Ein paar Fragen über Erste Hilfe?

Salü

Hier ein paar Fragen die ich nicht genau klären konnte:

-Muss ich jemandem den Helm abnehmen, der Bewusstlos ist, um ihn in die Seitenlage zu tun? Oder kann ich dies auch mit dem Helm? Ich gehe davon aus dass man zu zweit ist!

-Wenn man jemandem den Helm abgenommen hat und man zufälligerweise einen Halskragen dabei hat und weiss wie man damit umgehen sollte, kann man diese Person mit Halskragen auch in die Seitenlagerung tun?
Bleiben die Atemwege dabei offen?
Könnte es der Wirbelsäule nicht schaden, wenn man ihn in die Seitenlage tut mit Halskragen?

-Kann man (darf man) jemanden alleine den Helm abnehmen? Wenn ja, wie denn?

Vielen Dank und schöne Grüsse
Stifi

Hallo Namensvetter,

Hier ein paar Fragen die ich nicht genau klären konnte:

-Muss ich jemandem den Helm abnehmen, der Bewusstlos ist, um
ihn in die Seitenlage zu tun? Oder kann ich dies auch mit dem
Helm? Ich gehe davon aus dass man zu zweit ist!

Bei Bewußtlosen gilt immer: Der Helm muß runter! Unbedingt!
Der Grund ist eigentlich simpel: was nutzt dem Verunfallten eine gesunde Wirbelsäule wenn er erstickt ist… Bei einem Bewußtlosen fallen die Schutzreflexe aus und es kann zu einer spontanen Entleerung des Mageninhalts kommen (oder es ist schon passiert). Die Soße muß zum einen ungehindert abfließen können, zum anderen muß der Ersthelfer dann den Mund ausräumen (was bei aufgesetzten Helm schwierig ist). Das Ganze muß dann auch schnell gehen, denn mit dem nächsten Atemzug ist die Suppe in der Lunge.
Das zweite ist ist die Atemkontrolle und eine evtl. Reanimation. Beides ist nur ohne Helm möglich.

-Wenn man jemandem den Helm abgenommen hat und man
zufälligerweise einen Halskragen dabei hat und weiss wie man
damit umgehen sollte, kann man diese Person mit Halskragen
auch in die Seitenlagerung tun?

Ja. Wird im Rettungsdienst genau so gemacht.

Bleiben die Atemwege dabei offen?

Ja.

Könnte es der Wirbelsäule nicht schaden, wenn man ihn in die
Seitenlage tut mit Halskragen?

Das Verbringen in die stabile Seitenlage ist bei geschädigter Wirbelsäule immer problematisch. Aber wie gesagt, was nutzt die gesunde Wirbelsäule… Man muß halt dabei so vorsichtig wie möglich sein, den Kopf gegen den Rumpf nicht verdrehen und immer auf Zug halten.

-Kann man (darf man) jemanden alleine den Helm abnehmen? Wenn
ja, wie denn?

Bei Bewußtlosen muß man das auch alleine tun! Schädigungen sind dabei zwar wahrscheinlicher als bei zwei Helfern, aber wie gesagt, was nutzt die gesunde Wirbelsäule…
Die Grundregeln zur Helmabnahme: Kopf einmalig in die mittige Position bringen und vom diesem Moment an den Kopf ruhig und auf (leichten) Zug halten. Die konkrete Technik der Helmabnahme läßt sich schwer verbal beschreiben, das lernt man am besten im EH-Kurs.

Vielen Dank und schöne Grüsse

Gern geschehen.
Grß Stefan

Ein paar Antworten

Salü

Hier ein paar Fragen die ich nicht genau klären konnte:

-Muss ich jemandem den Helm abnehmen, der Bewusstlos ist, um
ihn in die Seitenlage zu tun? Oder kann ich dies auch mit dem
Helm? Ich gehe davon aus dass man zu zweit ist!

Der Helm muß immer ab. Immer. Einzige Ausnahme: Der Patient ist bei Bewusstsein und gut ansprechbar, dann kann man das den Rettern überlassen.

-Wenn man jemandem den Helm abgenommen hat und man
zufälligerweise einen Halskragen dabei hat und weiss wie man
damit umgehen sollte, kann man diese Person mit Halskragen
auch in die Seitenlagerung tun?
Bleiben die Atemwege dabei offen?
Könnte es der Wirbelsäule nicht schaden, wenn man ihn in die
Seitenlage tut mit Halskragen?

Hm, das kommt darauf an, was Du mit „Halskragen“ meinst. Diese Schaumstoffdinger sind nicht geeignet, um sinnvoll zu stabilisieren, die sollte man lieber weglassen - die Manipulation beim Anlegen könnte vermutlich mehr kaputt machen, als die Dinger nützen.
Sollte es eine „richtige“ Halskrause sein (Stifnec, Necloc bspw.), kann man das durchaus anlegen und dann in die stabile Seitenlage verbringen. Es wird damit natürlich schwieriger, den Kopf zu überstrecken, aber es geht einigermaßen. Die Wirbelsäule wird zumindest im stabilisierten Bereich natürlich nicht geschädigt (bei entsprechender Vorsicht), grundsätzlich geht stabile Seitenlage vor Risiko einer Wirbelsäulenverletzung - besser Wirbelsäule verletzt (evtl.) als tot.

-Kann man (darf man) jemanden alleine den Helm abnehmen? Wenn
ja, wie denn?

Die Helmabnahme ist grundsätzlich beim bewusstlosen Patienten eine lebensrettende Maßnahme - nimmt man ihn nicht ab, besteht ein hohes Risiko, daß der Patient verstirbt. Deshalb: Im Zweifelsfall auch alleine Helm ab, wenn gar niemand zweites zu erwischen ist. Wie? Schwierig… Da gibt’s keine Tricks. Du machst das dann genau so, als wenn Du mit jemand zweitem dran wärst und Du am Kopfende wärest. Und Du bist natürlich NOCH vorsichtiger dabei.

Gruß,

Doc.

PS: Ich find’s total gut, wenn sich jemand dafür interessiert. Der Ausbildungsstand in Erster Hilfe ist in unseren Breiten katastrophal.

HALT!!!

Hallo, erstmal!

Zunächst mal: Der Helm muß runter!
In Einzelhelfermethode würd ich mir das genau überlegen. Stabile Seitenlage geht auch mit Helm. Die Zweihelfermethode erkläre ich hier nicht, denn sie muß gezeigt und geübt werden, womit alle Interessierten hiermit an einen Kurs verwiesen werden:smile:))
Selbstverständlich kann man eine Immobilisationshalskrause anbringen, sofern man das richtig macht. Dazu muß der Helm runter.
Das Überstrecken des Halses, wie mein Vorredner hier als „schwierig“ bezeichnet, unterbleibt natürlich vollständig! Ihr werdet niemenden überstrecken, dessen Hals via Stifneck und Konsorten STABILISIERT!!! ist!
Atemwege freihalten, beruhigen, wenn bei Bewußtsein (laßt die Maschine IMMER ganz, auch wenn sie ein Blechknäuel ist. Maximal Delle im Tank oder neue Blinker oder so… Der Patient rutscht Euch sonst in den völligen Schock! Für Reiter gilt dasselbe!.

Macht einfach alles, was Ihr wißt und SICHER beherrscht! Sonst mal eher Finger weg!

Euch grüßt,

Marcus

HALT!!!

D’uh?

Zunächst mal: Der Helm muß runter!

Soweit waren wir ja bereits…

In Einzelhelfermethode würd ich mir das genau überlegen.
Stabile Seitenlage geht auch mit Helm.

Die ist so gut wie nichts wert. Die stabile Seitenlage hat zwei Ziele:

  1. Durch Kopfüberstreckung wird die Zunge davon abgehalten, die Atemwege zu verlegen,

  2. der Mundwinkel ist der niedrigste Punkt, so das Schleim, Erbrochenes etc. abfliessen können und nicht die Atemwege verlegen.

Punkt 2 ist mit Helm auf dem Kopf hinfällig.

Die Zweihelfermethode
erkläre ich hier nicht, denn sie muß gezeigt und geübt werden,
womit alle Interessierten hiermit an einen Kurs verwiesen
werden:smile:))

Davon geh ich aus! :smile:

Selbstverständlich kann man eine Immobilisationshalskrause
anbringen, sofern man das richtig macht. Dazu muß der Helm
runter.

Klar, aber bitte nicht diese Schaumstoffdinger, mit denen man hin und wieder Leute rumlaufen lässt, im Rettungsdienst auch liebevoll „Halswärmer“ genannt - zu viel mehr taugen sie nämlich nicht. Zu „vernünftigen“ Halskrausen à la Stifnec & Co. schrieb ich bereits was.

Das Überstrecken des Halses, wie mein Vorredner hier als
„schwierig“ bezeichnet, unterbleibt natürlich vollständig!

Bitte? Damit hat sich dann Punkt 1 von oben erledigt, und der Patient ist mit hinreichender Wahrscheinlichkeit innerhalb überschaubarer Zeit tot.

Ihr werdet niemenden überstrecken, dessen Hals via Stifneck und
Konsorten STABILISIERT!!! ist!

Der primäre Zweck dieser Halskrausen (also der „echten“) ist AFAIR die Stabilisation um Sagittal- und Longitudinalachse. Und das bekommt man damit auch hervorragend hin. Die Horizontalachsenbewegung ist hier natürlich auch hinreichend stabilisiert, aber schon aus konstruktionstechnischen und anatomischen Gründen niemals vollständig. Wenn der Kopf gar nicht überstreckt ist, siehe oben zu Punkt 1.

Macht einfach alles, was Ihr wißt und SICHER beherrscht! Sonst
mal eher Finger weg!

Die Lehrmeinung der HiOrgs in EH ist da etwas anders… „Try as good as you can, but try!“

Gruß,

Doc.

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Hi,

Auch

HALT!!!

Zunächst mal: Der Helm muß runter!
In Einzelhelfermethode würd ich mir das genau überlegen.
Stabile Seitenlage geht auch mit Helm.

Das mag richtig sein, entspricht aber nicht der Lehrmeinung. Wie ich oben ausführte, birgt der Helm sehr große Risiken. Doc schrieb schon sehr richtig, daß die Helmabnahme eine lebensrettende Maßnahme ist.

Macht einfach alles, was Ihr wißt und SICHER beherrscht! Sonst
mal eher Finger weg!

Das kann ich keinesfalls stehen lassen. Schlechte Hilfe ist oft besser als keine Hilfe. Und wenn es um lebensrettende Maßnahmen geht, gilt dieser Satz noch mehr.
Das IMHO einleuchtendste Bsp. ist die Reanimation. Bei einer schlecht oder falsch durchgeführten Reanimation verstirbt der Patient eventuell (oder trägt erhebliche Schäden davon), wenn die Reanimation jedoch unterbleibt, verstirbt er mit Sicherheit!

Gruß Stefan

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Hallo, Doc,

überstrecken mit angelegtem Stifneck sollte bei richtig angelegtem Stifneck oder Vergleichsprodukten eigentlich unmöglich sein.
Stabile Seitenlage gegt auch mit Stifneck, aber ohne Überstrecken.
Wenn Du eine HWS-Verletzung für wahrscheinlich hälst, dann solltest Du als einziger Helfer den Helm dranlassen, es sei denn, Du mußt reanimieren, aber da kannst Du ja dann nicht mehr allzu viel kaputtmachen, Patient ist ja schon tot.
Du kannst aber, wenn Du langsam arbeitest, den Patienten Umdrehen. Das sollte eine Aspiration unheimlich erschweren. Zumal der Hauptgrund der Seitenlage nicht die Regurgitation ist, sondern das Zurückrutschen des Zungengrundes. Das entfällt auch bei Seitenlage mit Helm.
Diese Schaumstoff-Krausen sind freilich eher Deko.

Ich hab deswegen mal ne Diskussion unter Rettungsdienst.de gestartet. Bist herzlich eingeladen.
Bin übrigens auch bei eie HiOrg:smile:

Lieb grüßt,

Marcus

PS: Ich find’s total gut, wenn sich jemand dafür interessiert.
Der Ausbildungsstand in Erster Hilfe ist in unseren Breiten
katastrophal.

HI Doc, ich bin mittlerweilerweile schon zum 3. mal Erste bei einem Unfall gewesen! Ich bin jedesmal wieder überfordert, alles ist immer anders, da müsste man schon Routine haben, um wirklich gut helfen zu können!! Ich habe das Gefühl, dass man nur mit professioneller Ausbildung wirklich helfen kann. Wenn ich aber mein „Fahrschulwissen“ aufbessern will, muss ich dafür schon ein paar EURO zahlen.

Ich würde meine „Erste Hilfe“-Kenntnisse gerne auffrischen, bin aber nicht bereit, dafür zu zahlen, was so allgemein verlangt wird. Wenn ich keine Bescheinigung brauche…kann ich dann irgendwo kostenlos mithören??

Hallo!

Siehe dazu die Antwort, die ich Doc schrieb.
Bei Rea, klar.
Aber willst Du an einem Querschnitt schuld sein, vor allem bei Anmarschzeiten des Rettungsdienstes von 3-5 Minuten?
Laß ihn aspirieren! Die Lungenentzündung kriegt man mit massiven Antibiotika meist gut in den Griff. Den Querschnitt nicht, und querschnitt auf C2-3 ist definitiv vom Kopf ab gelähmt.
Überlegt also trotz Lehrmeinung, was ihr macht.
Stabile Seitenlage:Klar.
Allein Helm ab: Bei Rea klar, sonst einfach nicht unbedingt nötig.
Lehrmeinung hin oder her, es gibt auch andere Ansichten, und nach 13 Jahren Rettungsdienst stell ich Lehrmeinungen in Frage.

Mag Dich trotzdem:smile:

Marcus
LRA

Hallo!

Woher kommst Du denn?

Lieber Gruß,

Marcus

Hallo Blauschatten,

ich weiß nicht ob es sinnvoll ist in diesem Rahmen hier eine medizinische Fach-Diskussion über Sinn oder Unsinn einer Helmabnahme durchzuführen.

Zunächst wurde hier ja von einem „Laien“ eine Frage zum Verhalten bei verunfallten Motorradfahrern gestellt. Die allgemeine Auffassung dazu, wie sie auch in EH-Kursen gelehrt wird, steht ja fest: Helm runter, am besten mit 2 Helfern. Fest steht ebenfalls daß Ersthelfer ermutigt werden sollten Hilfe zu leisten, und daß ihnen die Angst vor Fehlverhalten genommen werden sollte weil die Wahrscheinlichkeit, etwas falsch zu machen, normalerweise sehr gering ist.

Wenn Du nun eine von der allgemein im EH-Bereich gelehrten Meinung abweichst und die Angst vor der Verursachung einer Querschnittslähmung schürst ist das eher kontraproduktiv.

Innerhalb medizinisch versierter Retter sind derartige Abwägungen sicher richtig und angebracht, gerade Du als LRA magst da auch mit besonderer Kompetenz gesegnet sein - aber nicht wenn es um eine einfache Frage aus dem EH-Bereich geht.

Ohne Dir persönlich derartiges zu unterstellen trifft man übrigens mitunter auf Retter, die mit einer gewissen Einsatzerfahrung „übermütig“ werden: Lehrmeinungen werden in Frage gestellt, Notärzte als überflüssig erachtet, eigene subjektive Erlebnisse als fundierte Erkenntnis begriffen - solange, bis etwas schief geht und derjenige einen Dämpfer bekommt. Immerhin lehnt man sich damit zumindest juristisch verdammt weit aus dem Fenster - und die Verantwortung, wenn durch die eigene Überschätzung jemand geschädigt wurde, ist bestimmt auch nicht leicht zu tragen.

Schöne Grüße,

MecFleih

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Moin,

innerhalb der EH ist Lehrmeinung natürlich „Helm runter“.
So war aber die Frage nicht gestellt.
Und Atemkontrolle und Carotispuls krieg ich auch so hin.
Ja, es wird so gelehrt. Von mir aus sollten es Ersthelfer ruhig machen.
Hast Du jemals nem real Bewußtlosen den Helm abgenommen? Probier mal! Aber nur,. wenn Du sicher bist, daß an der HWS nix ist. Ich zähle mögliche Sofortfolgen nicht auf. Ich kämpfe aber für eine Änderung des EH-Leitfadens auf Bundesebene.
Ich als Ersthelfer würd ne Atemkontrolle machen, und den Patienten dann auf Seite oder Bauch legen, und,falls Atmung vorhanden, auf Seite legen. Sonst natürlich Reanimieren
Allerdings ignoriere ich auch die neue deutsche Rechtschreibung.
Ersthelfer: Tut den Helm runter, so wirds gelehrt.

Marcus

Hi Blauschatten,

auch ein Nachtmensch? :smile:

Hast Du jemals nem real Bewußtlosen den Helm abgenommen?
Probier mal! Aber nur,. wenn Du sicher bist, daß an der HWS
nix ist. Ich zähle mögliche Sofortfolgen nicht auf. Ich kämpfe
aber für eine Änderung des EH-Leitfadens auf Bundesebene.
Ich als Ersthelfer würd ne Atemkontrolle machen, und den
Patienten dann auf Seite oder Bauch legen, und,falls Atmung
vorhanden, auf Seite legen. Sonst natürlich Reanimieren

Nun, in der Praxis wird es ja - ich hab’ immerhin 10 Jahre RD-Erfahrung :wink: - so aussehen:

  1. Patient ist ansprechbar, verletzt oder auch nicht, hat jedenfalls den Helm schon selber ausgezogen -> Problem gelöst
  2. Patient ansprechbar, hat den Helm noch an -> man fordert ihn auf ihn sich auszuziehen, Problem gelöst
  3. Patient bewußtlos, Helm von anderen ausgezogen, weggeflogen, etc. -> Problem stellt sich nicht mehr
  4. der entscheidende Fall: Patient bewußtlos, Helm noch auf.

Bei Fall 4 gilt es abzuwägen: fragliche Wirbelsäulenverletzung contra Apnoe/Aspiration/etc.

Eine Wirbelsäulenverletzung kann, muß aber nicht vorliegen. Sie wird auch nicht zwingend durch das Ausziehen des Helms verursacht.

Wenn der Patient aber einen Atemstillstand bekommt oder aspiriert hat, hat er mit Helm auf dem Kopf keine Überlebenschance. Und sind wir mal ehrlich: in so einer Situation ist der Streß, der Lärm und eventuell die Ablenkung durch Umgebungsfaktoren so hoch, daß kaum jemand mitbekommen würde wenn ein anfangs noch atmender Patient plötzlich eine Apnoe bekommt oder aspiriert.
Vor allem: Wenn es passiert ist das Problem doppelt groß weil dann in aller Eile der Helm runter muß.
Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand einerseits sehr schwer (bis zur Bewußtlosigkeit) verletzt ist, andererseits aber adäquat atmet, sehr gering.

Diese Überlegungen haben dazu geführt daß - im EH-Bereich sowieso, aber auch professionellen Rettern - beigebracht wird tendentiell eher frühzeitig den Helm abzunehmen.

Allerdings ignoriere ich auch die neue deutsche
Rechtschreibung.

Ich auch, aber nur weil ich die neuen Regeln nicht kenne *lach*

Schöne Grüße und schlaf gut! :smile:

MecFleih

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Hallo Stifi,

die Diskussion, ob der Helm entfernt werden soll oder nicht, erübrigt sich schon rein deshalb, weil der Helm ja irgendwann abgenommen werden muß - spätestens in der Klinik, meist aber schon im Rahmen der Notversorgung durch den Notarzt, der einen Schlauch in die Luftröhre plaziert, um das Eindringen von Erbrochenem zu verhindern bzw. um bei Atemstillstand beatmen zu können. Weder Notarzt noch Klinikärzte werden beim Entfernen des Helms vorsichtiger sein, als Du es im Fall der Fälle ohnehin schon wärst.

Zum Thema Stiffneck und Co. mußt Du Dir folgendes klarmachen: Beim Unfall haben Kräfte auf die Wirbelsäule eingewirkt, die weit größer sind, als Du sie jemals aufwenden könntest. Soll heißen: Es ist nicht ohne weiteres denkbar, daß der Patient den Unfall ohne Querschnitt übersteht und daß erst der Helfer mittels einer Minimalbewegung einen solchen verursacht. Natürlich gibt es Berichte, daß ein Verunfallter sich zunächst noch bewegen konnte und erst hernach in der Klinik gelähmt war - das erklärt sich jedoch in erster Linie dadurch, daß es sekundär zu Schwellung und oder Einblutung gekommen ist, welche die Lähmungen verursachen.

Oft genug fliegt der Stiffneck wieder weg - sei es, um den Luftröhrenschlauch zu plazieren oder um in der Klinik einen Zentralvenenkatheter einzubringen oder wenn eine OP erfolgen muß. Dabei muß letztlich auch die Stellung der HWS variiert werden. Diese Maßnahmen, insbesondere den Luftröhrenschauch, zugunsten der HWS zu unterlassen ist deshalb unsinnig, weil es sehr viel häufiger vorkammt, daß ein Patient an Erbrochenem erstickt als daß ein Ersthelfer einen HWS-Schaden verursacht. Selbst wenn der Patient nicht sofort erstickt, entwickelt sich regelmäßig eine sog. „Aspirationspneumonie“. Und diese zählt zu den schwersten Lungenentzündungen und ist nicht einfach antibiotisch therapierbar - das Problem ist viel eher die Magensäure und nicht die sekundäre Keimbesiedlung.

Erste Hilfe ist ganz einfach, wenn man sich klarmacht, daß man als nichtärztlicher Helfer (egal ob Laie oder professionell) ohnehin nur zwei Aufgaben hat: Erstens die Atmung und zweitens den Kreislauf in Gang zu halten. Alles andere muß dahinter zurückstehen.

Fehlt die Atmung, so beatmet man, fehlt der Puls, folgt die Herzdruckmassage *.
Ist der Patient lediglich bewußtlos, so dreht man ihn in die Seitenlage (verhindert das Zurückfallen der Zunge und läßt Erbrochenes leicher auslaufen) und überwacht Atmung und Puls, bis Hilfe kommt - Das wars schon.

Schwere Blutungen wären vielleicht erwähnenswert, aber daß man hier halt die Wunde komprimieren muß bzw. die Extremität abbinden kann, weiß auch jeder. Beides ist richtig. Bevor man aber dazu kommt, ist bei unserer Ärztedichte meist ohnehin schon ein professioneller Helfer oder der Notarzt vor Ort.

Also: Im Notfall muß man einfach mal machen und darf sich nicht von ohnehin so nicht haltbaren Rettungsdienstdogmen davon abhalten lassen. Verklagen wird einen übrigens ohnehin keiner - schon rein deshalb nicht, weil sonst niemand mehr helfen würde.

viele Grüße,

Oliver

* Enstprechende Verfahren kann jeder Führerscheininhaber anwenden, da im Erste-Hilfe-Kurs gelernt. Auch hier ist die fälscheste aller Wiederbelebung immer noch besser als gar keine. Meinungen, wonach ein schlagendes Herz keinesfalls einer Herzdruckmassage ausgesetzt werden dürfte, sind Ammenmärchen - in der Klinik unterstützt man den Kreislauf schon bei einem Blutdruck

HI Marcus, ich wohne im Bereich Niederrhein/Ruhrgebiet in NRW.

Gruß
Jeanny

Wenn ich keine Bescheinigung brauche…kann
ich dann irgendwo kostenlos mithören??

Bei uns bieten das die Malteser an, einfach mal bei den Hilfsorganisationen in deiner Nähe anfragen!

Hi Jeanny,

ich weiß daß die Rettungswache in meiner Stadt „Auffrischungskurse“ anbietet. Da werden nicht alle Grundlagen erneut durchgekaut, aber die wichtigsten Dinge werden wiederholt.

Einfach mal nachfragen…

Gruß,

MecFleih

Doc.

PS: Ich find’s total gut, wenn sich jemand dafür interessiert.
Der Ausbildungsstand in Erster Hilfe ist in unseren Breiten
katastrophal.

richtig, und wenn ich bedenke, dass ich vor 33 Jahren meinen Führerschein machte…

Ist das in anderen EU-Ländern besser?
Gruß Chris

Salü

Vielen Dank für deine Antwort!

Ich habe meistens einen Stifneck dabei, entweder im Auto oder im Rucksack.

Soll ich ihn jetzt anlegen wenn ein solcher Fall eintritt, oder eher nicht?

Und bist du auch der Meinung, dass man diese Bewustlosse Person mit Stifneck in die Bewusstlosenlagerung bringen kann?

Danke und schöne Grüsse von
stifi

Hallo Stifi,

Ich habe meistens einen Stifneck dabei, entweder im Auto oder
im Rucksack.

Wäre (falls überhaupt) ein Ambu-Beutel +/- Guedel-Tubus nicht sinnvoller?

Soll ich ihn jetzt anlegen wenn ein solcher Fall eintritt,
oder eher nicht?

Wenn Du alleine jemanden bewegen/in Seitenlagerung drehen mußt, dann würde ich ihn schon verwenden. Falls jemand da ist, der den Kopf führt, ist er eigentlich unnötig.

Und bist du auch der Meinung, dass man diese Bewustlosse
Person mit Stifneck in die Bewusstlosenlagerung bringen kann?

Wichtig ist ja vor allem das Überstrecken des Kopfes, um die oberen Atemwege/Rachen anatomisch möglichst weit zu machen (Zunge). Wenn im Stiffneck der Kopf weit genug überstreckt werden kann, ist das in Ordnung, andererseits soll so ein Stiffneck ja gerade paradoxerweise solche Überstreckbewegungen verhindern.

Sagen wir mal so: Wenn im Stiffneck seitengelagert wird, muß man die Atmung schon sehr genau überwachen. Im Zweifelsfall (laute Umweltgeräusche, Wind usw.) also lieber weglassen.

viele Grüße,

Oliver