aus aktuellem anlaß (bei uns in der gemeinde hat heut der fünfhunderttausendste supermarkt aufgemacht mit sagenhaft günstigen angeboten) hab ich mit meinem alten herrn eine kurze diskussion gehabt.
ich hab gemeint, die verbraucher wären nicht ganz unschuldig an miseren wie bse, antibiotika-skandale usw. denn die wollen alles möglichst billig haben. und die wirtschaft reagiert darauf halt entsprechend.
von daher wär’s m.e. letztendlich günstiger, man kauft net immer das billigste, sondern achtet drauf, woher das zeuch kommt.
so viele eier ißt doch niemand, daß er sich net die aus freilandhaltung für 3 mark 50 leisten kann.
und so viel fleisch sollte auch niemand essen, daß er das billige in der styroporverpackung nehmen muß.
er hat gemeint, die wirtschaft will nur billiger produzieren und läßt sich deshalb immer wieder profitträchtige tricks einfallen. es wäre das dümmste, was man machen könnte, dem verbraucher dafür die schuld zu geben. denn der wird ja nur von der wirtschaft gesteuert.
was meint ihr? kann der verbraucher durch bewußten einkauf bse&co. vorbeugen oder liegt die verantwortung ganz allein bei der wirtschaft?
zu diesem Thema könnte man stundenlang was schreiben. Kurzum, beide habt irgendwie Recht. Der Konsument ist oft sehr dumm und läßt sich von der Werbung vieles vormachen. Der kritische Verbraucher muß sich die Mühe machen, selbst schlau zu werden und (fast) alles zu hinterfragen. Deutschland hat weltweit betrachtet, dies als Randbemerkung, die billigsten Lebensmittel. Auf lange Sicht betrachtet, sind die Preise in den letzten 30/40 Jahren deutlich billiger geworden, wobei - nicht - immer, die Qualität in der gleichen Größe sich verbesserte. Vor 40 Jahren kostete die billigste Schokolade 1 DM, bei ca. 200 - 300 DM Monatseinkommen = Luxus. Heute gibt es diese bereits ab 0,49 in manchen Supermärkten…
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es sind sicher beide Seiten beteiligt, Verbraucher und Handel/Produzenten. Der nicht unterscheidende Verbraucher, der nur den Preis sieht und auf der anderen Seite die phantasielose, nur über den Preis laufende Vermarktung. Mit dieser vielschichtigen Thematik lassen sich wahrscheinlich Bücher füllen.
Ich vermisse auf dem Lebensmittelsektor ein professionelles Marketing. Dies ist nur für Luxusprodukte zu bemerken, die zur täglichen Ernährung entbehrlich sind. Querbeet wird ansonsten als einziges Verkaufsargument der Preis benutzt. Alle übrigen Bemühungen sind einfach nur als altbacken zu bezeichnen. Qualitätsmerkmale, wie z.B. Inhaltsstoffe und Produktionsmethoden werden entweder überhaupt nicht erwähnt oder an versteckter Stelle winzig klein aufgedruckt. Aber fraglos ist das Ganze auch ein Wechselspiel mit dem Verbraucherverhalten und mit dessen Fähigkeit, zu differenzieren.
es sind sicher beide Seiten beteiligt, Verbraucher und
Handel/Produzenten. Der nicht unterscheidende Verbraucher, der
nur den Preis sieht und auf der anderen Seite die
phantasielose, nur über den Preis laufende Vermarktung. Mit
dieser vielschichtigen Thematik lassen sich wahrscheinlich
Bücher füllen.
Ich vermisse auf dem Lebensmittelsektor ein professionelles
Marketing.
Spitzfindig müßte ich nun anmerken, Du kennst Wallmart nicht! Das mehr oder minder fröhliche Cheers am Morgen und was sonst noch Firmenphilosophie ist, ist doch Marketing, oder?
Dies ist nur für Luxusprodukte zu bemerken, die zur
täglichen Ernährung entbehrlich sind. Querbeet wird ansonsten
als einziges Verkaufsargument der Preis benutzt. Alle übrigen
Bemühungen sind einfach nur als altbacken zu bezeichnen.
Qualitätsmerkmale, wie z.B. Inhaltsstoffe und
Produktionsmethoden werden entweder überhaupt nicht erwähnt
oder an versteckter Stelle winzig klein aufgedruckt. Aber
fraglos ist das Ganze auch ein Wechselspiel mit dem
Verbraucherverhalten und mit dessen Fähigkeit, zu
differenzieren.
Der Kunde hat doch keine Ahnung, was er täglich frißt! Als ich mal kleiner Lehrling (Lebensmittelgroßhandel) war, da war das Thema Warenkunde im Betrieb unwichtiger als das perfekte beherrschen der Buchungsmaschine oder das Abladen von LKWs. Ob sich da was geändert hat? Wer kann mir schon den Unterschied zwischen den Weinen erklären, was wissen die „Verkäufer“ über die verschiedenen Apfelsorten? Fast nix oder gar nix!
…wird gern gekauft, nehme ich selbst auch. Das sind die wesentlichen von „Verkäufern“ und „Verkäuferinnen“ verwendeten Argumente. Wer das nicht glaubt, frage mal eine dieser Damen und Herren am Saftregal, worin die Unterschiede bestehen. Was ist Nektar oder ein Fruchtauszug. Im Handel existiert durchweg keine oder nur dünn verteilte Sachkenntnis. Ich spreche allgemein von Handel, weil sich dieses Defizit nicht auf den Lebensmittelbereich beschränkt. Überwiegend beschränkt sich die Qualifikation auf Regalauffüllen und Preisauszeichnung. Ausnahmen finden sich vorwiegend in kleineren Fachgeschäften, egal ob beim Metzger oder im Elektroladen.
Die Ursachen sind vielfältig, z. B. mangelhaftes Qualitätsbewußtsein vieler Käufer. Ich habe jedenfalls nicht so viel Geld, daß ich mir z.B. den billigen Möbelplunder aus dem Mitnahmemarkt leisten kann. Ich kann’s mir einfach nicht leisten, in kurzen Abständen alles neu beschaffen zu müssen.
Das Personal in diesen Märkten verfügt i.d.R. nicht einmal über elementarstes Basiswissen. So kann man dann nur billig verramschen.
Ob Urlaubsreisen oder Fleisch, es hat sich eine Billigmentalität gebildet. Die meisten Anbieter ziehen mit und unterstützen dieses tumbe Verbraucherverhalten. Ein Patentrezept für Abhilfe habe ich auch nicht. Dennoch weiß ich sicher, daß es auch anders geht. Ich praktiziere es täglich. Mein Argument war noch nie der Preis, sondern immer nur der Nutzen des Kunden und beste Beratung, die er in dieser Tiefe und Qualität sonst lange suchen muß. Es funktioniert.
Hi Michael,
in der Wirtschaftswissenschaft gilt der Verbraucher als wesentlicher Marktfaktor (Angebot und nachfrage).
Doch dieses angebliche Gleichgewicht gibt es schon lange nicht mehr und existiert nur noch in der Theorie.
Der Verbraucher kann seine Macht nicht entfalten, weil er nicht mit einer Stimme spricht. Er ist nicht organisiert. Solange der Handel als Gegenpart des Verbrauchers aus vielen tausend kleinen Betrieben bestand, war es teilweise möglich, dass der Verbraucher Druck ausüben konnte.
Heute ist es aber so, dass die Wirtschaftmacht sich mehr und mehr konzentriert. Es gibt z.B. in Deutschland nur noch 4 große Lebensmittelproduzenten, die den Markt beherrschen und zwar so total, dass der Handel von ihren Strategien vollständig abhängig ist.
So war es bis jetzt auch in der Landwirtschaft. Der Verbraucher hatte nicht den Einfluß auf die Fleischpreise. Die Hersteller und Fleischwarenproduzenten konkurrierten gegeneinander und drückten die Preise. Der Verbraucher war zwar der Nutzniesser, hatte aber keinen Einfluss. Alles andere ist gelogen.
Erst durch BSE und die MKS gerät der Markt durcheinander. Aber du mußt nicht meinen, dass dadurch die Verbraucher die Preise bestimmen. Nein, es verlagert sich derzeit vom Rindfleisch auf Schweinefleisch und Geflügel. Dort steigen die Preise.
Die Bauern, die bisher Rinderzucht betrieben haben, sind die Leidtragenden. Die Geflügel- und Schweinebauern leben zur Zeit im Aufwind. Und die Industrie verdient nach wie vor eine goldene Nase. Denen ist es doch egal, ob sie Rind oder Schwein und Geflügel verkaufen.
Gruß,
Francesco
Preise Konkurrenten der Hersteller