Einflussmöglichkeiten in einer großen Firma

Hallo

kann man verallgemeinernd etwas dazu sagen, ob und wie man Einflussmöglichkeiten in einer sehr großen Firma hat, wenn man allerdings in ziemlich untergeordneter Stelle arbeitet?

Es geht darum, dass es da Arbeitsabläufe gibt, die als tolle Neuerung verkauft werden, aber in Wirklichkeit sehr viel länger dauern - ja sehr viel länger dauern müssen, als das vorherige Verfahren, da sehr viel mehr Handgriffe erledigt werden müssen, abgesehen davon dass es sehr viel fehleranfälliger ist als das vorherige Verfahren. Aus irgendwelchen Gründen will man an höherer Stelle dies jedoch nicht einsehen, und keiner dort ist willens und bereit, sich das mal konkret erklären zu lassen.

Es gibt sehr sehr viele Mitarbeiter, die es so sehen (eigentlich alle, die schon mal in beiden Arbeitsabläufen gearbeitet haben), es ist keine Marotte eines Einzelnen.

Was kann man daran tun? Die sich aus den Neuerungen ergebenden Probleme sollen diejenigen ausbaden, die die Neuerungen praktisch umsetzen müssen und sich natürlich immer dagegen ausgesprochen haben (sehr viele unbezahlte Überstunden, die irgendwann später einmal abgefeiert werden können). Wenn man allerdings einen der Vorgesetzten darauf ansprechen würde, dann träte sofort § 1 oder 2 in Kraft (der Vorgesetzte hat immer recht usw.), und es würden einfach irgendwelche nicht stimmenden Behauptungen aufgestellt.

Warum darauf so beharrt wird, ist nicht bekannt. Es gibt schon Gerüchte, dass der Betrieb absichtlich kaputtgemacht werden soll, da sich niemand vorstellen kann, dass im Management so unvernünftige Menschen arbeiten.

Viele Grüße

Guten Morgen,

aus aktuellem Anlass kann ich sagen, dass das sehr schwer ist.

Grundsätzlich ist es so, dass die „da oben“ sich das sicherlich nicht zum Spass ausgedacht haben. Sie erhoffen sich durch die Umstrukturierung irgendeinen Vorteil. Schade ist, wenn es nicht möglich ist, diese Erklärungen bis zu dem kleinsten Mitarbeiter im Unternehmen zu transportieren. Würde doch die Akzeptanz deutlich erhöhen.

Und ohne Wertung DEINER Situation:
Oftmals ist es so, dass die neue Struktur gar nicht so schlecht ist. Sie wird nur für schlecht bewertet, weil die Menschen ihre liebgewonnenen und bekannten Arbeitsabläufe nicht gerne ändern. Statt sich auf die neue Situation einzustellen, wird viel Energie in das Gegenpöbeln gesteckt. Es wird sich an Kleinigkeiten hochgezogen, anstatt das Wertvolle in der Umstrukturierung zu erkennen.

Und auch, wenn Ihr das nicht macht: Es würde Euch zunächst sehr wahrscheinlich unterstellt werden. Wenn ihr denn gegen das System „wettert“…

Was tun?
Kritik an den Abläufen kann man schön üben, wenn man im Vorfeld die Gelegenheit dazu hat. Bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Danach würde ich zumindest für eine bestimmte Zeit meinen Mund halten und alles versuchen, um das neue System vernünftig zum laufen zu bringen. Habe ich das über eine längere Zeit versucht, kann ich an geeigneter Stelle meine Kritik vorbringen. Und dann sachlich und ohne jemanden persönlich anzugreifen. Und mit Belegen.

Nicht ala:
Wer hat sich denn den Scheiß ausgedacht, der hat doch gar keine Ahnung…

Vielleicht ist man auch nach einer bestimmten Zeit in der Lage, die Vorteile aus beiden Systemen zu sehen und in die Arbeitsabläufe zu integrieren?

Denn: Die Vorgesetzten WERDEN sich Gedanken gemacht haben. Vielleicht mehr, als sich im Moment vorstellen kann.

VG
Monroe

Grundsätzlich ist es so, dass die „da oben“ sich das sicherlich nicht zum Spass ausgedacht haben. Sie erhoffen sich durch die Umstrukturierung irgendeinen Vorteil.

In vielen Fällen ist es leider tatsächlich so, dass sie sich von irgend einem Beratungshaus haben beschwatzen lassen „Wenn Ihr das alles restrukturiert… 20-30% weniger Kosten, 50-70% mehr Gewinn… nur uns anstellen für X-Tausend Euro pro Tag und wir machen das…“

Gerade in großen Konzernen, wo das „obere Management“ so weit abgehoben ist, dass sie den Mitarbeiter gar nicht mehr als Mensch, nicht einmal mehr als Ressource, sondern nur noch als Kostenstelle wahrnehmen ist es dann sehr leicht, im Rahmen der „Optimierung“ Reporting-Strukturen aufzusetzen, die aus, mit Verlaub, Sch* Gold machen zumindest im Bericht.
In meinem Umkreis nennen wir solche Projekte dann auch „Wassermelonen: Außen grün, innen rot“.

Wenn das Management dann schon an der Börse bekannt gegeben hat „Wir werden durch Restrukturierung X Kosten sparen und somit unsere Gewinne im nächsten…“ dann haben die Mitarbeiter eh verloren!

Und ohne Wertung DEINER Situation:
Oftmals ist es so, dass die neue Struktur gar nicht so schlecht ist.

Leider sieht es oftmals anders aus.
Ich selbst habe „Prozessoptimierungen“ miterlebt, die vormals fehlerfreies Arbeiten tatsächlich effektiv verhindeten, Kommunikationskanäle blockierten, Kundenzufriedenheit senkten, Rüstzeiten erhöhten, Mitarbeiter frustrierten bis in die Apathie trieben - sowas passiert leider, wenn man unerfahrene Manager hat, die ihre Prozesse restrukturieren lassen ohne zu verstehen was wirklich Sache ist!

Sie wird nur für schlecht bewertet, weil die Menschen ihre liebgewonnenen und bekannten Arbeitsabläufe nicht gerne ändern. Statt sich auf die neue Situation einzustellen, wird viel Energie in das Gegenpöbeln gesteckt.

Das mag mitunter der Fall sein, in manchen Fällen wird aber auch wirklich nur „verschlimmbessert“.
Aus meiner eigenen Erfahrung und aus meiner Ausbildung im Bereich Prozessmanagement würde ich ernsthaft sagen: Die besten Optimierungen sind nicht jene, die von oben nach unten „durchsickern“, sondern jene, die von den Mitarbeitern geplant, getragen und umgesetzt werden, aber dabei den vollen Rückhalt des Managements haben; nach dem Prinzip „Mir egal, was genau Ihr machen wollt - aber am Schluss muss es besser und billiger sein! Solange dieser Rahmen eingehalten wird, bin ich zu jeder Schandtat bereit.“

Es wird sich an Kleinigkeiten hochgezogen, anstatt das Wertvolle in der Umstrukturierung zu erkennen.

Im Gegenteil, oft werden durch eine GPO tiviale Kleinigkeiten hochpropagiert; z.b. als würde das Nichtsetzen eines Punkts beim Datum eines internen Rundschreibens den sofortigen Konkurs des Unternehmens bedeuten…
Entspechend viel Lust haben dann natürlich die Mitarbeiter, das Spiel mitzumachen.

Danach würde ich zumindest für eine bestimmte Zeit meinen Mund halten und alles versuchen, um das neue System vernünftig zum laufen zu bringen. Habe ich das über eine längere Zeit versucht, kann ich an geeigneter Stelle meine Kritik vorbringen. Und dann sachlich und ohne jemanden persönlich anzugreifen.

Theoretisch schön und gut.
Nur leider gibt’s manchmal echt Vorgesetzte, die einfach sagen „Ich Boss Du Nix, Maul halten“ - In solchen Fällen hilft dann bestenfalls die Suche nach einem neuen Arbeitgeber oder hoffen dass jener Chef genau das tut.

Wer hat sich denn den Scheiß ausgedacht, der hat doch gar keine Ahnung…

Leider ist es oft tatsächlich so. Umso unfairer fühlt man sich als Mitarbeiter behandelt, wenn die Chefs so einen Müll anstellen, dafür noch einen fetten Bonus kassieren und der einzige Grund, warum das Unternehmen nicht schon bankrott ist, dass die Mitarbeiter nur so viel davon umsetzen, wie unvermeidlich ist!

Denn: Die Vorgesetzten WERDEN sich Gedanken gemacht haben.
Vielleicht mehr, als sich im Moment vorstellen kann.

Der schlechte Vorgesetzte denkt nur an den Börsenkurs, seine Bonuszahlung und sein Golf-Handicap. Wenn er dann zusätzlich „reiner Manager“, keine Führungspersönlichkeit und ebenfalls fachlich inkompetent ist, wird’s noch lustiger.
Je größer der Konzern, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es auch solche gibt.

Allerdings kann man auf die Eingangsfrage keine brauchbare Antwort geben, wenn man nicht die beiden im konkreten Fall vorliegenden nächsthöheren Führungsebenen persönlich kennt und die Umstände der Restrukturierung besser versteht.

Gruss,
Michael

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Hallo

Ich selbst habe „Prozessoptimierungen“ miterlebt, die vormals fehlerfreies Arbeiten tatsächlich effektiv verhindeten, Kommunikationskanäle blockierten, Kundenzufriedenheit senkten, Rüstzeiten erhöhten, Mitarbeiter frustrierten bis in die Apathie trieben -

Das trifft den Nagel auf den Kopf! Damit ist die Situation genau beschrieben!

Es handelt sich übrigens um Arbeitsabläufe, die in der untersten Ebene am besten beurteilt werden können, insbesondere hinsichtlich des zeitlichen Aufwands und der Kundenzufriedenheit. Das einzige, was man dort nicht sicher sagen kann ist, ob es überall im Betrieb dasselbe ist, und die finanziellen Abläufe kennt man natürlich nicht.

und der einzige Grund, warum das Unternehmen nicht schon bankrott ist, dass die Mitarbeiter nur so viel davon umsetzen, wie unvermeidlich ist!

Oh je!

Allerdings kann man auf die Eingangsfrage keine brauchbare Antwort geben, wenn man nicht die beiden im konkreten Fall vorliegenden nächsthöheren Führungsebenen persönlich kennt und die Umstände der Restrukturierung besser versteht.

Hm, darüber kann man in einem öffentlichen Forum natürlich nicht konkret eingehen …

Vielen Dank für deinen Beitrag, dann weiß man wenigstens, dass man nicht der Einzigste auf der Welt ist mit diesem Problem.

Gruß
Simsy Mone

Hallo,

ich bin selber in einer großen Firma tätig, sogar in einer sehr großen mit einer weit fünfstelligen Anzahl an Mitarbeitern - und das seit mittlerweile 25 Jahren. Da bleibt es gar nicht aus, dass man viel erlebt und eben auch Fälle wie den von dir geschilderten.

Oftmals war es dann aber so, dass diese Vorschläge eher unsystematisch an die Entscheider herangetragen wurden: Gerne mal zwischen Tür und Angel zum nächsten Vorgesetzten. Der wiederum versprach dann, sich bei nächster Gelegenheit zu kümmern. Naja, und irgendwie wurde darüber die Idee dann immer schwächer vorgetragen, so dass im Endeffekt fast zeitgleich die Chancen für Akzeptanz schwanden.

Lediglich die Basis hatte sich richtig mit der Thematik auseinander gesetzt, je weiter die Idee dann nach oben zu den Entscheidern ging, desto schwächer war eigentlich der Antrieb der Überbringer. Wenn dann noch die Zeit fehlte, oder das Interesse, kippte die eigentlich gute Idee untern Tisch.

Eine m. E. gute Möglichkeit zur erfolgreichen Umsetzung derartiger Vorschläge gibt es - zum Beispiel bei uns und doch sicherlich bei euch auch, da eigentlich klassisch vorhanden in großen Läden - über das sog. Vorschlagswesen. Die Mitarbeiter formulieren sehr ausführlich ihre Idee (Detailtiefe nach Gusto - je fundierter, m. E. umso besser). Darüber wird dann ein richtiger formaler Prozess in Gang gesetzt, der letztlich von einer kompetenten Fachstelle bewertet werden muss. Wichtig dabei und eigentlicher Erfolgsgarant ist, dass EINSPARUNGEN (zeitlicher oder auch monetärer Art) verdeutlicht werden - und zwar schwarz auf weiß. Nur was du messen kannst, kannst du auch managen, heißt es doch. Und darüber ist dann meist auch die Umsetzung einer Idee durchzusetzen.

An eurer Stelle würde ich also die Idee mit System vorbringen: Schriftlich, fundiert, unterfüttert mit Zahlen zum Einsparpotenzial… und dann kontrolliert auf den Weg geben. Um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, kannst du ja noch eine Unterschriftenliste anhängen - auch so etwas wirkt manchmal Wunder. Der Hinweis allein, dass „die anderen das auch so sehen“ reicht i. d. R. nicht aus.

Viele Grüße und viel Erfolg - die Hoffnung stirbt doch bekanntlich zuletzt! ;-D

Kirsten

Hallo

Vielen Dank für deinen Beitrag.

Es geht aber nicht um eine gute Idee, die nicht umgesetzt wird. Die gute Idee, die man dazu hätte, wäre eigentlich mehr oder weniger, die Arbeitsmethoden von vorher wieder einzuführen. Es geht eben darum, dass eine schlechte Idee vom Management durchgedrückt wird.

Und es scheint mir ziemlich sicher, dass diejenige Person, die diese unguten Änderungen verbockt hat, einen guten Bonus und/oder eine Beförderung für ihre Schnapsideen erhalten hat (ich höre da immer nur den Firmenklatsch, den ich etwas mit Vorsicht genieße; in der Firmenzeitung ließt man nichts darüber). Und die sind schon direkt auf den erbitterten Widerstand der Belegschaft gestoßen. Das Management hatte einiges zu tun, um diese Neuerungen durchzusetzen (bzw. ist immer noch dran).

Diese tollen Neuerungen wieder rückgängig zu machen würde ja bedeuten, dass man zugeben müsste, einen Fehler gemacht zu haben.

Wenn man aber die alten Arbeitsmethoden als ganz neuen Verbesserungsvorschlag bringen könnte, das wäre vielleicht eine Möglichkeit, ich glaube aber, dazu ist das noch nicht lange genug her. Vielleicht wäre es jedoch einen Versuch wert.

Viele Grüße