Liebe Freunde der deutschen Sprache,
wer kann mir helfen? - ich brauche eine Autorität für Stil. Folgendes Problem:
Satz a: Die Schrauben sind gleichmäßig, bis die gewünschte Spannung erreicht ist, anzuziehen.
Satz b: Ziehen Sie die Schrauben gleichmäßig an, bis die gewünschte Spannung erreicht ist.
Ich finde Satz b richtig, weil „Schrauben“ und „anziehen“ näher zusammen stehen und man so gut erkennt, um was es geht. Mein Problem ist aber, dass ich nicht auf eine Regel (Duden etc) verweisen kann. Kann mir da jemand helfen?
Schöne Grüße
Uli
Hallo Uli,
ich möchte mich Eckard anschließen und folgenden Satz empfehlen
Die Schrauben sind gleichmäßig anzuziehen, bis die gewünschte
Spannung erreicht ist.
Eingeschobene Nebensätze sind in technischen Dokumentationen unnötiger Firlefanz, der den Lesefluß unnötig erschweren.
Und meines Wissens hat noch niemand für eine Produktbeschreibung den Büchnerpreis erhalten 
Gandalf
Hallo, Uli,
die Antworten hast du schon bekommen, hier noch etwas zum Schmunzeln - ein Textausschnitt von Mark Twain:
_Die Deutschen kennen noch eine weitere Form der Parenthese, die sie herstellen, indem sie ein Verb spalten und die eine Hälfte an den Anfang eines spannenden Kapitels setzen und die andere Hälfte an den Schluss. Kann man sich etwas Verwirrenderes vorstellen? Diese Dinger heißen „trennbare Verben“. Die deutsche Grammatik ist geradezu übersät mit trennbaren Verben, und je weiter die beiden Teile auseinander gerissen werden, desto zufriedener ist der Urheber des Verbrechens mit seiner Leistung. Eines der beliebtesten Exemplare ist reiste ab – was „departed“ bedeutet. Hier ist ein Beispiel, das ich in einem Roman aufgelesen und ins Englische übertragen habe:
„Die Koffer waren gepackt, und er reiste , nachdem er seine Mutter und seine Schwestern geküsst und noch ein letztes Mal sein angebetetes Gretchen an sich gedrückt hatte, das, in schlichten weißen Musselin gekleidet und mit einer einzelnen Nachthyazinthe im üppigen braunen Haar, kraftlos die Treppe herabgetaumelt war, immer noch blass von dem Entsetzen und der Aufregung des vorangegangenen Abends, aber voller Sehnsucht, ihren armen schmerzenden Kopf noch einmal an die Brust des Mannes zu legen, den sie mehr als ihr eigenes Leben liebte, ab.“
“The trunks being now ready, he de- after kissing his mother and sisters, and once more pressing to his bosom his adored Gretchen, who, dressed in simple white muslin, with a single tuberose in the ample folds of her rich brown hair, had tottered feebly down the stairs, still pale from the terror and excitement of the past evening, but longing to lay her poor aching head yet once again upon the breast of him whom she loved more dearly than life itself, parted.”_
Gruß
Kreszenz
Hallo, Uli,
richtig sind beide Versionen. Zweckmäßigerweise jedoch sollte man Zusammengehöriges nicht ohne Not oder ohne stilistische Absicht trennen.
Das ist in deinem Beispiel, soweit ich sehe, nicht erkennbar.
„Die Schrauben sind anzuziehen bis die nötige Spannung erreicht ist.“
Bei technischen Texten sollte man eher auf die präzise Sachlichkeit achten als auf Wohlklang. Man liest diese Texte ja nicht um sich zu ergötzen, sondern um sich zu informieren. Also bitte keine „Gefechtsfeldlyrik“.
Grüße
Eckard
Tippfehler verbessert E.
ist nicht einzuschieben
Lieber Uli
Also wenn du nach Stil fragst: Diese Sätze mit «sind zu …»
oder «ist zu …» finde ich grauenhaft! So schreiben Schulhaus-
Abwarte, Steuerbeamte und Feldwebel.
(Unnötiges Lärmen im Treppenhaus ist zu unterlassen.
Der Lohnausweis ist zu unterschreiben und der Steuerklärung
beizulegen.
Die Zahnbürste ist im Zahnglas nach links auszurichten.)
Also finde ich einen Satz wie «Ziehen Sie die Schraube an …»
viel angenehmer.
Freundliche Grüsse
Rolf