Hallo,
vielleicht mal eine etwas andere Antwort: Was man im Umfeld auf jeden Fall tun kann ist - wenn man denn insoweit einbezogen wird - jegliche geeignete Maßnahmen zu befördern, die das Opfer in Erwägung zieht. Dazu gehört insbesondere auch im Umfeld sehr deutlich zu reagieren, wenn da Stimmen laut werden, dass das ohnehin alles nichts bringen würde, und eine Opferrolle zementiert werden soll, wie es gerade bei solchen Delikten gerne passiert. Denn das endet dann oft in selbsterfüllenden Prophezeiungen, dass Opfer Therapieangebote nicht nutzen, und dann tatsächlich zum ewigen Opfer werden, auf diese Opferrolle von anderen und schließlich auch durch sich selbst reduziert werden, statt so ein Geschehen so zu verarbeiten wie es durchaus möglich ist, und dann eine solche Tat als Teil der eigenen Lebensgeschichte ansehen zu können, der aber gerade nicht alles andere was es vorher und nachher auch an positiven Dingen im Leben gibt, vollkommen in den Schatten stellt.
Studien über die Möglichkeiten, Chancen und Erfolge in der Therapie von Gewaltopfern sind leider in der Vergangenheit oft von „institutionalisierten Opferschützern“ angegangen worden, die das „ewige Opfer“ zum Selbstzweck erklärt haben, und die sich regelrecht in ihrem Selbstbild und Bestand bedroht sehen, und daher boshaft gerne eine angebliche „Verharmlosung“ und „erneute Viktimisierung der Opfer“ behaupten, wenn wissenschaftlich die Erfolge geeigneter Maßnahmen belegt werden, die Opfern relativ schnell und gut aus so einer Situation heraus helfen. Natürlich können entsprechende Maßnahmen das Geschehene nicht ungeschehen machen, und wollen dies ganz sicher auch nicht verharmlosen oder nicht ernst nehmen, aber sie können eben wieder ein Leben ermöglichen, das lebenswert ist.
Daher sollte man durchaus auch eine gewisse Skepsis gegenüber Opferschützern haben, wenn diese von Therapien abraten, deren Möglichkeiten und Erfolge in Zweifel ziehen, und umgekehrt den möglichen eigenen Einfluss nutzen, dass im Umfeld ein Klima geschaffen wird, in dem zur Wahrnehmung geeigneter Angebote geraten wird, und die Hoffnung und Erwartung in Bezug auf deren Erfolg positiv ist. Denn dann können entsprechende Maßnahmen auch viel besser fruchten, als wenn diese Rückenstärkung aus dem Umfeld fehlt. Und dazu gehört insbesondere auch, Betroffene weiterhin ganz normal Teil des gemeinsamen Lebens zu sein. Sie weiterhin ganz normal mit einzuladen, mit ihnen lustige Dinge zu tun, … soweit die Betroffenen sich in der Lage sehen, wieder auf dieser Ebene einzusteigen. Was aber leider oft passiert ist, dass Betroffene auch da auf ihre Opferrolle reduziert werden, es nur das „Angebot zum Gespräch“ über die Tat und die Folgen gibt, aber aus falsch verstandener Rücksichtnahme zu einer Ausgrenzung von allen übrigen Aktivitäten kommt, die Dritte von sich aus als „nicht mehr passend“ ansehen.
Gruß vom Wiz