Eindeutschende Artikel fachlicher Fremdwörter

Hallo, im Java-Brett habe ich vorhin irgendwo angemerkt, dass
eine „Java-Bean“ (Fachausdruck für eine spezielle
Programmkomponente in Java) ja wohl weiblich sein dürfte. Weil
daraufhin dann die folgende Bemerkung kam, hab ich mir gedacht,
kann ich da mal mit in das Brett hier…

‚Bean‘ ist ein Wort der englischen Sprache und neutrum.

Dann ist das aber auch nur _fast_ so wie bei z.B. folgenden Wörtern:

die E-Mail (-> Nachricht)
die Jeans (-> Hose)
der Scooter (-> Roller)
der Joint (-> Stängel?)
usw.

Ich denke, welchen Artikel ein englisches Wort bekommt, das hängt
immer noch stark von der Art der Eindeutschung ab, die ja von mir
aus gerne i.A. neutral sein kann.

Wenn aber eine Übersetzung existiert (z.B. von Fachwörtern), dann
verwende ich natürlicherweise den Artikel, den ich auch durch
eine deutsche Übersetzung bzw. Einordnung erzeugen könnte, und
eine „Java-Bean“ ist nunmal ganz klar und bekanntermaßen von den
weiblichen Kaffe-Bohnen schwarzen Java-Kaffees abgeleitet, also
weiblich…

Frage also: Gibt es da eine Regel, die Artikel für im Deutschen
verwendete ausländische Wörter vorschreibt? Oder ist das wirklich
von Fall zu Fall verschieden? Scheint ja wirklich eher zur
Neutralität zu tendieren…

Gruß,
Stefan :smile:

Moin,

‚Bean‘ ist ein Wort der englischen Sprache und neutrum.

Dann ist das aber auch nur _fast_ so wie bei z.B. folgenden
Wörtern:

die E-Mail (-> Nachricht)

Stimmt. Hm.

Frage also: Gibt es da eine Regel, die Artikel für im
Deutschen verwendete ausländische Wörter vorschreibt?

Für eine flexiblere Handhabung spricht auch, daß die Genusse (sic!) im Englischen logisch, im Deutschen aber unlogisch sind. Wenn ein Wort also sein englisches Genus behält, kann es nicht wirklich eingedeutscht sein.

Thorsten

Genus(s)? nie logisch!

Für eine flexiblere Handhabung spricht auch, daß die Genusse
(sic!) im Englischen logisch, im Deutschen aber unlogisch
sind. Wenn ein Wort also sein englisches Genus behält, kann es
nicht wirklich eingedeutscht sein.

Grammatische Geschlechter teilen mit wirklichen Geschlechtern die Eigenschaft, niemals logisch zu sein (weder in England noch bei uns) :wink:

nie logisch, aber manchmal …
erklärlich. Ein Beispiel:

Radio im Hochdeutschen: das Radio!

Erklärung: Radio ist die Verkürzung von das Radiogerät!

Als Süddeutscher sage ich in lockerer Umgebung immer noch:
der Radio , und halte das auch für möglich, weil wir nicht, wie die anderen, -gerät, sondern -apparat ergänzen.
Also:
der Radioapparat.

Manches ist in der Tat nicht erkärlich:

Bei Karl May heißt es der Lasso, in den Sechzigern waren bereits der und das Lasso möglich,
im neuesten Duden steht:
Lasso, das, österr. nur so, seltener der;
in der nächsten Ausgabe wird vermutlich der Zusatz „seltener“ fehlen.

Und keiner kann sagen, warum das so ist!

Gruß Fritz Ruppricht

Moin,

Grammatische Geschlechter teilen mit wirklichen Geschlechtern
die Eigenschaft, niemals logisch zu sein (weder in England
noch bei uns) :wink:

Von Logik zwischen Geschlechtern mal abgesehen: Im Englischen sind weibliche Dinge weiblich, männliche männlich und der Rest neutrum. Klingt logisch.

Thorsten

Artikel bei (ehemals) zusammengesetzten Wörtern

Radio ist die Verkürzung von das
Radiogerät

Allgemein hat die Deutsche Sprache auf Grund ihrer Möglichkeit
zur Wortverbindung die Tendenz zur Generalisierung, auch bei
Artikeln.

So heißt es z.B. der Mozarella, der Edammer,
der Gauda, …, weil mensch sich hinter alles einen
-käse denkt bzw. denken kann, was einer
Gattungsbezeichnung nahekommt.

Da bei zusammengesetzten Wörtern zum Wortende hin die
Verallgemeinerung folgt, à-là „Spezialnormalitätssache“, und da
die Wortenden im Deutschen den Artikel bestimmen, bestimmt die
allgemeine Gattingsbezeichnung oder Grobeinordnung bei solchen
Wörtern den Artikel.

Leider sind manche Sachen dabei nur noch historisch zu erklären,
so wäre ich z.B. nicht auf das Radio_gerät_ gekommen…

Außerdem sind die ursprünglichen, unterschiedlichen Artikel,
soweit ich weiß, bitte korrigiert mich, im
Indo-Europäischen aus dem phonetischen Zusammenspiel derselben
mit den Wort_anfängen_ der Substantive entstanden, was sich
aber heute wegen der starken Veränderungen der Substantive nicht
mehr wirklich bemerkbar macht. Deshalb erscheinen uns die Artikel
generell heute „unlogisch“ und nicht nachvollziehbar.

Wie gesagt, korrigiert mich, wenn ich mich irre…

Die Möglichkeit der Wortkombination (die ich persönlich für eine
wunderschöne Spielwiese in unserer Sprache halte, die in vielen
anderen Sprachen einfach fehlt oder nicht in gleichem Maße
vorhanden ist) versucht auch nur, darauf aufbauend die Artikel zu
erklären, bietet aber oftmals eine Erklärungshilfe bei oben
erwähnten (auch gerne vormals) zusammengesetzten Wörtern.

Zumindest das wird dann ein bisschen logisch :wink:

Irgendwer hatte vorher schon mal angemerkt, dass die deutsche
Sprache „logischer“ sei als z.B. die englische. Ist natürlich
absolut streitbar (ich würde das nie so verallgemeinern), aber
zumindest mit ihrer Möglichkeit zur Zusammensetzung ordnet
die deutsche Sprache die Wörter schon einmal in Gruppen. Dadurch
wirkt einfach vieles sehr geordnet. Außerdem verringert es die
Menge der Wörter, die mensch kennen muss, um sich vernünftig zu
unterhalten. Der Rest lässt sich irgendwo ableiten. Diese
Möglichkeit vermisse ich im Englischen wirklich, wo die Wortmenge
geradezu gigantisch ist, was da alles an französisch-, deutsch-
keltisch-stämmigem zusammenkommt…

Ich denke, dass diese Eigenschaft der Sprachordnung sogar
Einfluss auf unsere Kultur nimmt, aber das mag eine gewagte These
sein…

Gut, soviel dazu…
Wahrscheinlich wird mir jetzt wieder wer antworten, dass das ja
überhaupt nicht so ist und alle anderen Sprachen und Kulturen
mindestens noch viel geordneter sind, etc… Aber ich denke,
meine Argumentation dürfte zumindest ein bisschen nachvollziehbar
sein, oder?

Gruß,
Stefan :smile:

PS: Ist jemandem schon mal das Wort „Wortkombination“
aufgefallen? Ist das nicht wunderbar selbsterklärend?

Weibliche Dinge?? *lach*

Von Logik zwischen Geschlechtern mal abgesehen: Im Englischen
sind weibliche Dinge weiblich, männliche männlich und der Rest
neutrum. Klingt logisch.

Hi Thorsten,

was sind denn „weibliche Dinge“??? Alles, was rund ist und Kurven hat, oder was? *g*
Schiffe z.B? Die sind nämlich „femininum“ im Englischen…

Gruß
Uschi

Moin,

Von Logik zwischen Geschlechtern mal abgesehen: Im Englischen
sind weibliche Dinge weiblich, männliche männlich und der Rest
neutrum. Klingt logisch.

Schiffe z.B? Die sind nämlich „femininum“ im Englischen…

Schiffe sind in UK weiblich. Die Sprache folgt da nur nach.

Thorsten

Hi Thorsten,

jaja, das weiß ich ja, Thorsten

Ich hätte nur gern von dir gewusst, welche Logik dahinter steht, dass Schiffe weiblich sind…

und: was verstehst du unter „weiblichen Dingen“? Oder anders gefragt: warum werden auch in der englischen Sprache manche Dinge mit dem femininen Artikel referenziert?

ein Schiff hat ja wohl per se keine weiblichen Eigenschaften an sich…

Gruß
Uschi

Weibliche Schiffe sind ungewöhnlich?

ein Schiff hat ja wohl per se keine weiblichen Eigenschaften
an sich…

Na ja, die Schiffe haben zumindest in früheren Zeiten nur echte
Seemänner auf sich drauf gelassen… :wink:

Aber mal Spaß (und Chauvinismus, Tschuldigung) beiseite, das ist,
denke ich mal, wirklich der Grund, aus dem Schiffe weiblich sind.

Für die See_männer_, die i.A. wochen- und monatelang auf See
waren, ohne anderweitigen *ähem* gesellschaftlichen Kontakt muss
es schon eine gewisse Genugtuung dargestellt haben, dass
wenigstens das Schiff, von dem sie ja doch ziemlich abhängig
waren, etwas beruhigend mütterlich-weibliches hatte. Wird schon
einen Grund haben, warum es Glück bringt, einem Schiff einen
Frauennamen zu geben.
„Marianne“ soll da ja aus irgendeinem Grund sehr beliebt sein,
vielleicht als Anspielung auf die „Marine“ … ?

Außerdem gibt es im Deutschen auch ein paar weibliche
Bezeichnungen für Schiffe, z.B. eine Frigatte, was edles, was
sich so durchaus von dem kleinen Fischkutter absetzen
kann, wenn sie nicht zufällig gerade abgetakelt ist, soll ja
vorkommen…

Gruß,
Stefan :smile:

PS: Ein Glück, dass die Frage nicht im Emanzipationsbrett
gestellt wurde :wink:

Moin,

Ich hätte nur gern von dir gewusst, welche Logik dahinter
steht, dass Schiffe weiblich sind…

Das weiß ich auch nicht so genau. Wahrscheinlich eine männliche romantische Ader.

und: was verstehst du unter „weiblichen Dingen“? Oder anders
gefragt: warum werden auch in der englischen Sprache manche
Dinge mit dem femininen Artikel referenziert?

Weil sie weiblich sind. Mädchen sind zB. neutrum, girls sind weiblich.

Thorsten

Hallo,

tja, es ist wohl so, daß es keine generelle Regel gibt.

Wenn es eine deutsche Entsprechung zu dem Begriff gibt, wird oft dessen Artikel übertragen, und damit hat man zumindest eine Pseudso-Regel (obwohl - viele andere Regeln haben wahrscheinlich mehr Ausnahmen).

Wenn es keine direkte Entsprechung gibt, geht’s wohl mehr nach Gefühl und Nasenfaktor.

Gruß Kubi

Mal wieder Mädchen als schlechtes Beispiel :frowning:

Mädchen sind zB. neutrum, girls sind weiblich.

Schon mal gemerkt, dass Jungchen bzw. Jüngchen auch Neutrum ist?

Dass Mädchen gebräuchlicher ist als Jungchen hat doch nichts mit
dem Artikel zu tun…

Übrigens könntest du genauso gut die Junge sagen im
Ausgleich zu der Junge, sprachlich kein Problem. Ist nur
eben auch nicht gebräuchlich, weil missverständlich…

Von Nicht-Deutsch-Muttersprachlern wird das Beispiel „Mädchen“
ständig als Beispiel für die Dummheit deutscher Artikel
angeführt, nur weil es für eben diese NDMs nicht so einfach ist,
die Bedeutung des Wortes zu verstehen. Wenn ich das Wort eiskalt
und erklärungslos in der Schule vorgeknallt bekomme, dann wundere
ich mich natürlich über die chauvinistische deutsche Sprache, die
junge Frauen zum Neutrumwesen degradiert.

Erst mit ein bisschen Hintergrundwissen und Erklärung wird der
Sinn der Wortes als Ableitung von „Magd“ -> „Mägdchen“ klar.

Danach ist es dann abgeschliffen zu „Mädchen“ in den allgemeinen
Sprachgebrauch übergegangen. Dass wir heute nicht mehr die alten
Begriffe für Jungmänner und -frauen verwenden, sondern statt
dessen eben „Junge“ für junge Männer und „Mädchen“ für junge
Frauen, damit habe ich nie ein Problem gehabt. Ich kenne nämlich
die alten Bezeichnungen - sag sie aber nicht :wink:

Ich denke, der Unterschied ist vielleicht einfach dadurch
entstanden, dass Mädchen in alten Zeiten schon früh „erwachsen“
sein mussten, also sehr jung bereits „Mägdchen“ waren, wohingegen
Jungen sich eher Zeit lassen konnten und damit eben die „Jungen“
blieben… Nur so’n Gedanke…
Überlegung>

So, ich hoffe zumindest, dieses Beispiel nicht so schnell wieder
vor die Nase zu bekommen, da die einzige Aussage über die
Artikel, die es mit sich bringt, nämlich deren Konsistenz bei
Verkleinerungsformen ist. Und Konsistenz ist bei Artikeln
(übrigens in so ziemlich allen diese besitzenden Sprachen) nun
wirklich eher die Ausnahme…

Gruß,
Stefan :-/

Hi, Uschi

Ich hätte nur gern von dir gewusst, welche Logik dahinter
steht, dass Schiffe weiblich sind…
ein Schiff hat ja wohl per se keine weiblichen Eigenschaften
an sich…

Na, das weiß ich nicht, nach meinen Erfahrungen sind können Schiffe sehr kapriziös sein und der Unterhalt und die Takelage kosten das meiste Geld.

Übrigens sind Schiffe („Die Hamburg“ „Die Deutschland“ „Die Gorch Fock“) ebenfalls weiblich.

Grüße
Eckard

Moin,

Mädchen sind zB. neutrum, girls sind weiblich.

Schon mal gemerkt, dass Jungchen bzw. Jüngchen auch Neutrum
ist?

Und verschiedene andere -chens auch, das spielt aber kaum eine Rolle. Zum einen wird Mädchen nicht wie zB. Schränkchen als Verkleinerungsform gesehen, zum anderen sollte sich das Geschlecht nicht ändern, wenn etwas verkleinert wird.

Erst mit ein bisschen Hintergrundwissen und Erklärung wird der
Sinn der Wortes als Ableitung von „Magd“ -> „Mägdchen“
klar.

Die Magd, die Mägdchen wäre logisch.

Thorsten

*droh*

und: was verstehst du unter „weiblichen Dingen“? Oder anders
gefragt: warum werden auch in der englischen Sprache manche
Dinge mit dem femininen Artikel referenziert?

Weil sie weiblich sind. Mädchen sind zB. neutrum, girls sind
weiblich.

Thorsten

Lieber Thorsten,

jetzt schlepp ich dich gleich ins Emanzenbrett, wenn du hier noch einmal sagst, dass „girls“ Dinge sind *lol*

Drohende Grüße
Uschi :wink:

Moin,

und: was verstehst du unter „weiblichen Dingen“?

girls sind weiblich.

jetzt schlepp ich dich gleich ins Emanzenbrett, wenn du hier
noch einmal sagst, dass „girls“ Dinge sind *lol*

Was für eine hinterlistige Falle. Brave Feministen wie ich werden auf’s Glatteis geführt, um anschließend den Emanzinnen zum Fraße vorgeworfen zu werden.
Boah, wat brutal sind doch Frauen.

Thorsten

die Junge ./. die Alte (owT)

Schiffe sind weiblich…
Hi Uschi
Schiffe werden begehrt, umschwärmt, bewundert…
Sie kosten viel Geld, und benötigen ganz eigene, seltsame Dinge…
Man kann mit Ihnen Probleme lösen, die man ohne Sie nie gehabt hätte…
Schiffe sind SCHÖN! (Naja, meistens… *duck*)
Schiffe sind kapriziös (und strapaziös).
Selbst wenn man sie hasst, Mann ist doch traurig, wenn man sie endlich los ist.
Mann kann ohne Sie nicht richtig leben…

Reicht das zur Begründung, warum Schiffe weiblich sind?

Gruß
Mike