Eine Sprache pflegen

Hi Petra,

Und- um den Bogen wieder zum Englischen zu schlagen: wie viele
schreiben z.B. heutzutage in Briefen, Mails usw. ‚I wanna be‘
‚I gotta be‘ und dergleichen mehr?
Auch wenn es im Englischen/Amerikanischen meistens so
ausgesprochen wird, gehört es sich im Prinzip immer noch
nicht, so zu schreiben.

Warum nicht? Mark Twain hat ein Werk der Weltliteratur geschrieben
(das uebrigens in vielen amerikanischen Schulen nicht erlaubt ist),
wo er genauso geschrieben hat, wie das Volk (damals) sprach.
Es heisst „Huckleberry Finn“.

Nicht wenn man eine Sprache und
bestimmte Umgangsformen beherrscht.

Was hat Sprache mit Umgangsformen zu tun (mal von Schimpfwoertern
und Beleidigungen abgesehen)?

Aber irgendwann wird das
kaum jemand noch wissen,( ich denke da auch an PISA)

Was hat PISA damit zu tun? WEisst du, was bei PISA untersucht wurde/wird,
oder benutzt du es nur als Schlagwort. Dazu gibt es uebrigens einige
gute Artikel im Archiv, die das darlegen.

Im Englischen ging irgendwann das ‚thou‘ verloren und man sagte nur
noch ‚you‘. Das geschah automatisch, weil Sprache etwas Lebendiges ist
und von Sprechen kommt, wie unser Föxlein sehr clever bemerkte. Man
brauchte keine Reform dazu und keine Regeln. Trotzdem war Englisch
nicht dem Untergang geweiht. Genauso wenig wie es heute daran kaputtgehen
wird, dass Englisch als Weltsprache von sehr vielen Gruppen genutzt, benutzt,
abgenutzt und veraendert wird.

Dass viele Amerikaner (z.B.) nicht mehr ‚whom‘ fragen, sondern eben:
Who did you write to? (statt „To whom did you write?“) mag nicht schoen sein
und von manchen (vielen?) bedauert werden, aber wenn es die Mehrheit der
Amerikaner so benutzt, ist es per se richtiges, amerikanisches Englisch.

Gruesse
Elke

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Aber eigentlich ging es im Ur-Thema doch um „Sprache
pflegen“, das heißt, den richtigen Satzbau verwenden,
möglichst keinen Slang einbauen etc.

regeln sind das wichtigste? das ist sowas von „typisch deutsch“, entschuldige mal :smile:

eine sprache gut zu sprechen bedeutet, daß man so spricht wie ihre träger, also ohne als fremder oder seltsam klingend aufzufallen. je besser du die muttersprachler imitierst, desto besser kannst du die sprache! punkt. falscher satzbau und slang sind nichts böses, da ja die regeln irgendeiner akademie gebrochen werden, sondern im gegenteil: das ist sprache in ihrer UR-FORM!

  • ich glaube zu meinen, dass es aus diesem Grund auch
    Sprachpfleger gibt.

sie sind überflüssige oft staatlich geförderte gruppen von sonst arbeitslosen forschern, meistens getrieben von einem seltsamen sprachnationalismus. deutschland hat sowas, frankreich natürlich auch, und auch israel. sie schreiben zb. vor, daß man statt telefon fernsprecher zu sagen hat - ROFL (zum lachen).

Diejenigen, die verhindern wollen, dass
z.B. auch unsere deutsche Sprache allzu sehr *verschludert*.

sprache ist lebendig! wenn du ein reine edle sprache lernen willst, empfehle ich ausgestorbene sprachen wie LINEAR B.

Ich habe nichts gegen Umgangssprache, ich nutze die selber,
aber wenn mir zum Beispiel einer daher kommt und solche Sachen
sagt wie : *Gibste mich mal das Buch* (solcherlei Sachen sind
in Sachsen-Anhalt sehr verbreitet, wo ich ürspünglich her
komme), dann wird mir schlecht.

wenn du es hörst oder liest?? du mußt schon schrift- und gesprochene alltagssprache unterscheiden!

Und- um den Bogen wieder zum Englischen zu schlagen: wie viele
schreiben z.B. heutzutage in Briefen, Mails usw. ‚I wanna be‘
‚I gotta be‘ und dergleichen mehr?

weil sie die gesprochene sprache imitieren wollen, was in einem informellen (!!!) brief nähe zum adressat herstellt. die schriftliche internetkommunikation hat dieses phänomen besonders verstärkt.

wenn es
denn nicht die Sprachpflege® gäbe :stuck_out_tongue_winking_eye:

man sieht, du hast die informelle sprache bereits übernommen, oder gilt „semikolon bindestrich großes P“ nicht als`grober satzfehler?

gruß
dataf0x

Hallo dataf0x!

Aber eigentlich ging es im Ur-Thema doch um „Sprache
pflegen“, das heißt, den richtigen Satzbau verwenden,
möglichst keinen Slang einbauen etc.

regeln sind das wichtigste? das ist sowas von „typisch
deutsch“, entschuldige mal :smile:

Nicht nur. Ich habe auch von Englisch-Muttersprachlern mehr als genug dieser Diskussionen gelesen. Zur Zeit lese ich das Buch „The Tower of Babel“ von John McWorther. Geschrieben von einem Amerikaner für Amerikaner. Darin geht es genau um solche Themen (besser gesagt um die Entwicklung der Sprache(n) allgemein, wirklich lesenswert!) und er räumt damit mit der Meinung des Durchschnittsamerikaners auf, dass eine Sprache dann richtig verwendet wird, wenn man sich an die Regeln hält, je weiter man davon abweicht (es geht wohlgemerkt um Muttersprachler), desto falscher sei es usw. Also genau das gleiche. In französischen Foren habe ich auch schon mehr als genug Leute gesehen, die sich über (bewusst) „falsche“ Rechtschreibung, „schlechte“ Grammatik usw. aufgeregt haben.

wenn du es hörst oder liest?? du mußt schon schrift- und
gesprochene alltagssprache unterscheiden!

Was aber, wenn eine deskriptive statt einer präskriptiven Einstellung vertreten wird, auch selten gemacht wird.

MfG
Car

wenn du es hörst oder liest?? du mußt schon schrift- und
gesprochene alltagssprache unterscheiden!

Was aber, wenn eine deskriptive statt einer präskriptiven
Einstellung vertreten wird, auch selten gemacht wird.

hi,

bei der schriftsprache (das inkludiert auch die gesprochene kunstsprache der nachrichtensprecher) ergibt es durchaus einen sinn, präskriptiv zu denken. eine einheitliche sprache im ganzen land hat da nur vorteile, grade dann, wenn es viele dialekte und akzente gibt. ein mensch mit durchschnittlicher bildung lernt diese form der spache üblicherweise in der schule - im zuge der alphabetisierung. analog dazu gibt es bei zweit- und drittsprachen eben sprachkurse.

das hat aber überhaupt nichts mit der gesprochenen alltagssprache zu tun, bei der das als richtig gilt, das als normal empfunden wird. zurück zum englisch: für die weitaus meisten fälle, in denen man mit englisch konfrontiert wird (ausgenommen profis wie übersetzer und lehrer UND menschen, die in einem englischsprachigen land leben) ist es wichtiger, locker klingende alltagssprache zu beherrschen als die regeln der schriftsprache perfekt rauf und runter aufsagen zu können.

das ist jedenfalls meine meinung.

gruß
dataf0x

Hallo!

wenn du es hörst oder liest?? du mußt schon schrift- und
gesprochene alltagssprache unterscheiden!

Was aber, wenn eine deskriptive statt einer präskriptiven
Einstellung vertreten wird, auch selten gemacht wird.

bei der schriftsprache (das inkludiert auch die gesprochene
kunstsprache der nachrichtensprecher) ergibt es durchaus einen
sinn, präskriptiv zu denken. eine einheitliche sprache im
ganzen land hat da nur vorteile, grade dann, wenn es viele
dialekte und akzente gibt. ein mensch mit durchschnittlicher
bildung lernt diese form der spache üblicherweise in der
schule - im zuge der alphabetisierung. analog dazu gibt es bei
zweit- und drittsprachen eben sprachkurse.

Genauso sehe ich es ja auch, meine Kritik war, dass bei der Kritik einer präskriptiven Einstellung oft gar nicht groß zwischen Schriftsprache und gesprochener Sprache unterschieden wird. Konkrete Beispiele beziehen sich zwar in der Regel auf die gesprochene Sprache, aber bewusst davon abgetrennt wird die Schriftsprache oft nicht.

zurück zum englisch: für die weitaus
meisten fälle, in denen man mit englisch konfrontiert wird
(ausgenommen profis wie übersetzer und lehrer UND menschen,
die in einem englischsprachigen land leben) ist es wichtiger,
locker klingende alltagssprache zu beherrschen als die regeln
der schriftsprache perfekt rauf und runter aufsagen zu können.

Das kommt darauf an, wofür man Englisch verwendet. Wenn man z.B. hauptsächlich Fachtexte schreibt, sieht es schon wieder anders aus. Wenn es nur um Kommunikation geht, hast du natürlich Recht. Am allerwichtigsten ist, dass man sich verständigen kann, gefolgt davon, dass man möglichst natürlich klingt. Idealerweise müsste man, wie in seiner Muttersprache auch, mehrere Sprachebenen beherrschen.

MfG
Car