Grundsätzlich ist es so, dass die „da oben“ sich das sicherlich nicht zum Spass ausgedacht haben. Sie erhoffen sich durch die Umstrukturierung irgendeinen Vorteil.
In vielen Fällen ist es leider tatsächlich so, dass sie sich von irgend einem Beratungshaus haben beschwatzen lassen „Wenn Ihr das alles restrukturiert… 20-30% weniger Kosten, 50-70% mehr Gewinn… nur uns anstellen für X-Tausend Euro pro Tag und wir machen das…“
Gerade in großen Konzernen, wo das „obere Management“ so weit abgehoben ist, dass sie den Mitarbeiter gar nicht mehr als Mensch, nicht einmal mehr als Ressource, sondern nur noch als Kostenstelle wahrnehmen ist es dann sehr leicht, im Rahmen der „Optimierung“ Reporting-Strukturen aufzusetzen, die aus, mit Verlaub, Sch* Gold machen zumindest im Bericht.
In meinem Umkreis nennen wir solche Projekte dann auch „Wassermelonen: Außen grün, innen rot“.
Wenn das Management dann schon an der Börse bekannt gegeben hat „Wir werden durch Restrukturierung X Kosten sparen und somit unsere Gewinne im nächsten…“ dann haben die Mitarbeiter eh verloren!
Und ohne Wertung DEINER Situation:
Oftmals ist es so, dass die neue Struktur gar nicht so schlecht ist.
Leider sieht es oftmals anders aus.
Ich selbst habe „Prozessoptimierungen“ miterlebt, die vormals fehlerfreies Arbeiten tatsächlich effektiv verhindeten, Kommunikationskanäle blockierten, Kundenzufriedenheit senkten, Rüstzeiten erhöhten, Mitarbeiter frustrierten bis in die Apathie trieben - sowas passiert leider, wenn man unerfahrene Manager hat, die ihre Prozesse restrukturieren lassen ohne zu verstehen was wirklich Sache ist!
Sie wird nur für schlecht bewertet, weil die Menschen ihre liebgewonnenen und bekannten Arbeitsabläufe nicht gerne ändern. Statt sich auf die neue Situation einzustellen, wird viel Energie in das Gegenpöbeln gesteckt.
Das mag mitunter der Fall sein, in manchen Fällen wird aber auch wirklich nur „verschlimmbessert“.
Aus meiner eigenen Erfahrung und aus meiner Ausbildung im Bereich Prozessmanagement würde ich ernsthaft sagen: Die besten Optimierungen sind nicht jene, die von oben nach unten „durchsickern“, sondern jene, die von den Mitarbeitern geplant, getragen und umgesetzt werden, aber dabei den vollen Rückhalt des Managements haben; nach dem Prinzip „Mir egal, was genau Ihr machen wollt - aber am Schluss muss es besser und billiger sein! Solange dieser Rahmen eingehalten wird, bin ich zu jeder Schandtat bereit.“
Es wird sich an Kleinigkeiten hochgezogen, anstatt das Wertvolle in der Umstrukturierung zu erkennen.
Im Gegenteil, oft werden durch eine GPO tiviale Kleinigkeiten hochpropagiert; z.b. als würde das Nichtsetzen eines Punkts beim Datum eines internen Rundschreibens den sofortigen Konkurs des Unternehmens bedeuten…
Entspechend viel Lust haben dann natürlich die Mitarbeiter, das Spiel mitzumachen.
Danach würde ich zumindest für eine bestimmte Zeit meinen Mund halten und alles versuchen, um das neue System vernünftig zum laufen zu bringen. Habe ich das über eine längere Zeit versucht, kann ich an geeigneter Stelle meine Kritik vorbringen. Und dann sachlich und ohne jemanden persönlich anzugreifen.
Theoretisch schön und gut.
Nur leider gibt’s manchmal echt Vorgesetzte, die einfach sagen „Ich Boss Du Nix, Maul halten“ - In solchen Fällen hilft dann bestenfalls die Suche nach einem neuen Arbeitgeber oder hoffen dass jener Chef genau das tut.
Wer hat sich denn den Scheiß ausgedacht, der hat doch gar keine Ahnung…
Leider ist es oft tatsächlich so. Umso unfairer fühlt man sich als Mitarbeiter behandelt, wenn die Chefs so einen Müll anstellen, dafür noch einen fetten Bonus kassieren und der einzige Grund, warum das Unternehmen nicht schon bankrott ist, dass die Mitarbeiter nur so viel davon umsetzen, wie unvermeidlich ist!
Denn: Die Vorgesetzten WERDEN sich Gedanken gemacht haben.
Vielleicht mehr, als sich im Moment vorstellen kann.
Der schlechte Vorgesetzte denkt nur an den Börsenkurs, seine Bonuszahlung und sein Golf-Handicap. Wenn er dann zusätzlich „reiner Manager“, keine Führungspersönlichkeit und ebenfalls fachlich inkompetent ist, wird’s noch lustiger.
Je größer der Konzern, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es auch solche gibt.
Allerdings kann man auf die Eingangsfrage keine brauchbare Antwort geben, wenn man nicht die beiden im konkreten Fall vorliegenden nächsthöheren Führungsebenen persönlich kennt und die Umstände der Restrukturierung besser versteht.
Gruss,
Michael