Ein schwerer Tag

Hallo allerseits,
hallo Juergen Wilhelm!

Inmitten des verbalen Tumults um den von mir geposteten Artikel mit dem Titel „ACHTUNG!“ gab es durchaus vernunftgeprägte Reaktionen - einen der vernünftigsten und durchaus kritischen Kommentare stellen die Postings von Juergen Wilhelm dar. Dies freut mich insofern, da endlich jemand da ist, der auch zum Inhalt meiner Hinweise etwas sagen/fragen konnte, in der Hoffnung, daß sich eine fruchtbare und sinnvolle Diskussion ergibt, die zeigt, wie ernst die von mir gemachten Hinweise zu nehmen sind.

Bei diesen Hinweisen, die ich meinen Mitmenschen weiterhin dringend ans Herz legen möchte, handelt es sich - wer es noch nicht gelesen hat - um die Inhalte des folgenden Textes:

_-Im Namen Gottes, Des Barmherzigen Erbarmers.-

Das Lob sei Gott, dem Herrn der Welten…

Ich schreibe dies in bescheidenster Vertretung des Letzten Gesandten Gottes und ersten Gesandten an die Menschheit insgesamt, Muhammad. Und ich schreibe dies, den Begründern und Verwaltern dieses Forums dankend, daß sie mit dieser Einrichtung eine Möglichkeit zuließen, daß dem wahren und den Mitmenschen nutzbringenden Wort Gehör verschafft werden kann:

Meine Mitmenschen! Fürchtet Gott und folget Seinem Gesandten - ihr habt keine Gottheit außer Gott, Dem Allschöpfer, Dem Ewigen, Dem Unvergleichbaren.

Seinem Diener Muhammad offenbarte Er, daß Seine ewige Güte, Seine Barmherzigkeit und ein unfaßbar reicher Lohn dem gelten wird, der sich Ihm, Der Absoluten Gottheit, demutsvoll hingibt und an Seine Botschaft glaubt. Und Er offenbarte ihm, daß die Pein auf dem sein wird, wer leugnet und sich abwendet.

Bereitet euch vor auf einen schweren Tag, an dem entschieden wird, wessen sich mit dem Zugang zum Reich der Paradiese erbarmt wird, und wer sich die harte Pein des Feuersbrandes zugezogen hat: Den Letzten aller Tage. Und die Pein wird auf dem sein, wer leugnet und sich abwendet.

Gedenket Gottes, als er euch und jedes Atom in euch erschuf - und seit nicht undankbar.

Seit dankbar.

Mohamed._

Nun sind Juergen (und andere Forumsleser auch) sicher neugierig, was es damit auf sich hat, und welche Antworten auf seine (und ihre) Fragen warten:

Meine Mitmenschen! Fürchtet Gott

Warum sollte ich? Will er mir böse?

Gott, Den Allmächtigen, Den Unbegreiflichen, Den Allwissenden, zu fürchten hat sicher viele gute Gründe. Wenn Er uns jedoch etwas Böses wollte, hätte es jedoch wenig Sinn, Ihn noch zu fürchten, da dieses Böse ohnehin nicht mehr abwendbar wäre.

und folget Seinem Gesandten -

Welchem der vielen?

  • Allen Gesandten. Es gab tatsächlich sehr viele, und die wichtigsten von Ihnen, wie z.B. Moses, Jesus und Muhammad bestätigten einander (erstaunlicherweise nicht nur rückwirkend, sondern auch im Voraus). Vor allem aber bestätigten sie, daß es keine Gottheit gibt und geben darf außer: Gott. Und sie alle warnten Ihre Mitmenschen vor dem Letzten aller Tage. Muhammad ist nur der letzte Prophet und Gesandte Gottes, nichts weiter. Ansonsten ein ganz normaler, wenn auch sehr gottesfürchtiger und bescheiden lebender Mensch.

Seinem Diener Muhammad offenbarte Er, daß Seine ewige Güte,
Seine Barmherzigkeit und ein unfaßbar reicher Lohn dem gelten
wird, der sich Ihm, Der Absoluten Gottheit, demutsvoll hingibt
und an Seine Botschaft glaubt. Und Er offenbarte Ihm, daß die
Pein auf dem sein wird, wer leugnet und sich abwendet.

„Bestechende“ Einfachheit, diese Aussage, oder?

Sie „besticht“ nur den bescheidenen, realistischen und gewissenhaften Menschen. An arroganten Persönlichkeiten ist diese Botschaft schon seit jeher abgeprallt. - Na ja, sie werden es wohl nicht anders verdient haben.

Seit dankbar.

In der Tat, nämlich dafür, dass ich reflektieren und
nachdenken kann und eben nicht alles glauben muss…

Vielleicht meintest Du das etwas ironisch - aber dafür, daß wir unseren wertvollen Verstand haben, nachdenken können und nicht alles glauben müssen, sollten wir wirklich dankbar sein. Viele vergessen diese Dankbarkeit jedoch.

Meine Fragen an Dich waren durchaus ernst gemeint und harten
an sich einer Erwiderung. Zum Beispiel halte ich es für mich
persönlich für ungemein interessant zu erfahren, warum ich
Deiner Meinung/Deinem Glauben nach Gott fürchten soll?
Ich persönlich halte dies für ein „schreckliches“ Bild von
meinem Schöpfer (wer es auch immer sein mag), dass ich a
priori angst vor ihm haben soll, ihn nicht hinterfragen oder
kritisieren darf, sondern wie ein Entmündigter schlicht folgen
soll.

Hmmm… dies wäre ein schlechtes Bild von einem Menschen, da dies ungerecht, eine Überhebung des Menschen und auch Ungerechtigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit verursachend wäre. Gott ist aber kein Mensch. Wollen wir Gottes Prinzipien ernsthaft hinterfragen? Ihn vielleicht sogar korrigieren? Wären wir nicht bedenklich nahe am Rande des Größenwahns, wenn wir das wirklich für menschenmöglich hielten?

Aber zurück zur Gottesfurcht. Meine Mitmenschen, fürchtet Gott, denn ihr habt keine Gottheit außer Ihm…

Gott zu fürchten ist nichts negatives. Es gehört zu den wunderbaren Phänomen der Reflexionen über die Wechselwirkung der Aspekte des göttlichen Daseins und Verhaltens mit dem menschlichen Bewußtsein, daß zu Gott sowohl die unbegrenzte Liebe zu Ihm als auch gleichermaßen die unbegrenzte Furcht vor Ihm untrennbar gehören - mehr noch: auseinander resultieren.

Ein weites Feld zum Nachdenken… aber wenigstens eines von vielen Beispielen:

Ist nicht Gott der Unendliche, und somit der unendlich Vollkommene? Wer wollte dies leugnen… Gehört nicht zur Vollkommenheit seines absoluten Wesens die Eigenschaft Seiner uneingeschränkten Allmacht? Wie ungleich unvollkommener wäre es ohne diese wunderbare Eigenschaft… Ist nicht die Vollkommenheit die Nahrung der Liebe des menschlichen Herzens? Wieviele Herzen liebten Geliebte voller Makel, nur um den Grad der Vollkommenheit eines einziges Aspektes an ihnen…

Also resultiert die Liebe zum allmächtigen, reichen, a l l e s vermögenden Gott (nicht nur aus dem Verstand, sondern) auch aus der Liebe zum Vollkommenen. Wie ehrlich ist doch die Liebe zu GOTT, wenn sie zugleich für tiefe Furcht im Anblick seiner Allmacht sorgt!

Genauso frage ich mich (oder eher Dich), warum man für das
rechte Handeln belohnt werden soll?

Juergen, gedenke des Tages, an dem diese Frage in Vergessenheit geraten soll - eines Tages, an dem eine Seele alles in und auf Erden aufwenden möchte, um sich loszukaufen.

Ich handle nach meinen
moralischen Maßgaben, weil ich es will und ohne eine Belohnung
zu erwarten, eben weil dies für mich richtig ist.

Der Glaube an Gott ist ebenso ein Handeln, dem Maßstäbe allgemeingültigen Gewissens zugrunde liegen.

Mir ist
völlig gleichgültig, ob mein Schöpfer mich dafür belohnt oder
nicht, das brauche ich einfach nicht zum rechten handeln,

Sag das lieber nicht, denn was „rechtes Handeln“ ist, entscheidet nicht unbedingt derjenige, dem nur die Fähigkeit zum rechten Handeln gegeben wurde.

deswegen auch mein Kommentar zum „bestechend“ einfachen…

Rat ist immer erwünscht, aber er sollte nicht plump in 1000x
gehörten Floskeln daherkommen, die eine volkstümliche
Primitivität eines Naturglauben (sorry) haben.

Zwar mag diese Aussage mehr oder weniger absichtlich mit einem negativen Konnotat behaftet sein - sie ist aber so falsch nicht. Aus verschiedenen Gründen:

  • Es liegt im Wesen von Grundwahrheiten, daß sie keine unüberschaubaren Gedankenkomplexe darstellen
  • Die Botschaft, die Muhammad von Gott erhielt, ist nach eigener Aussage in tiefem Einklang mit der Natur des Menschen, der seinen wahren inneren Frieden aufgrund seiner anerschaffenen Veranlagung nur in der Gottergebenheit im Sinne des unverfälschten Monotheismus findet. Der Begriff „Naturglauben“ ist also gar nicht mal so daneben, auch wenn das, was man eigentlich gemeinhin Naturglauben nennt, in der Regel weit entfernt hiervon ist.
  • Was wollen wir Menschen eigentlich? Reicht uns denn nicht die Botschaft, die für alle Menschen verständlich ist, vom Atomphysiker bis zum Gebäudereiniger? Glaube mir, Juergen, zu einer Botschaft Gottes, die für Deinen Intellekt anspruchsvoll genug ist, gibt es bestimmt genug „Genies“ auf der Welt, die sich über die Primitivität einer solchen Botschaft beklagen würden.

Und das regt
mich genauso an Vertretern von christlichen Kirchen oder
islamischen Glaubensgemeinschaften auf (und bei allen anderen
auch).

Eigentlich hört man von institutionellen Theologen eher, daß sie sich längst in Konstrukte von Wolkenkuckucksheimen zurückgezogen hätten, die längst keiner mehr versteht.

Du kannst mit mir (und mit den anderen) jederzeit über
religiöse/moralische/ethische Dinge diskutieren, aber bitte
auf einem Niveau, auf dem es Spass macht…

Auch wenn es sicher nicht so gemeint war, hört sich das etwa so an wie: Du kannst uns ruhig von dem Taifun erzählen, der unsere Heimat unmittelbar bedroht, aber so, daß es uns Spaß macht. Die Gesandten Gottes hätten gerne gesehen, wie den Menschen das, was sie ihnen zu sagen hatten, „Spaß“ machte. Das hätte ihnen ihre Aufgabe sicher leichter gemacht.

{ O du Bedeckter / Steh auf und warne / Und deinen Herrn verherrliche / Und deine Kleider reinige / Und dem Greuel entfliehe / Und gewähre nicht Mehrung fordernd / Und für deinen Herrn erdulde / Wenn also in das Horn gestoßen wird / So ist das an jenem Tag ein schwerer Tag / Für die Aberkennenden ein nicht leichter }

Mohamed

Hallo Mohamend,

Meine Mitmenschen! Fürchtet Gott

Warum sollte ich? Will er mir böse?

Gott, Den Allmächtigen, Den Unbegreiflichen, Den Allwissenden,
zu fürchten hat sicher viele gute Gründe.

So kann ich auch antworten…:smile: Nenn mir ein paar der guten Gründe, warum ich meinen Gott fürchten sollte, denn ich fürchte meinen Gott nicht…

und folget Seinem Gesandten -

Welchem der vielen?

  • Allen Gesandten. Es gab tatsächlich sehr viele, und die
    wichtigsten von Ihnen, wie z.B. Moses, Jesus und Muhammad
    bestätigten einander (erstaunlicherweise nicht nur
    rückwirkend, sondern auch im Voraus). Vor allem aber
    bestätigten sie, daß es keine Gottheit gibt und geben darf
    außer: Gott. Und sie alle warnten Ihre Mitmenschen vor dem
    Letzten aller Tage. Muhammad ist nur der letzte Prophet und
    Gesandte Gottes, nichts weiter. Ansonsten ein ganz normaler,
    wenn auch sehr gottesfürchtiger und bescheiden lebender
    Mensch.

Und wenn sich die Gesandten widersprechen, wem soll ich dann folgen? Ich folge da lieber erstmal meinem Verstand und meinem Herzen…

Sie „besticht“ nur den bescheidenen, realistischen und
gewissenhaften Menschen. An arroganten Persönlichkeiten ist
diese Botschaft schon seit jeher abgeprallt. - Na ja, sie
werden es wohl nicht anders verdient haben.

Ziemlich kalt, der letzte Satz, oder? Mit so einer Begründung kann man letztendliche alles rechtfertigen…

Gott ist aber kein Mensch. Wollen
wir Gottes Prinzipien ernsthaft hinterfragen?

Natürlich, dafür hat er uns schließlich den Verstand gegeben, oder?

Ihn vielleicht
sogar korrigieren?

Das wird uns wohl kaum gelingen, allerdings frage ich mich, ob Gott überhaupt handelnd und bewertend eingreift bzw. ob wir nicht von ihm aufgerufen sind, uns und unser Gottesbild ggf. zu korrigieren…

Wären wir nicht bedenklich nahe am Rande
des Größenwahns, wenn wir das wirklich für menschenmöglich
hielten?

Wohl war…

Gott zu fürchten ist nichts negatives.

Furcht ist immer negativ!

Es gehört zu den
wunderbaren Phänomen der Reflexionen über die Wechselwirkung
der Aspekte des göttlichen Daseins und Verhaltens mit dem
menschlichen Bewußtsein, daß zu Gott sowohl die unbegrenzte
Liebe zu Ihm als auch gleichermaßen die unbegrenzte Furcht vor
Ihm untrennbar gehören - mehr noch: auseinander resultieren.

Für Dich vielleicht, aber nicht für mich…

Also resultiert die Liebe zum allmächtigen, reichen, a l l e
s vermögenden Gott (nicht nur aus dem Verstand, sondern) auch
aus der Liebe zum Vollkommenen. Wie ehrlich ist doch die Liebe
zu GOTT, wenn sie zugleich für tiefe Furcht im Anblick seiner
Allmacht sorgt!

Weißt Du, ich glaube nicht, dass es meinen Gott großartig interessiert, ob ich ihn liebe oder fürchte…

Genauso frage ich mich (oder eher Dich), warum man für das
rechte Handeln belohnt werden soll?

Juergen, gedenke des Tages, an dem diese Frage in
Vergessenheit geraten soll - eines Tages, an dem eine Seele
alles in und auf Erden aufwenden möchte, um sich loszukaufen.

Das war jetzt nicht wirklich eine Antwort, oder?

Ich handle nach meinen
moralischen Maßgaben, weil ich es will und ohne eine Belohnung
zu erwarten, eben weil dies für mich richtig ist.

Der Glaube an Gott ist ebenso ein Handeln, dem Maßstäbe
allgemeingültigen Gewissens zugrunde liegen.

Allgemeingültiges Gewissen? Gibt es das? Beweißt sich Gewissen nicht immer wieder aufs neue in dem Augenblick einer Prüfung? Es gibt kein schwarz oder weiß sondern nur viele, viele Grautöne…

Mir ist
völlig gleichgültig, ob mein Schöpfer mich dafür belohnt oder
nicht, das brauche ich einfach nicht zum rechten handeln,

Sag das lieber nicht, denn was „rechtes Handeln“ ist,
entscheidet nicht unbedingt derjenige, dem nur die
Fähigkeit zum rechten Handeln gegeben wurde.

Trotzdem ist es mir gleichgültig, ob ich nach meiner Tat belohnt werde, solange ich die Tat für richtig erachte. Und diese religiösen Floskeln haben für mich die selbe Qualität, wie die Missionierung mit Geschenken, namlich keine…

  • Es liegt im Wesen von Grundwahrheiten, daß sie keine
    unüberschaubaren Gedankenkomplexe darstellen

Es liegt aber ebenfalls in ihrer Natur, dass sie in Realität häufig zu kurz greifen, da es eben kein gut oder böse alleine gibt, auch wenn dies vieles einfacher machen würde.

  • Was wollen wir Menschen eigentlich? Reicht uns denn nicht
    die Botschaft, die für alle Menschen verständlich ist, vom
    Atomphysiker bis zum Gebäudereiniger?

Diese eine Botschaft wird es nicht geben und das ist IMHO der Fehler vieler Glaubensgemeinschaften, dass sie versuchen, die Vielfalt der Menschen auf eine Botschaft zu reduzieren…

Glaube mir, Juergen, zu
einer Botschaft Gottes, die für Deinen Intellekt anspruchsvoll
genug ist, gibt es bestimmt genug „Genies“ auf der Welt, die
sich über die Primitivität einer solchen Botschaft beklagen
würden.

Das habe ich nie bestritten, nichts desto trotz halte bereits ich viele Deiner Sprüche für plump vereinfachend und schwarz/weiß-malend.

Eigentlich hört man von institutionellen Theologen eher, daß
sie sich längst in Konstrukte von Wolkenkuckucksheimen
zurückgezogen hätten, die längst keiner mehr versteht.

Das ist sicher das ebenso bestehende gegenteilige Extrem…

Du kannst uns ruhig von dem Taifun erzählen, der
unsere Heimat unmittelbar bedroht, aber so, daß es uns Spaß
macht.

Die intellektuelle Auseinandersetzung mit Glauben macht Spass und Deine Verbindung von Glauben mit der Bedrohung einer Naturkatastrophe macht für mich absolut keine Sinn. Wie kommst Du drauf?

Grüße
Jürgen