Liebe/-r Experte/-in,
Habe zur Zeit eine Grundsatz Diskussion mit einem Einkäufer, was wir von unseren Lieferanten fordern können und was nicht. Da wir uns in einer Wachstumsbranche befinden und keinerlei Krise habe, bin ich der Meinung, wir können sehr viel fordern: Terminverschiebungen +/-, Mengenänderungen +/-, Sonderlieferungen, Qualitätsvorschriften, Objektrabatte, Vergütungen bei fehlhaften Lieferungen welche Produktionsstopp verursachen usw. Wir entwickeln die Lieferanten ja auch weiter, damit die auch künftig noch bestehen können. Mein langjähriger Mitarbeiter meint zBsp. 2x im selben Monat einen Sondereinsatz für eine kurzfristige Lieferung zu fordern, könnte er dem Lieferanten unmöglich antun. Persönlich kann ich diesen „Schmusekurs“ nicht gutheissen, möchte mir aber zuerst ein Bild machen, bevor ich weitere Massnahmen treffe. Danke für Ihr Feedback. Freundliche Grüsse Priamos
Genrell gibt es hierzu kein Rezept, denn die Antwort, wie man mit einem
Lieferanten umzugehen hat haengt von verschiedenen Faktoren ab (Ich braeuchte
mehr input):
- Branche: Automotive, Maschinenbau, Pharma, etc?
- Eigenes Volumen beim Lieferanten? Wie wichtig ist man als Kunde fuer den
Lieferanten? - bisherige Partnerschaft & zukuenftige Entwicklung?
- Produkt das man dort kauft? Massenware, Einzelartikel, „offshelf“, etc. product?
- Entwicklung (hat der Lieferant eigene Entwicklung, bzw. fertigt er nach eigener
Zeichnung , oder nach der des Kunden) - In welchem Land befindet sich der Lieferant? Sonderlieferungen aus Asien per
Flugzeug kosten entsprechend Geld. - Warum kommt es ueberhaupt zu 2 Sondereinsaetzen pro Monat? Dies schliesst
auf ein nicht funktionierendes MRP System oder zu viele kurzfristige technische
Aenderungen hin. - Sind dies Investitionsgebundene Teile (Werkzeugkosten)?
Generell:
In der heutigen wirtschaftlichen Lage, muss man auf partnerschaft setzen. Man
sollte vorsichtig sein, wenn man zu hart oder zu viel von einem Lieferanten
abfordert, denn das koennte einen zu einem spaeteren Zeitpunkt „beissen“. Ein
Lieferant der auf Dauer keinen Gewinn macht, wird frueher oder spaeter andere
Kunden haben, die er bevorzugt. Irgendwann waehrend einer Boomphase wird der
Lieferant den beliefern, mit dem er das beste Verhaeltnis hat (am meissten Profit
macht). Alternative: Der Lieferant wird es nicht ueberleben.
Wie gesagt, ich braeuchte mehr Details, um kompetent die Situation zu
analysieren.
Hallo elsbed,
Danke für die Antwort, mein Arbeistgeber ist in der Medizinalbranche (weltweit) tätig und hat Zuwachsrate von 15%-20% p.a. Davon profitieren auch unsere Lieferanten (unanhängig wo der sitzt, welche grösse er hat, was er liefert und wieviel Umsatz der macht). Leider sind die Plandaten, welche wir bekommen und an die Lieferanten weitergeben, nicht sehr genau (dafür gibt es Gründe). Das fordert unsere Lieferanten teilweise stark.
Meine Meinung dazu ist, Aufträge kurzfristig anzunehmen, wenn eine Chance besteht dem Wettbewerb zuvorzukommen. Zudem verdienen wir und die Lieferanten gutes Geld. Lieferanten welche uns flexibel beliefern können, wachsen mit uns mit, andere scheiden dann halt aus.
Sollten unser Werk das irgendwann einmal nicht mehr schaffen, wird ein Werk in Asien gebaut. Dann sind wir und unsere Lieferanten ohne Arbeit. Deshalb bin ich dafür die Lieferanten zufordern und zu helfen und den Lieferanten auch. Wenn ich jedesmal den Kundentermin verchieben würde, wenn es einem Liefaranten grad nicht so passt, verkaufen wir doch nie mehr was. Dann macht es der Wettbewerb mit seinen Lieferanten.
Grundsaetzlich gilt. Zwischen zwei Partnern kann man alles vereinbaren.
Wenn der Markt derartigen Schwankungen ausgesetzt ist, dann muss man dies
mit dem richtigen Partner abklaeren und/oder verhandeln.
Dies generell im Vorhinein abzulehnen waere Fatal fuer das Geschaeft. Die
Flexibilität eines Lieferanten haengt sicherlich auch mit davon ab, wieviel
Abnahmegarantien man gibt. Ueberlicherweise sollte man dieses Risiko
fairerweise aber teilen. Wenn ein Lieferant 2 Sonderaktionen pro Monat fahren
muss, kann er das nur ueber Lagerbestandsvergroesserung und
Abnahmegarantien tun. Wenn dies vertraglich geregelt wird und er das zusichert -
sollte es kein Problem darstellen.
Generell muss man damit anfangen, dem Lieferanten eine +/- 20% Abrufmengen
flexibilitaet abzufordern. Ist in Automotive ueblich und sollte keine zusaetzlichen
Kosten verursachen. Wenn der Lieferant dies ablehnt, hat man den falschen
Partner. Im Maschinenbau findet man derzetit nur wenige Partner, die bereit sind
20% Lagerflexibilitaet zu bestaetigen. Es kommt natuerlich auch darauf an, in
welchem Segment seine anderen Kunden sind…
Eine Flexibilitaetsgarantie ueber 20% ist ohne vertragliche Abnahmegarantien aus
meiner Sicht nicht realisierbar und hoechst risikobehaftet. Kann ein Lieferant dies
dennoch zusichern, ist das ein Indikator dafuer, dass man zu viel fuer die Ware
bezahlt…
Hallo,
ich bin Junior-Einkäufer in einem weltweit aggierenden Unternehmen, dass im Maschinenbau tätig ist. Als Einkäufer muss man zwingen in der Lage sein seinen Lieferanten erziehen zu können. Gerade in der jetzigen Zeit ist dies aber auch ohne Bedenken möglich.
Gruß