'Einbildung' von Kindern

Hallo,

vor kurzem diskutierte ich mit einer Freundin darüber, inwieweit z.B. Kinder und Jugendliche (13-18) Jahren etwas „wahrnehmen“, was nie stattgefunden hat.

Gibt es z.B. Kinder und Jugendliche, denen z.B. nie sexuelle Gewalt zugefügt wurde, die dennoch steif und fest der Ansicht sind, dem wäre so. Ich möchte jetzt nicht behaupten, sie würden lügen, sondern vielmehr, dass sie denken, es sei so passiert.

Ich glaube mich zu erinnen, über einen Fall in Amerika gelesen zu haben, in denen Kindergärtner/innen verurteilt wurden, weil den Aussagen der Kinder geglaubt wurde, was sich später jedoch als Irrtum erwies.

Ich hoffe, dass mein Anliegen verständlich in schriftliche Form gebracht wurde. :smile:

Gruß,

Pere

der fall von der zu unrecht beschuldigten kindergärtnerin oder lehrerin stammt aus dem lehrbuch. er wird dazu verwendet zu zeigen, wie stark die aussagen von kindern durch fehler in der befragung beeinflußt werden können.

werden kinder zb. mehrmals zu etwas befragt, denken sie, sie hätten bei ihrer aussage einen fehler gemacht und ändern ihre aussage.

außerdem sind sie empfänglich für suggestivfragen.

daß die og. kindergärtnerin vor gericht kam, ist allerdings nicht die schuld der kinder. aus ihnen wurden derart unsinnige beschuldigungen herausgequetscht, daß man sich fragt, wie eine klageerhebung auf diesen aussagen überhaupt zustande kommen konnte.

zb. sagte eines der kinder, es hätte den penis der frau gesehen - völlig klar, daß das kind keine ahnung hat, was ein penis ist.

dieses beispiel sagt aber nicht aus, daß grundsätzlich alle aussagen von kindern mist seien.

es zeigt nur, daß man sich bei der befragung von kindern an gewisse regeln zu halten hat und die befragung darüber hinaus dokumentieren muß, weil die art und weise der befragung wichtig sind für die einschätzung der glaubwürdigkeit des kindlichen zeugen.

übrigens gibt es nicht nur kinder, die falsch beschuldigen, sondern es gibt auch kinder, die sich ihrer mißhandlung nicht bewußt sind.

meine persönliche meinung ist, daß letzteres bei den meisten kindern der fall ist.

kinder haben die überzeugung, daß erwachsene immer das richtige machen. schließlich müssen sie sich ständig den anordnungen von erwachsenen fügen.

wenn ihnen nun jemand etwas antut, dann „wird das schon seine richtigkeit haben“. viele sehen es als bestrafung. manche täter nützen den umstand, daß kinder tagtäglich gegen irgendwelche kleine regeln verstoßen zb. etwas durch ungeschicklichkeit kaputt machen, sogar aus und behaupten, die eltern hätten den täter geschickt, um das kind zu bestrafen.

Hallo Schokolina,

der fall von der zu unrecht beschuldigten kindergärtnerin oder lehrerin stammt aus dem :lehrbuch. er wird dazu verwendet zu zeigen, wie stark die aussagen von kindern durch fehler :in der befragung beeinflußt werden können.

Es handelt sich hier um einen konkreten Fall, der sich vor einiger Zeit in Amerika zugetragen hat. Leider finde ich die Quelle nicht mehr. Ich denke, es war eine Ausgabe der Zeitschrift ?Gehirn und Geist? des Spektrum der Wissenschaft Verlages wo ich darüber gelesen habe.

Kann einem z.B. 10jährigem Kind durch Befragung suggeriert werden, er wäre ein Auserwählter und die Mutter Gottes würde ihn als Botschafter gebrauchen, um ihre Botschaften an andere Menschen zu leiten.

Gruß,

Pere

Hi Pere

Kann einem z.B. 10jährigem Kind durch Befragung suggeriert
werden, er wäre ein Auserwählter und die Mutter Gottes würde
ihn als Botschafter gebrauchen, um ihre Botschaften an andere
Menschen zu leiten.

das kann, entsprechender Druck und Dauer desselben vorausgesetzt, fast jedem eingeredet werden.
Viele ‚Geständnisse‘, selbst von Kapitalverbrechen entstehen nur, weil die Verhörten, ohne Anwendung von physischer Gewalt, gebrochen wurden.

Gandalf

Hallo Pere,

der Fall, den Du vielleicht meinst, könnte der Fall der Margaret Kelly Michaels sein, ehemalige Erzieherin an der Wee Care Day Nursery in Maplewood, New Jersey. Frau Michaels wurde des sexuellen Mißbrauchs von 19 Kindern in 115 Fällen für schuldig befunden und zu 47 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach 5 Jahren im Gefängnis wurde das Urteil aufgehoben, u.a. weil die Untersuchung der Vorwürfe nicht unparteiisch erfolgte und die Befragungen der Kinder suggestiv gewesen sein sollten.

Dieser Fall wird in den Lehrbüchern (im Comer) beschrieben und als Beispiel herangezogen, um zu zeigen, daß Kinder beeinflußbar sind und Dinge erzählen können, die niemals mit ihnen geschehen sind. Einer unserer Professoren, Günter Köhnken, der sich auf die Begutachtung von Kindern in Prozessen zu sexuellem Mißbrauch spezialisiert hat und ein Experte auf dem Gebiet ist, betont ebenfalls in seinen Veranstaltungen zum Thema den Aspekt der Suggestibilität von jungen Kindern. So sei es seiner Meinung nach (meiner Meinung nach auch, aber ich bin kein Experte für Fragen des sexuellen Mißbrauchs) kein Beweis für sexuellen Mißbrauch, wenn Kinder beim Spielen mit Puppen sexuelle Verhaltensweisen darstellten. Auch wenn Kinder über sexuelle Praktiken erzählten, sei es kein Beweis dafür, daß diese sexuellen Praktiken mit ihnen stattgefunden hätten. Natürlich kann man einen Verdacht haben, aber ein Beweis ist das alles nicht, denn Kinder können derartiges z.B. aus Videofilmen, die ihnen ältere Geschwister vorgespielt hätten, oder aus dem Fernsehen entnommen und irgendwie zusammengereimt haben. Deshalb geht Köhnken nach seinen Angaben (ich war nie dabei) solchen Aussagen von Kindern in seinen Begutachtungen detailliert nach und forscht schon seit Jahren im Bereich der Zeugenwahrnehmung und Glaubwürdigkeit.

Wer interessiert an dieser Art von Forschung ist, kann sich den Abschlußbericht zu einem Zeugenbegleitprogramm für Kinder hier herunterladen:

http://www.psychologie.uni-kiel.de/~koehnken/Rechtsp…
(348kb-PDF-Datei)

Um es vollständigkeitshalber zu erwähnen: Natürlich gibt es sexuellen Mißbrauch von Kindern und es ist keinesfalls allgemein so, daß Anklagen auf falschen Zeugenaussagen oder beeinflußten Kindern beruhen. Aber es gibt Fälle, in denen es so gewesen ist.

Gruß,

Oliver Walter

hi pere,

diese geschichten kenne ich auch, aber nicht nur kindern kann sowas suggeriert werden.
auch erwachsenen wurden mit hilfe von hypnose solche erlebnisse suggeriert. siehe den skandal mit der „gespaltenen persönlickeit“.
kinder können bis zu einem gewissen alter sowieso realität und traum nicht auseinanderhalten.

strubbel
$:open_mouth:)