Eine Stelle in einem Sonett von Rilke erklären

Rainer Maria Rilke, Die Sonette an Orpheus, I, 12

Heil dem Geist, der uns verbinden mag;
denn wir leben wahrhaft in Figuren.
Und mit kleinen Schritten gehn die Uhren
neben unserm eigentlichen Tag.

Ohne unsern wahren Platz zu kennen,
handeln wir aus wirklichem Bezug.
Die Antennen fühlen die Antennen,
und die leere Ferne trug …

Reine Spannung. O Musik der Kräfte!
> Ist nicht durch die läßlichen Geschäfte
> jede Störung von dir abgelenkt?

Selbst wenn sich der Bauer sorgt und handelt,
wo die Saat in Sommer sich verwandelt,
reicht er niemals hin. Die Erde schenkt.

den Satz kann ich leider nicht begreifen:
" > Ist nicht durch die läßlichen Geschäfte
> jede Störung von dir abgelenkt?"

wie kann man es mit anderen Worten umschreiben?

Man könnte die beiden Zeilen so umschreiben:

O du reine Harmonie, du lebendige Kraft, die alles miteinander verbindet! Halten uns unsere alltäglichen Beschäftigungen nicht davon ab, dich zu stören – oder lenken sie alles Störende von dir weg?

Noch etwas freier und verständlicher:

Wenn wir unseren alltäglichen Aufgaben nachgehen, bleibt dann die tiefe Harmonie des Lebens unberührt von all dem, was sie stören könnte?

Oder ganz einfach:

Schützen die gewöhnlichen Dinge, mit denen wir uns beschäftigen, die tiefe Ordnung und Harmonie des Lebens davor, gestört zu werden?

Viel Spaß.