Eine Freundin ist magersüchtig, wie kann ich ihr helfen?

Liebe/-r Experte/-in,

eine Freundin von mir ist schon seit längerem Magersüchtig und sie verschwindet auch innerhalb von einer Stunde 6 mal oder öfter auf die Toilette und ich vermute, dass sie Bulimie hat.
In unserem Freundeskreis wissen das alle (bis auf das mit der Bulimie, das ist nur ein Verdacht von mir), sie muss auch regelmäßig zum Arzt und zum Psychologen, allerdings kann ich keinen Erfolg erkennen. Im Gegenteil, es wird eher schlimmer. Sie wirkt schlecht gelaunt und sucht dauernd Streit mit ihrem Bruder.

Ich stehe ihr nicht so nahe und weiß auch nicht was sie für eine Therapie macht oder was auch immer, ich weiß nur, dass in ihrer Familie ziemlich viel schief läuft.
Einerseits sieht sie ein, dass sie ein Problem hat aber trotzdem kommen immer Kommentare wie „Meine Beine sehen schon wieder so rund aus“ oder „Die Hose hat auch schonmal weiter gesessen“.
Sie will sich von uns auch nicht helfen lassen und ich denke, dass die sinnvollste Lösung wäre, wenn man sie in eine Klinik für Essstörungen einweisen würde.

Das Problem dabei ist, dass die Eltern das nicht einsehen und meine Freundin nicht von selbst aus sagt, dass sie das will. Meine Frage ist jetzt, was ich tun kann um ihr zu helfen? Ich stehe ihr nicht so nahe, dass ich mit ihr darüber sprechen könnte, ich habe Angst, dass ich durch eine falsche Wortwahl vielleicht nur erreiche, dass sie überhaupt nicht mehr dazu bereit ist in eine Klinik zu gehen. Kann ich was beim Jugendamt erreichen?

Danke schon mal im Vorraus
Deli

Hallo Deli,

zu allererst möchte ich betonen, dass ich keine Psychologin bin und alle Info und Tipps die ich dir mitteile allein auf meiner eigenen Erfahrung basieren. Ich war selbst magersüchtig und kann dir lediglich schildern, was mir geholfen hat.

Anfangs finde ich es am wichtigsten, dass du Verständnis dafür bekommst, wie Essgestörte denken und fühlen im Bezug zu ihrer Krankheit. Magersucht ist natürlich sehr schädlich für Körper und meistens auch für die Psyche. Die meisten Magersüchtigen wissen das. Jetzt fragst du dich vielleicht, warum hören sie dann nicht auf zu hungern. Die Antwort: Weil das Glücksgefühl lange nicht oder wenig gegessen zu haben, ziemlich groß sein kann. Bei mir war es so, dass ich das Magenknurren geliebt habe. Das kannst du dir etwa so vorstellen wie bei einem Muskelkater: Es ist zwar unangenehm, doch dadurch weiß man das man Sport betrieben hat und ist somit zufrieden mit sich selbst. Magenknurren, Hungergefühl und oft sogar Bauchschmerzen gibt den Betroffenen das Gefühl, konsequent zu sein und Macht über ihren Körper zu haben.

Was für mich damals sehr schlimm war, waren Leute die mich immer und immer wieder ermahnt haben, dass es nicht gut ist, was ich meinem Körper antue, dass ich Folgeschäden bekommen könnte, dass ich das nicht nötig habe. Solche Aussagen bringen rein gar nichts, sie schüren eher Misstrauen und Zorn. Ich hatte damals einen sehr guten Freund, dieser sagte einmal zu mir:“ Es ist schrecklich mit anzuschauen wie du dir das antust, aber ich kann dich verstehen.“ Diese Aussage war unheimlich wichtig für mich, denn er hat mir damit gezeigt, dass ich ihm wichtig bin, er sich Sorgen macht, aber auch das er Verständnis hat.

Somit komme ich auch schon zu den (leider) einzigen Dingen, die du aktiv für deine Freundin tun kannst: Zeige ihr, dass sie dir wichtig ist, dass sie bei dir Halt finden kann, dass du Verständnis für ihre Lage aufbringst, dass du sie magst egal ob mit oder ohne Essstörung, egal ob dick oder dünn. Wichtig ist dabei allerdings auch, dass sich nicht immer alles um ihre Magersucht dreht, wenn ihr zusammen etwas macht. Hilf ihr mit einem einfachen: „Ich hab dich lieb!“, einer Umarmung oder einer kurzen SMS in der du sie fragst wie es ihr geht.

Das sind alles Dinge, die sie nicht dazu bringen werden ihre Essstörung aufzugeben, aber es sind Dinge durch die sie sich gestärkt und liebenswert fühlt. Um eine Essstörung aufzugeben, muss sich im Kopf des Betroffenen selbst etwas ändern, sie müssen lernen anders mit sich selbst umzugehen UND sie müssen auch anders mit sich umgehen WOLLEN. Um deiner Freundin bei diesem Umdenken zu helfen sind Psychologen da, aber indem du ihr deine „Schulter zum Anlehnen“ hinhältst, legst du schon einen sehr entscheidenden, wichtigen Grundstein für einen „Sinneswandel“.

Ich hoffe ich konnte dir etwas weiterhelfen!

Liebe Grüße, Sarah

Hallo Deli!
Es ist gut, dass Du Deine Freundin aufmerksam beobachtest. Das solltest Du auch weiterhin tun - für sie da sein, ihr das Gefühl geben, dass Du für sie da bist. Du wirst die richtigen Worte in der jeweiligen Situation finden; verstelle Dich nicht und beschreibe ihr Deine Gedanken aber versuche nicht, sie zu bestimmten Aktionen zu drängen! Wenn sie bereits in Behandlung ist, ist das gut und sie ist hoffentlich in guten Händen.
Magersucht ist in erster Linie eine Krankheit der Seele. Deshalb verlangt es viel Gefühl und Geborgenheit des Betreffenden. Schelte, Verurteilungen, Drohungen, Aufforderungen drängen den Betreffenden nur weiter in eine Ecke, in die er sich vor anderen Menschen verschliesst.
Wie gesagt, sei für Deine Freundin da! Geborgenheit und ehrliche Liebe hilft einem Menschen immer, den nächsten Schritt zu gehen, der ihm gut tut.
Alles Gute für Dich und Deine Freundin

Daniela Lehmann

Hallo Sarah,

vielen Dank für die Antwort, das sind alles hilfreiche Tips und ich versuche mein bestes um ihr zu helfen

Liebe Grüße zurück, Deli

Hallo Daniela,

erstmal vielen Dank für die Antwort und die Tips, das bringt mich auf jeden Fall schonmal weiter.

Nur was die Behandlung angeht, ich vermute, dass die nicht wirklich was bringt. Ich weiß, dass Erfolge bei sowas nicht von jetzt auf gleich sichtbar werden aber ich habe das Gefühl dass sich nichts bessern wird, wenn sie weiter in ihrem jetzigen Umfeld (sprich: bei ihren Eltern) bleibt. Ich denke dass es sinnvoll für sie wäre in eine Klinik zu gehen, sonst wird sie denke ich nie von der Magersucht loskommen.
Was das angeht stellen sich ihre Eltern aber quer, die wollen von sowas nichts wissen und ich weiß einfach nicht, wie man meine Freundin dazu bringen könnte von sich aus zu sagen dass sie das gerne möchte, bzw. ihre Eltern umzustimmen. Wüsstest du, was ich da machen kann? Ich bin nicht ihre beste Freundin, diese hat schon mit den Eltern über das Thema Klinik gesprochen aber konnte nichts erreichen. Kann das Jugendamt da was machen?

Liebe Grüße, Deli

Hallo Deli,

man Essgestörte nicht zwingen eine Klinik zu besuchen, ebenso wenig kann man sie zwingen eine Therapie zu besuchen. Der Antrieb dazu muss von ihnen selber kommen. Denn sonst bringt die ganze Therapie nichts.
So hart das jetzt klingt. Und es sich nicht das, was du erwartet hast. Aber mit Zwang erreicht man in diesem Fall nichts.
Wenn deine Freundin oder Bekannte von sich aus in eine Klinik möchte, dann kannst du sie unterstützen, in dem du mit ihr zu Beratungsstellen gehst und ihr euch über verschiedenen Kliniken informiert.

Essgestörte sind mit sich selbst nicht zufrieden, nicht im reinen. Und wenn dann von Außen kommt, dass man in eine Klinik soll (auch wenn es manchmal die bessere Hilfe ist) kann es der Essgestörte wie ein Abschieben interpretieren. Die Probleme die man hat, werden anderen zuviel, also wird man abgeschoben, damit sich die anderen nicht mehr damit befassen müssen. Verstehst du, was ich meine? Es ist eine Gradwanderung.

Am besten ist es, das offene Gespräch zu suchen und Hilfe anzubieten. Vielleicht braucht deine Freunin auch noch, um auf die Hilfe zurück zu kommen. Dann lass ihr die Zeit.
Essstörungen sind sehr komplex. Sie kann viele Ursachen haben und diesen gilt es auf den Grund zu kommen und sie gemeinsam zu verarbeiten und bearbeiten. Dazu sind Therapeuten da. Als Freundin kann man nur da sein, wenn man gebraucht wird. Aber das ist meist sehr viel mehr, als man meint.

Alles Gute und ich hoffe, ich konnte etwas helfen.
Falls weitere Fragen da sind, keine Hemmungen.

Viele Grüße,
Yvonne

hallo, entschuldige, wenn ich nicht geantwortrt habe, ich habe keinen eigenen pc.
gruß
melanie