Eine Jugend nachvollziehen

Vielleicht kann mir jemand auf den richtigen Weg helfen.

Mein Vater ist nun 14 Jahre tot. Ich bin jetzt pensioniert mit Zeit.

Er und ich waren im ganzen Spaetachtundsechziger Trubel gehindert, ueber die Vergangenheit zu sprechen. Ich wollte nicht zuhoeren, er nicht reden. Jetzt moechte ich seine Jugend besser verstehen.

Als Jahrgang 21 durchlebte er „the full monty“: vom Arbeitsdienst ueber Leningrad, Kreta und Monte Cassino bis Partisanenbekaempfung in Jugoslawien. Er brachte es bis zum „Volksoffizier“. Anschliessend als „Bonus“ 3 Jahre Minenraeumen am Suezkanal im Auftrag der Briten aber mit „Lageruniversitaet“.

Ich wuerde seinen Weg gern nachvollziehen und auch herausfinden, ob er in sich Jugoslawien an Scheusslichkeiten zu beteiligen hatte. Manchmal schien er das sagen zu wollen…

Ob mir jemand sagen kann, wie ich das anstelle? Sein Soldbuch habe ich noch, viel mehr nicht. Nur ein zerfleddertes Tagebuch, nicht unaehnlich dem „Zeltbuch von Tumilad“.

Vielen Dank schon jetzt fuer Hinweise

Guten Abend!

Ich wollte nicht zuhoeren, er nicht reden. Jetzt moechte ich seine
Jugend besser verstehen.

Mein Vater nannte es: „Immer daran denken, niemals drüber sprechen!“

Ich wuerde seinen Weg gern nachvollziehen

Ab 1934 in die HJ, von 1929-1937 Volksschule, 1937-1939 Reicharbeitsdienst, ab 1939 Rekrut (Exerzieren, Waffendrill, Gefechtsausbildung, Ausbildung als Fallschirmjäger und Sprungdienst), Vormarsch durch das besetzte Polen für „Unternehmen Barbarossa“. Vermutlich gehörte er einem Fallschirmjäger-Bataillon an und wurde danach entsprechend beweglich an verschiedenen Fronten eingesetzt. Irgendwann Kriegsgefangenschaft bei den Briten. Dazwischen Fronturlaube und Eheschliessungen. Angaben ohne Gewähr.

und auch herausfinden, ob er in sich Jugoslawien an Scheusslichkeiten
zu beteiligen hatte. Manchmal schien er das sagen zu wollen…

Als Pädagoge würde ich immer erstmal positiv „verstehen wollen“. An dieser Stelle bevorzuge ich eine anthropologische Sichtweise bezüglich Konflikten und Krieg in der Menschheitsgeschichte. Egal, welches historische Werk aufgeschlagen wird, immer gab es Kriege. Dem steht dann das Individuum gegenüber und wird von allen angeklagt: Wieso hast du auf Stalins Befehl gehört und Menschen getötet, wieso als Vietcong gekämpft, warum japanische Schiffe versenkt und deren Inseln angegriffen, wieso Atombomben entwickelt, die dann auf Hiroshima und Nagasaki fielen. So könnte ein 1000seitiges Buch mit der Aufzählung blutiger Konflikte geschrieben werden. Jede Wohnung, jedes Haus basieren auf Gewaltanwendung bei Nichtbeachtung des Hausrechtes. Aus dieser Sichtweise heraus sollte die Frage nach Schuld sehr sorgfältig geprüft werden.

Ob mir jemand sagen kann, wie ich das anstelle? Sein Soldbuch
habe ich noch, viel mehr nicht.

Es gibt Vereine und Verbände, in denen Wissen zu solchen Lebensläufen tradiert wird. - Nur, ob du wirklich verstehen willst?

MfG Gerhard Kemme

Partisanenkrieg (Re: Eine Jugend nachvollziehen)
Hallo oilygolf,

Partisanenbekaempfung in Jugoslawien.

Welche Einheit?

Ich wuerde … auch
herausfinden, ob er in sich
Jugoslawien an Scheusslichkeiten
zu beteiligen hatte.

Meine Abschätzung: Als junger Kerl
erlebt man unter der Rubrik
„Scheusslichkeiten“ z.B. wenn
dem besten Kameraden nach einem
Handgranatenangriff die Därme
heraushängen und er dann stirbt.

Alles andere wird nicht unter
„Scheusslichkleiten“ abgebucht.
Das lässt die Psyche nicht zu.

Wenn er nicht gerade z.B. bei der
16. SSD „Reichsführer SS“ gedient
hat, stehen die Chancen nicht
schlecht, dass er dort lediglich
„nachvollziehbar“ handeln musste.

Kannst Du mehr schreiben?

Grüße

CMБ

Herzlichen Dank,

nein SS war er nicht - allerdings galten fuer die Briten die Fallschirmjaeger als was ganz aehnliches: weil Freiwillige und Elite. Aber kannst Du weiterhelfen? Leider kann ich Deine Visitenkarte nicht entziffern…

Lieber Gerhard,

magst Du verraten, wo man weiterkommt, wenn man verstehen will, bitte?
Danke fuer Deine Antwort.

Gruss

Hallo oilygolf,

nein SS war er nicht - allerdings galten fuer die Briten die
Fallschirmjaeger als was ganz aehnliches: weil Freiwillige und
Elite. Aber kannst Du weiterhelfen?

OK, da sind wir schon mal weiter. Er war also in
einem Fallschirmjägerregiment, welches auch über
Kreta sprang. War es dieses?
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/Fal…

Das müsste im Soldbuch bei „1941“ drinstehen (?).

Was „Eliteeinheiten“ der SS und Wehrmacht betrifft,
so ist es wohl wahr, dass diese Einheiten von ihren
alten amerikanischen und britischen Gegnern bis
heute gelobt und auch geehrt werden (im grossen
und ganzen) …

Man übernahm z.B. von der Waffen-SS die Idee, ganze
Truppenteile (heute z.B. USMC) einer „commando“-Aus-
bildung zu unterwerfen und selbstständig handlungs-
fähige gutausgebildete kleine Trupps mit enormer
Waffenwirkung dort zum Grundprinzip zu machen.

Wie gesagt, wenn Du konkrete Zuordnungen von
„Einheit zu Jahr“ und „Einsatzort zu Jahr“
(möglichst präzise) finden kannst, lässt
sich sehr viel mehr sagen.

Grüße

CMБ

Hallo,

also Fallschirmjäger scheint er angesehen der Einsatzorte zumindest gewesen zu sein.
Wenn er bei Leningrad dabei war lässt das zunächst mal auf die 7. Fliegerdivision schliessen.

Die 1. Fallschirmjägereinheit an der Ostfront war das III. Btl. des Luftlande-Sturmregiments (Brückenkopf Petruschino) bis im September dann die meisten Einheiten der 7. FD folgten. Diese hatte nach 2 Monaten Kampf ca. 3000 Gefallene zu beklagen. Mehr also als auf Kreta.
Afrika war er augenscheinlich nicht und gehörte somit schonmal nicht zur Brigade Ramcke.
Ich würde sagen das er zur 1. Fallschirmjägerdivision gehörte, die ab Februar 1943 in Frankreich aufgestellt wurde. Diese kämpfte dann auf dem Monte Cassino. Die Division bestand aus den Regimentern 1, 3 und 4 + Divisionseinheiten. Ich würde sagen das Du Dich erstmal reinliesst udn wenn Fragen auftauchen einfach melden. ich kenne mich da ganz gut aus, denn mein Grossvater war von Anfang an mit dabei und ich habe seinen Weg ebenfalls recherchiert und noch seinen besten Kumpel finden können.

Grüsse Robert

Hallo Peter!

Vielleicht hilft Dir das hier weiter:

http://www.dd-wast.de/

Dort kannst Du Dich über vielleicht vorhandene Unterlagen erkundigen. (Einberufung, Truppenteil, Einsatz der Einheit, Auszeichnungen, evtl. Verwundungen usw.) Wenn Du dort die genaue Truppenzugehörigkeit Deines Vaters erfahren hast, kannst Du in entsprechender Literatur sicher einiges nachlesen. Mit etwas Glück gibt es auch heute noch einige Überlebende dieser Einheit die sich, wie im Falle meines Großvaters, jährlich zu einem Kameradschaftstreffen versammeln. Dort könntest Du dann vielleicht noch einige Geheimnisse in Erfahrung bringen. Könnte ja sein, dass dort noch jemand Deinen Vater kennt.

Wünsch Dir viel Glück und hoffe, im Erfolgsfall wieder von Dir zu hören.

Besten Gruß Steffen

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Lieber Robert,

herzlichen Dank fuer den Einstieg. ich habe natuerlich auch die Auskunftstelle angemorst da ich sin Soldbuch nicht mehr finden kann. Aber das dauert wohl knapp ein Jahr, bis man von dort etwas hoert.

Der von Dir beschriebene Weg ist plausibel, zumal auch Frankreich zu seinen Stationen gehoerte. Da ich die enge Bindung an Trettner erinnere (ich meine, er waere Adjudant gewesen - aber war er als Volksoffizier Leutnant dazu nicht eine Nummer zu klein?), kaeme wohl auch die 4. fallschrimjaegerdivision in Frage? Dazu habe ich in einem „antifaschistischen“ Forum folgendes gefunden:

„Nach der Landung der alliierten Truppen in Italien befehligte Trettner dort die 4.Fallschirmjägerdivision. Bei ihrem Rückzug hinterließ seine Truppe eine tote Zone zerstörter Dörfer und Städte, darunter Frosinone, Itri, Fondi, Velletri, Gaeta, Tivoli, Capua und Littoria. „Die Fallschirmjäger haben einen noch schlimmeren Ruf als die SS. Sie betragen sich in der Tat wie Menschen, die drauf und dran sind, das Feld zu räumen und nun soviel Beute wie möglich mitgehen lassen wollen, eine große Spur von Zerstörung und Trauer hinterlassend“, notierte der Florentiner Rechtsanwalt Gastano Casoni am 22.Juli 1944 in sein Tagebuch. Unter dem Oberbefehl Trettners kam es in Florenz zu umfangreichen Sprengvorbereitungen und Zerstörungsmaßnahmen. Zahlreiche Brücken und weltberühmte Bauwerke wurden gesprengt und Artillerie der 4.Fallschirmjägerdivison schoß von den Höhen im Norden auf die Stadt. In der Kleinstadt Fiesole ließ Trettner 500 der 2000 Einwohner zu Schanzarbeiten in der „Gotenlinie“ zusammentreiben. Viele von ihnen wurden dabei ermordet. Drei Carabinieri, die nicht zu Repressalien gegen die eigene Bevölkerung herangezogen werden wollten, wurden auf Befehl des Divisionsstabes Trettners erschossen“

Unabhaengig davon interssiert mich besonders, wie es nach Cassino weitergegangen ist und wann und wo die Jungs kapituliert haben. Er ist dann in englischer Gefangenschaft bei Tobruk und Benghasi gewesen und hat sich Entlassungspunkte als Platoonfuehrer beim Minenraeumen verdient, ehe es 48 in die Heimat ging. Auch diese Zeit interessiert mich sehr. Die Lagernummern etc habe ich. Weisst Du - oder sonst ein Leser - wo man ueber die Gefangenschafszeit mehr erfaehrt? Gibt es dazu Foren?

Vielen Dank und viele Gruesse

Hallo,

also Trettner gehörte von Anfang an zur Fallschirmjägertruppe… und war im Stab der 7. Fliegerdivison, später XI. Fliegerkorps. Trettner ist vielen Fallschirmjägern der 1. Stunde ein Begriff. Zur Aufstellung der 4. FjD wurden auch teile der 1. FjD. verwendet… also kann er durchaus so zu Trettner gekommen sein. Trettner lebt übrigens noch… als letzter General der ehem. Wehrmacht. Hatte ihn auch angeschrieben… er antwortet schnell aber die Erinnerung ist halt aufgrund der langen Zeit schwach und wenn er sich erinnert dann bestenfalls nur an Offiziere aus seiner Umgebung.
Übrigens… Leutnante als Adjutanten waren/sind nicht selten. Kannst Du mir nicht aml den genauen Namen senden wenn er Offizier war? Viell. taucht er in einer Stellenbesetzung auf.

Zu dem Artikel…wenn es eine Truppengattung der Wehrmacht gab die sauber durch den Krieg kam… so sind das ganz gewiss die Fallschirmjäger…Selbst Amerikaner, Briten, Neuseeländer, Südafrikaner usw. sprechen voller Respekt und Anerkennung von diesen Männern…bis heute. Ich denke mehr muss ich dazu nicht sagen.

Grüsse Robert

PS. Wende Dich ruhig mal an den Fallschirmjägerbund

Schau mal unter „vermißten forum“ nach. Da tauschen viele Fachkundige wertvolle Informationen aus.
Gruß von Hanne