Einfamilienhaus jetzt oder später zu verkaufen?

Hallo zusammen,

wir stehen vor der Entscheidung, unser Elternhaus jetzt oder später zu verkaufen. Ich verfolge Immobilienpreise nicht und ahne bestenfalls, dass der Erlös momentan geringer als zu „normalen“ Zeiten sein könnte, aber ich habe keine Ahnung, in welchem Maß.

Wir stehen nicht unter Verkaufsdruck, aber natürlich verursacht ein ungenutztes Haus Unterhaltskosten. Vielleicht kann man davon ausgehen, dass solche Unterhaltskosten zurzeit deutlich unter einem wahrscheinlichen (oder nicht?) Wertzuwachs liegen, vielleicht liegen sie deutlich darüber, vielleicht hängt es von nähren Umständen ab (EFH, ca. 80m², gute Lage, 1000m², nähe Großstadt, 55 Jahre alt und stark renovierungs- oder sogar abrissbedürftig).

Wie würde ein „Fachmann“ in einer solchen Situation entscheiden?

Danke für hilfreiche Antworten,

der Nagezahn

vielleicht hängt es von nähren Umständen ab (EFH, ca. 80m²,
gute Lage, 1000m², nähe Großstadt, 55 Jahre alt und stark
renovierungs- oder sogar abrissbedürftig).

Ich bin kein Fachmann aber habe mich in den letzten 9 Monaten instensivst mit dem Thema beschäftigt (als Käufer). Freistehende EFH haben tatsächlich auch in Zeiten der Krise am wenigsten Federn gelassen, sind aber natürlich auch gerade von Nachfragetief betroffen.

Ich würde Euch empfehlen einen aktiven Makler mit einem großen Portfolio und entsprechender Reichweite mit dem Verkauf zu beauftragen. Der wird Euch auch die Marktlage an Eurem Ort zuverlässiger schildern können.

Aus der Ferne kann man nur Allgemeinplätze abgeben: Tendentiell ist Leerstand schlecht für ein Haus (drohender Vandalismus, Verfall) aber die Marktlage kann eigentlich nur besser werden. Wenn die Substanz nichts mehr wert sein sollte bzw. nur noch als Abrisswert den Gesamtwert belastet, könnte Abwarten eine Option sein, denn dann kann da nichts mehr verkommen. Bei einem 55 Jahre alten Haus würde es mich allerdings wundern, wenn es tatsächlich so schlimm stünde. :smile:

Stellt es doch zum Wunschpreis rein und wartet. 1-2 Jahre solltet ihr für den Verkauf ohnehin vorsehen.

Hallo,

ohne das Haus und den Ort genau zu kennen, kann man hier kaum eine gesicherte Prognose abgeben - das Haus eines Freundes hat sich in den letzten 10 jahren im Wert halbiert, das Haus meiner Weltern im Wert verdoppelt. Nicht einmal die Angabe „Großstadt“ hilft da, denn zwischen z.B. München und Berlin klaffen Welten. Und selbst innerhalb Berlins kann das von Stadteil zu Stadteil schwanken.

Wir stehen nicht unter Verkaufsdruck, aber natürlich
verursacht ein ungenutztes Haus Unterhaltskosten.

Ich glaube nicht, daß sich der Immobilienpreis innerhalb von ein oder zwei jahren sprunghaft verändert. Gegen euch arbeiten die Unterhaltskosten, der mögliche Wertverlust durch den Leerstand, der Zinsverlust durch das tote Kapital …

Rechnet euch das doch einfach mal selber aus: Heutiger Verkaufspreis + verlorener Kapitalertrag + Unterhaltskosten = Mindestverkaufspreis in x Jahren, wenn ihr KEINEN Verlust machen wollt. Dann habt ihr aber auch noch keinen Gewinn gemacht. Also addiert eure Gewinnvorstellung hinzu, vergleicht den Endpreis mit dem heutigen Preis und überlegt euch, ob das realistisch ist.

Ein Beispiel: Ihr bekommt jetzt 100 000 Euro für das haus. Legt ihr das Geld zu 3 % an, dann habt ihr ohne Zineszins in zwei Jahren 106 000 Euro. Der Unterhalt des Hauses kostet 3000 Euro im Jahr. Ihr müsst also das Haus für mindestens 112 000 Euro verkaufen, um nicht schlechter dazustehen als jetzt. Wenn ihr besser dastehen wollt, müsst ihr das Haus also für 115 000 bis 120 000 Euro verkaufen. Ist ein Wertzuwachs um 15 bis 20 Prozent in zwei jahren realistisch?

Schaut euch die Entwicklung der Immobilienpreise in eurer Gegend in den letzten 10 jahren an: Wie teuer waren die Häuser vor der Krise? Wie groß war der durchschnittliche Wertzuwachs pro Jahr? Denn selbst wenn da eine krisenbedingte Delle war, dann werden die Preise nach der Krise nicht massiv über den Vorkrisenpreis steigen - es sei denn, das Haus steht in Boomtown. Aber dann glaube ich auch nicht, daß da eine Delle war …

Eine ganz andere Situation wäre es, wenn ihr auf einen langfristigen Anstieg der Immobilienpreise setzt. In dem Fall würde ich das Haus vermieten und mir die Verkaufspläne auf Wiedervorlage in 10 Jahren legen. Aber auch da solltet ihr vorher euch mit der Preisentwicklung der letzten zehn jahre vertraut machen.

Wie würde ein „Fachmann“ in einer solchen Situation
entscheiden?

Ich an eurer Stelle würde einen Fragen. Immobilienmakler sind keine schlechte wahl, wenn man im Hinterkopf behält, das Immobilienmakler verkaufen wollen. :smile:

Und zum Abschluß meine persönliche Meinung: Ein Haus, das Kosten verursacht, würde ich nicht leerstehen lassen, um auf bessere Zeiten zu warten. Das wäre mir zu riskant.

Gruß,
Max

Danke für hilfreiche Antworten,

der Nagezahn

Noch eine Anmerkung zu den richtigen Vorschlägen: Bevor ihr über Vermieten nachdenkt, solltet ihr euch detailliert mit dem aktuellen Mietrecht und den Risiken des Vermietens (Stichwort Mietausfall) vertraut machen.

Mein Tipp: Sofern ihr nicht Nerven wie Drahtseile habt, würde ich um jeden Preis zeitnah verkaufen :smile:

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Danke für die Antworten, …
die waren hilfreich :smile:

Die Vermietung eines Objekts das

stark renovierungs- oder sogar abrissbedürftig

ist dürfte allerdings problematisch werden.

Persönlich würde ich sofort verkaufen, weil lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Die Unterhaltskosten auch eines leerstehenden Hauses sind nicht zu verachten (Heizung, Müllabfuhr, Grundsteuer), im Winter muß z.B. auch weiterhin Schnee geräumt werden, ob das Haus jetzt leer steht oder bewohnt ist.

Grüße Bröselchen