Hallo,
Du überschätzt das Abstraktionsvermögen von Schülern gewaltig.
Naja, wenn der R³ mit dem euklidischen Skalarprodukt doch vertraut ist, ist der R4 mit dem Minkowski-Skalarprodukt doch auch nicht mehr weit.
Also, ich weiß noch aus meiner Schulzeit, dass dort viel Zeit für umständliche Herleitungen verschwendet wurde, die dann paradoxerweise bei der Einführung von Methoden gefehlt hat, mit denen die eleganteren Herleitungen möglich wären.
Bestes Beispiel: Lösung der Gleichung für den angetriebenen Oszillator.
Schule: Sinus- und Cosinusfunktionen, Koeffizientenvergleich, Additionstheoreme -> 2 Seiten
Uni: komplexe Zahlen -> 3 Zeilen
In Schulbüchern läuft die Herleitung in etwa so: Man
vergleicht die Wirkung eines Stoßes von zwei Bezugssystemen
aus.
Wenn das mal nicht der Metzler ist…
Da die Geschwindigkeiten relativ sind, die Wirkungen
jedoch invariant, müssen (wegen Impulserhaltung) die Massen
ebenfalls relativ sein.
Dieser Schluss ist etwas voreilig, aus dem Experiment folgt zunächst nur dass der klassische Impuls p = mv durch den relativistischen p = γmv ersetzt werden muss. Dass das γ der Masse zugeschlagen werden muss, folgt daraus nicht. Und wäre sowohl aus formalen Gründen (Masse ist ein Lorentzskalar) als auch aus didaktischen Gründen
(wieso gilt nicht Ekin=1/2m(v)v² ?) ein Fehler.
Ich weiß natürlich, dass die relativistische Masse als Begriff
vermieden werden sollte. Deswegen bin ich auch auf der Suche
nach einer Herleitung mit elementaren Mitteln, die ohne die
Krücke der relativistischen Masse auskommt.
Ok, man könnte es auch so machen:
Die Energie, die ein Körper der Masse m bei Einwirkung einer Kraft F längs eines Weges aufnimmt, ist:
ΔW = ∫ds F
= ∫ds dp/dt
= m ∫ds d(γv)/dt
= m ∫ds (γdv/dt + vdγ/dt)
= m ∫ds (γdv/dt + (v²/c²)γ³dv/dt)
= m ∫dv (γv + (v³/c²)γ³)
= m ∫dv vγ³
= mc²γ - mc²
Und man interpretiert folglich:
E = mγc² als Gesamtenergie
E0 = mc² als Ruheenergie.
Ist zwar nicht so elegant, erfüllt aber deine sonstigen Anforderungen.
Gruß
Oliver