„Angesichts der drohenden Explosion der Beitragssätze zur GKV will die Union die Leistungen der KKassen deutlich beschneiden. Zudem soll die Eigenbeteiligung…erheblich gesteigert werden…“
handelsblatt,12.10.00
„…Verwaltungskosten der GKV…14,0% Milliarden…1999…neuen Record…“
SDZ 4.1.00
„Steigen die Kassenbeiträge bis 22%?
…wegen Reformunwilligkeit der Bundesregierun werde der durchschnittliche Beitragssatz der Krankenkassen von jetzt 13,6% auf vorraussichtlich 14% steigen… drohe ohne Strukturreform ein weiterer Anstieg auf mindestens 22%“
Welt am Sonntag 15.10.00
„Ärzte überschreiten Budgets für Arzneimittel …um vorraissichtlich 1,1 Milliarden DM (1999)“
Handelsblatt, 19.10.00
=>Beitragssteigerung der GKV von 1970 bis heute: 1005 %!
=> keine Krebsvorsorge mit Mammografie mehr im Leistungskatalog
=> keine Glaukomuntersuchung mehr im Leistungskatalog
=> geplant: keine Zahnprophylaxe mehr bezahlen,
=> geplant: Selbstbeteiligung an den Arztkosten (wie bei Medikament)
=>Durchschnittlicher Beitragssatz 2001: 998,- DM incl. Pflegepflicht. Mitte des Jahres wahrscheinlich 1024,- DM.
Jetzt meine Frage: ist die GKV noch zu retten?
Geht sie genauso wie die Rente „den Bach runter“?
Gemeine Zusatzfrage: wo sind die meisten Politiker krankenversichert? GKV oder PKV?
Grüße
Raimund
Hallo Raimund,
das System der GKV und der PV ist nach meiner Einschätzung eine totkranke Mißgeburt. Mißgeburt deshalb, weil die Kostenexplosion im System eingebaut ist. Die große Anzahl der Krankenkassen täuscht zudem einen nicht vorhandenen Wettbewerb vor (wg. Ausgleichszahlungen zwischen den Kassen). Jede Krankenkasse braucht eine Verwaltung, einen Verwaltungschef und Verwaltungsgebäude, wobei sich etliche Krankenkassen nebenbei noch als Immobilienverwalter betätigen (und sich mit überdimensionierten Gebäuden als Vermieter verspekuliert haben). Insbesondere ist das System ein Selbstbedienungsladen für Ärzte, Krankenhäuser und Versicherte.
Was wird tatsächlich gebraucht: Eine (genau eine!) Kasse, in die Pflichtversicherte und Arbeitgeber ihre Beiträge einzahlen. Gebraucht wird ferner eine Kostenkontrolle der beteiligten Dienstleister (Ärzte, Krankenhäuser) sowie ein Anreiz zur Disziplin bei der Inanspruchnahme durch die Versicherten.
All das ist durch eine geringe prozentuale Selbstbeteiligung der Versicherten bei jeder Inanspruchnahme zu erreichen. Das beinhaltet, daß der Arzt seine Leistung und den Preis gegenüber dem Patienten offenlegt, damit dieser seinen prozentualen Obulus entrichten kann. So kontrolliert der Patient den Arzt und die in Rechnung gestellten Positionen und er kontrolliert vor allen Dingen auch das eigene Verhalten.
Das bisherige System setzt auf die vollkommene Unmündigkeit des Versicherten. Wirksame Kostenkontrollen gibt es an keiner Stelle. Jeder bedient sich nach Gutdünken. Sowas gibts nur im Gesundheitswesen und deshalb fährt es sich über die Unfinanzierbarkeit selbst an die Wand.
Ich halte meinen Vorschlag für eine machbare Lösung, die die Kosten des Gesundheitssystems augenblicklich und drastisch sinken läßt. Aber für durchsetzbar halte ich die Lösung nicht. Zu viel Lobby, zu lange Gewöhnung an den gefüllten Napf, noch zu wenig Leidensdruck, zu wenig Erneuerungskraft in der Politik. Ich hab’ halt nur mal geträumt.
Gruß
Wolfgang
Hallo, Wolfgang,
die PKV musst Du aussen fort lassen, die haben keine Probleme.
Eine Einheitskasse funktioniert genauso wenig, wie das kommunistische System (daher stammt ja die Idee der Einheitskasse) Wie schlecht das funktioniert, siehst Du an der DDR, der UdSSR… und an den Staaten, die so eteas haben aber Zusatzversicherungen erlauben. Was wiederum ausagt, dass das Einkassensystem nicht das Gelbe vomn Ei ist. Sieh Dir auch das andere „Einkassensystem“ an, das wir schon haben: die Rentenversicherung. Der Tod ist absehbar.
Dein Vorschlag, den Patienten (Kunden) die Kosten darzulegen, davon rede ich schon lange: die Kassen wehren sich mit Händen und Füßen dagegen! Auch die Ärzte. Dabei funktioniert das so gut: jeder Privatpatient sieht seine Rechnung. Der Geschäftspartner des Arztes ist hier nicht die Kasse, sondern der Patient (Kunde). Wie Du aus meiner Visitenkarte sehen kannst, bin ich genau hier tätig (wo hätte ich sonst diese Daten?). Ich bitte jeden meiner Kunden, unbedingt jede Rechnung zu kontrollieren. In seinem eigenem Interesse! denn er und seine Alterskollegen (in diesem KV-Tarif) sind selbst verantwortlich für die Preisgestaltung. Sind nur solche d´rin, die rausholen, was geht, die zum Arzt sagen: „schreiben Sie nur; ich bin privat versichert.“ dann ist die nächste Beitragsanpassung so sicher, wie´s Amen in der Kirche. Prüft aber jeder die Rechnung und klopft diesen Liquidationskünstkern unter den Ärzten auf die Finger, sinkt der Beitrag. So einfach ist das. Z.B. rechnen viele Ärzte eine Terminvereinbarung (mit der Sprechstundenhilfe) als telefonische Beratung ab. Das darf nichts kosten! Also streichen lassen. Usw.
Konkurrenz muss sein! Sie ist emminent wichtig. Das siehst Du bei den Privaten. Bei den Kassen fängt es ganz langsam an. Dauert halt noch. Wofür Strukturausgleich? für die schlechte Verwaltung einer Kasse? Lass sie doch pleite gehen! Die Versicherten werden mit Handkuss von der nächsten aufgenommen. Ich habe immer noch nicht herausgefunden, warum die BARMER oder DAK… so vieles teuerer sind, als die BKK xy. Sie behaupten immer, weil sie ertens mehr leisten (Schwachsinn) und zweitens, weil sie, die BKK, von den Firmen gesponsert werden. Auch nicht wahr. Welche Firma kann es sich heute leisten, Millionen in so etwas ´rein zu buttern?
Natürlich kann man nicht einfach sagen: jeder kann wählen, wo er versichert sein will: GKV oder PKV. Das würde dazu führen, dass nur noch die in der Kasse sind, die entweder sehr krank sind oder die besonders viel Kinder haben. Damit würde dann der Beitrag bei ca. 5.000,- DM monatlich liegen. Klar, die PKV (und ich als Vermittler) würde sich freuen. 70% in den Privaten! Ich würde nur noch Geld schweffeln! Da das aber so nicht ist und sein darf, muss ich wohl weiter rackern!
Dein Vorschlag mit der Selbstbeteiligung ist zwar theoretisch richtig… doch denke an diejenigen, die sich das nicht leisten können und trotzdem krank sind! Soll dafür dann der Staat einspringen? Das ist dann nur ein Verschieben der Kosten.
Grüße
Raimund
Gemeine Zusatzfrage: wo sind die meisten Politiker
krankenversichert? GKV oder PKV?
Grüße
Raimund
Hallo,
also ich darf ja nicht wegen der Schweigepflicht, aber
Du würdest Dich wundern wer alles von der Prominenz so
in der GKV (und dies seit Jahr und Tag) versichert ist.
Gruss
Günter
hallo, Guenter,
mit Sicherheit gibt es einige, die in der GKV sind!
Die Beamten der Regierung (sind viele Politiker)sind alle in der PKV.
Ich glaube, 2/3 sind privat versichert. Kann das natürlich nicht beweisen.
grüße
Raimund