Da kann ich aus erster Hand berichten!
Hi,
wir haben dies in 2006 mit unserer Tochter in der 34. SW erleben müssen. Auch unser erster Gedanke war: Vollnarkose, Kaiserschnitt und nichts mehr sehen müssen.
Die wundervolle Ärztin hat dann lange mit uns gesprochen und uns davon überzeugt, wie wichtig es ist das Kind „normal“ zur Welt zu bringen. Nicht nur, dass man schneller wieder Schwanger werden kann (auch bei uns hat es nur vier Monate gedauert), ist es für uns besonders wichtig gewesen unsere Tochter zu sehen, fühlen und Zeit mit ihr zu verbringen. Wie vorher gesagt, geben sich die Krankenhäuser besonders viel Mühe, das Kind schön aussehen zu lassen. Wir haben über eine Stunde mit unserer Tochter im Kreissaal verbracht, alleine bei gedimmten Licht.
Eine so intensive Zeit haben meine Frau und ich noch nie erlebt, sie hat nicht nur uns (noch) näher zusammen gebracht, sondern hat auch eine tiefe Verbindung zu unserer Tochter entstehen lassen, egal ob tot oder lebendig. Schliesslich muss man ein Kind ja auch beerdigen. Wir haben ein wunderbares Waldgrab auf dem Münchner Waldfriedhof gefunden, dass sehr schön bepflanzt ist und nun eben unser Familiengrab wird.
Mit unserem nun 10 monate alten Sohn gehen wir immer wieder einmal zu dem Grab und versuchen unsere Tochter ganz normal als seine Schwester in sein Bewußtsein zu bringen. Nur dass sie eben nicht mehr da ist.
Das nur als kurzen Erfahrungbericht. Psychologische Hilfe sollte man übrigens unbedingt in Anspruch nehmen, nicht weil es einen Profi braucht, sondern einfach um einmal mit jemand neutralen zu sprechen. Man beginnt sonst schnell sich in eine negative spirale zu drehen. Psychopharmaka helfen über die ersten 1-2 Wochen die Stimmung aufzuhellen. Meine Frau wäre ohne diese wohl in der Klapse gelandet. Ich hätte Nachts mehrmals fast den Notarzt geholt, weil ich nicht mehr wusste, wie ich sie beruhigen sollte.
Man kann das wahrscheinlich nicht verstehen, wenn man nicht selber in der Situation war. Was in der 34. SW geboren wird ist nicht nur Lebensfähig sondern wird schon fast nicht mehr als Frühgeburt bezeichnet. Unsere Tochter war länger und schwerer als viele Kinder bei der normalen Geburt.
So nun höre ich auf, sonst geht es so endlos weiter.
Viele Grüße
C.