senden
und dem Empfangen von Nachrichten, und diese beiden „Element“ lassen sich noch etwas konkreter
auffächern. Nach Shannon und Weaver besteht Kommunikation aus 6 Elementen: Informationsquelle,
Verschlüsselung, Nachricht, Übertragungskanal, Entschlüsselung der Botschaft und den
Empfänger.

Logisch, daß sich in diesen Vorgang entsprechende Fehler einschleichen müssen, wenn was schief
geht, die Möglichkeiten folglich nicht besonders groß sind.

Ist das soweit richtig …?

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo!

Ich weiß zwar nicht, ob das in deinem Sinne ist, aber das fundamentalste Handicap für zwischenmenschliche Probleme ist wohl, dass die Welt, so wie sie sich uns darstellt, nur in unseren Köpfen besteht.

Gestaltet wird diese Welt, mit dem Erwachen des Bewußtseins, durch Erfahrung, Erziehung, den Kulturkreis und das soziale Umfeld in dem jemand aufwächst und lebt.
Biologisch gesehen spielen wahrscheinlich auch die Hormone eine große Rolle.

Jedenfalls hat dadurch ausnahmslos jeder Mensch seine eigene Welt, die er für richtig halten muss, weil er sich in die Welt des anderen kaum hinein versetzen kann.

Selbst wenn zwei Menschen sich sehr lieben und sich reichlich und leidenschaftlich Mühe geben, sich die Welt des anderen zu eigen zu machen, werden sie irgendwann an Grenzen stoßen, an denen sie plötzlich merken, dass es einfach nicht mehr weiter geht.

Das ist es auch, was Kommunikation oft so schwierig macht. Sprache, auch Körpersprache, Musik, Kunst, hat zwar für alles einen Ausdruck, aber dieser Ausdruck bedeutet für den anderen eben nicht unbedingt das Gleiche wie für mich.

Man denke nur an die verschiedenen Emotionen, die die gleiche Musik bei verschiedenen Menschen wecken kann.

Was kann man nicht alles mit einem einzelnen Wort, z.B. „Feuer“ assoziieren? Das geht von Wärme und Geborgenheit bis hin zu Zerstörung, Schmerzen, Tod.
Noch dazu ist alles abhängig von der Stimmung, in der sich das Individuum gerade befindet.

Kurz: Wenn zwei das Gleiche sagen, werden sie nie wirklich genau das Gleiche meinen und das ist es, was es uns so schwer macht, einander wirklich zu verstehen.
Irgendwann stößt jede Kommunikation an eine Grenze, die unüberwindbar ist, die Grenze des Universums, in dem der Andere lebt.

Gruß, Nemo.

Hallo Ulf,

Interessiert das, oder wird, was ich hier geschrieben habe,
noch unglaublicher, wenn man sich
vorstellt, daß es relativ einfach sein könnte, gewohntes
Mißverständigungsverhalten zu ändern,
wenn man nur noch auf ein Handicap bei der Kommunikation
achten muß …?

  1. was ist ein „Mißverständigungsverhalten“? Das habe ich noch
    nie gehört.

  2. irrst Du Dich (imho), wenn Du glaubst, daß a) „Kommunikation“
    die wesentliche Wurzel „zwischenmenschlicher Probleme“ ist,
    daß b) dieser Intersubjekt-Austausch eine Art Modul darstellt,
    welches man „verbessern“ kann und daß c) das Selbstverständnis
    der Individuen, welches ihren „Kommunikationsmodi“ zugrunde liegt,
    in deren „Sehfeld“ liegt.

Vielmehr stammt, und das wurde hier bereits dargelegt,
die individuelle „Ich-Konzeption“ aus der Gesamtheit des
Umfeldes und paßt sich ständig an dieses an. Mit „einmal
etwas beim ahnungslosen Gegenüber reparieren“ und
dann wirds schon gehen“ läge man imho dort ganz schön daneben.

Mein Senf.

Grüße

CMБ

Auch hallo!

Hallo! Kann sich jemand vorstellen, daß es nur ein
fundamentales Handicap gibt, das für alle
zwischenmenschlichen Probleme und Konflikte zuständig ist?

Ja.

Tatsache ist, daß alles mit dem mächtigen Werkzeug
Kommunikation funktioniert, und dieses
mächtige Ding nur aus wenigen Elementen besteht. So abartig
ist es also gar nicht, ein
einziges Handicap zu isolieren, das für das Versagen der
Kommunikation zuständig ist.

Das kommt darauf an, was mit Kommunikation gemeint ist.
Verbal vs. Nicht-verbal.
Und die Gedankliche Umwelt? Was wird aus Paul Watzlawik’s Geschichte mit dem Hammer, in dem ganz ohne Dialog abgeschirmt von anderen Menschen Ärger auf diese entsteht.

Interessiert das, oder wird, was ich hier geschrieben habe,
noch unglaublicher, wenn man sich
vorstellt, daß es relativ einfach sein könnte, gewohntes
Mißverständigungsverhalten zu ändern,
wenn man nur noch auf ein Handicap bei der Kommunikation
achten muß …?

Es ist - wie schon geschrieben - vielmehr die Bedrohung des eigenen Selbstbildes, welche für die zwischenmenschlichen Mißverständnisse und Probleme zuständig iat.

Bei einer Erkrankung wie der paranoiden Schzophrenie kannst Du indes sagen, was Du möchtest: der Betroffene empfindet auch bei harmlosen Worten in seinem Selbsbild bedroht.

Es ist nicht bloß die Kommunikation und Wahrnehmung einer Person, sondern vor allem die innere Begründung einer Person, die bei Prozessen berücksichtigt werden muss.

Und im Zentrum steht - wie erwähnt - das Selbstbild. Nicht die Kommunikation - welche man, wie vielfach fälschlich angenommen, auch nur in geringen Teilen beeinflussen kann. Der größte Teil an Informationen wird zwischen Individuen eher sublimal kommuniziert. Die überwiegende Anzahl an Prozessen am Menschen findet unbewusst und nicht bewusst statt. Sonst würde er auch durchdrehen.

Lieben Gruß
Patrick

Nach Shannon und Weaver besteht Kommunikation aus
6 Elementen: Informationsquelle,
Verschlüsselung, Nachricht, Übertragungskanal, Entschlüsselung
der Botschaft und den
Empfänger.

Ich finde, so ein informationstheoretisches Modell auf menschliche Kommunikation anzuwenden, verflacht die Sache. mMn ist Kommunikation komplex, da sie gleichzeitig auf mehreren Wegen passiert (zB das Bekannte Modell von Schulz von Thun mit der Sach/Apell/Beziehungs und Selbstauskunftsseite oder die Aufteilung in verbale und nonverbale Kommunikation), und Sender und Empfänger sie in ihre eigene Wahrnehmung, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, integrieren. Damit ist sie nicht unabhängig von Sender und Empfänger und damit inhaltlich nicht eindeutig definierbar. Das macht die Sache Komplex.

Wie gesagt, daß Kommunikationsprobleme einem Menschen das Leben sehr zentral schwierig machen bezweifel ich garnicht. Nur wieso man alles einzig und alleine darauf zurückführen sollte, verstehe ich nicht.

Ich finde, so ein informationstheoretisches Modell auf
menschliche Kommunikation anzuwenden, verflacht die Sache. mMn
ist Kommunikation komplex, da sie gleichzeitig auf mehreren
Wegen passiert (zB das Bekannte Modell von Schulz von Thun mit
der Sach/Apell/Beziehungs und Selbstauskunftsseite oder die
Aufteilung in verbale und nonverbale Kommunikation), und
Sender und Empfänger sie in ihre eigene Wahrnehmung, die von
Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, integrieren. Damit ist
sie nicht unabhängig von Sender und Empfänger und damit
inhaltlich nicht eindeutig definierbar. Das macht die Sache
Komplex.

Was meinst Du mit „Verflachen“?

Kommunikation wird durch unsere vielfältigen Möglichkeiten, Sprache und Gesten zu benutzen,
sicher in ihrer Ausgestaltung sehr komplex. Das bedeutet aber keineswegs, daß sie deshalb
schwieriger beherrschbar sein muß! Kennt man die Strukturen oder Muster, nach denen alles
funktioniert, kann man Kommunikation mit dem Gebrauch eines Hammers und eines Meißels
vergleichen. Vieles ist mit Werkzeugen möglich, auch das Zertrümmern wunderschöner Formen, die
nur wenigen möglich sind, die einfach das Gefühl, die Erfahrung und das Know How dazu haben.

Weiß man beispielsweise, daß Informationen zwischen Sender und Empfänger wandern, kann einem
schon bewußt werden, daß auf dem Transport was verloren gehen kann …

Wie gesagt, daß Kommunikationsprobleme einem Menschen das
Leben sehr zentral schwierig machen bezweifel ich garnicht.
Nur wieso man alles einzig und alleine darauf zurückführen
sollte, verstehe ich nicht.

Warum man alles auf die Kommunikation zurückführen muß, was gut oder schlecht funktioniert,
liegt einfach daran, daß ohne Kommunikation nichts geht. Ist Dir irgendwas bekannt, was ohne
Kommunikation funktioniert? Natürlich sollte man Kommunikation nicht nur als Gespräch sehen,
sondern als einen interaktiven Austausch von Informationen zwischen Partnern, und der findet
immerhin auch in den kleinsten Bestandteilen von allem statt und läßt sich in gigantischen
Massebewegungen von Sonnensystemen wahrnehmen.

Hallo!

Ich weiß zwar nicht, ob das in deinem Sinne ist, aber das
fundamentalste Handicap für zwischenmenschliche Probleme ist
wohl, dass die Welt, so wie sie sich uns darstellt, nur in
unseren Köpfen besteht.

Hallo Nemo, ich sehe allein in der Möglichkeit, daß unsere Welt nur in unseren Köpfen besteht
noch kein fundamentales Handicap, denn mit unseren Vorstellungen gelingt uns auch auch sehr
vieles ohne Probleme. Unser Klimagürtel um die Erde herum ist auch nicht die Ursache für
Regen.

Gestaltet wird diese Welt, mit dem Erwachen des Bewußtseins,
durch Erfahrung, Erziehung, den Kulturkreis und das soziale
Umfeld in dem jemand aufwächst und lebt.
Biologisch gesehen spielen wahrscheinlich auch die Hormone
eine große Rolle.

Zustimmung, wobei natürlich Erfahrung allein noch nichts gestaltet. Erst durch Aktivitäten
gestalten wir irgendwas.

Jedenfalls hat dadurch ausnahmslos jeder Mensch seine eigene
Welt, die er für richtig halten muss, weil er sich in die Welt
des anderen kaum hinein versetzen kann.

Widerspruch. Selbstverständlich können wir uns in die Welten anderer versetzen, nur nicht so
vollkommen, daß wir ihre uns zu eigen machen könnten. Das ist aber auch gar nicht notwendig,
weil es darum nicht geht. Worum geht es? Hast Du dich das mal gefragt …?

Selbst wenn zwei Menschen sich sehr lieben und sich reichlich
und leidenschaftlich Mühe geben, sich die Welt des anderen zu
eigen zu machen, werden sie irgendwann an Grenzen stoßen, an
denen sie plötzlich merken, dass es einfach nicht mehr weiter
geht.

Was es genau ist, was Menschen irgendwann „an Grenzen stoßen“ läßt, ist interessant. Das alles
hat sicherlich viel mit dem Verfizieren von „Welten“ zu tun. Möchte ich aber beispielsweise
Dich hier mit guten Gesprächen zufrieden machen, muß ich mich gar nicht in Deine
Erfahrungswelt versetzen. Es genügt, daß ich herausfinde, was Dir Spaß macht, und wenn sich
der mit meinem deckt, können wir uns darum kümmern, wie wir uns gegenseitig zufrieden machen.
Mehr ist nicht nötig. Solange das funktioniert, klappen Partnerschaften, gleichgültig, wozu
sich Partner nun zusammentun.

Das ist es auch, was Kommunikation oft so schwierig macht.
Sprache, auch Körpersprache, Musik, Kunst, hat zwar für alles
einen Ausdruck, aber dieser Ausdruck bedeutet für den anderen
eben nicht unbedingt das Gleiche wie für mich.

Das ist richtig. Wichtig ist aber nur, ob unsere Gefühle bei bestimmten Erscheinungsformen
unserer Aktivitäten so viel Wohlgefühlzuwachs ermöglichen, daß wir zufrieden sind.
Interessiert Dich nun mehr die Romantik und mich mehr die Moderne, werden wir beim gemeinsamen
Wahrnehmen altertümlicher Schönheiten weder einzeln noch gemeinsam glücklich. Das gemeinsame
Glücklichwerden ist wichtig, weil wir mit Gemeinsamkeiten Bindungen schaffen, die uns eine
relative Zufriedenheit beim Bewältigen unterschiedlichster Schwierigkeiten ermöglichen.

Man denke nur an die verschiedenen Emotionen, die die gleiche
Musik bei verschiedenen Menschen wecken kann.

Klar, aber Musikempfindungen sind nun nicht unbedingt etwas, wozu wir unbedingt im Augenblick
der Wahrnehmung einen anderen brauchen. Wir haben dann zwar indirekt den Partner, der die
Musik gemacht hat, können sie dann aber auch alleine genießen, sofern wir dem Musiker was für
seine Bemühung geben.

Was kann man nicht alles mit einem einzelnen Wort, z.B.
„Feuer“ assoziieren? Das geht von Wärme und Geborgenheit bis
hin zu Zerstörung, Schmerzen, Tod.
Noch dazu ist alles abhängig von der Stimmung, in der sich das
Individuum gerade befindet.

Ginge es nun zu, Beispiel um eine gemeinsame Mühe, die zur gegenseitigen Befriedigung wichtig
ist, beispielsweise um das Entfachen eines Feuers, damit wir nicht frieren bei unserer
Unterhaltung, würde es uns keine Schwierigkeiten machen, genau das Richtig in das Wort Feuer
zu interpretieren. Wären wir im Freien, könnten wir uns ein paar Äste sammeln, während wir in
einem Haus ein Plätzchen an einem Ofen suchen würden.

Kurz: Wenn zwei das Gleiche sagen, werden sie nie wirklich
genau das Gleiche meinen und das ist es, was es uns so schwer
macht, einander wirklich zu verstehen.
Irgendwann stößt jede Kommunikation an eine Grenze, die
unüberwindbar ist, die Grenze des Universums, in dem der
Andere lebt.

Gruß, Nemo.

Sofern gemeinsame Wahrnehmungen und Aktivitäten für die gemeinsame Mühe mit nachfolgenden
Wohlgefühlen wichtig sind, können wir sehr wohl sehr genau konsensieren, welche Bedeutung wir
irgendwelchen Begriffen geben. Wollen wir beispielsweise gemeinsam Skifahren, wird uns ein
Sturmtief mit 10 Grad plus garantiert davon abhalten, in die Berge zu fahren. Beträgt die
Temperatur 3 Grad, werden wir uns die Mühe machen, weitere Informationen einzuholen, um eine
sicherer Entscheidungen treffen zu können. So funktionieren viele Dinge unseres täglichen
Lebens einwandfrei und machen viele Menschen zufrieden. Vieles funktioniert aber auch gar
nicht, sodaß man schon genauer hinschauen muß, was genau einen Erfolg ausmacht bzw. einen
Mißerfolg.

Hallo Ulf,

Interessiert das, oder wird, was ich hier geschrieben habe,
noch unglaublicher, wenn man sich
vorstellt, daß es relativ einfach sein könnte, gewohntes
Mißverständigungsverhalten zu ändern,
wenn man nur noch auf ein Handicap bei der Kommunikation
achten muß …?

Hallo Semjon,

  1. was ist ein „Mißverständigungsverhalten“? Das habe ich noch
    nie gehört.

Du kannst so mit anderen kommunizieren, daß Du und der andere zufrieden werden, und Du kannst
Dich so mit anderen mißverständigen, daß keine Zufriedenheit oder nur eine ungute auf Deiner
oder der anderen Seite möglich wird. Verständigung ist das Ziel aller Kommunikation, und
scheitert die aus irgendwelchen Gründen, kommt es nicht zu einer Verständigung. Es gibt Leute,
die spezialisieren sich regelrecht auf Mißverständigung, ssei es, daß sie es nicht nötig
haben, andere zufrieden zu machen, oder sei es, daß sie einfach nur zu blöde sind, vielleicht
auch nur zu egoistisch, um in der gemeinsamen Zufriedenheit die Erfüllung ihres bißchen
Daseins zu sehen.

  1. irrst Du Dich (imho), wenn Du glaubst, daß a)
    „Kommunikation“
    die wesentliche Wurzel „zwischenmenschlicher Probleme“ ist,
    daß b) dieser Intersubjekt-Austausch eine Art Modul darstellt,
    welches man „verbessern“ kann und daß c) das Selbstverständnis
    der Individuen, welches ihren „Kommunikationsmodi“ zugrunde
    liegt,
    in deren „Sehfeld“ liegt.

Ich habe nicht geschrieben, daß Kommunikation die wesentliche Wurzel zwischenmenschlicher
Probleme ist! Ich wies darauf hin, daß EIN Handicap beim Gebrauch des mächtigsten Werkzeugs
der Welt verantwortlich ist für unsere zwischenmenschlichen Probleme.

Ich sehe auch in diesem Handicap kein Modul, das man austauschen sollte, sondern nur eine
Behinderung, die man beachten sollte, um sie zu überwinden oder auszuschalten. Wenn Dir eine
Barriere bewußt wird, kannst Du deine Beine lupfen und wirst fortan nicht mehr stolpern. So
ungefähr meinte ich was ich schrieb.

Was Du mit der Frage c meinst, solltest Du nach Kenntnis meiner Richtigstellung vielleicht
nochmal formulieren. Ich denke, das erübrigt sich.

Vielmehr stammt, und das wurde hier bereits dargelegt,
die individuelle „Ich-Konzeption“ aus der Gesamtheit des
Umfeldes und paßt sich ständig an dieses an. Mit "einmal

etwas beim ahnungslosen Gegenüber reparieren" und
dann wirds schon gehen“ läge man imho dort ganz schön
daneben.

Mein Senf.

Grüße

CM?

Es geht gar nicht darum, beim anderen etwas zu reparieren, sondern darum, bei sich selbst
etwas zu beachten, und damit dem anderen Möglichkeiten zu eröffnen, die bisher nicht so
genutzt werden konnten. Wir kommen sicher rasch weiter, sodaß ich niemand lange auf die Folter
spannen werde. Mir gefällt die Art der Auseinandersetzung hier sehr.

Auch hallo!

Hallo! Kann sich jemand vorstellen, daß es nur ein
fundamentales Handicap gibt, das für alle
zwischenmenschlichen Probleme und Konflikte zuständig ist?

Ja.

Tatsache ist, daß alles mit dem mächtigen Werkzeug
Kommunikation funktioniert, und dieses
mächtige Ding nur aus wenigen Elementen besteht. So abartig
ist es also gar nicht, ein
einziges Handicap zu isolieren, das für das Versagen der
Kommunikation zuständig ist.

Das kommt darauf an, was mit Kommunikation gemeint ist.
Verbal vs. Nicht-verbal.

Ich fasse den Begriff Kommunikation sehr weit, weil sich Kommunikation immer auf die gleiche
Weise abspielt, und weil immer die gleichen Fehler dabei für Probleme und Konflikte sorgen.

Und die Gedankliche Umwelt? Was wird aus Paul Watzlawik’s
Geschichte mit dem Hammer, in dem ganz ohne Dialog abgeschirmt
von anderen Menschen Ärger auf diese entsteht.

Selbstgespräche sind ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Kommunikation mit anderen. Auch
wenn es letztlich nicht zu einem offenkundigen Austausch von Informationen kommt, basteln wir
uns damit Erfolge oder Mißerfolge. Was wir in andere hineindenken, ohne uns darum zu kümmern,
ob das zutrifft, gehört zum Handwerkszeug klassischer Mißverständigung.

Interessiert das, oder wird, was ich hier geschrieben habe,
noch unglaublicher, wenn man sich
vorstellt, daß es relativ einfach sein könnte, gewohntes
Mißverständigungsverhalten zu ändern,
wenn man nur noch auf ein Handicap bei der Kommunikation
achten muß …?

Es ist - wie schon geschrieben - vielmehr die Bedrohung des
eigenen Selbstbildes, welche für die zwischenmenschlichen
Mißverständnisse und Probleme zuständig iat.

Ich denke, das Selbstbild spielt erst dann ein Rolle, wenn Partner damit Vorteile oder
Nachteile bekommen. Allein im Umstand, wie Dein Selbstbild für Dich oder mich aussieht, macht
noch keine Schwierigkeiten. Die entstehen dann, wenn daraus Handlungen folgen, die für uns gut
oder schlecht sind, bzw. die uns Wohlgefühle bringen oder Unwohlwohlgefühle.

Bei einer Erkrankung wie der paranoiden Schzophrenie kannst Du
indes sagen, was Du möchtest: der Betroffene empfindet auch
bei harmlosen Worten in seinem Selbsbild bedroht.

Klar, bei Erkrankungen wird einiges unklar, schwierig, schlecht vorhersehbar. Ich denke aber,
daß Bedrohungen erst dann entstehen, wenn Wohlgefühlverluste damit verbunden sind. Natürlich
verknüpfen wir mit Fehlurteilen oder Fehleinschätzungen Vorteile oder Verluste, die uns dann
entsprechend agieren lassen. Wer offensichtlich verrückt ist, läßt sich möglicherweise
leichter zufriedenstellen wie ein Normaler, der es uns schwer macht, adäquate Gegenleistungen
zur Verfügung zu stellen, die einen gerechten Austausch des Gebens und Nehmens auf beiden
Seiten ermöglichen. Auf den kommt es an, wenn es um Zufriedenheit oder Unzufriedenheit geht.

Es ist nicht bloß die Kommunikation und Wahrnehmung einer
Person, sondern vor allem die innere Begründung einer Person,
die bei Prozessen berücksichtigt werden muss.

Was verstehst Du unter „innerer Begründung einer Person“?

Und im Zentrum steht - wie erwähnt - das Selbstbild. Nicht die
Kommunikation - welche man, wie vielfach fälschlich
angenommen, auch nur in geringen Teilen beeinflussen kann. Der
größte Teil an Informationen wird zwischen Individuen eher
sublimal kommuniziert. Die überwiegende Anzahl an Prozessen am
Menschen findet unbewusst und nicht bewusst statt. Sonst würde
er auch durchdrehen.

Lieben Gruß
Patrick

Unser Bild von uns selbst und unserer Umwelt beherrscht nicht nur unser Zentrum, sondern auch
die Peripherie. Daß man Kommunikation nur ein bißchen beeinflussen kann, ist nicht richtig. Da
möchte ich Dir kräftig widersprechen. Es ist nur sehr mühsam, gewohntes, automatisch erlerntes
Kommunikationsverhalten zu ändern.

Kommunikation läßt sich beherrschen mit Partnern, die an einem Austausch von Informationen
zwecks Regelung des Gebens und Nehmens interessiert sind. Und ist man mit Partnern verbunden,
die die Kommunikation verweigern, beispielsweise weil sie sich mächtig fühlen und glauben,
sich das leisten zu können, kann man mächtigere Partner finden und bemühen, damit die
Verständigung funktioniert (z. B. Juristen).

Es ist zutreffend, daß viel unsere Kommunikation unbewußt abläuft. Was spricht dagegen, das
ins Bewußtsein zu heben, womit Probleme und Konflikte entstehen? Ich habe die Erfahrung
gemacht, daß Menschen eher dann durchdrehen, wenn sie zu unbewußt kommunizieren. Und ich weiß,
daß Kommunikationsbewußtsein erlernt werden kann und dann auch unbewußt so funktioniert, daß
meist Verständigung dabei herauskommt.

Man kann sich auch schulen, in bestimmten, konfliktträchtigen Situationen nicht gefühlsmäßig
zu handeln. Das hilft und ist sehr entlastend, weil man damit sehr viele Probleme und
Konflikte außen vor lassen kann.

Auch liebe Grüße!

ZUSAMMENFASSUNG
Mal kurz und bündig mit der Hoffnung, daß vielleicht doch noch jemand meine Antworten pariert
und damit die Möglichkeit besteht, daß es noch ein zweites fundamentales Handicap für alle
Probleme gibt:

Es gibt nur ein einziges fundamentales Handicap für alle Probleme: Unsere Behinderung durch
unsere Autonomität, unsere Distanz zu unseren Partnern, ihre Bedürfnisse intensiv genug
wahrzunehmen und ihre Leistungen für uns, die zum gerechten Ausgleich des Gebens und Nehmens
nötig sind, der Wahrheit entsprechend zu bewerten.

Mit dieser Erkenntnis kann man sehr viel anfangen.