Ein-Wurf

Mit der Hoffnung etwas anzuregen, werfe ich einen Aphorismus der deutschen Philosophie-Geschichte ein.

Achtung, hier kommt er:

Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu legen weiß, der legt wenigstens einen Sinn noch hinein: das heißt, er glaubt, dass ein Wille bereits darin sei (Prinzip des ‚Glaubens‘).

Gut, nicht?

Hallo Paul,

Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu
legen weiß, der legt wenigstens einen
Sinn noch hinein: das heißt, er glaubt,
dass ein Wille bereits darin sei (Prinzip
des ‚Glaubens‘).

Das galt vielleicht noch vor 2 Generationen. Heute heißt es ganz einfach „Alles Zufall“.

Gruß
Carlos

‚Sinn des Lebens?‘
Hallo Carlos,

dass ist ein Missverständnis. Es geht dabei nicht darum, wie z.B. ein Wirbelsturm entsteht.

Es ist eine Entgegnung gegen alle die *überhaupt* die Frage stellen: „Was ist DER SINN des Lebens?“ Und natürlich erst recht an die, die als Antwort auf diese Frage zu einem religiösen Glauben finden. (und die gibt es auch heute).

(Verstaendnis-) Fragen

Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu
legen weiß,

Erklärst Du mir bitte, was damit gemeint ist? Wenn ich meinen Willen in ein Ding lege, bedeutet das dann, daß ich dieses Ding für meine Ziele nutze?

der legt wenigstens einen

Sinn noch hinein: das heißt, er glaubt,
dass ein Wille bereits darin sei (Prinzip
des ‚Glaubens‘).

Meine Bildung läßt etwas / ziemlich / völlig zu wünschen übrig: von wem ist das?

Gut, nicht?

Eine Perle, sozusagen!

Michael

(Unvollkommene) Antworten
Hi Michael,
(wo hast Du denn gesteckt, die ganze Zeit?)

Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu
legen weiß,

Erklärst Du mir bitte, was damit gemeint
ist?

Schwierig. Wenn man’s besser sagen könnte, wär’s nicht gut gesagt (und es ist gut gesagt).

Wenn ich meinen Willen in ein Ding

lege, bedeutet das dann, daß ich dieses
Ding für meine Ziele nutze?

Ja, aber insgesamt meint sowas wie: „Wer weiß, was er will und selbstbewußt/frei/lebendig/stark/mutig genug ist, die Dinge demgemäß zu gestalten…“

Meine Bildung läßt etwas / ziemlich /
völlig zu wünschen übrig: von wem ist
das?

Sag ich nicht - aber noch’n Zitat, dann kommst Du drauf (seit es bei 2001 die ‚Werke‘ für 15 Mark gab, hab’ ich jede Menge davon):

Man denkt das Weib sei tief - warum? Weil man bei ihm nie auf den Grunde sieht. Das Weib ist noch nicht mal flach.

(Trotz der leicht misogynen Note auch nicht schlecht, gell?)

Versuch einer Übersetzung

Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu
legen weiß, der legt wenigstens einen
Sinn noch hinein: das heißt, er glaubt,
dass ein Wille bereits darin sei (Prinzip
des ‚Glaubens‘).

Gut, nicht?

Ich verstehe das so:

Wer nicht fähig/Willens/in der Lage ist, den Dingen (?) seinen Willen (seinen Egoismus, seine persönlichen Ziele) aufzuzwingen (nicht egozentrisch ist), der läßt sich den Sinn (Ziel, Willen) von den Dingen (jemand anderem) aufzwingen.

oder

Wer an etwas glaubt ist ein Schwächling.

Was soll daran gut sein?

Gruß
Thomas

Sag ich nicht - aber noch’n Zitat, dann
kommst Du drauf

Das wird dann wohl der gute Friedrich Nietzsche sein oder?

Gandalf

Exactement (oT)
o.T. wie gesagt

Hallo Thomas

Nein, ich denke nicht, dass es meint:
„Entweder ich beherrsche andere Menschen oder die beherrschen mich - und dann bin ich ein Schwächling“
Das wäre wirklich platt, dumm und hätte auch gar nichts mit ‚Glauben‘ zu tun.

Es ist aber natürlich eine Polemik gegen den Glauben und - ob letzten Endes zutreffend oder nicht(das wollte ich ja zur Diskussion stellen) - psychologisch scharfsinng (und vor allem elegant formuliert, wie ich finde).

Um das Pferd von hinten aufzuzäunen:

Es fragt: Wie komme ich überhaupt dazu zu Glauben? (an Gott, das Schicksal, den höheren Zweck der Evolution?. Glauben großgeschrieben als ‚religiöser Glauben‘.)

Antwort: Der Glauben ist der Versuch einer Antwort auf die Frage „Was ist DER SINN von allem, des Lebens…?“

Aber: Diese Frage ist eine ‚falsche/sinnlose‘ Frage. Damit ist folgendes gemeint: Man stellt diese Frage, weil man das Gefühl hat, es fehle etwas, es *müsse* noch mehr geben (das bezeichnet man dann vage als ‚Sinn‘). Aber, so Nietzsche, dieses Gefühl (dem die Frage ihren Sinn verdankt) hat man nur, wenn man „seinen Willen nicht in die Dinge zu legen weiß“. D.h. wenn man nicht mutig (frei) genug ist, seine Wünsche zu erkennen, dazu zu stehen und zu versuchen sie zu verwirklichen. (Sehr vereinfacht - und verfälscht - wenn man voll im Leben steht).

(Das ist wenigstens meine Interpretation.)