Mit der Hoffnung etwas anzuregen, werfe ich einen Aphorismus der deutschen Philosophie-Geschichte ein.
Achtung, hier kommt er:
Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu legen weiß, der legt wenigstens einen Sinn noch hinein: das heißt, er glaubt, dass ein Wille bereits darin sei (Prinzip des ‚Glaubens‘).
Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu
legen weiß, der legt wenigstens einen
Sinn noch hinein: das heißt, er glaubt,
dass ein Wille bereits darin sei (Prinzip
des ‚Glaubens‘).
Das galt vielleicht noch vor 2 Generationen. Heute heißt es ganz einfach „Alles Zufall“.
dass ist ein Missverständnis. Es geht dabei nicht darum, wie z.B. ein Wirbelsturm entsteht.
Es ist eine Entgegnung gegen alle die *überhaupt* die Frage stellen: „Was ist DER SINN des Lebens?“ Und natürlich erst recht an die, die als Antwort auf diese Frage zu einem religiösen Glauben finden. (und die gibt es auch heute).
Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu
legen weiß, der legt wenigstens einen
Sinn noch hinein: das heißt, er glaubt,
dass ein Wille bereits darin sei (Prinzip
des ‚Glaubens‘).
Gut, nicht?
Ich verstehe das so:
Wer nicht fähig/Willens/in der Lage ist, den Dingen (?) seinen Willen (seinen Egoismus, seine persönlichen Ziele) aufzuzwingen (nicht egozentrisch ist), der läßt sich den Sinn (Ziel, Willen) von den Dingen (jemand anderem) aufzwingen.
Nein, ich denke nicht, dass es meint:
„Entweder ich beherrsche andere Menschen oder die beherrschen mich - und dann bin ich ein Schwächling“
Das wäre wirklich platt, dumm und hätte auch gar nichts mit ‚Glauben‘ zu tun.
Es ist aber natürlich eine Polemik gegen den Glauben und - ob letzten Endes zutreffend oder nicht(das wollte ich ja zur Diskussion stellen) - psychologisch scharfsinng (und vor allem elegant formuliert, wie ich finde).
Um das Pferd von hinten aufzuzäunen:
Es fragt: Wie komme ich überhaupt dazu zu Glauben? (an Gott, das Schicksal, den höheren Zweck der Evolution?. Glauben großgeschrieben als ‚religiöser Glauben‘.)
Antwort: Der Glauben ist der Versuch einer Antwort auf die Frage „Was ist DER SINN von allem, des Lebens…?“
Aber: Diese Frage ist eine ‚falsche/sinnlose‘ Frage. Damit ist folgendes gemeint: Man stellt diese Frage, weil man das Gefühl hat, es fehle etwas, es *müsse* noch mehr geben (das bezeichnet man dann vage als ‚Sinn‘). Aber, so Nietzsche, dieses Gefühl (dem die Frage ihren Sinn verdankt) hat man nur, wenn man „seinen Willen nicht in die Dinge zu legen weiß“. D.h. wenn man nicht mutig (frei) genug ist, seine Wünsche zu erkennen, dazu zu stehen und zu versuchen sie zu verwirklichen. (Sehr vereinfacht - und verfälscht - wenn man voll im Leben steht).