Ueberlegungen zum Alter
Hallo Marianne,
dein Hinweis auf Kanzler Schroeder hat mir keine
Ruhe gelassen und ich hab mich ein bisschen umgesehen.
Bei
http://www.adoption.de/information.htm
(danke fuer den Tipp, Christiane!)
habe ich den Artikel gefunden, wo Folgendes steht:
"Angesichts des demografischen Wandels in Deutschland will die Bundesregierung es künftig auch älteren Paaren ermöglichen, Kinder zu adoptieren. „Wir wollen die Adoptionsrichtlinien den Gegebenheiten anpassen und sind im Moment dabei, sie zu überarbeiten“, sagte Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) im Gespräch mit der Berliner Zeitung. In einem „Land des langen Lebens“ gehöre es nun einmal dazu, dass es nicht nur junge Eltern gebe.
Eine Höchstaltersgrenze für Adoptiveltern ist zwar in keinem Gesetz vorgeschrieben. In der Praxis werden Säuglinge und Kleinkinder jedoch nur an Ehepaare vermittelt, die nicht älter als 35 Jahre sind."
Insofern lag ich also richtig, dass es keine gesetzliche
Alters-Regelungen gibt, was Adoption betrifft. Andererseits
hat in Deutschland das Jugendamt Mitspracherecht auch bei
Auslandsadoptionen, von daher sind die amtlichen Richtlinien
recht bedeutsam.
Die „35-Jahre-Altersgrenze“ ist an sich laecherlich.
Da diese Altersgrenze sich nicht auf den Zeitpunkt bezieht,
an dem der Antrag gestellt wird.
Geht man von einer durchschnittlichen Wartezeit von drei oder
vier Jahren aus (und 6,7 Jahre sollen keine Seltenheit sein),
muss so ein Antrag also bereits mit spaetestens Anfang 30
gestellt werden.
Wenn man sich andere demographische Zahlen im Zusammenhang ansieht:
Eheschliessung, Eintritt in den Beruf usw. gekoppelt mit
immer mehr Versprechungen der Medizin, was Fruchtbarkeits-
behandlungen betrifft, wieviel Menschen koennen dann schon
mit 30 wirklich eine Entscheidung fuer eine Adoption treffen?
Entweder man verpasst den Zeitpunkt oder man beantragt
die Adoption erstmal halbherzig, falls biologisch ‚doch nichts
laeuft‘ - denkbar schlechte Voraussetzung fuer eine Adoption.
Was mich schon immer bedrueckt hat: wie laeuft das,
wenn man mit z.B. 33 den Antrag stellt – wie fuehlt man sich
dann, wenn die Monate ins Land ziehen, ohne dass eine Adoption
sich zu materialisieren beginnt? (zum Vgl.: in Suedafrika lag
das maximale Alter bei 38 - zum Zeitpunkt der Antragsstellung,
IMO eine wesentlich menschenfreundlichere Regelung)
Andererseits hat der Kanzler ja vorgefuehrt, dass es mit
gutem Willen seitens der Behoerden (bzw. Beziehungen um nicht
schlimmere Worte in den Mund zu nehmen) einiges laeuft.
35 mag heutzutage nicht mehr ‚der Demographie‘ zu entsprechen,
60 aber auch nicht.
Adoptionsagenturen werden oft in der Oeffentlichkeit
als „Kinderbeschaffungsstellen“ dargestellt, aber hier liegt
der Denkfehler: es geht nicht darum, Kinder fuer kinderlose
(oder allgemeiner: adoptierwillige) Eltern zu beschaffen,
sondern Familien fuer Kinder zu finden, die aus verschiedensten
Gruenden nicht bei ihren ersten Familien leben koennen.
Und deshalb sollte immer unter den Adoptierwilligen eine
Auswahl getroffen werden.
Ueber die Kriterien bzw. die Grenzen dieser Kriterien laesst
sich streiten. Sie sind immer situationsbezogen - frueher gab
es in westlichen Laendern viel mehr Kinder, die Adoptiveltern
suchten, als willige Adoptiveltern. Das hat sich geaendert.
Wohlgemerkt, das hat sich in den westlichen Laendern geaendert,
es trifft nachwievor auf viele Laender nicht zu. Je weniger
Kinder es gibt, die adoptiert werden koennen, je strenger
werden die Kriterien sein.
Und Alter ist ein Auswahlkriterium, das legitim ist.
Gruesse
Elke