Hallo!
Ich weiß zwar nicht, ob das in deinem Sinne ist, aber das
fundamentalste Handicap für zwischenmenschliche Probleme ist
wohl, dass die Welt, so wie sie sich uns darstellt, nur in
unseren Köpfen besteht.
Hallo Nemo, ich sehe allein in der Möglichkeit, daß unsere Welt nur in unseren Köpfen besteht
noch kein fundamentales Handicap, denn mit unseren Vorstellungen gelingt uns auch auch sehr
vieles ohne Probleme. Unser Klimagürtel um die Erde herum ist auch nicht die Ursache für
Regen.
Gestaltet wird diese Welt, mit dem Erwachen des Bewußtseins,
durch Erfahrung, Erziehung, den Kulturkreis und das soziale
Umfeld in dem jemand aufwächst und lebt.
Biologisch gesehen spielen wahrscheinlich auch die Hormone
eine große Rolle.
Zustimmung, wobei natürlich Erfahrung allein noch nichts gestaltet. Erst durch Aktivitäten
gestalten wir irgendwas.
Jedenfalls hat dadurch ausnahmslos jeder Mensch seine eigene
Welt, die er für richtig halten muss, weil er sich in die Welt
des anderen kaum hinein versetzen kann.
Widerspruch. Selbstverständlich können wir uns in die Welten anderer versetzen, nur nicht so
vollkommen, daß wir ihre uns zu eigen machen könnten. Das ist aber auch gar nicht notwendig,
weil es darum nicht geht. Worum geht es? Hast Du dich das mal gefragt …?
Selbst wenn zwei Menschen sich sehr lieben und sich reichlich
und leidenschaftlich Mühe geben, sich die Welt des anderen zu
eigen zu machen, werden sie irgendwann an Grenzen stoßen, an
denen sie plötzlich merken, dass es einfach nicht mehr weiter
geht.
Was es genau ist, was Menschen irgendwann „an Grenzen stoßen“ läßt, ist interessant. Das alles
hat sicherlich viel mit dem Verfizieren von „Welten“ zu tun. Möchte ich aber beispielsweise
Dich hier mit guten Gesprächen zufrieden machen, muß ich mich gar nicht in Deine
Erfahrungswelt versetzen. Es genügt, daß ich herausfinde, was Dir Spaß macht, und wenn sich
der mit meinem deckt, können wir uns darum kümmern, wie wir uns gegenseitig zufrieden machen.
Mehr ist nicht nötig. Solange das funktioniert, klappen Partnerschaften, gleichgültig, wozu
sich Partner nun zusammentun.
Das ist es auch, was Kommunikation oft so schwierig macht.
Sprache, auch Körpersprache, Musik, Kunst, hat zwar für alles
einen Ausdruck, aber dieser Ausdruck bedeutet für den anderen
eben nicht unbedingt das Gleiche wie für mich.
Das ist richtig. Wichtig ist aber nur, ob unsere Gefühle bei bestimmten Erscheinungsformen
unserer Aktivitäten so viel Wohlgefühlzuwachs ermöglichen, daß wir zufrieden sind.
Interessiert Dich nun mehr die Romantik und mich mehr die Moderne, werden wir beim gemeinsamen
Wahrnehmen altertümlicher Schönheiten weder einzeln noch gemeinsam glücklich. Das gemeinsame
Glücklichwerden ist wichtig, weil wir mit Gemeinsamkeiten Bindungen schaffen, die uns eine
relative Zufriedenheit beim Bewältigen unterschiedlichster Schwierigkeiten ermöglichen.
Man denke nur an die verschiedenen Emotionen, die die gleiche
Musik bei verschiedenen Menschen wecken kann.
Klar, aber Musikempfindungen sind nun nicht unbedingt etwas, wozu wir unbedingt im Augenblick
der Wahrnehmung einen anderen brauchen. Wir haben dann zwar indirekt den Partner, der die
Musik gemacht hat, können sie dann aber auch alleine genießen, sofern wir dem Musiker was für
seine Bemühung geben.
Was kann man nicht alles mit einem einzelnen Wort, z.B.
„Feuer“ assoziieren? Das geht von Wärme und Geborgenheit bis
hin zu Zerstörung, Schmerzen, Tod.
Noch dazu ist alles abhängig von der Stimmung, in der sich das
Individuum gerade befindet.
Ginge es nun zu, Beispiel um eine gemeinsame Mühe, die zur gegenseitigen Befriedigung wichtig
ist, beispielsweise um das Entfachen eines Feuers, damit wir nicht frieren bei unserer
Unterhaltung, würde es uns keine Schwierigkeiten machen, genau das Richtig in das Wort Feuer
zu interpretieren. Wären wir im Freien, könnten wir uns ein paar Äste sammeln, während wir in
einem Haus ein Plätzchen an einem Ofen suchen würden.
Kurz: Wenn zwei das Gleiche sagen, werden sie nie wirklich
genau das Gleiche meinen und das ist es, was es uns so schwer
macht, einander wirklich zu verstehen.
Irgendwann stößt jede Kommunikation an eine Grenze, die
unüberwindbar ist, die Grenze des Universums, in dem der
Andere lebt.
Gruß, Nemo.
Sofern gemeinsame Wahrnehmungen und Aktivitäten für die gemeinsame Mühe mit nachfolgenden
Wohlgefühlen wichtig sind, können wir sehr wohl sehr genau konsensieren, welche Bedeutung wir
irgendwelchen Begriffen geben. Wollen wir beispielsweise gemeinsam Skifahren, wird uns ein
Sturmtief mit 10 Grad plus garantiert davon abhalten, in die Berge zu fahren. Beträgt die
Temperatur 3 Grad, werden wir uns die Mühe machen, weitere Informationen einzuholen, um eine
sicherer Entscheidungen treffen zu können. So funktionieren viele Dinge unseres täglichen
Lebens einwandfrei und machen viele Menschen zufrieden. Vieles funktioniert aber auch gar
nicht, sodaß man schon genauer hinschauen muß, was genau einen Erfolg ausmacht bzw. einen
Mißerfolg.